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Homo ludens

Der homo ludens (lat. der spielende Mensch) entwickelt über das Spiel seine Fähigkeiten. Er entdeckt seine Eigenschaften und entwickelt sich dadurch selbst. Das Spielen ist der Handlungsfreiheit gleichgesetzt und setzt eigenes Denken voraus. Der homo ludens entwickelt sich also nach seinen gemachten Erfahrungen zu dem, was er ist.

Inhaltsverzeichnis

Einige Vertreter des Konzepts

Friedrich Schiller war es, der als Erster in seinen Briefen Über die ästhetische Erziehung des Menschen die Wichtigkeit des Spielens hervorhob und sich gegen die Spezialisierung und Mechanisierung der Lebensvollziehung aussprach. Nach Schiller ist das Spiel eine menschliche Leistung, die allein in der Lage ist, die Ganzheitlichkeit der menschlichen Fähigkeiten hervorzubringen. Schiller war es auch, der die berühmt gewordene Sentenz prägte: „… und er [der Mensch] ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“

1938 brachte Johan Huizinga durch seine gleichnamige Studie den homo ludens in die wissenschaftliche Diskussion.

Eine Schiller ähnliche Kritik an der Reduzierung der Lebensweise übte Herbert Marcuse in seinem 1967 erschienenen Werk Der eindimensionale Mensch. Er kritisierte die mit der Vorherrschaft der „instrumentellen Vernunft“ in den Industriegesellschaften einhergehende Beschränkung der Lebensweise und Kultur, die keinen Platz mehr für Ganzheit, Persönlichkeitsentfaltung und autonome Selbstwerdung lässt. Ähnlich wie Friedrich Schiller hält Herbert Marcuse eine Rückbesinnung auf das Ästhetische und Spielerische für erstrebenswert, um entgegen den allgegenwärtigen Zwängen einen Freiraum für eine menschliche Betätigung nach selbst gewählten Regeln und um ihrer selbst willen zu schaffen.
Auch Künstler wie Asger Jorn (1914–1973) und die Situationisten vertraten solche Ansätze.

Begriffsherkunft

Das Konzept des spielenden Menschen ist unter dem Titel "Homo ludens" schließlich durch Johan Huizinga bekannt geworden. Er versucht in seinem gleichnamigen Buch zu zeigen, dass sich unsere kulturellen Systeme wie Politik, Wissenschaft, Religion, Recht usw. ursprünglich aus spielerischen Verhaltensweisen entwickelt (Selbstorganisation) und über Ritualisierungen im Laufe der Zeit institutionell verfestigt haben. Aus Spiel wird "heiliger Ernst" und wenn sich die Regeln erst richtig "eingespielt" haben, sind sie nicht mehr ohne weiteres zu ändern und beginnen ihrerseits Zwangscharakter anzunehmen.

Potential des Spiels

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Spiel eine grundlegende menschliche Aktivität ist, die Kreativität, und im Wettkampf Energie und Kraft freisetzt. Damit enthält das Spiel das Potential, verfestigte Strukturen zu durchbrechen und Innovation hervorzubringen. Deshalb sind spielerische Elemente auch in vielen Kreativitätstechniken und modernen Managementschulungen enthalten, die darauf zielen, neue, kreative und innovative Ergebnisse zu erzeugen. Das Spiel scheint eine menschliche Aktivität zu sein, die in der Lage ist, die Elemente einer Situation so zu verändern, dass Neues und Unbekanntes entsteht und Lösungen für scheinbar nicht mehr lösbare Probleme gefunden werden können.

Siehe auch

Literatur