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Hennigsdorf

Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 52° 38′ N, 13° 12′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Oberhavel
Höhe: 33 m ü. NN
Fläche: 31,29 km²
Einwohner: 26.007 (31. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte: 831 Einwohner je km²
Postleitzahl: 16761 (alt: 1422)
Vorwahl: 03302
Kfz-Kennzeichen: OHV
Gemeindeschlüssel: 12 0 65 136
Stadtgliederung: 3 Ortsteile
Adresse der Stadtverwaltung: Rathausplatz 1
16761 Hennigsdorf
Webpräsenz:
www.hennigsdorf.de
Bürgermeister: Andreas Schulz (SPD)
Lage der Stadt Hennigsdorf im Landkreis Oberhavel

Hennigsdorf ['hɛnɪʝsdɔrf] ist eine Stadt nordwestlich von Berlin.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Hennigsdorf liegt an der nordwestlichen Stadtgrenze von Berlin, die hier zum großen Teil durch die Havel gebildet wird. Die Stadt hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von etwa 9 km und eine Ost-West-Ausdehnung von etwa 6 km. Die gesamte Stadt wird nach Westen durch einen zwei bis drei Kilometer breiten Waldstreifen begrenzt.

Nachbargemeinden

Hennigsdorf grenzt von Norden ausgehend im Uhrzeigersinn an Velten, Hohen Neuendorf, Berlin, Schönwalde-Glien (Landkreis Havelland) und Oberkrämer.

Stadtgliederung

Neben dem eigentlichen Ort Hennigsdorf gehört seit 1923 der etwa 3.100 Einwohner zählende Ortsteil Nieder Neuendorf zum Stadtgebiet. Am 1. Mai 1998 wurde der Ortsteil Stolpe-Süd eingemeindet.

Einwohnerentwicklung

(jeweils zum 31. Dezember)

Jahr Einwohnerzahl
1998 25.472
1999 26.197
2000 26.306
2001 26.390
2002 26.435
2003 26.282
2004 26.142
2005 26.674
2006 26.226

Geschichte

Hennigsdorf wurde 1375 erstmalig als „Heynekendorp“ urkundlich erwähnt und blieb lange Zeit ein Fischer- und Kossätendorf. Erst durch die Ansiedlung Berliner Industriebetriebe zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewann Hennigsdorf größere Bedeutung. Das heutige Stadtwappen erhielt Hennigsdorf im Jahre 1938.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten Zwangsarbeiter in den Mitteldeutschen Stahl- und Walzwerken der Friedrich Flick KG und in der Firma AEG in der Rüstungsproduktion arbeiten. Ab 1941 (nach anderen Angaben 1942) wurde ein Außenlager des KZ Sachsenhausen für 50 (nach anderen Angaben 150) Häftlingen installiert sowie ein Außenlager des KZ Ravensbrück für 850 weibliche Häftlinge. An die Toten dieser Lager erinnert seit 1948 ein Denkmal für die Opfer des Faschismus auf dem Postplatz.

Bekannt wurde Hennigsdorf – abgesehen davon, dass Marinus van der Lubbe die Nacht vor dem Reichstagsbrand wegen Landstreicherei im Hennigsdorfer Obdachlosenasyl verbrachte – auch durch den Marsch von 5000 Arbeitern der Industriebetriebe am 17. Juni 1953 zu den Demonstrationen gegen die Normerhöhungen der DDR-Regierung nach Berlin.

Durch den Bau der Berliner Mauer wurde der Ort vom Berliner S-Bahn-Netz und den Verbindungen nach Berlin-Heiligensee und Spandau abgeschnitten.

Wegen der stark gewachsenen Bevölkerungszahl – Hennigsdorf war vorübergehend die einwohnerstärkste Gemeinde in der DDR ohne Stadtrecht – wurde Hennigsdorf 1962 die Bezeichnung Stadt verliehen. Durch Erlass des brandenburgischen Innenministers erhielt Hennigsdorf mit Wirkung ab 1. Januar 2006 den Status einer Mittleren kreisangehörigen Stadt.

Politik

Stadtverordnetenversammlung

Die Hennigsdorfer SVV besteht aus 32 Abgeordneten und dem Bürgermeister als fraktionslosem Mitglied.

(Stand: Kommunalwahl am 26. Oktober 2003)

Städtepartnerschaften

Hennigsdorf hat drei europäische Partnergemeinden: Kralupy nad Vltavou (Tschechien), Choisy-le-Roi (Frankreich) und Alsdorf (NRW).

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Martin-Luther-Kirche nach Entwurf von Stüler, Dorfkirche Nieder Neuendorf mit Glasmalereien von Charles Crodel, historisches Rathaus mit Stadtmuseum von 1914 (Neogotik), Waldfriedhof nach Entwurf von Ludwig Lesser, Rathenauviertel (von Peter Behrens entworfene Werkssiedlung der AEG) und Heimstättensiedlung (innerstädtische Siedlung in Form eines Angerdorfes) aus den 1920er Jahren.

Im Ortsteil Nieder Neuendorf steht einer der drei noch erhaltenen Grenzbeobachtungstürme der Berliner Mauer, welcher ein kleines Museum beinhaltet, das man in den Sommermonaten besichtigen kann.

1993 wurde eine Denkmalsanlage zu Ehren der 5000 Arbeiter, die am 17. Juni 1953 demonstrierend über Berlin-Spandau nach Ostberlin zogen, auf dem ehemaligen Dorfanger eingeweiht. Gestalter des Denkmals ist die Bildhauerin Heidi Wagner-Kerkhof.

Auf dem Waldfriedhof in der Parkstraße ruhen 62 Zwangsarbeiter aus verschiedenen Ländern, an die seit 1969 ein Gedenkstein erinnert. 1994 ließ Italien für seine Militärinternierten ein weiteres Denkmal errichten. Auf einem Gedenkstein links neben der Kapelle wird an fünf kommunistische Widerstandskämpfer erinnert. Im Jahre 1976 wurde für sie eine große Gedenkwand errichtet. Im Rathenaupark an der Neuendorfer Straße entstand ebenfalls 1976 ein Denkmal für alle Opfer des Faschismus.

Wirtschaft und Infrastruktur

Eisenbahn

Hennigsdorf ist ein Bahnknoten im Nordwesten Berlins. Nördlich des Stadtzentrums kreuzen sich der Berliner Außenring und die von Berlin über Hennigsdorf verlaufende Kremmener Bahn.

Hennigsdorf ist als Endpunkt der Linie S25 der Berliner S-Bahn mit dem Berliner Stadtzentrum verbunden und Ausgangspunkt einer sich an diese S-Bahn-Linie anschließenden Regionalbahnlinie, die nach Kremmen verkehrt. Darüber hinaus gibt es Zugverbindungen nach Rheinsberg, Wittstock und Wittenberge.

Außerdem ist der Hennigsdorfer Bahnhof an den Verkehr des Berliner Außenrings angeschlossen, so dass auch Zugverbindungen nach Berlin-Spandau (bis zum Fahrplanwechsel 2006 sogar weiter nach Berlin-Charlottenburg), Potsdam und Oranienburg bestehen. Der Anschluss wird dergestalt realisiert, dass die Züge am Hennigsdorfer Kreuz den Außenring verlassen und auf der Kremmener Bahn in den Hennigsdorfer Bahnhof einfahren, dort kopfmachen und nach der Ausfahrt aus dem Bahnhof wieder auf den Ring gelangen.

Von 1958 bis 1995 gab es an der Kreuzung von Kremmener Bahn und Außenring den Umsteigebahnhof Hennigsdorf Nord, sodass der oben beschriebene Zugbetrieb nur bei wenigen Zügen erfolgte.

Ab dem 4. Juni 1954 wurde der Bahnhof Hennigsdorf Süd errichtet; er diente zu Beginn nur der reinen Grenzkontrolle, da seit 1952 West-Berlinern die Einreise in die DDR untersagt war. Ab dem 3. November 1958 durfte an diesem Bahnhof auch ein- und ausgestiegen werden. Dies blieb auch nach dem 4. Oktober 1959 so, als der Bahnhof in Stolpe Süd umbenannt wurde. Am 13. August 1961 wurde der Bahnhof im Zuge des Mauerbaus geschlossen und abgebrochen. Eine Wiederinbetriebnahme ist nicht mehr vorgesehen.

Bis zum Mauerbau 1961 gab es auf der Kremmener Bahn einen durchgehenden S-Bahnbetrieb von Berlin über Hennigsdorf bis nach Velten, der anschließend bis 1983 als Gleichstrom-Inselbetrieb zwischen Hennigsdorf und Velten als Zuggruppe V weitergeführt wurde. Zudem verlief durch den Hennigsdorfer Ortsteil Nieder Neuendorf die Strecke der Osthavelländischen Eisenbahn, einer Privatbahn mit Anschluss nach Berlin-Spandau (Straßenbahnlinie 120) bzw. Nauen, Velten und Ketzin. Der Zugverkehr wurde 1952 eingestellt und die Gleise wurden abgebaut.

Straßenverkehr

Die Stadt liegt westlich der Autobahn A 111. Die nächstgelegenen Anschlussstellen sind Hennigsdorf-Ost/Stolpe und Hennigsdorf/Velten.

Der Radfernweg Berlin - Kopenhagen und der Pilgerweg Berlin-Wilsnack durchqueren die Stadt.

Medien

In Hennigsdorf erscheint als Tageszeitung der Hennigsdorfer Generalanzeiger. Über das Kabelnetz informiert der lokale Fernsehsender OHV-TV aus der Region.

Ansässige Unternehmen

Industriebetriebe in Hennigsdorf

Der zu DDR-Zeiten mit über 8.500 Beschäftigten wichtigste Industriebetrieb der Stadt war das Stahl- und Walzwerk Hennigsdorf, das 1917 als Teil des AEG- Werkes gegründet wurde. Ab 1931 gehörte der Betrieb zum Flick-Konzern. Heute ist davon nur noch ein mittelständisches Unternehmen übrig, das seit 1992 die Bezeichnung Hennigsdorfer Elektrostahlwerke GmbH trägt und zum Riva-Konzern gehört.

Seit 1913 werden in Hennigsdorf auch Lokomotiven gebaut. Die Produktionsstätten gehörten vor dem Zweiten Weltkrieg zur AEG, zu DDR-Zeiten dem VEB Lokomotivbau Elektrotechnische Werke „Hans Beimler“ (LEW). Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde sie 1991 zunächst wieder von der AEG übernommen und kam 1996 zusammen mit dem gesamten Transportsektor der AEG zu Adtranz. Seit 1. Mai 2001 betreibt Bombardier Transportation das Werk in Hennigsdorf.

Von 1913 bis heute wurden in Hennigsdorf etwa 21.700 Lokomotiven und Triebwagen gebaut, die weltweit zum Einsatz kamen bzw. noch kommen, zum Beispiel in der Volksrepublik China, Japan, Südafrika, Griechenland, Brasilien, den USA und der ehemaligen Sowjetunion.

Biotechnologie-Zentrum

Mit der Gründung des Biotechnologie-Zentrums im Jahre 2000 wurde in Hennigsdorf einer der Biotechnologie-Cluster in Berlin/Brandenburg etabliert. Zahlreiche neu gegründete Biotechunternehmen siedelten sich an diesem Standort an, unter anderem die B.R.A.H.M.S Aktiengesellschaft als inzwischen größtes Biotechunternehmen der Region.

Persönlichkeiten

Manfred Krug verbrachte einen Großteil seiner Jugend bei seiner Mutter in Hennigsdorf. [1]

Söhne und Töchter der Stadt

Sonstiges

In den letzten Jahren war Hennigsdorf Drehort für Videos von Rosenstolz („Sternraketen“), Fettes Brot („An Tagen wie diesen“) und den Ärzten („Junge“)[2]. Zudem wurden in Hennigsdorf Aufnahmen zu einer Tatort-Folge und im alten Stahlwerkklubhaus Folgen der Fernsehserie Praxis Bülowbogen gedreht. [3]

Quellen

  1. http://www.rbb-online.de/_/zibb/beitrag_jsp/key=5440648.html
  2. BILD-Artikel
  3. http://www.berlinonline.de/berliner-kurier/archiv/.bin/dump.fcgi/1999/1204/tv/0010/index.html
 Commons: Hennigsdorf – Bilder, Videos und Audiodateien