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Bahnhof Montabaur

Montabaur
DEC
Bahnhofsdaten
Art

Durchgangsbahnhof

Bahnsteiggleise

3

Abkürzung
  • FMT (Fernbahnteil)
  • FMTN (Regionalbahnteil)
Architektonische Daten
Eröffnung

27. Juli 2002

Architekten

Architekturbüro
Jux und Partner, Darmstadt

Stadt Montabaur
Bundesland Rheinland-Pfalz
Staat Deutschland
Koordinaten
50° 26′ 41″ N, 7° 49′ 31″ O7Koordinaten: 50° 26′ 41″ N, 7° 49′ 31″ O
Eisenbahnstrecken
Liste der Bahnhöfe in Rheinland-Pfalz

Der Bahnhof Montabaur ist ein Bahnhof am Streckenkilometer 89,1 der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main sowie an der Bahnstrecke Limburg–Siershahn (Unterwesterwaldbahn). Die Station für Personen-Nah- und -Fernverkehr sowie Güterverkehr liegt am Stadtrand der 13.000-Einwohner-Stadt Montabaur, in Parallellage zur unmittelbar nördlich verlaufenden A 3.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau der Station

Bahnhof Montabaur mit durchfahrendem ICE 3

Für den Personenverkehr stehen fünf Gleise zur Verfügung. Am Gleis 1 sowie den Gleisen 4/5 liegen zwei 405 m lange und 76 cm hohe Bahnsteige, die auf 200 m Länge überdacht sind. Der Bahnsteig an Gleis 5 ist in den westlichen Abschnitt 5a und den östlichen Abschnitt 5b unterteilt. Die Gleise 2 und 3 sind die durchgehenden Hauptgleise der Schnellfahrstrecke und werden von durchfahrenden ICE genutzt. Darüber hinaus stehen sieben Gleise für den Güterverkehr zur Verfügung.

Vom südlichen Haupteingang am Bahnhofsvorplatz führt eine Treppe und ein Aufzug zu einer Verteilerebene, vom nördlichen Eingang ist diese Halle ebenerdig zu erreichen. An beiden Eingängen sind Informations- und Notrufsäulen aufgestellt.

In der Verteilerebene sind ein Reisezentrum der Deutschen Bahn mit zwei Fahrkartenschaltern, Toiletten, ein Warteraum sowie Schließfächer untergebracht. Weitere Gewerbeflächen werden von einem Imbiss, einer Drogerie sowie einem Selbstbedienungszentrum der Sparkasse Westerwald belegt. Darüber hinaus gibt es das sogenannte Schaufenster der Region, in dem sich lokale Unternehmen präsentieren, sowie ein Informationsbüro der Stadt. Die Bahnhofshalle sowie der Bahnhofsvorplatz werden von einem Hot Spot abgedeckt.

Von der Unterführung führen jeweils zwei Rolltreppen, eine Treppe und ein Aufzug zu den beiden Bahnsteigen. Auf diesen befinden sich auch jeweils eine Informations- und Notrufsäule sowie Sitzgelegenheiten. Auf dem Bahnsteig der Gleise 4 und 5 gibt einen Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter des Bahnsteigservice.

Im Untergeschoss der Station (hinter der Haupttreppe) findet sich darüber hinaus ein Büro der Bundespolizei.

Der Bahnhof Montabaur ist neben dem ebenfalls an der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main gelegenen Bahnhof Limburg Süd sowie den Bahnhöfen Allersberg und Kinding (Altmühltal) an der Neubaustrecke Nürnberg–Ingolstadt einer von vier Bahnhöfen in Deutschland, die planmäßig mit 300 km/h durchfahren werden können.

Westlich des Bahnhofs, beim Streckenkilometer 87,1 schließt sich der Dernbacher Tunnel an den Bahnhof an, im Osten folgt der Himmelbergtunnel.

Geschichte, Hintergründe, Entwicklung

Nach Abschluss des Linienbestimmungsverfahrens beschloss das Bundeskabinett am 20. Dezember 1989 die heutige Streckenführung der Schnellfahrstrecke entlang der Autobahn A 3. Dabei wurde auch ein Halt im Raum Limburg festgeschrieben.[1]

Noch im gleichen Jahr forderte der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz die Einrichtung eines Bahnhofs an der ICE-Strecke. Am 21. März 1990 wurde eine Vereinbarung zur geplanten DB-Neubaustrecke Köln–Rhein/Main zwischen den Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und Hessen sowie dem Bundesverkehrsminster geschlossen, die Montabaur als einzigen Standort „im Bereich der Verdichtungsrandzone des Raums Mittelrhein-Westerwald“ nennt. Als ein wesentlicher Grund für die Errichtung gilt die fehlende Anbindung der Lahntalbahn zur Anbindung der Räume Koblenz/Gießen, die in der realisierten der drei diskutierten Bahnhofvarianten in Limburg nicht umgesetzt werden konnte. Der Bahnhof Montabaur sollte stattdessen eine gute Erreichbarkeit auf der Straße sicherstellen (Autobahnanschlussstelle Montabaur, Dernbacher Dreieck).[1] Im Raumordnungsverfahren wurde ab 1991 die Möglichkeit eines ICE-Haltes in Montabaur weiter untersucht. Mit Abschluss des Verfahrens wurde 1995 der Bau des ICE-Bahnhofes besiegelt. Der Bau begann im Jahr 1997.

Im Frühjahr 1993 vereinbarten Heinz Dürr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahnen, und Rainer Brüderle, rheinland-pfälzischer Minister für Wirtschaft und Verkehr, die Einrichtung eines Bahnhofs in Montabaur.[2]

1993 verpflichtete sich die damalige Deutsche Bundesbahn in einem Vertrag, bis 2007 stündlich ICEs in Montabaur halten zu lassen[3]; anschließend sollte, entsprechend der Nutzung, über die weitere Anbindung entschieden werden. Das Land beteiligte sich an der Finanzierung der Station und richtete die neue Autobahn-Anschlussstelle ein. Die Stadt Montabaur errichtete darüber hinaus ein Gewerbegebiet am Bahnhof, gedacht als Keimzelle für ein neues Stadtviertel zwischen Bahnhof und bestehender Besiedelung.

Alter Stadtbahnhof 2005

Die Station ersetzt den bisherigen Stadtbahnhof Montabaur, an dem am 6. Juli 2000 der letzte Personenzug verkehrte. Der erste Regionalzug fuhr am 10. Juli 2000 am neuen Bahnhof Montabaur ein. Der erste ICE, mit Hartmut Mehdorn und Doris Schröder-Köpf an Bord, machte am 25. Juli 2002 zwischen 12:09 und 12:21 Uhr, auf dem Weg von Frankfurt nach Köln, Station[4]. Am 1. August 2002, zur Betriebsaufnahme auf der Neubaustrecke, hielten die ersten fahrplanmäßigen Züge. Anfang 2003 hielten werktäglich 20 ICE-Züge in Montabaur, ab 15. Juni 2003 21.[3]

Als ICE-Systemhalt abseits größerer Städte anfangs oft belächelt, entwickelte sich die Station seit ihrer Eröffnung beachtlich. Anfang 2003 nutzten etwa 1100 Fahrgäste täglich den Bahnhof[3], Anfang 2004 knapp 2000[5]. Bei einer Fahrgastzählung vom Juni 2005 wurden rund 2150 ICE-Fahrgäste ermittelt. Im Sommer 2007 nutzten knapp 3000 Fahrgäste pro Tag den ICE-Bahnhof.[6] Etwa 10.000 Menschen pendeln täglich aus dem Raum Montabaur nach Frankfurt am Main (Stand: 2002)[4].

Am 22. Juni 2006 wurde der zweimillionste Fahrgast begrüßt.[7] Mehr als 30 Unternehmen, mit über 600 Arbeitsplätzen haben sich bislang im angrenzenden Gewerbegebiet ICE-Park angesiedelt (Stand: August 2006). Ralph Dommermuth, der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens United Internet mit Hauptsitz in Montabaur, treibt als Investor die Entwicklung des Gewerbegebiets voran, in dem auch ein umstrittenes Factory-Outlet-Center entstehen soll.

Eine Umfrage unter 500 Fahrgästen ergab im Sommer 2007 einen Anteil der Geschäftsreisenden und Berufspendler an allen Reisenden von rund drei Viertel. Der Großteil der Befragten bemängelte die nicht ausreichende Zahl von Parkplätzen an der Station.[8]

Verkehrsanbindung

Im Fahrplan 2007 (seit 10. Dezember 2006) halten werktäglich rund 80 Züge in Montabaur:

Der 21,4 Schienenkilometer entfernte Bahnhof Limburg Süd ist mit dem ICE in neun Minuten zu erreichen (38 Züge werktäglich). Kritiker bezeichnen diese Verbindung über die für Geschwindigkeiten bis zu 300 km/h zugelassene Neubaustrecke auch als die „schnellste S-Bahn der Welt“.

Der Bahnhof liegt verkehrsgünstig in unmittelbarer Nähe der Anschlussstelle Montabaur (Nr. 40) der Autobahn A3. Zur Eröffnung standen 350 Park-and-Ride-Parkplätze zur Verfügung. Diese Zahl ist mittlerweile auf 900 angewachsen, ergänzt durch 130 kostenpflichtige Stellplätze unter dem Busbahnhof am Bahnhof (Stand: August 2006).

Am Bahnhofsvorplatz sind drei Taxistände eingerichtet. Vom angrenzenden Busbahnhof verkehren 15 Buslinien, darunter auch ein für ICE-Fahrgäste kostenloser Shuttle-Bus, der zum etwa zwei Kilometer südlich gelegenen Zentrum der Kreisstadt verkehrt.

Die Zahl der täglich haltenden Züge soll mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2007 unverändert bleiben.[9]

Verkehrstechnische Ausrüstung

Die Gleise laufen auf einem Damm in einer Höhe von 14 Metern, in Ost-West-Richtung und parallel zur unmittelbar nördlich verlaufenden A 3. Die für Durchfahrten genutzten Gleise 2 und 3 sind dabei in Fester Fahrbahn mit UIC-60-Schienen ausgeführt. Die drei Bahnsteiggleise und die Gütergleise wurden hingegen auf Schotter-Oberbau errichtet. Alle vier Fernverkehrs-Gleise (1–4) sind mit Linienzugbeeinflussung ausgerüstet.

Östlich und westlich der Station führen Weichen an die Bahnsteiggleise. In Richtung Bahnsteig gestellt (abzweigender Ast) können diese mit 100 km/h befahren werden. Die durchgehenden Hauptgleise sind durch Schutzweichen gegen Flankenfahrten aus den Bahnsteiggleisen gesichert.

Auch eines von fünf Unterwerken der Schnellfahrstrecke sowie eine, aus der Betriebszentrale Frankfurt am Main gesteuerte, Unterzentrale des Elektronischen Stellwerks finden sich im Bereich der Station. Aus der Unterzentrale wird die Schnellfahrstrecke zwischen der Überleitstelle Idstein bis vor den Bahnhof Siegburg/Bonn sowie die Bahnstrecke Limburg-Staffel–Siershahn im Bereich des Bahnhofs Montabaur überwacht und gesteuert werden. Eine Anbindung der gesamten Strecke Limburg-Staffel–Siershahn an das Stellwerk ist geplant.

Einzelnachweise

  1. a b Walter Engels, Wilfried Zieße: Die Neubaustrecke Köln–Rhein/Main − eine Zwischenbilanz. In: Die Bundesbahn 10/1991, S. 965–975
  2. Meldung Neubaustrecken-Bahnhof für Montabaur vereinbart. In: Die Deutsche Bahn. Nr. 5, 1993, S. 425.
  3. a b c Arriving in Montabaur in Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10. Juni 2003
  4. a b Auf halber Strecke in Frankfurter Allgemeiner Zeitung vom 26. Juli 2002
  5. Mehdorn: ICE-Bahnhof Montabaur ist auf gutem Weg in Westerwälder Zeitung vom 12. Mai 2004
  6. Bremsen für den Aufschwung. In: Spiegel online vom 29. Juli 2007
  7. 2 000 000. ICE-Gast in Montabaur Meldung auf ice-park-montabaur.de vom 23. Juni 2006
  8. Westerwaldkreis und Fraport AG vereinbaren Zusammenarbeit. Artikel auf Hallo Westerwald vom 15. Juni 2007
  9. Weniger Züge nach Köln. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung (Online-Ausgabe), 20. September 2007