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Herbert Quandt

Herbert Werner Quandt (* 22. Juni 1910 in Pritzwalk; † 2. Juni 1982 in Kiel) war ein deutscher Industrieller aus der Familie Quandt, Sohn des Industriellen Günther Quandt und Halbbruder von Harald Quandt.

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Leben und Werk

Durch ein Augenleiden beeinträchtigt, hatte er sich früh darauf eingestellt, in der Landwirtschaft tätig zu werden. Als Objekt seines Wirkens war das vom Vater erworbene Gut Severin bei Parchim vorgesehen. Im Jahre 1927 starb jedoch plötzlich sein älterer Bruder Hellmut. Herbert Quandt trat daher anstelle seines Bruders in die Unternehmertätigkeit seines Vaters mit ein.

Nach dem frühen Tod der Mutter prägten ihn insbesondere die Auslandsreisen mit seinem Vater. Günter Quandt war inzwischen zu einem der erfolgreichsten Unternehmer in Deutschland aufgestiegen, vornehmlich in der Akkumulatoren-Industrie. Für Herbert Quandt wurde bald eine technische Ausbildung notwendig. Er verbrachte u. a. mehrere Monate als Praktikant in den USA. In diese Entwicklung hinein kamen die Jahre der Nazi-Herrschaft und des zweiten Weltkrieges. 1940 tritt er in die NSDAP ein.[1] Während der NS-Zeit war er Vorstandsmitglied der Accumulatoren-Fabrik AG (AFA) und an der Seite von Günther Quandt unter anderem Leiter der Personalabteilung.[1] In der Berliner Fabrik der Pertrix-Werke GmbH ist er zugleich Betriebsdirektor.[1] In den Werken kommen Zwangsarbeiter zum Einsatz, die ohne Schutz mit hochgiftigen Chemikalien hantieren müssen, was Hunderte mit dem Leben bezahlen.[2]

Nach dem Tod des Vaters 1954 erbten Herbert und sein Halbbruder Harald Quandt die Quandt-Gruppe, ein Konglomerat von Firmenbeteiligungen, unter anderem an der Akkumulatoren-Fabrik AG (AFA), später VARTA, BMW und die heutige Altana AG. Insbesondere die spektakuläre Übernahme der Vorherrschaft bei BMW 1959, mit der die Übernahme durch Daimler-Benz verhindert wurde, wurde als großer Erfolg angesehen.

Herbert Quandt starb am 2. Juni 1982 in Kiel. Neben seinen großen Fähigkeiten als Wirtschaftexperte und Unternehmer galt er auch aus Sammler von Kunst. So ließ er sich von dem Bildhauer Arno Breker porträtieren. Damit folgte er dem Beispiel seines Vaters Günther Quandt, der Breker aus Berlin kannte.

Seit dem Tod Herbert Quandts 1982 spielen seine Witwe, die dritte Ehefrau Johanna Quandt, sowie seine beiden jüngsten Kinder Susanne Klatten, nach den Brüdern Albrecht die vermögendste Deutsche, und Stefan Quandt eine stille, aber entscheidende Rolle bei der Verwaltung von Herbert Quandts Vermögensanteil. Sein ältestes Kind ist Silvia Quandt (* 1937) aus seiner ersten Ehe mit Ursel Münstermann, die Quandt 1933 geheiratet hatte. Die Ehe wurde 1940 geschieden, die Tochter blieb zunächst bei ihrer Mutter. Die Kinder Sonja (* 1951), Sabina (* 1953) und Sven (* 1956) entstammen der 2. Ehe mit Lieselotte Blöbelt (geschieden 1959)

Ehrungen

Für seine Verdienste um die Nachwuchs-Ausbildung und -Schulung verlieh ihm 1960 die philosophische Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität Mainz die Ehrendoktorwürde.[3]

Zu Ehren Herbert Quandts wurden Straßen benannt in den Städten Dingolfing, Göttingen, Hildesheim, Hannover und München.

Literatur

Quellen

  1. a b c Das Schweigen der Quandts. Dokumentation, 60 Min., Produktion: NDR, Erstsendung, ARD, 30. September 2007, 23:30 h
  2. vgl. neben "Das Schweigen der Quandts" auch Spiegel, FAZ, Süddeutsche und Politische Stiftungen AG. "Die SS bewachte das Lager. Viele Häftlinge starben wegen der dort herrschenden Arbeitsverhältnisse, die Zeitzeugen drastisch schilderten. In einem internen Papier berechnet [Günther] Quandt eine "Fluktuation" von 80 Personen - das war wohl die erwartete Todesrate." (Quelle ORF)
  3. Online-Chronik: DIE ZEIT, 17.06.1960 Nr. 25 Personalien — Jubiläen

Siehe auch

Personendaten
Quandt, Herbert
deutscher Industrieller
22. Juni 1910
Pritzwalk
2. Juni 1982
Kiel