Heim

Nauheim

Dieser Artikel behandelt die Gemeinde im Landkreis Groß-Gerau. Für die Kurstadt im Wetteraukreis, siehe Bad Nauheim und für den Ortsteil von Hünfelden siehe Hünfelden-Nauheim
Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 49° 57′ N, 8° 27′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Kreis: Groß-Gerau
Höhe: 86 m ü. NN
Fläche: 13,77 km²
Einwohner: 10.189 (31. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte: 740 Einwohner je km²
Postleitzahl: 64569
Vorwahl: 06152
Kfz-Kennzeichen: GG
Gemeindeschlüssel: 06 4 33 009
Adresse der Gemeindeverwaltung: Weingartenstraße 46–50
64569 Nauheim
Webpräsenz:
www.nauheim.de
Bürgermeister: Ingo Waltz (SPD)

Nauheim ist eine Gemeinde im Kreis Groß-Gerau in Hessen, sie ist wegen der seit 1970 durchgeführten „Nauheimer Musiktage“ bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Nauheim liegt nordwestlich der Kreisstadt Groß-Gerau und südlich der Stadt Rüsselsheim an der Grenze zum Hessischen Ried.

Nachbargemeinden

Nauheim grenzt im Norden an den Ortsteil Königstädten der Stadt Rüsselsheim, im Osten an die Stadt Mörfelden-Walldorf, im Süden an die Stadt Groß-Gerau, sowie im Westen an die Gemeinde Trebur.

Geschichte

Mittelalter

Im Lorscher Codex wird die Gemeinde 851 erstmals urkundlich unter dem Namen "Niewenheim" erwähnt. Die Endung "-heim" lässt auf eine fränkische Gründung schließen. Wechselnde Herren kennzeichnen die frühe Geschichte Nauheims. Es gehörte zum Kloster Eberbach, den Herren von Falkenstein und dem Grafen von Isenburg.

Neuzeit

1600 wurde es dem Landgrafen von Hessen verkauft. Zu Nauheim zählten damals rund 170 Einwohner. Durch die Ereignisse des 30-jährigen Kriegs dezimierte sich diese Zahl jedoch weiter. Bereits im Jahre 1593 wurde die Schule, als damalige Kirchenschule, gegründet. 1753 fand die Einweihung der evangelischen Kirche statt. 1755 wurde das "neue" Rathaus, auf den Grundmauern des bereits 1588 in der Rathausstraße (heute: Heinrich-Kaul-Platz) gebauten, errichtet.

In den folgenden Jahren wurde die Gemeinde immer wieder Opfer von Naturkatastrophen, wie großen Überschwemmungen, Erdbeben, Dürren oder Trockenheiten. In den Jahren 1793–1799 war Nauheim Quartier für preußische und österreichische Truppen, die das napoleonisch besetzte Mainz belagerten. 1806 wurde die Gemeinde von französischen Truppen besetzt. Johannes Kuhlmann wurde 1821 zum 1. Nauheimer Bürgermeister gewählt. 1838 wurde das erste eigenständige Schulhaus errichtet. Es folgte die Pflasterung der Straßen und der Ausbau der "Chaussee" nach Königstädten. Aufgrund von großer Not übernahm die Gemeinde 1853 die Kosten der Auswanderungen von 20 Familien nach Amerika. Bereits 1866 diente Nauheim erneut als Quartier von Truppen. Im Jahre 1877 folgte schließlich der Bau des sogenannten "mittleren" Schulhauses. Heute dient es als Sitz des Nauheimer Heimatmuseums. 1881 wurde der Friedhof in der Waldstraße eingeweiht, auf dem, nachdem dieser geschleift wurde, das Feuerwehrhaus gestanden hat, welches 2007 nach dem Neubau der Feuerwache an der Ortsumgehung abgerissen wurde.

Industrialisierung

Die starke Industrialisierung der Nachbarstädte Rüsselsheim und Mainz brachte vielen Kleinbauern zusätzliche Arbeit; in Nauheim selbst wuchs die Bedeutung des Obst- und Spargelanbaus. Der Aufschwung erfuhr jedoch durch den ersten Weltkrieg ein jähes Ende. 1918 wurde Nauheim erneut von Franzosen besetzt, es mehrte sich jedoch der passive Widerstand. Nachdem die Besatzungstruppen abgezogen waren, begann sich die Gemeinde weiter zu entwickeln. Der Sportplatz wurde gebaut, es entstand der neue Friedhof. 1931 wurde für den gut gehenden Handel mit Obst und Gemüse eine Markthalle errichtet.

NS-Zeit

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten brach auch über Nauheim das "braune Zeitalter" an. 1934 erfolgte die Gleichschaltung aller Vereine. Jüdische Einwohner wurden denunziert, verfolgt, misshandelt, verloren ihre Heimat und wanderten nach Amerika aus. Die Verbliebenen wurden 1940 in die Konzentrationslager deportiert. 1945 wurde Nauheim durch US-amerikanische Truppen besetzt. Eine inhaltliche Auseinandersetzung der Gemeinde mit ihrer eigenen Geschichte in der NS-Zeit fand bislang nur oberflächlich statt.

Nachkriegszeit

Diese setzten dann 1945/1946 Pfarrer Friedrich Daum und Friedrich Förster als Nachkriegsbürgermeister ein. 1946 fanden die ersten Nachkriegswahlen statt. Zum Bürgermeister gewählt wurde damals Heinrich Kaul IV. Er war damals zusammen mit den damaligen Gemeindevertretern verantwortlich, dass viele heimatvertriebene Musikinstrumentenbauer aus dem Egerland und dem Erzgebirge sich in Nauheim neu ansiedelten und die bekannte Nauheimer Musikindustrie begründeten. Dadurch stieg die Einwohnerzahl Nauheims stetig an. Bereits 1951, zur 1100-Jahr-Feier, zeigte sich Nauheim als ein schöner und fortschrittlicher Wohnstandort im wirtschaftlich stark expandierenden Rhein-Main-Gebiet. Im Jahre 1956 fand die Grundsteinlegung für die katholische Kirche St. Jakobus d. Ältere statt, ein Jahr später wurde sie feierlich geweiht. Im selben Jahr feierte man auch die Nauheimer Musikindustrie ihr zehnjähriges Bestehen. 1958 legte man schließlich den Grundstein für das neue Rathaus in der Weingartenstraße. 1960 wurden weitere Baugebiete erschlossen. Dadurch schuf man die weitere bauliche Ausdehnung Nauheims Richtung Königstädten. 1963 wurde Herbert Fürbeth (SPD) zum Bürgermeister gewählt. In seiner Amtszeit gelang die Erschließung des Erholungsgebiets "Hegbachsee" sowie die Eröffnung des Kindergartens "Schulstraße", dessen Gebäude heute als Sitz des Heimatmuseums dient.

Im darauffolgenden Jahr feierte man die 1. Nauheimer Musiktage, die zu einer bis heute anhaltenden Tradition geworden sind und immer wieder ein kultureller Höhepunkt in Nauheim sind. 1971 verschwisterte sich die Gemeinde Nauheim mit Born (Niederlande). 1972 feierte die Nauheimer Musikindustrie ihr 5-jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass veranstaltete man die 2. Nauheimer Musiktage. Im selben Jahr eröffnete auch der neue Sportpark für die Sportlerinnen und Sportler. 1976 erhielt die Freiwillige Feuerwehr Nauheim auf dem Gelände "Feldchen" in der Waldstraße ihr neues Feuerwehrhaus, welches aufgrund eines Neubaus am Ortsrand Ende 2007 abgerissen wurde. Im selben Jahr (1976) feierte man die 1125-Jahr Feier nach der ersturkundlichen Erwähnung Nauheims. 1978 wurde die Verschwisterung mit der französischen Stadt Charvieu-Chavagneux feierlich besiegelt.

2008 ist Nauheim die Kulturgemeinde des Kreises Groß-Gerau.

Nauheimer Kerb (Kultur)

Über die Grenzen der Gemeinde hinaus bekannt ist das Nauheimer Dorffest- die "Nauheimer Kerb". Sie wurde 1992 nach vielen Jahren wiederbelebt und wird seitdem von Kerweborsch und -mädchen veranstaltet. Im Gegensatz zu einigen "Kerwe-Festen" Kirchweih in der näheren Umgebung, war die Nauheimer Kerb seit 1992 nicht in den Kneipen und Gaststätten, sondern zentral direkt neben dem Kerweplatz in einer Halle untergebracht. 2008 soll das Volksfest erstmals in einem Festzelt stattfinden.

Politik

Gemeindevertretung

Die Kommunalwahl am 26. März 2006 lieferte folgendes Ergebnis:

Parteien und Wählergemeinschaften %
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 35,2 11 43,1 16
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 41,5 13 34,7 13
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 8,6 3 9,6 3
FDP Freie Demokratische Partei 7,1 2 7,4 3
FLN Freie Liste Nauheim 7,6 2 5,3 2
gesamt 100,0 31 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 46,9 56,1

Bürgermeister

Wappen

Das Nauheimer Wappen stellt einen Wäschebleuel auf blauem Grund dar. Dies steht symbolisch für die Leinenweberei im Flurnamen „Tuchbleiche“ und dem Straßennamen „Bleichstraße“. Allerdings gibt es für diese Interpretation keinen stichhaltigen Beweis. So deutet der Sprachwissenschaftler Professor Ernst Erich Metzner das Symbol als Paddel im Zusammenhang mit der Ortslage am einst schiffbaren Schwarzbach zu Zeiten einer weitaus größeren Ausdehnung des Neckarbettes.

Städtepartnerschaften

Heimatmuseum

Söhne und Töchter der Stadt