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Barmstedt

Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 53° 47′ N, 9° 46′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Pinneberg
Höhe: 11 m ü. NN
Fläche: 17,17 km²
Einwohner: 9691 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 564 Einwohner je km²
Postleitzahl: 25355
Vorwahl: 04123
Kfz-Kennzeichen: PI
Gemeindeschlüssel: 01 0 56 002
Adresse der Stadtverwaltung: Am Markt 1
25355 Barmstedt
Webpräsenz:
www.barmstedt.de
Bürgermeister: Nils Hammermann (parteilos)

Barmstedt ist eine Stadt im Süden von Schleswig-Holstein (Deutschland), etwa 40 km nördlich von Hamburg. Barmstedt hat etwa 9.500 Einwohner und ist damit die kleinste Stadt im Kreis Pinneberg.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Durch Barmstedt fließt der Fluss Krückau, der in die Elbe mündet. Barmstedt liegt direkt am Rantzauer See.

Geschichte

Zahlreiche Funde aus Stein-, Bronze- und Eisenzeit bezeugen eine starke Besiedlung des Ortes und der Umgebung schon in grauer Vorzeit. Die Stadt liegt an einer Abzweigung des historischen Ochsenweges. Schon um 936 soll es eine Kirche am Ort gegeben haben, allerdings wurde Barmstedt erst 1140 erstmals urkundlich erwähnt. Der Siedlungskern befand sich rund um die Kirche, die noch heute den Mittelpunkt der kleinen Altstadt bildet.

Chemnitzstraße mit Blick zur Kirche

Im 12. und 13. Jahrhundert bestimmten die Ritter von Barmstede die Geschicke der Umgebung. Nach dem Erlöschen des Rittergeschlechts wurde das Kirchspiel Barmstedt mit der Grafschaft Pinneberg vereinigt und von den Schauenburger Grafen regiert. Nach dem Aussterben der Schauenburger erwarb im Christian zu Rantzau Jahre 1649 das vormalige Amt Barmstede. 1650 wurde er vom Kaiser in den Reichsgrafenstand erhoben und sein neu erworbenes Amt Barmstede zur freien Reichsgrafschaft. Barmstedt wurde ab dieser Zeit als gelgentliche Residenz genutzt. Im Wald nahe der Schlossinsel wurde Christian Detlef Graf Rantzau 1721, angeblich von seinem Bruder Wilhelm Adolf, ermordet. Ein Gedenkstein am vermeintlichen Tatort erinnert daran. Wilhelm Adolf wurde zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt und die Grafschaft vom dänischen Königshaus beschlagnahmt. Bis zur Eingliederung Schleswig-Holsteins in den preußischen Staat 1867 verwalteten aus Dänemark eingesetzte Administratoren den Ort. Ihren Sitz hatten sie weiterhin auf der Schlossinsel.

Barmstedt erhielt im Jahr 1736 Fleckenprivilegien. Am 1. April 1895 schlossen sich der Flecken Barmstedt und das Dorf Großendorf zur Stadt Barmstedt zusammen, so dass die Stadt 1990 ihr 850-jähriges Bestehen feiern konnte. Ab 1936 wurde durch den Reichsarbeitsdienst der See ausgehoben. Die Zeit des Nationalsozialismus, während der der Marktplatz in Adolf-Hitler-Platz umbenannt wurde, überstand Barmstedt ohne größere Zerstörungen. Lediglich zwei Häuser am Markt wurden durch einen Bombenabwurf zerstört, wobei es allerdings mehrere Tote zu beklagen gab. In der Nachkriegszeit erhöhte sich die Einwohnerzahl durch den Zuzug von Flüchtlingen aus den Ostgebieten.

Ab den 1980er Jahren wurden verschiedene Maßnahmen zur Verkehrsregelung beschlossen und in Angriff genommen, die in der Stadt zu großen Kontroversen führten und auch immer noch führen. Der verkehrsberuhigte Bereich in den Innenstadt entstand ab 1991.

Politik

Seit dem 1. Januar 2008 bildet die Stadt eine Verwaltungsgemeinschaft mit dem Amt Hörnerkirchen und ist Sitz des Amtes.

Stadtvertretung

Seit der Kommunalwahl 2008 haben die Wählergemeinschaft FWB neun, die CDU und die Wählergemeinschaft BALL je fünf, die SPD vier Sitze und die FDP und die Wählergemeinschaft BfB je einen Sitz in der Stadtvertretung.

Wappen

Blasonierung: „Gespalten von Silber und Rot mit einem nesselblattförmigen, gespickelten Bord in verwechselten Farben. Vorn eine schwarze Windmühle, hinten ein stehender, silbern gerüsteter Ritter, der in der Rechten eine silberne Lanze hält und die Linke auf das Schwert legt.“[1]

Das Stadtwappen wurde 1913 von Kaiser Wilhelm II. genehmigt. Der Ritter im Wappen symbolisiert die Ritter von Barmstede, die von 1140 bis 1300 in Barmstedt ihren Sitz hatten. Die Mühle steht für Barmstedt als Mühlenstandort und die das Wappen krönende Burg steht für das Schloss Rantzau und ist Zeichen für das Stadtrecht.

Das Nesselblatt und die Farben rot und silber entstammt dem Wappen von Schleswig-Holstein.

Obwohl das Landesarchiv das oben gezeigte Wappen als das offizielle angibt, benutzt die Stadt Barmstedt nach wie vor das ursprüngliche Wappen der Stadt, das zusätzlich eine dreitürmige Burg auf dem Wappen führt.

Die im Landesarchiv gespeicherte Form ist sicherlich der Beginn einer Vereinfachung, die in der dort abgebildeten Stadtflagge weitergeführt wurde. Diese Flagge findet sich vereinzelt im Stadtbild, das „neue“ Wappen jedoch nicht. Insbesondere führt die Stadtverwaltung offiziell das „alte“ Wappen[2], sowohl auf der Web-Seite als auch auf dem offiziellen Briefkopf.

Städtepartnerschaften

Städtepartnerschaften bestehen mit dem dänischen Middelfart, mit Oakham in Großbritannien und mit Roissy-en-Brie in Frankreich.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die Schlossinsel mit dem Schlossgefängnis

Bauwerke

Überregional bekannt ist die Barmstedter Schlossinsel im Rantzauer See. Hier befindet sich ein Gebäude-Ensemble mit vier Bauwerken, welches auf eine mittelalterliche Befestigungsanlage an der Krückau zurückzuführen ist. Im 12. und 13. Jahrhundert war die Insel Sitz der Ritter von Barmstede. Ab 1640 war die Burg im Eigentum der Herzöge von Gottorf, 1649 bis 1726 der Reichsgrafen von Rantzau. Bis 1864 residierte hier ein königlich-dänischer Administrator, zwei Jahre später der Amtsrichter. Das heutige Schloss Rantzau ist ein bescheidenes klassizistisches Herrenhaus aus dem Jahr 1806, das sich heute in Privatbesitz befindet und nicht besichtigt werden kann. Das Gerichtsschreiberhaus, ebenfalls ein klassizistischer Bau, der 1826 errichtet wurde, wird heute für wechselnde Ausstellungen und als Büro genutzt. Im ehemaligen Amtsgericht, das 1863 erbaut wurde, ist heute das Museum der Grafschaft Rantzau untergebracht. Das 1836 erbaute Schlossgefängnis (eigentlich das Gerichtsdienerhaus), in dem zwei der historischen Gefängniszellen erhalten sind, wird heute für Ausstellungen genutzt und beherbergt außerdem ein Café.

Ebenfalls am Rantzauer See befindet sich eine funktionstüchtige Wassermühle aus dem 19. Jahrhundert.

Der Bau der Heiligen-Geist-Kirche in der Innenstadt entstand unter Veranlassung der Rantzauer, es ist der vermutlich dritte Kirchenbau an dieser Stelle. Die Kirche ist ein barocker Saalbau von 1717 mit großem Deckengemälde, Hochaltar, Taufbecken, Kanzel und dem sogenanntem Grafenstuhl, einer verglasten und ehemals heizbaren Loge für die fürstlichen Herren. Die Orgel stammt von Johann Hinrich Klapmeyer. Der Grundriss des Vorgängerbaus, der so genannten Margarethenkirche, wird noch heute durch die Pfeiler der Emporen markiert. Der ehemalige Wehrturm ist in seinem Kern noch romanisch mit mächtigem gotischen Helm. Außerhalb der Gottesdienste ist die Kirche an Wochenenden einige Stunden für Besucher zugänglich, außerdem finden hier gelegentlich Konzerte statt.

Sehenswert ist auch das Humburg-Haus, ein Fachwerkbau von 1783 mit einem kleinen Bauerngarten, das für verschiedene kulturelle Veranstaltungen genutzt wird, sowie der Altstadtkern um die Kirche.

In der Reichenstraße 16 steht das ehemalige Predigerwitwenhaus. In dem heute ältesten Gebäude der Reichenstraße von Anno 1777, wuchs nach dem Tod des Vaters einst der Dichter des Schleswig-Holstein- Liedes: Schleswig-Holstein meerumschlungen, Matthäus Friedrich Chemnitz auf. Heute befindet sich das derzeitige Schiedsamt in dem ehemaligen Predigerwitwenhaus.

Museen

Auf der Schlossinsel befindet sich das Museum der Grafschaft Rantzau.

Sehenswürdigkeiten

Neben der Innenstadt und der Schlossinsel sind der 1892 eingeweihte Friedhof am Meßhorn, ebenso wie der Rhododendron- und Seepark am Rantzauer See sehenswert.

Kino/Theater

Seit über 20 Jahren beherbergt Barmstedt das Saturn-Kino. Es ist eines der letzten Verzehr-Kinos Deutschlands, an denen am Tisch bedient wird. Bis 2004 wurde es von der Familie Grütz betrieben, seit April 2004 ist es allerdings von den K&B Kinobetrieben übernommen worden. Seit Mai 2007 ist das "Saturn Kino" nun ein "rauchfreies Kino".

Sonstiges

Barmstedt ist auch als Schusterstadt bekannt, 1839 waren 133 Schuhmacher in Barmstedt tätig. Heute gibt es allerdings nur noch einen Schuhmachermeister in der Stadt. Das Schuhmode-Unternehmen Gabor shoes wurde in Barmstedt gegründet.

Barmstedt bildete in den 1970ern mehrmals die Kulisse für Folgen der Tatort-Serie, auch Detlev Bucks Karniggels von 1991 und der Film Novemberkatzen von 1986 spielen zum Teil hier. Im Juli 2006 wurde in Barmstedt der Film „Stunden weit entfernt“ von Regisseur Hannes Burchert gedreht.

Im Roman „Zeitströme“ von Elvira Schütze wird das Leben im Barmstedter Predigerwitwenhaus des 17. Jahrhunderts beschrieben.

Religionen

Neben der Heiligen-Geist-Kirche und der evangelisch-lutherischen Gemeinde, gibt es sowohl eine katholische als auch eine neuapostolische Gemeinde samt dazugehöriger Kirchen.

Wirtschaft

Die Stadt übernimmt die Aufgaben eines Unterzentrums. Örtliche Handwerksbetriebe sowie Einzelhandel bieten die überwiegende Zahl an Arbeitsplätzen. Da Barmstedt am Rande des so genannten Hamburger Speckgürtels liegt, gibt es eine große Anzahl von Berufspendlern.

Verkehr

Barmstedt liegt im Gebiet des Hamburger Verkehrsverbundes und ist durch die Linie A3 der AKN (Eisenbahn Altona-Kaltenkirchen-Neumünster) mit Elmshorn und Henstedt-Ulzburg verbunden. Auf dieser Linie verkehrte früher die Elmshorn-Barmstedt-Oldesloer Eisenbahn.

Barmstedt kann über die Autobahnen A 23 (Abfahrten Tornesch und Horst) und A 7 (Abfahrten Quickborn und Kaltenkirchen) erreicht werden.

Öffentliche Einrichtungen

Wichtige öffentliche Einrichtungen sind das Wellenbad am Rantzauer See und das Alters- und Pflegeheim.

Bildungseinrichtungen

Freizeit- und Sportanlagen

Barmstedt ist bekannt für sein reichhaltiges Freizeit- und Sportangebot: angefangen bei dem Barmstedter Wellenbad "Badewonne" und dem Rantzauer See für Schwimmbegeisterte, bis hin zum Barmstedter Männerturnverein von 1864 (in welchem selbstverständlich auch Frauen Mitglieder sein dürfen). Als reiner Fußballverein ist der SSV Rantzau in Barmstedt angesiedelt. Des Weiteren verfügt die Stadt über 3 Sporthallen sowie 2 Sportplätze, sowie in den umliegenden Wäldern über schöne Rad- und Wanderwege.

Regelmäßige Veranstaltungen

Das jährliche Kinderfest im Sommer, der Stoppelmarkt Ende August sowie der Weihnachtsmarkt am ersten Adventswochenende sind überregional bekannt.

Alle zwei Jahre findet das iPAC, ein internationales Square-Dance-Festival, in Barmstedt statt.

Persönlichkeiten

in Barmstedt geboren

mit Barmstedt verbunden

Ehrenbürger

Quellen

  1. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  2. Stadt Barmstedt, Homepage