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TV-SAT

TV-SAT 1 und TV-SAT 2 (Orbital Position 19° West) waren zwei Satelliten, die für den Direkt-Fernsehempfang in Deutschland entwickelt wurden. Die Satelliten basierten (wie die TDF-Satelliten und der Schwedische Tele-X) auf dem Satellitenbus „Spacebus 300“ von Aerospatiale, und wurden von dieser in Zusammenarbeit mit MBB gebaut. Ihre riesigen Solarzellen erzeugten 3 Kilowatt elektrische Leistung (einen für die damalige Zeit sehr hohen Wert), und die Sendeleistung betrug 230 Watt pro Transponder (zum Vergleich: der im Jahr 1988 gestartete Satellit Astra 1A, der von GE Astro Electronics heute Lockheed Martin gebaut wurde, hatte eine Transponderleistung von „nur“ 45 Watt)[1]. Wie die anderen „Spacebus 300“-Satelliten wurden die TV-SAT-Satelliten für eine Lebensdauer von 8 bis 10 Jahren ausgelegt.


Inhaltsverzeichnis

Die Anfänge

In den Bestrebungen eine von Herman Potočnik entdeckte, und bereits im Jahre 1928 publizierte Geostationäre Position für den Direkt-Fernsehempfang in Europa zu nutzen, wurden in der Funkverwaltungskonferenz WARC 77 im Jahre 1977 jedem Europäischen Land 5 Kanäle für TV oder Radio auf einer Satellitenposition zugewiesen. Die Position musste sich jedes Land mit bis zu acht anderen Ländern (und damit Satelliten) teilen. Je geostationärer Position waren so 40 Transponder (bei einem Transponderabstand durch Frequenzüberlappung von 19.18 MHz) zu 27 MHz angedacht. Diese Satelliten sollten in Europa entwickelt und in Serie gebaut werden. Der Spacebus 300 Satellitenbus von Aerospatiale, in Zusammenarbeit mit MBB sollten den Beginn einer glanzvollen europäischen Satellitenzukunft einleiten.

Die Bundesrepublik Deutschland und Frankreich beschlossen am 2. Oktober 1979 in Bonn ein Rahmenabkommen über den Bau von zwei Fernsehdirektsatelliten, die im BSS Band nach WARC 77 senden und im Jahr 1983 gestartet werden sollten. Durch politische motivierte Streitigkeiten, unter anderem um eine politische Forderung über eine Begrenzung einer TV-Sat Ausleuchtzone auf das jeweilige Landesgebiet, wurde das Projekt immer wieder verzögert. Die technischen Parameter, vor allem einer zum Satellitendirektempfang notwendigen Sendeleistung und Programmanzahl, entsprachen schließlich zum TV-Sat Startzeitpunkt im Herbst 1987 dem technologischen Stand von 1978.


Start

TV-SAT 1 startete am 21. November 1987 auf einer Ariane-2-Rakete. Eines der Solarpanele konnte nicht ausgefahren werden, aus diesem Grund wiederum konnte die Empfangsantenne nicht ausgefahren werden. Möglicherweise war vergessen worden, die Transportklammern zu entfernen. Insiderinformationen zufolge wurde jedoch eines der beiden Solarpanels falsch montiert, sodass es nicht nach außen aufklappte, sondern nach innen (zum Satellitenkorpus hin). Die Solarpanels werden erst kurz vor dem Start in Kourou an den Satellitenkorpus montiert, Simulationen haben ergeben, dass tatsächlich die Solarpanels falsch montiert werden können, wenn die Dokumentation missachtet wird.

Der Satellit war deshalb unbrauchbar, wurde Ende 1989 abgeschaltet und auf die Friedhofumlaufbahn gebracht. Technologische Experimente am damit sonst unbrauchbaren TV-Sat 1 zeigten indes, dass dessen 10 N Lageregelungsdüsen ein „Hot-Start“ Problem hatten, Helium in den Treibstoffleitungen konnte die Düsen beim Zünden zerstören. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse waren für das Galileo Raumsonden Projekt wertvoll.[3]

TV-SAT 2 gelangte am 8. August 1989, zusammen mit dem Astronomiesatelliten Hipparcos mit einer Ariane 44LP-Rakete in den Geotransferorbit und wurde danach in der geostationären Umlaufbahn bei 19° West positioniert und arbeitete technisch einwandfrei.

Einsatz von TV-SAT 2

TV-SAT 2 hatte eine Startmasse von 2145 kg. Er übertrug vier Fernsehkanäle (Eins Plus, 3sat, RTL plus, Sat. 1) und auf einem Transponder das DSR Radiopaket. Dabei verwendete er den für Rundfunksatelliten vorgesehenen und als Broadcasting Satellite Services bezeichnete Bereich des Ku-Bandes, mit einer damals im Satellitenempfang neuartigen zirkularen Polarisation (rechtszirkular und linkszirkular). Für die Fernsehprogramme wurde die für Satellitenausstrahlungen entwickelte Norm D2-MAC verwendet. Die hohe Sendeleistung von 230 Watt erlaubten den Empfang der Fernsehprogramme mit Satellitenschüsseln von nur 45 cm Durchmesser (sogar hinter Fensterscheiben). TV-SAT galt zu seiner Zeit als hochmodern. Jedoch geriet er zweimal im Jahr nachts in den Erdschatten und fiel aus. Wirtschaftlich war er für den Betreiber Deutsche Bundespost Telekom ein Misserfolg. Die geringe Anzahl von Programmen, die nur in der Sondernorm D2-MAC (bereits mit digitalem Ton) zu empfangen waren, konnte nur wenig Zuschauer begeistern. Das Gleiche galt für französischen Schwestersatelliten TDF 1 und 2. Die Aufgabe von TV-SAT 2 übernahmen deshalb weitestgehend die DFS-Kopernikus-Satelliten die wesentlich erfolgreicher waren, jedoch schließlich vom Marktführer Astra abgehängt wurden. Kopernikus-1 strahlte auch das DSR-Paket aus.

1994 wurden die Ausstrahlungen über TV-SAT 2 beendet und die Deutsche Bundespost Telekom verkaufte TV-SAT 2 an den norwegischen Satellitenbetreiber Telenor, der ihn von 1995-1998 auf 1° West betrieb. 1998 wurde er von Telenor an Eutelsat verkauft und bis zur Außerdienststellung 1999 auf 12° West eingesetzt. TV-SAT 2 befindet sich jetzt im Friedhofsorbit.

Orbitalposition

TV-SAT war auf der für Mitteleuropa ungünstigen Orbitalposition 19° West über dem Atlantik platziert, die Elevation betrug (exemplarisch) für einen TV-Sat Empfang in der Stadt Salzburg lediglich 27°. Der Konkurrent Astra war auf 19,2° Ost über Zentralafrika platziert und konnte in Salzburg mit einer günstigeren Elevation von 34.78° aufwarten. Abschattungen durch Berge, hohe Gebäude oder Bäume waren bei TV-SAT wesentlich häufiger als beim Konkurrenten Astra. Wie die Erfahrung im Direktempfangs Satellitenbetrieb heute zeigt, haben sich meist solche Satellitensysteme am Markt durchgesetzt deren geostationäre Position gleich einem Längengrad des Empfangs Zielgebietes ist, dem kam der Konkurrent Astra auf 19,2° Ost wesentlich näher.

TV-SAT und die französische SCART-Schnittstelle

Nachdem recht früh (1978) klar war, dass für TV-SAT nicht PAL, sondern zur Bildübertragung eine neuartige Norm D2-MAC verwendet wird, wurden in die damals neu entwickelte SCART-Schnittstelle RGB zur Übertragung der Farbinformation zum Fernseher integriert. Obwohl das TV-SAT-Projekt scheiterte, blieb RGB im SCART-Stecker bis heute erhalten, und findet aktuell als SCART-YUV-Komponentensignal (HDMI-Alternative) Upgrade ihre Fortführung. Als Relikt durch TV-SAT kann auch angesehen werden, dass im SCART-Stecker RGB als einziges, im Gegensatz zu allen anderen Leitungen, nur unidirektional ausgeführt ist – damals war ja nie geplant, dass ein Fernseher sein Bild an TV-Sat zurücksenden hätte sollen.

Siehe auch

Quellen

  1. http://www.ses-astra.com/business/de/satellite-fleet/retired-satellites/astra1a/index.php
  2. Prof. Dr. Hubertus Gersdorf, Universität Rostock: [1]Satellitensysteme
  3. www.bernd-leitenberger.de/galileo [2] TV-SAT 1 Problem mit Lageregelungsdüsen, wertvolle Erfahrung für das Galileo Raumsonden Projekt