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Herzmuskel

Der Herzmuskel oder Myokard (lat. Myocardium) bildet den größten Teil der Wand des Herzens. Die Herzmuskulatur wird außen vom Epikard und innen von der Herzinnenhaut (Endokard) umgeben.

Obwohl die Struktur der Herzmuskulatur große Ähnlichkeit zur Skelettmuskulatur aufweist, hat sie auch Eigenschaften, die von der glatten Muskulatur bekannt sind, z. B. hat sie mittelständige Zellkerne. Herzmuskelzellen enthalten im Regelfall einen Kern pro Zelle, in seltenen Fällen zwei, d. h. sie stellen nur unter funktionellen Gesichtspunkten ein Synzytium dar. Mit der Skelettmuskulatur gemeinsam hat die Herzmuskulatur ihren regelmäßigen Aufbau aus speziellen quergestreiften Muskelfasern und das System des schnellen Calcium-Einstroms durch Diaden (bei Skelettmuskulatur Triaden) von endständigen ER-Zisternen und T-Tubuli der Zellmembran. Dieser Aufbau ist für die Synchronisation der schnellen und kraftvollen Kontraktion unabdingbar und unterscheidet die Herz- und Skelettmuskulatur wesentlich von der glatten Muskulatur.

Besonderheiten sind die Verzweigung und die Verbindung der Muskelfasern über Glanzstreifen (Disci intercalati). Diese Glanzstreifen enthalten zur Impulsübertragung Gap Junctions und zur Stabilisierung des Zellverbands und Kraftübertragung Desmosomen (Macula adhaerens) und Adhärenzkontakte (Fascia adhaerens) zusammen. Die Intermediärfilamente des an diese Zell-Zell-Verbindungen geknüpften Cytoskeletts bestehen hierbei aus Desmin. Histologisch zeigt sich zudem ein gering ausgebildetes sarkoplasmatisches Retikulum sowie kleinere Zisternen als in Skelettmuskelzellen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von „Diade“.

Spezialisierte Herzmuskelzellen, die spontan selbst Aktionspotenziale auslösen können, übernehmen die Grundsteuerung der Herzaktion. Sie werden als Erregungsbildungssystem bezeichnet. Auch die Weiterleitung des Impulses auf die eigentliche Arbeitsmuskulatur erfolgt mittels Gap Junctions über spezialisierte Herzmuskelfasern und nicht über Nervenfasern. Die Anpassung der Herzmuskeltätigkeit an kurzfristige Blutdruckschwankungen erfolgt über den Frank-Starling-Mechanismus in der Herzmuskulatur selbst, die Anpassung an wechselnde körperliche Aktivitäten wird über das Kreislaufzentrum im Stammhirn und das vegetative Nervensystem gesteuert und unterliegt somit ebenfalls nicht dem Willen des Individuums.

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