Rinteln
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Rinteln

Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 52° 11′ N, 9° 5′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Schaumburg
Höhe: 56 m ü. NN
Fläche: 109 km²
Einwohner: 27.659 (30. Juni 2007)
Bevölkerungsdichte: 254 Einwohner je km²
Postleitzahl: 31737
Vorwahl: 05751
Kfz-Kennzeichen: SHG
Gemeindeschlüssel: 03 2 57 031
Stadtgliederung: 19 Stadtteile
Adresse der Stadtverwaltung: Klosterstr. 19
31737 Rinteln
Webpräsenz:
www.rinteln.de
Bürgermeister: Karl-Heinz Buchholz (SPD)

Rinteln ist eine Stadt im Weserbergland an der Weser, Landkreis Schaumburg, Niedersachsen.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Rinteln, eine niedersächsische Stadt im Wesertal, wird im Süden von den Höhen des lippischen Berglandes, im Norden vom Wesergebirge und im Osten vom Süntel sowie den Fischbecker Bergen eingebettet. Die ehemalige Universitätsstadt (1621-1806) gehört landschaftlich zum Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln Weserbergland. Das „Rintelner Becken“ wird landschaftlich prägend und weithin sichtbar von der „Burg Schaumburg“ (ehemaliger Stammsitz der Schaumburger Grafen) auf dem Nesselberg im Wesergebirge beherrscht. Rund 15 Kilometer flussabwärts durchbricht die Weser bei Porta Westfalica die Westfälische Pforte und tritt ein in die Norddeutsche Tiefebene. Dieser markante Einschnitt im Zuge des Weser- und Wiehengebirges ist von der Rintelner Weserbrücke aus ebenso zu sehen wie die Schaumburg und die gesamte Wesergebirgskette bis zum Süntel. In und um Rinteln wird gerade in jüngster Zeit großflächig Sand, Kies und Gestein abgebaut. Bereits ausgebeutete Flächen wurden zwar – wie der Doktorsee westlich der Stadt – zu Freizeit- und Erholungsflächen ausgebaut, diese können auf lange Sicht die zunehmende Zerstörung der landschaftlichen Schönheiten (wertvollste Natur- und Kulturflächen) dieser Region als Grundlage für den Tourismus nicht kompensieren.

Stadtgliederung

19 Ortsteile:

Zehn Ortsräte: Ahe-Engern-Kohlenstädt, Deckbergen-Schaumburg-Westendorf, Exten, Hohenrode-Strücken, Krankenhagen-Volksen, Möllenbeck, Rinteln, Steinbergen, Taubenberg (Friedrichswald, Goldbeck, Uchtdorf, Wennenkamp), Todenmann

Geschichte

Die Anfänge der Stadt Rinteln lassen sich zurückverfolgen bis in das späte 11. Jahrhundert: Auf dem rechten, nördlichen Weserufer hatte sich in Höhe einer Überfahrt das kleine Dorf Rentene (später: Alt-Rinteln) entwickelt. Später wurde auch ein Nonnenkloster des Benediktiner-Ordens angesiedelt. Um 1230 gründete Graf Adolf IV. von Holstein und Schaumburg (Regierungszeit von 1225 bis 1239, gestorben am 8. Juli 1261 als Mönch in Kiel) Neu-Rinteln auf dem gegenüber liegenden, also südlichen Weserufer. 1238 wurden die Stadtrechte verliehen. Durch das Recht, Wegezoll zu erheben (1391) und das Messeprivileg (1392) stieg Rintelns Bedeutung auch für das Umland. Die günstige Verkehrslage an einer Weserbrücke unterstützte den Aufschwung.

Bald nach Gründung der Stadt wurde mit dem Bau einer Stadtmauer begonnen. Die Menschen zogen aus den Siedlungen vor den Toren Rintelns in den Schutz der Befestigungsanlagen und bewirtschafteten von hier aus als Ackerbürger ihre Felder.

Vor allem die Weser förderte den Handel: So genannte „Bremer Waren” kamen mit den Schiffen flussaufwärts: Tabak, Geschirr, Kolonial- und Haushaltswaren. Für Frachten mit dem Ziel Rinteln richtete die Stadt einen Zollschuppen ein. Stromab befördert wurden Sand, Kies und Getreide, ebenso wie der in der Nähe abgebaute Obernkirchener Sandstein. Auch das Handwerk mit seinen verschiedenen Zünften hatte seinen Anteil am Aufschwung der Stadt, die bis ins 17. Jahrhundert hinein eine wirtschaftliche Blütezeit erlebte. Als 1626 durch die Pest fast ein Drittel der Rintelner Bevölkerung starb, war das ein verheerender Rückschlag für die Stadt.

Dass sich Rinteln trotzdem recht zügig davon erholte, lag vor allem auch an der 1621 gegründeten Universität Rinteln. Als Folge gab es neben einer Universitätsbuchdruckerei, einer Apotheke, einem botanischen Garten und einem regelmäßig erscheinenden „Intelligenzblatt“ auch eine Universitätskommisse, eine Art Studentenmensa mit Wohnheim. Hier konnten Professoren und Studenten unbehelligt vom städtischen Schankmonopol zu niedrigen Preisen Bier und Wein trinken.

1640 wurde die alte Grafschaft Schaumburg zwischen den Grafen zur Lippe (nun Grafschaft Schaumburg-Lippe) und den Landgrafen von Hessen-Kassel (nun Grafschaft Schaumburg) aufgeteilt. Als Folge wurde Rinteln hessische Garnisonsstadt und zu einer Festung ausgebaut.

Trotzdem ergab sich die Stadt während des Siebenjährigen Krieges und in den napoleonischen Kriegen (1806) kampflos einer französischen Übermacht und wurde jeweils für mehrere Jahre besetzt. Am 13. November 1806 befahl Napoleon, die Festungsanlagen zu schleifen. Weiterer Rückschlag: Jérôme, jüngster Bruder Napoleons und König des neu gegründeten Königreiches Westphalen (mit Kassel als Hauptstadt) schloss 1809 die Rintelner Universität.

Die hessische Grafschaft Schaumburg wurde 1821 als Exklave des inzwischen zum Kurfürstentum aufgestiegenen Hessen-Kassel geführt. 1866 wurde sie wie das ganze Kurfürstentum Hessen von Preußen erobert und zum Teil der preußischen Provinz Hessen-Nassau gemacht, wo sie ab 1904 als Landkreis Grafschaft Schaumburg mit Sitz in Rinteln bis 1977 geführt wurde.

Mitte des 19. Jahrhunderts ging es mit der Stadt wieder aufwärts. Vor allem förderte die Eröffnung der Löhne–Vienenburger Eisenbahn durch die Hannover-Altenbekener Eisenbahngesellschaft (1875) und die dadurch günstige Verbindung in die großen Wirtschaftszentren Berlin und Köln die Ansiedlung von Industriebetrieben. So entstand unter anderem eine Glashütte. Weitere Bahnstrecken verbanden die Stadt mit Stadthagen und ab Ende der 1920er Jahre mit Barntrup (Extertalbahn). Die Strecke Bünde/LöhneHamelnHildesheim/Bodenburg, heute als Weserbahn bezeichnet, wird heute im Stundentakt durch die Eurobahn befahren.

1924 findet sich in Rinteln die erste Ortsgruppe der NSDAP. Immer wieder kommt es ab diesem Zeitpunkt zu Zusammenstößen zwischen Nationalsozialisten und Sozialdemokraten und Kommunisten, die zwischen 1930 und 1933 massiver werden. Bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 erreicht die NSDAP in Rinteln 1.991 Stimmen, die SPD 959 Stimmen und die KPD nur noch 294 Stimmen. Bereits am 12. April 1933 verleihen der Bürgermeister und Rat der Stadt Rinteln (als eine der ersten Städte in Deutschland) Adolf Hitler das Ehrenbürgerrecht. Wie überall dienten die Jahre nach 1933 der Machtfestigung der Nationalsozialisten und sind auch in Rinteln durch einen immer stärker werdenden Druck und eine lückenlosere Überwachung der Bevölkerung gekennzeichnet. Sozialdemokraten und Kommunisten werden vielfach verhaftet und teilweise in Konzentrationslager verbracht (hauptsächlich KZ Moringen). 1933 waren in Rinteln 73 jüdische Mitbürger gemeldet, von denen einigen die Auswanderung oder die Flucht noch rechtzeitig gelang. Manche verübten unter dem wachsenden seelischen Druck Selbstmord. 1940 wurden noch 29 Rintelner Juden gezählt, von denen 25 zwischen März und Juli 1942 in die Gartenbauschule Ahlem (Sammelstelle für Juden aus den Regierungsbezirken Hannover und Hildesheim) verbracht und später in Konzentrationslager deportiert wurden. Insgesamt sind 34 jüdische Mitbürger Rintelns während der nationalsozialistischen Herrschaft umgekommen. Heute erinnern lediglich der jüdische Friedhof in der Ostertorstraße und eine kleine angebrachte Tafel (am ehemals jüdischen Betsaal in der Bäckerstraße) an die jüdische Gemeinde Rintelns. Seit 1960 ist in Rinteln kein jüdischer Mitbürger mehr gemeldet. Einige der nationalsozialistischen Führer Rintelns haben sich kurz vor Kriegsende das Leben genommen, sind gefallen oder geflohen und untergetaucht. Von allen Rintelner Partei- und Organisationsführern ist keiner nach Kriegsende gerichtlich zur Rechenschaft gezogen und verurteilt worden.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges, den Rinteln als Lazarettstadt für mehrere tausend Verwundete erlebte, verdoppelte sich die Einwohnerzahl vor allem durch Vertriebene aus Schlesien. Der hessische Kreis Grafschaft Schaumburg wurde 1946 Bestandteil des Landes Niedersachsen. Durch die Eingliederung von 18 benachbarten Gemeinden in die Stadt am 1. März 1974 wurde Rinteln zur größten Kommune des 1977 gebildeten Landkreises Schaumburg. Nach der Aufnahme Rintelns in das Städtesanierungsprogramm des Landes Niedersachsen 1979 konnte mit einer umfangreichen Sanierung der Altstadt begonnen werden, die mit der Einrichtung einer Fußgängerzone im Jahr 2003 beendet war.

Politik

Stadtrat

Der Stadtrat von Rinteln setzt sich folgendermaßen zusammen (Stand 1. November 2006):

Bürgermeister

Bei der Kommunalwahl am 10. September 2006 fielen 67,5% der Stimmen auf den SPD-Kandidaten Karl-Heinz Buchholz, der somit die absolute Mehrheit erlangen konnte.

Städtepartnerschaften

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die Stadt liegt landschaftlich reizvoll und besitzt eine sehenswerte Fachwerkaltstadt. Mittelpunkt ist der in den 1980er Jahren sanierte Marktplatz mit der evangelisch-lutherischen Stadtkirche St. Nikolai und dem Ratskeller, einem Bau aus der Zeit der Weserrenaissance. Sehenswürdigkeiten sind auch

Sport

Tischtennis

Der Verein TTV Rinteln hatte in den 1970er und 1980er Jahren eine erfolgreiche Tischtennis-Damenmannschaft. Nach fünfjähriger Zugehörigkeit zur 1.Bundesliga erfolgte 1983 der Abstieg in die 2.BL. Ein Jahr später gelang der sofortige Wiederaufstieg. [1]

Musik

In Rinteln wird die traditionelle sowie konzertante Blasmusik seit vielen Jahren durch ein städtisches Orchester, welches bei der Freiwilligen Feuerwehr beheimatet ist (Blasorchester Feuerwehr Rinteln), gepflegt. Nachdem am 31.12.1998 die Auflösung des alten Musikzuges gemeldet werden musste, wurde bereits im Jahre 2003 ein neues Orchester unter der Leitung von Klaus Diebietz ins Leben gerufen und ein regelmäßiger Probenbetrieb eingeleitet[2]. Es ist damit auch das einzige Blasorchester einer Feuerwehr im Landkreis Schaumburg, da sich alle anderen musikalischen Formationen als Musikzug betiteln.
Das Orchester ist bereits überregional so bekannt, dass es zu Auftritten bis nach Büsum eingeladen wurde, um dort die Rückkehr der Feuerland musikalisch zu untermalen.
Des Weiteren gibt es seit 1986 ein Jugendblasorchester (http://www.jbo-rinteln.de/). Nur wenige Jahre später wurde eine Bläserklasse an der Hauptschule in Rinteln eingerichtet, welche zusammen mit der Kreisjugendmusikschule betreut wird. Dieses unterstreicht die Wichtigkeit der musikalischen Tätigkeiten in der Stadt Rinteln.


Verkehr

Straßenverkehr

Rinteln liegt an der Bundesautobahn A 2 mit der Anschlussstelle Bad Eilsen. Die Bundesstraßen B 83 und B 238 - letztere auf einer Umgehungsstrecke - führen um das Zentrum der Stadt herum. In Rinteln endet auch die von Barntrup kommende Extertalstraße.

Eisenbahnverkehr

Die Stadt liegt an der Bahnstrecke Bünde - Löhne - Hameln - Hildesheim - Bodenburg (Weserbahn), die im Stundentakt (am Wochenende 2-Stundentakt) von der Eurobahn betrieben wird. Bei Fahrten in Richtung NRW gilt der Sechser-Tarif (Verkehrsverbund OstWestfalenLippe).

Am Bahnhof Rinteln Süd endet mittlerweile auch die Extertalbahn (jetzt Museumsbahn), die früher durch die Altstadt und über die Weserbrücke bis zum Bundesbahnhof führte.

Schiffsverkehr

Frachtschifffahrt auf der Weser findet kaum noch statt. Rinteln ist Ziel für die touristische Fahrgastschifffahrt zwischen Minden - Vlotho - Hameln.

Flugverkehr

Rinteln besitzt einen kleinen Flugplatz für kleine Sportflugzeuge.

Wirtschaft und Infrastruktur

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Ansässige Unternehmen

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Reinhold Tüxen (1899-1980) ist der bisher einzige Ehrenbürger der Stadt Rinteln. Prof. Tüxen, weltweit durch seine Vegetationskartierungen bekannter Pflanzensoziologe, organisierte in Rinteln internationale Symposien und holte Wissenschaftler aus aller Welt in die Weserstadt. Die Stadt Rinteln verleiht seit 1987 den Tüxen-Preis an verdiente Wissenschaftler. Der erste Preisträger war der polnische Professor Dr. Władysław Matuszkiewicz.

Söhne und Töchter der Stadt

Bedeutende Männer und Frauen, die in Rinteln gewirkt haben

Literatur

Siehe auch

 Commons: Rinteln – Bilder, Videos und Audiodateien

Quellen

  1. Zeitschrift DTS, 1984/6 S.32
  2. Blasorchester Feuerwehr Rinteln, Geschichte: http://www.feubori.de/Item/Geschichte.html