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Kanada

Dieser Artikel behandelt den Staat Kanada, weitere Begriffe siehe Kanada (Begriffsklärung).
Canada

Kanada

Flagge Wappen
Wahlspruch: A Mari Usque Ad Mare

(lat. für Von Meer zu Meer; abgeleitet von Psalm 72, 8)

Amtssprache Englisch, Französisch
Hauptstadt Ottawa
Staatsform Parlamentarische Monarchie
Staatsoberhaupt Königin Elisabeth II. (vertreten durch Generalgouverneurin Michaëlle Jean)
Regierungschef Premierminister Stephen Harper
Fläche 9.984.670 km²
Einwohnerzahl 32.976.026 Einwohner (30. Juni 2007)
Bevölkerungsdichte 3,2 Einwohner pro km²
BIP $1.098 Mrd. (9., Schätzung 2005)
BIP/Einwohner $34.028 (18.)
HDI (4.) 0,961
Währung 1 Kanadischer Dollar ($) = 100 Cent
Unabhängigkeit formal 1982 vom Vereinigten Königreich
Nationalhymne O Canada
(königliche Hymne: God Save the Queen)
Zeitzone UTC -3,5 bis -8
Kfz-Kennzeichen CDN
Internet-TLD .ca
Telefonvorwahl +1 siehe NANP

Kanada (engl. und franz. Canada) ist ein Staat in Nordamerika, zwischen dem Atlantischen Ozean im Osten und dem Pazifischen Ozean im Westen sowie nordwärts bis zum Arktischen Ozean reichend. Es ist flächenmäßig gesehen der zweitgrößte Staat der Erde. Die einzige Landgrenze ist jene zu den Vereinigten Staaten im Süden und im Nordwesten.

Das Land war während mehr als zehntausend Jahren von zahlreichen Gruppen von Indianern (die hier First Nations heißen) und Inuit, die man früher Eskimos nannte, besiedelt. Ab dem späten 15. Jahrhundert erforschten Italiener, Basken, Engländer und Franzosen die atlantische Küste und begannen um 1600 mit der Besiedlung und Kolonialisierung. Frankreich trat 1763 nach dem Franzosen- und Indianerkrieg fast alle seine Kolonien in Nordamerika an Großbritannien ab. 1867 gründeten vier britische Kolonien die Kanadische Konföderation, ein föderales Dominion. Mit der darauf folgenden territorialen Ausdehnung in Richtung Westen und der Schaffung neuer Provinzen und Territorien ging ein Prozess zunehmender Autonomie vom britischen Mutterland einher. Mit dem Statut von Westminster erhielt das Land gesetzgeberische Unabhängigkeit, die letzten verfassungsrechtlichen Bindungen zum Vereinigten Königreich wurden 1982 aufgehoben.

Kanada ist ein auf dem Westminster-System basierender parlamentarisch-demokratischer Bundesstaat und eine konstitutionelle Monarchie. Staatsoberhaupt ist die britische Königin Elisabeth II., die den Titel der „Königin von Kanada“ trägt und durch einen Generalgouverneur vertreten wird. Das Land besitzt zwei Amtssprachen, Englisch und Französisch. Die Unabhängigkeitsbestrebungen der Provinz Québec, die Rechte der frankophonen Kanadier und die Rechte der indigenen Völker (First Nations, Inuit und Métis) sind zentrale Konfliktlinien innerhalb der Gesellschaft.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft des Namens

Der Name Kanada ist mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Wort kanata abgeleitet, das in der Sprache der Sankt-Lorenz-Irokesen „Dorf“ oder „Siedlung“ bedeutet. Im Jahr 1535 gaben Bewohner der Region um die heutige Stadt Québec dem französischen Entdecker Jacques Cartier eine Wegbeschreibung zum Dorf Stadacona.[1] Cartier verwendete daraufhin die Bezeichnung Canada nicht nur für dieses Dorf, sondern für das ganze Gebiet, das von dem in Stadacona lebenden Häuptling Donnacona beherrscht wurde. Ab 1545 war auf Karten und in Büchern die Bezeichnung Canada für diese Region üblich. Cartier nannte außerdem den Sankt-Lorenz-Strom Rivière de Canada, ein Name, der bis zum frühen 17. Jahrhundert in Gebrauch war.

Die französische Kolonie Kanada war jener Teil Neufrankreichs, der entlang des Sankt-Lorenz-Stroms und am Nordufer der Großen Seen lag. Forscher und Pelzhändler zogen in Richtung Westen und Süden, wodurch das als „Kanada“ bezeichnete Gebiet wuchs. Im frühen 18. Jahrhundert wurde der Name für den gesamten heutigen mittleren Westen bis Louisiana genutzt. Die seit 1763 britische Kolonie Québec wurde 1791 in Oberkanada (engl. Upper Canada, fr. Haut-Canada; etwa das heutige Ontario) und Niederkanada (engl. Lower Canada, fr. Bas-Canada; etwa das heutige Québec) aufgeteilt, 1841 wieder zur neuen Provinz Kanada vereinigt.

1867 erhielt die neu gegründete Konföderation der Kolonien in Britisch Nordamerika den Namen „Kanada“ und den formellen Titel Dominion. Bis in die 1950er Jahre war die amtliche Bezeichnung „Dominion of Canada“ üblich. Mit der zunehmenden politischen Autonomie gegenüber Großbritannien verwendete die Regierung mehr und mehr die Bezeichnung Canada auf rechtlich bindenden Dokumenten und Verträgen. Das Kanada-Gesetz 1982 bezieht sich nur noch auf Canada, welches seither die einzige amtliche (zweisprachige) Bezeichnung ist.

Geographie

Kanada ist mit einer Fläche von 9.984.670 Quadratkilometern nach Russland das zweitgrößte Land der Erde und fast so groß wie Europa. Das Land nimmt rund die Hälfte des nordamerikanischen Halbkontinents ein. Der einzige unabhängige und durch eine Landgrenze verbundene Nachbar sind die Vereinigten Staaten von Amerika im Süden und im Nordwesten. Ein weiterer Nachbar ist Grönland, dessen Territorium jedoch zu Dänemark gehört und das durch die ca. 30 Kilometer breite Meerenge Kennedy Channel von der nördlichsten kanadischen Insel Ellesmere getrennt wird.

Von den 9.984.670 km² sind 9.093.507 km² Landmasse und 891.163 km² Wasserfläche. Die größte Nord-Süd-Ausdehnung über Landfläche, von Kap Columbia auf der Ellesmere-Insel im Territorium Nunavut zur im Eriesee in Ontario gelegenen Insel Middle Island, beträgt 4.634 Kilometer. Die größte Ost-West-Entfernung beträgt 5.514 Kilometer von Kap Spear in Neufundland und Labrador bis zur Grenze des Yukon-Territoriums mit Alaska.

Landschaftsbild

Kanada ist geographisch sehr heterogen. Die geologische Basis der Atlantikprovinzen (Neufundland und Labrador, Prince Edward Island, Nova Scotia, New Brunswick und Québec) sind alte, abgetragene Berge neben noch älteren Abschnitten des Kanadischen Schildes (oder auch Laurentischer Schild). Westlich und südlich liegen die Ebenen um den Sankt-Lorenz-Strom und die Großen Seen. Der Kanadische Schild umfasst eine ausgedehnte, geologisch alte Region mit einigen der ältesten Gesteine. Um die Hudson Bay gelegen, nimmt er fast 50  % des kanadischen Gebietes ein. Abgesehen von einigen niedrigen Bergen im östlichen Québec und in Labrador ist die Landschaft flach und hügelig. Das Gewässernetz ist dicht, die Entwässerung der Region erfolgt über eine Vielzahl von Flüssen. Die südliche Hälfte des Schildes ist mit borealen Wäldern bedeckt, während die nördliche Hälfte (einschließlich der Inseln des kanadisch-arktischen Archipels) jenseits der arktischen Baumgrenze liegt und mit Felsen, Eis und Tundrenvegetation bedeckt ist. Die östlichen Inseln des kanadisch-arktischen Archipels sind gebirgig, die westlichen dagegen flach. Westlich des Kanadischen Schildes breiten sich die inneren Ebenen aus. Präriegras ist die natürliche Vegetation des südlichen Teils der Prärieprovinzen Saskatchewan, Manitoba und Alberta. Der nördliche Teil dagegen ist bewaldet. Die kanadischen Kordilleren (der kanadische Teil der Rocky Mountains), die sich von nördlichen Yukon-Territorium bis zum Süden der Provinzen British Columbia und Alberta erstrecken, dominieren das westliche Kanada. Auf der pazifischen Seite verläuft das Küstengebirge in Nord-Süd-Richtung durch British-Columbia, die Küstenlinie wird tief von Fjorden durchschnitten. Vor der Küste liegt Vancouver Island, ein Ausläufer des Küstengebirges.

Die größte Insel Kanadas ist die Baffininsel, zugleich fünftgrößte Insel der Welt. Die nördlichste Halbinsel ist Boothia. Die Gesamtlänge der Grenze zwischen Kanada und den USA beträgt 8.890 Kilometer. Kanada hat mit 202.080 Kilometern die längste Küstenlinie der Welt. Dadurch verfügt das Land zudem über die größte ausschließliche Wirtschaftszone in Küstengewässern. Die jeweils 200 Seemeilen summieren sich insgesamt auf 3,7 Millionen Quadratkilometer – rein rechnerisch entspräche dies 37 % der gesamten kanadischen Landmasse.

Die wichtigsten kanadischen Gebirgsregionen liegen im Westen des Landes. Die Rocky Mountains und die Kette der Küstengebirge am Pazifischen Ozean mit den von Alaska nach Süden reichenden Coast Mountains und den Mackenzie Mountains. Ein weiteres wichtiges System verläuft entlang der Nordostküste von Ellesmere Island bis zu den Torngat-Bergen in Quebec und Neufundland und Labrador. Im Osten Kanadas liegen die Appalachen und die Laurentinischen Berge. Höchster Berg ist der 5.959 m hohe Mount Logan im Territorium Yukon.

Klima

Kanada umfasst unterschiedliche Klimazonen (vom Polarklima bis zum gemäßigten Klima). Hauptsächlich bestimmt das boreale Klima mit langen kalten Wintern (bis zu –35 °C) und kurzen heißen Sommern (bis zu 35 °C) den überwiegenden Teil Kanadas. Aufgrund der Größe des Landes ist das Klima in den einzelnen Provinzen und Territorien sehr unterschiedlich. So wurden zum Beispiel im Winter 2004/2005 Temperaturen von -58 °C in Burwash Landing des Territoriums Yukon gemessen.

An der Westküste findet man maritimes Klima mit hohen Niederschlägen, da sich die feuchte, vom Ozean kommende Luft am Westrand des Küstengebirges abregnet. Die Jahreszeiten sind in den Provinzen Quebec und Ontario am deutlichsten ausgeprägt, mit kalten Wintern, milden Frühjahren und Herbstmonaten und von Juli bis September oft sehr schwül-heißen Sommern mit Durchschnittstemperaturen um 25 °C.

Wichtige Städte

Von den ca. 32,7 Millionen Einwohnern leben 54,5 Prozent in den 30 größten Städten Kanadas, geht man von den Ballungsräumen aus, steigt diese Zahl auf über 70%. Toronto, eine Hafenstadt am Ontariosee und ein bedeutendes Produktionszentrum, ist mit 5,61 Millionen Einwohnern größte Stadt des Landes. Die Einwohnerzahl der Handelsmetropole Montreal beträgt 3,27 Millionen. Die dritte Millionenstadt ist Vancouver mit 2,13 Millionen Einwohnern. Weitere Städte mit mehr als 500.000 Einwohnern sind Calgary (968.475 Ew.), die Bundeshauptstadt Ottawa (874.433 Ew.), Edmonton (822.319 Ew.), Québec (745.623), Hamilton (653.637 Ew.), und Winnipeg (632.069 Ew.).

Bodenschätze

Kanada ist sehr reich an den verschiedensten Bodenschätzen. Die in der Provinz Ontario abgebauten Mengen an Nickel decken etwa 20 % des Weltbedarfs. Kanada besitzt außerdem mit rund 24 Milliarden Tonnen die größten Erdölreserven nach Saudi-Arabien und noch vor dem Irak.

Das Land verfügt auch über 10 % des weltweiten Waldbestands, große Süßwasserreserven sowie bedeutende Vorkommen von Erdgas, Schwefel, Asbest, Aluminium, Gold, Kohle, Kupfer, Eisenerz, Kaliumkarbonat, Uran und Zink. Riesige Naturgebiete, vor allem in den Tundra- und Bergregionen, bedecken 70 % Kanadas. Das entspricht 20 % der weltweit verbleibenden Wildnisgebiete (ohne Antarktis). Dennoch ist nur noch ein geringer Teil der ausgedehnten Wälder Urwald. Wasserkraft bildet die Grundlage für die Zellstoff- und Papierindustrie.

Flora und Fauna

Die nördliche Baumgrenze verläuft von der Ostküste Labradors über die Ungava-Halbinsel Richtung Süden entlang des Ostufers der Hudson Bay und setzt sich anschließend schlangenlinienförmig Richtung Nordwesten zum Unterlauf des Mackenzie und weiter nach Alaska fort. Nördlich der Baumgrenze gibt es kaum oder gar keinen fruchtbaren Boden (Tundra). Die Vegetation der südlichsten Tundragebiete besteht aus niedrigem Buschwerk, Gräsern und Riedgras. Die nördlichsten Gebiete sind zu weniger als einem Zehntel mit den für die Polarwüste typischen Moosen bedeckt.

Südlich der Baumgrenze, über den gesamten Norden Kanadas von Alaska bis Neufundland, schließt sich eines der größten Nadelwaldgebiete der Welt an. Im Osten, von den Großen Seen bis zu den Küsten, wachsen hauptsächlich Mischwälder mit Zuckerahorn, Buchen, Birken, Kiefern und Hemlocktannen. Die Tiefebenen im äußersten Süden sind mit reinen Laubwäldern bedeckt. Hier gedeihen neben Hickorybäumen, Eichen und Ulmen Kastanien, Ahorn und Walnussbäume. In den westlichen Berggebieten sind die gemeine Fichte, Douglasie und Lodgepole-Kiefer am weitesten verbreitet, in Hochebenen wachsen außerdem Zitterpappel und Gelbkiefer. Die Vegetation der niederschlagsreichen Pazifikküste wird von Wäldern aus dichten, hohen Douglasfichten, westlichen Rot-Zedern und Hemlocktannen beherrscht. Das Prärieland ist zu trocken, um mehr als vereinzelte Baumgruppen hervorzubringen. Vom ursprünglich weiten, hügeligen Grasland ist heute nur noch wenig übrig; es ist dem heute berühmten Weizengürtel Kanadas gewichen.

Die arktischen Gewässer bieten Nahrung für Wale, Walrosse, Seehunde und für den halb-aquatilen Polarbären. In den Tundren leben Moschusochsen, Karibus, Polarwölfe, Polarfüchse, Polarhasen und Lemminge, vereinzelt auch Vielfraße; viele Zugvögel verbringen hier den Sommer, darunter Alke, Enten, Möwen, Seeschwalben und andere Seevögel. Die Wälder im Norden sind ein idealer Lebensraum für Karibus und Elche, Luchse, Schwarz– und Braunbären.

Fünf Milliarden Vögel kommen jeden Sommer in die Borealen Wälder. Biber, Marder, Bisamratten, Nerze sind auch heute noch weitgehend Grundlage des Pelzhandels. Weiter im Süden findet man viele Wapitis, während es in dichter besiedelten Landstrichen vor allem kleinere Säugetiere, wie graue und rote Eich-, Backenhörnchen, Wiesel und Otter gibt. Zur artenreichen und gesangsstarken Vogelwelt zählen der Kardinal, der Waldsänger, der Baltimorepirol und die Spottdrossel. In den Präriegebieten leben kleinere Tiere, wie Präriehasen, Taschenratten und das spitzschwänzige Rauhfußhuhn sowie die letzten Bisons und Pronghornantilopen. In den westlichen Bergen gibt es sehr gut angepasste Tierarten wie das Bighorn-Schaf und die Bergziege.

Die einheimische Tier- und Pflanzenwelt steht in zahlreichen Nationalparks und Naturreservaten unter Schutz. Größtes Schutzgebiet ist der 45.000 Quadratkilometer große Wood-Buffalo-Nationalpark im nördlichen Teil von Alberta und den Nordwest-Territorien, in dem zahlreiche vom Aussterben bedrohte Arten vertreten sind. Bemerkenswert ist der Bisonbestand mit etwa 6000 Tieren.

Seen und Flüsse

Kanada ist ein überaus seenreiches Land. 7,6% seiner Landmasse sind mit insgesamt rund zwei Millionen Seen bedeckt. Allein die Binnengewässer umfassen zusammen mehr als das Doppelte der Fläche Deutschlands. 31 Seen besitzen eine Fläche von mehr als 1.300 km². Zu den größten Seen gehören der Große Bärensee, der Große Sklavensee, der Winnipegsee, der Athabascasee sowie die Großen Seen, durch die mit Ausnahme des Michigansees, der ganz auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten liegt, die Grenze zum südlichen Nachbarland verläuft. Der Anteil Kanadas an der Gesamtfläche der Großen Seen beträgt 37 %. Der größte gänzlich in Kanada gelegene See ist der Große Bärensee in den Nordwest-Territorien mit 31.328 km² .

Der wichtigste Fluss Kanadas ist der Sankt-Lorenz-Strom (3.058 km). Er dient als Wasserstraße zwischen den Großen Seen und dem Atlantik. Heute werden jährlich Güter mit einem Gesamtgewicht von 40 Millionen Tonnen auf dem Sankt-Lorenz-Seeweg verschifft. Kanadas zweitlängster Fluss ist der Mackenzie River (1.903 km) in den Nordwest-Territorien. Weitere große Flüsse sind der Yukon River und der Columbia River, die teilweise auch in den Vereinigten Staaten verlaufen, der Fraser River, der Nelson River, der La Grande, der Churchill River und der Manicouagan sowie Nebenflüsse wie der Saskatchewan, der Peace River, der Ottawa und der Athabasca.

Bevölkerung

Die letzte Volkszählung von 2006 ergab eine Einwohnerzahl von 31.612.897. Daraus errechnet sich eine Bevölkerungsdichte von ca. 3,2 Einwohner/km², eine der geringsten der Welt. Die Bevölkerung konzentriert sich auf einem bis zu 350 km breiten Streifen entlang der Grenze zu den USA. Weite Teile des Nordens sind nahezu unbesiedelt. Fast vier Fünftel der Kanadier leben in Städten, die meisten in den Millionenmetropolen Toronto, Montréal, Vancouver und Ottawa.

Der Großteil der Bevölkerung lebt in den Provinzen Ontario (2006: 12.160.282 Ew.) und Québec (2006: 7.546.131 Ew.) entlang des St.-Lorenz-Stromes, das heißt rund um Toronto, Montréal, Québec, Ottawa, London und Hamilton (Windsor-Québec-Korridor). 4.113.487 Menschen leben in British Columbia, 3.290.350 in Alberta, in Manitoba 1.148.401 und in Saskatchewan weitere 968.157 Menschen. Nunavut mit 29.474 Einwohnern ist das bevölkerungsärmste Territorium Kanadas[2].

Demografische Struktur und Entwicklung

Kanada ist ein klassisches Einwandererland. Große Einwanderergruppen kamen in der Vergangenheit aus dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Italien, Deutschland, den Niederlanden, Ungarn, der Ukraine, Polen, Kroatien, Serbien und aus den USA. Heutzutage wächst die Bedeutung der Einwanderer aus Fernost, vor allem aus der Volksrepublik China. Die Wachstumsrate der Bevölkerung ist die höchste innerhalb der G8-Staaten (+5.4 % zwischen 2001 und 2006).

Die Geburtenrate betrug 2003 10,99 Geburten pro 1000 Einwohner, die Sterberate 7,61 Todesfälle pro 1000 Einwohner. Das Bevölkerungswachstum betrug 0,94 %.

Die durchschnittliche Lebenserwartung in Kanada liegt bei 73,6 Jahren. 26 % der Kanadier sind 19 Jahre oder jünger, 13 % 65 Jahre oder älter. Das mittlere Alter der erwerbsfähigen Bevölkerung liegt bei 42 Jahren, die Schätzung für 2011 liegt bei 43,7 Jahren.

Indigene Ethnien

In Kanada unterscheidet man drei Gruppen indigener (oder autochthoner) Völker: Die First Nations (auch „Indianer“ genannt), die Inuit und die Métis, Nachfahren von Siedlern und Pelzhändlern, die mit indianischen Frauen eine Verbindung eingegangen waren.

Bei der letzten Volkszählung im Jahre 2006 waren 1.172.790 Kanadier als Angehörige einer indigenen Gruppe gemeldet, das waren 3,8 Prozent der kanadischen Bevölkerung. Aufgefächert sind dies folgende Zahlen:

185.960 Kanadier sprachen im Jahr 2001 eine der 50 indigenen Sprachen, diese umfassen die Sprachen der First Nations[3] sowie Inuktitut, die Sprache der Inuit. Seit 1996 wird der 21. Juni als „National Aboriginal Day / Journée nationale des Autochtones“ gefeiert. Die Interessen der indigenen Bevölkerung Kanadas werden vom Ministerium für „Indian and Northern Affairs“ / „Affaires indiennes et du Nord“ vertreten.

Sprachen

Hauptartikel: Kanadisches Englisch, Französisch in Kanada

Kanadas Amtssprachen sind Englisch und Französisch. In der Kanadischen Charta der Rechte und Freiheiten, im Amtssprachengesetz und in den Amtssprachenverordnungen ist die offizielle Zweisprachigkeit festgeschrieben, die vom Amtssprachenkommissariat durchgesetzt wird. In den Bundesgerichten, im Parlament und in allen Institutionen des Bundes sind Englisch und Französisch gleichberechtigt. Die Bürger haben das Recht, Dienstleistungen des Bundes in englischer oder französischer Sprache wahrzunehmen. In allen Provinzen und Territorien wird den sprachlichen Minderheiten der Schulunterricht in eigenen Schulen garantiert.[4]

Englisch und Französisch sind die Muttersprache von 59,7 % bzw. 23,2 % der Bevölkerung.[5], bei 68,3 % bzw. 22,3 % sind es die zuhause am meisten gesprochenen Sprachen.[6] 98,5 % aller Einwohner sprechen Englisch oder Französisch (67,5 % sprechen nur Englisch, 13,3 % nur Französisch und 17,7 % beides).[7]

Zwar leben 85 % aller Französisch Sprechenden in Québec, doch gibt es bedeutende frankophone Bevölkerungsgruppen in Ontario und in Alberta, im Süden von Manitoba, im Norden und Südosten von New Brunswick (Akadier; insgesamt 35 % der Bevölkerung dieser Provinz) sowie im südwestlichen Nova Scotia und auf der Kap-Breton-Insel. Ontario hat die zahlenmäßig größte französischsprachige Bevölkerung außerhalb Québecs. Die Charta der französischen Sprache erklärt Französisch zur alleinigen Amtssprache in Québec und New Brunswick ist die einzige Provinz, deren Verfassung die offizielle Zweisprachigkeit garantiert.[8] Andere Provinzen haben keine Amtssprache als solche definiert, jedoch wird Französisch zusätzlich zu Englisch in Schulen, Gerichten und für Dienstleistungen der Regierung verwendet. Manitoba, Ontario und Québec erlauben das gleichberechtigte Sprechen von Englisch und Französisch in den Provinzparlamenten und Gesetze werden in beiden Sprachen erlassen. In Ontario kennen einzelne Gemeinden Französisch als zweite Amtssprache.

Alle Regionen haben nicht-englisch- oder französischsprachige Minderheiten, hauptsächlich Nachkommen der Ureinwohner. Offiziellen Status besitzen mehrere Sprachen der First Nations in den Nordwest-Territorien. Im hauptsächlich von Inuit bevölkerten Territorium Nunavut ist Inuktitut die Mehrheitssprache und eine von drei Amtssprachen. Mehr als 6,1 Millionen Einwohner bezeichnen weder Englisch noch Französisch als ihre Erstsprache. Am weitesten verbreitet sind Chinesisch (ca. 1,012 Millionen Sprecher), Italienisch (ca. 455.000), Deutsch (ca. 450.000), Panjabi (ca. 367.000) und Spanisch (ca. 345.000).[5] Das Kanadisch-Gälische, um die Mitte des 19. Jahrhunderts noch die dritthäufigste Sprache Kanadas, ist mit etwa 500 bis 1000 vorwiegend älteren Sprechern mittlerweile fast ausgestorben.

Religion

Etwa 73,3 % der kanadischen Bevölkerung gehören einer christlichen Konfession an (ca. 44 % katholisch, ca. 29 % protestantisch - die beiden größten protestantischen Glaubensgemeinschaften sind die United Church of Canada (ca. 9 %) und die Anglican Church of Canada (6,9 %) sowie kleinere Anteile anderer Kirchen: ca. 0,16 % orthodox, ca. 0,25 % andere christliche Glaubensgemeinschaften. Etwa 1,1 % sind Juden und ca. 1 % Buddhisten. Muslime stellen ca. 1,7 % der Bevölkerung. Etwa 16,5 % gehören keinem Glauben an.[9]

Einwanderungspolitik

Die Einwanderung nach Kanada wird über klar definierte Ziele gesteuert. Einwanderungskriterien sind öffentlich einsehbar und können bereits vor Antragstellung selbst überprüft werden. Für Menschen mit Berufen, die in Kanada gefragt sind, existiert zum Beispiel das Skilled Worker-Programm. Je nach Lage des kanadischen Arbeitsmarkts wird eine Mindestpunktzahl (z. B. im Mai 2008: 67 Punkte) festgelegt, die ein Einwanderungsinteressierter erreichen muss. Die persönliche Punktzahl setzt sich aus Punkten für den aktuellen Bildungsstand und die Berufserfahrung zusammen, aus Punkten für die vorhandenen Sprachkenntnisse in Englisch und Französisch sowie für das Alter, für Verwandte und frühere Aufenthalte in Kanada. Ein verbindliches Arbeitsangebot eines kanadischen Arbeitgebers erhöht die Punktzahl nochmals maßgeblich[10]. Daneben muss ein Interessent am Skilled Worker-Programm nachweisen, dass er sich für eine gewisse Zeit finanziell selbst versorgen kann. Die notwendige Summe beläuft sich derzeit (5/2008) für eine alleinstehende Person auf CAD 10.601, für eine vierköpfige Familie auf CAD 19.700[11]. Außerdem werden polizeiliche Führungszeugnisse aus allen Ländern benötigt, in denen der Kandidat nach dem 18. Geburtstag für sechs Monate oder länger gelebt hat.

Die Einwanderung erfolgt in zwei Stufen. Zunächst wird eine unbefristete Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung erteilt. Nach drei Jahren als „Permanent Resident“ kann der Einbürgerungsantrag gestellt werden. Einwanderer, die noch nicht eingebürgert sind, haben Residenzpflicht. Wird der Residenzpflicht nicht Genüge getan, können der „Permanent Resident“-Status entzogen und die Einwanderer in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt werden. Die Residenzpflicht bedeutet, dass man Nachweise für die vorgegebene Zeit in Kanada erbringen muss, oder mit jemand verheiratet ist, der/die die kanadische Staatsbürgerschaft hat.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Kanadas, Geschichte der First Nations, Territoriale Entwicklung Kanadas

Vorgeschichte und Kolonialisierung

Inuit und Indianer (in Kanada First Nations genannt) besiedelten Nordamerika vor mindestens 12.000 Jahren.[12]

Europäische Siedler erreichten Nordamerika erstmals um das Jahr 1000, als Wikinger während kurzer Zeit in L’Anse aux Meadows am nördlichsten Ende von Neufundland siedelten. Auf Baffin Island, kam es anscheinend schon mehrere Jahrhunderte früher zu Kontakten, die sich nicht auf bloßen Handel zurückführen lassen.[13] Der erste Europäer, der nachweislich die Atlantikküste Kanadas erreichte, war Giovanni Caboto, ein italienischer Seefahrer in englischen Diensten. Dieser landete am 24. Juni 1497 auf der Kap-Breton-Insel und nahm das Land für England in Besitz. Baskische Walfänger und Fischer kamen ab etwa 1525 regelmäßig an die ostkanadische Küste und beuteten ein Jahrhundert lang die Ressourcen in der Region zwischen der Neufundlandbank und Tadoussac aus.[14] Eine Expedition unter der Leitung von Jacques Cartier erkundete 1534/35 das Gebiet um den Sankt-Lorenz-Golf und den Sankt-Lorenz-Strom und erklärte es zu französischem Besitz.

Samuel de Champlain gründete 1605 mit Port Royal (heute Annapolis Royal) und 1608 mit Québec die ersten dauerhaften Ansiedlungen in Neufrankreich. Die französischen Kolonisten teilten sich in zwei Hauptgruppen: Die Canadiens besiedelten das Tal des Sankt-Lorenz-Stroms, die Akadier (Acadiens) die heutigen Seeprovinzen. Französische Pelzhändler und katholische Missionare erforschten die Großen Seen, die Hudson Bay und den Mississippi bis nach Louisiana. Die Engländer gründeten ab 1610 Fischerei-Außenposten auf Neufundland und kolonisierten die weiter südlich gelegenen Dreizehn Kolonien.

Zwischen 1689 und 1763 kam es in Nordamerika zu vier kriegerischen Konflikten zwischen Engländern (bzw. Briten) und Franzosen, die jeweils Teil von Erbfolgekriegen in Europa waren. Der King William’s War (1689–1697) brachte keine territorialen Veränderungen. Nach Ende des Queen Anne’s War (1702–1713) gelangte Großbritannien durch den Frieden von Utrecht in den Besitz von Akadien, Neufundland und der Hudson-Bay-Region. Die Briten eroberten 1745 im King George’s War die französische Festung Louisbourg auf der Kap-Breton-Insel, gab diese aber 1748 gemäß dem Frieden von Aachen wieder zurück. Der Franzosen- und Indianerkrieg (1754–1763) brachte schließlich die Entscheidung: Mit dem Pariser Frieden musste Frankreich 1763 fast alle seine Besitzungen in Nordamerika abtreten.

Britische Herrschaft

Mit der Königlichen Proklamation von 1763 entstand aus dem ehemaligen Neufrankreich die britische Provinz Québec, im selben Jahr gelangte die Kap-Breton-Insel zur Kolonie Nova Scotia. Auch wurden Rechte der französischen Kanadier eingeschränkt. 1769 wurde eine weitere Kolonie namens St. John’s Island (seit 1798 Prince Edward Island) gegründet. Um Konflikte in Québec abzuwenden, verabschiedete das britische Parlament 1774 den Quebec Act. Das Gebiet Québecs wurde zu den Großen Seen und zum Ohiotal ausgedehnt, während die französischsprachige Bevölkerungsmehrheit den Code Civil beibehalten und ihre Sprache in der Öffentlichkeit verwenden durfte; durch die Zusicherung der freien Religionsausübung konnte die Römisch-katholische Kirche in der Kolonie verbleiben.

Das Gesetz verärgerte jedoch die Bewohner der Dreizehn Kolonien, die darin eine unzuläßige Beschränkung ihrer nach Westen gerichteten Expansion sahen. Der Quebec Act war eines jener „unerträglichen Gesetze“ (Intolerable Acts), die schließlich zur Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten und zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg führten. Der Frieden von Paris erkannte die amerikanische Unabhängigkeit an und die Gebiete südlich der Großen Seen fielen an die Vereinigten Staaten. Etwa 50.000 Loyalisten flohen in das heutige Kanada.[15] New Brunswick wurde 1784 von Nova Scotia abgetrennt, um die Ansiedlung der Loyalisten an der Atlantikküste besser organisieren zu können. Um den nach Québec geflohenen Loyalisten entgegenzukommen, verabschiedete das britische Parlament das Verfassungsgesetz von 1791, das die Provinz Québec in das französischsprachige Niederkanada und das englischsprachige Oberkanada teilte und beiden Kolonien ein gewähltes Parlament gewährte.

Die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien entluden sich im Britisch-Amerikanischen Krieg, der von 1812 bis 1814 dauerte und letztlich ergebnislos endete. In Kanada wird der Krieg bis heute als erfolgreiche Abwehr amerikanischer Invasionsversuche betrachtet. Die britisch- und französischstämmige Bevölkerung entwickelte durch den Kampf gegen einen gemeinsamen Feind ein gemeinsames kanadisches Nationalgefühl, die Loyalität der britischen Krone gegenüber wurde gestärkt.

Der Wunsch nach Selbstverwaltung und der Widerstand gegen die wirtschaftliche und politische Vorherrschaft einer kleinen Elite führte zu den Rebellionen von 1837, die rasch niedergeschlagen wurden. Lord Durham empfahl daraufhin in seinem Untersuchungsbericht die Einsetzung einer selbstverantwortlichen Regierung und die allmähliche Assimilierung der französischen Kanadier in die britische Kultur.[16] Der Act of Union 1840 verschmolz Nieder- und Oberkanada zur Provinz Kanada und erhob das Englische zur alleinigen Amtssprache. Bis 1849 erhielten auch die weiteren Kolonien in Britisch Nordamerika eine eigene Regierung.

Zwei Handelsgesellschaften, die Hudson’s Bay Company (HBC) und die North West Company (NWC), kontrollierten den Handel in den weiten, nur von wenigen Ureinwohnern besiedelten Gebieten der Prärien und der Subarktis. Die HBC hatte 1670 Ruperts Land als Pachtgebiet erhalten und besaß dort das Handelsmonopol mit Pelzen. Da aber auch die NWC dort Fuß zu fassen versuchte, kam es wiederholt zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Nach dem Pemmikan-Krieg in der Red-River-Kolonie (heute Manitoba) wurde die NWC 1821 zwangsliquidiert und die HBC dehnte ihr Monopol auf fast den gesamten Nordwesten des Kontinents aus. 1846 schlossen die Vereinigten Staaten und Großbritannien den Oregon-Kompromiss, der westlich der Großen Seen den 49. Breitengrad als gemeinsame Grenze festlegte. Daraufhin folgte die Gründung der an der Pazifikküste gelegenen Kolonien Vancouver Island (1849) und British Columbia (1858).

Kanadische Konföderation

Während des Sezessionskriegs in den Vereinigten Staaten erkannten führende Politiker die Notwendigkeit, möglichen amerikanischen Expansionsbestrebungen einen starken Bundesstaat entgegenzustellen, und berieten in drei Verfassungskonferenzen über die Schaffung einer Kanadischen Konföderation. Daraus resultierte das Verfassungsgesetz von 1867, das am 1. Juli 1867 in Kraft trat und das Dominion Kanada schuf, das über eine gewisse Eigenständigkeit gegenüber Großbritannien verfügte. Die Provinz Kanada wurde in Ontario und Québec aufgeteilt, hinzu kamen New Brunswick und Nova Scotia.

Der neue Bundesstaat kaufte 1869 der Hudson’s Bay Company das Nordwestliche Territorium und Ruperts Land ab und vereinigte diese zu den Nordwest-Territorien. Nach der Niederschlagung der Red-River-Rebellion der Métis schuf der Manitoba Act 1870 im Unruhegebiet die Provinz Manitoba. British Columbia und Vancouver Island (die sich 1866 vereinigt hatten) traten 1871 der Konföderation bei, zwei Jahre später folgte Prince Edward Island.

Um den Westen für die Besiedlung durch Einwanderer zu erschließen, beteiligte sich die Regierung an der Finanzierung von transkontinentalen Eisenbahnen und gründete die North-West Mounted Police (heute Royal Canadian Mounted Police), um die staatliche Kontrolle über die Prärien und subarktischen Regionen durchzusetzen. Die Nordwest-Rebellion und die darauf folgende Hinrichtung des Métis-Anführers Louis Riel 1885 führten zu einem tiefen Zerwürfnis zwischen den beiden Sprachgruppen. Als direkte Folge des Klondike-Goldrauschs wurde 1898 das Yukon-Territorium geschaffen. Aufgrund der zunehmenden Besiedlung der Prärie entstanden 1905 aus dem südlichen Teil der Nordwest-Territorien die Provinzen Alberta und Saskatchewan.

An der Seite Großbritanniens nahm Kanada ab 1914 am Ersten Weltkrieg teil und entsandte Freiwillige an die Westfront. Als die Regierung versuchte, gegen den Widerstand des französischsprachigen Bevölkerungsteils den obligatorischen Wehrdienst einzuführen, kam es zur Wehrpflichtkrise von 1917.

Eigenständigkeit und Separatismus

Bei den Verhandlungen zum Versailler Vertrag trat Kanada als eigenständiges Staatswesen auf und trat 1919 unabhängig von Großbritannien dem Völkerbund bei. Das Statut von Westminster von 1931 garantierte die gesetzgeberische Unabhängigkeit, gewisse verfassungsrechtliche Bindungen blieben jedoch weiter bestehen. Das Land war besonders stark von der Weltwirtschaftskrise betroffen, als Reaktion darauf entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten ein gut ausgebauter Sozialstaat.

Kanada erklärte 1939 dem Deutschen Reich den Krieg. Trotz einer weiteren Wehrpflichtkrise spielten kanadische Truppen während des Zweiten Weltkriegs eine wichtige Rolle, insbesondere in der Atlantikschlacht, der Operation Jubilee, der Invasion Italiens, der Operation Overlord (Landung am Juno Beach) und der Schlacht an der Scheldemündung. 1945 wurden kanadische Soldaten maßgeblich während der Kämpfe um die Niederlande eingesetzt.

Die britische Kolonie Neufundland, die sich 1867 nicht dem Bundesstaat angeschlossen hatte und von 1907 bis 1934 ein unabhängiges Dominion gewesen war, trat 1949 nach einer lange andauernden politischen und wirtschaftlichen Krise als letzte Provinz der kanadischen Konföderation bei. 1965 wurde die neue Ahornblattflagge eingeführt und mit dem Inkrafttreten des Amtssprachengesetzes war Kanada ab 1969 offiziell ein zweisprachiges Land. Premierminister Pierre Trudeau strebte die vollständige formale Unabhängigkeit von Großbritannien an, die mit dem Verfassungsgesetz von 1982 und der Charta der Rechte und Freiheiten Wirklichkeit wurde.

Während der 1960er Jahre fand in Québec eine tiefgreifende gesellschaftliche und wirtschaftliche Umwälzung statt, die als „Stille Revolution“ bekannt ist. Quebecer Nationalisten begannen, mehr Autonomie oder gar die Unabhängigkeit zu fordern. Anschläge und Entführungen durch die Front de libération du Québec führten 1970 zur Oktoberkrise und zur kurzzeitigen Ausrufung des Ausnahmezustands. Moderate Nationalisten stellten ab 1976 die Provinzregierung, 1980 wurde ein erstes Unabhängigkeitsreferendum mit 59,6 % der Stimmen abgelehnt.

Bemühungen der Bundesregierung, Québec mit dem Meech Lake Accord als „sich unterscheidende Gesellschaft“ anzuerkennen, scheiterten 1989. Die vom separatistischen Bloc Québécois geführte Provinzregierung setzte 1995 das zweite Unabhängigkeitsreferendum an, das mit 49,4 % Zustimmung äußerst knapp scheiterte. 1999 wurde mit Nunavut das erste kanadische Territorium mit mehrheitlich indigener Bevölkerung geschaffen. Trotz einiger politischer Zugeständnisse ist die Unzufriedenheit unter den Ureinwohnern immer noch hoch.

Politik

Siehe auch: Kanadische Monarchie

Kanada ist formal eine konstitutionelle Monarchie innerhalb des Commonwealth of Nations mit Königin Elisabeth II. als Staatsoberhaupt, die den Titel der „Königin von Kanada“ trägt und durch den Generalgouverneur vertreten wird.[17][18] Das Land ist auch eine repräsentative parlamentarische Demokratie, die in Form eines Bundesstaates organisiert ist. Die Verfassung Kanadas besteht aus schriftlichen Rechtsquellen und ungeschriebenem Gewohnheitsrecht.[19] Das Verfassungsgesetz von 1867 enthält das Staatsorganisationsrecht, begründete ein auf dem Westminster-System des Vereinigten Königreichs basierendes parlamentarisches Regierungssystem und teilte die Macht zwischen Bund und Provinzen auf. Das Statut von Westminster von 1931 gewährte die vollständige gesetzgeberische Autonomie und mit dem Verfassungsgesetz von 1982 wurden die letzten verfassungsrechtlichen Bindungen zum britischen Mutterland gelöst. Letzteres enthält einen Grundrechtskatalog (die Kanadische Charta der Rechte und Freiheiten) sowie Bestimmungen betreffend das Vorgehen bei Verfassungsänderungen.[19]

Exekutive

Theoretisch liegt die exekutive Staatsgewalt beim Monarchen, wird aber in der Praxis durch das Kabinett, einem Komitee des kanadischen Kronrates und durch den Vertreter des Monarchen, den Generalgouverneur, ausgeübt. Der Monarch und dessen Vertreter sind unpolitisch und üben überwiegend zeremonielle Funktionen aus, um die Stabilität der Regierung zu garantieren. Gemäß Gewohnheitsrecht übergeben sie alle politischen Geschäfte ihren Ministern im Kabinett, die ihrerseits gegenüber dem gewählten Unterhaus verantwortlich sind. Die exekutive Staatsgewalt liegt somit de facto beim Kabinett, jedoch können Monarch und Generalgouverneur im Falle einer außergewöhnlichen Verfassungskrise ihre Hoheitsrechte wahrnehmen.

Der Premierminister ist üblicherweise der Vorsitzende jener Partei, die im Unterhaus die meisten Sitze hält und das Vertrauen der Mehrheit der Abgeordneten besitzt. Er wird vom Generalgouverneur eingesetzt und führt als Regierungschef das Kabinett an. Da er über weitgehende Befugnisse verfügt, gilt er als mächtigste Person des Staates. Er ernennt die übrigen Kabinettsmitglieder, Senatoren, Richter des Obersten Gerichtshofes, Vorsitzende von Staatsbetrieben und Behörden und kann die Vizegouverneure der Provinzen vorschlagen. Die Bundesregierung ist unter Anderem zuständig für Außenpolitik, Verteidigung, Handel, Geldwesen, Verkehr und Post sowie die Aufsicht über die Administration der drei bundesabhängigen Territorien. Michaëlle Jean ist seit dem 27. September 2005 Generalgouverneurin von Kanada. Der Vorsitzende der Konservativen Partei, Stephen Harper, ist seit dem 6. Februar 2006 Premierminister.

Legislative

Das kanadische Bundesparlament besteht aus dem Monarchen und zwei Kammern, dem demokratisch gewählten Unterhaus (engl. House of Commons, frz. Chambre des communes) und dem ernannten Senat (Senate, Sénat). Jedes Mitglied des Unterhauses wird im relativen Mehrheitswahlrecht in einem von 308 Wahlkreisen gewählt. Allgemeine Wahlen werden vom Generalgouverneur angesetzt, wenn der Premierminister dies so vorschlägt oder wenn die Regierung ein Misstrauensvotum verliert. Es gibt zwar keine Mindestdauer für eine Legislaturperiode, doch muss eine Neuwahl spätestens nach fünf Jahren erfolgen. In der Regel wird der Vorsitzende jener Partei, die am zweitmeisten Sitze erhalten hat, zum Anführer der „offiziellen Opposition“. Aktuell ist dies seit dem 2. Dezember 2006 Stéphane Dion von der Liberalen Partei. Weitere Parteien mit geringeren Sitzzahlen werden als „Drittparteien“ bezeichnet.

Im Senat, auch „Oberhaus“ (engl. upper house, frz. chambre haute) genannt, sitzen 105 Abgeordnete, die der Generalgouverneur auf Empfehlung des Premierministers ernennt. Die Sitze sind nach Regionen aufgeteilt, wobei diese seit 1867 nicht mehr angepasst wurden und deshalb große Disproportionalitäten in der Repräsentation im Verhältnis zur Einwohnerzahl bestehen. Die Senatoren haben keine feste Amtszeit, sondern können ihr Amt bis zum 75. Lebensjahr wahrnehmen. Der Einfluss des Senats ist bedeutend geringer als jener des Unterhauses.

Judikative

Hauptartikel: Rechtssystem Kanadas

Kanadas Rechtssystem spielt eine wichtige Rolle bei der Interpretation von Gesetzen. Es berücksichtigt die sich verändernden gesellschaftlichen Gegebenheiten und hat die Macht, Gesetze zu widerrufen, die gegen die Verfassung verstoßen. Oberste Gerichtshof ist das höchste Gericht und die letzte Instanz. Die neun Mitglieder werden auf Vorschlag des Premierministers und des Justizministers vom Generalgouverneur ernannt. Vorsitzende des Obersten Gerichtshofes (Chief Justice of Canada, Juge en chef du Canada) ist seit 2000 Beverley McLachlin. Die Bundesregierung ernennt auch Richter der Obersten Gerichte der Provinzen und Territorien. Die Besetzung von Richterämtern auf unteren Stufen fällt in die Zuständigkeit der Provinz- und Territorialregierungen.

Zwar ist Kanada ein relativ junges Land, die Rechtsordnung hat jedoch eine lange Tradition. Das in allen Provinzen mit Ausnahme Québecs geltende Common Law basiert auf Grundsätzen, die sich während Jahrhunderten in England entwickelten und ein Erbe der britischen Kolonialzeit sind. Der in Québec im Bereich des Privatrechts geltende Code Civil spiegelt Prinzipien des französischen Rechtssystems wider. Das Strafrecht hingegen ist Sache des Bundesstaates und in allen Provinzen einheitlich. Im Laufe der Zeit wurden beide Rechtssysteme den Erfordernissen in Kanada angepasst. Die Strafverfolgung fällt in die Verantwortung der Provinzen, doch wird sie in ländlichen Regionen (außer Québec und Ontario) der föderalen Royal Canadian Mounted Police übertragen.

Außenpolitik

Die Vereinigten Staaten und Kanada teilen sich die längste nicht verteidigte Staatsgrenze der Welt. Die Kooperation auf militärischem und wirtschaftlichem Gebiet ist eng; so sind beide Länder im Rahmen des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens jeweils der größte Handelspartner des anderen. Dennoch betreibt Kanada eine eigenständige Außenpolitik. Es unterhält beispielsweise diplomatische Beziehungen zu Kuba und beteiligte sich nicht am Vietnamkrieg oder am Irakkrieg. Enge Beziehungen unterhält das Land traditionell zum Vereinigten Königreich und zu Frankreich, über die Mitgliedschaft im Commonwealth of Nations und in der internationalen Organisation der Frankophonie auch zu anderen ehemaligen britischen und französischen Kolonien. Ein weiterer Schwerpunkt der außenpolitischen Beziehungen sind die Staaten der Karibischen Gemeinschaft. Im 2005 veröffentlichten International Policy Statement legte die kanadische Regierung die Leitlinien der Außenpolitik fest; angestrebt wird hauptsächlich eine Annäherung an die Europäische Union.

Einen wichtigen Teil der kanadischen Identität bildet die Unterstützung der Multilateralität. 1945 gehörte Kanada zu den Gründungsmitgliedern der Vereinten Nationen. Der spätere Premierminister Lester Pearson trug wesentlich zur Beilegung der Sueskrise bei und wurde 1957 dafür mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Kanada ist Mitglied zahlreicher internationaler Organisationen wie der OSZE, der Welthandelsorganisation, der OECD, der OAS, der APEC und der Gruppe der Acht.

Verschiedene internationale Vereinbarungen entstanden auf kanadische Initiative und wurden in diesem Land verabschiedet. Dazu gehören die Ottawa-Konvention zum Verbot von Antipersonenminen und das Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht. Die Stadt Montreal ist Sitz der zwei bedeutendsten Zivilluftfahrtorganisationen, der IATA und der ICAO.

Militär

Hauptartikel: Kanadische Streitkräfte

Die kanadischen Streitkräfte (engl. Canadian Forces, frz. Forces canadiennes) in ihrer jetzigen Form entstanden 1968, als Heer, Marine und Luftwaffe organisatorisch zusammengeführt wurden. Die Truppen umfassen rund 62.000 freiwillige Berufssoldaten und 22.000 Reservisten.[20] Hinzu kommen 4800 Canadian Rangers, deren Hauptaufgabe es ist, in entlegenen arktischen Gebieten militärische Präsenz zu zeigen.[21] Die Streitkräfte verfügen über rund 1400 gepanzerte Fahrzeuge, 34 Kriegsschiffe und 300 Kampfflugzeuge.

Aufgrund der engen Bindungen an das britische Mutterland waren kanadische Truppen am Burenkrieg, am Ersten Weltkrieg und am Zweiten Weltkrieg beteiligt. Seit 1948 stellt Kanada einen bedeutenden Teil der Friedenstruppen der Vereinten Nationen und war an mehr Friedensmissionen beteiligt als jede andere Nation (seit 1989 ohne Ausnahme).[22] Kanada ist Gründungsmitglied der NATO und Vertragspartner des nordamerikanischen Luftraumverteidigungsbündnisses NORAD. Das Land beteiligt sich grundsätzlich nicht an kriegerischen Handlungen, die nicht von den Vereinten Nationen sanktioniert wurden. Dagegen unterstützte es Operationen im Koreakrieg, im Zweiten Golfkrieg, im Afghanistankrieg oder im Kosovokrieg.

Bildung

Im föderalistischen Kanada gibt es kein einheitliches nationales Bildungssystem; für das Schulwesen sind die Provinzen und Territorien zuständig. Daher unterscheiden sich in einigen Provinzen Schuleintrittsalter (5. oder 6. Lebensjahr) und Dauer der Grundschulzeit (bis Klasse 6 oder 7). Die Sekundarstufe (in Québec École polyvalente genannt) umfasst in Form einer Gesamtschule die dreijährige Junior Highschool (Sekundarbereich I) und die zwei- bis vierjährige Senior Highschool (Sekundarbereich II). Da das kanadische Bildungssystem eine hohe Chancengleichheit anstrebt, erfolgt der Übergang von einer Schulstufe in die andere ohne Leistungsprüfung. Erst innerhalb der Senior High School ist der Erwerb des Abschlusszeugnisses (High School Diploma / Diplôme d'Études Secondaire) vom Erreichen bestimmter Bewertungspunkte (Creditpoints) abhängig. 2 % der Schulen liegen in privater, überwiegend kirchlicher Hand. Während der Schulbesuch kostenfrei ist, werden an den Hochschulen Studiengebühren unterschiedlicher Höhe fällig. Von den über 70 Universitäten zählen die University of Toronto (1827) und die Université de Montréal (1878) zu den größten. Sie verleihen Bachelor, Master und Ph.D. Abschlüsse. Laut dem Academic Ranking of World Universities (Shanghai Ranking) aus dem Jahr 2006 (Jiaotong-Universität Shanghai) der besten Universitäten der Welt zählen die University of Toronto auf Platz 24 und die University of British Columbia in Vancouver auf Platz 36 zu den besten Hochschulen in Kanada.

Provinzen und Territorien

Hauptartikel: Provinzen und Territorien Kanadas

Kanada ist ein in zehn Provinzen und drei Territorien gegliederter Bundesstaat. Diese subnationalen Einheiten können in Regionen gegliedert werden. Westkanada besteht aus British Columbia und den drei Prärieprovinzen (Alberta, Saskatchewan und Manitoba). Zentralkanada umfasst die zwei bevölkerungsreichsten Provinzen Ontario und Québec. Als Seeprovinzen werden New Brunswick, Prince Edward Island und Nova Scotia bezeichnet; zusammen mit Neufundland und Labrador bilden sie die Atlantischen Provinzen. Die drei Territorien Yukon, Nordwest-Territorien und Nunavut umfassen sämtliche Gebiete nördlich des 60. Breitengrades und westlich der Hudson Bay.

Die Provinzen verfügen über einen hohen Grad an Autonomie, während in den Territorien die Bundesregierung zahlreiche Verwaltungsaufgaben selbst übernimmt. Alle Provinzen und Territorien besitzen ein Einkammerparlament und einen Premierminister als Regierungschef. Der kanadische Monarch wird in allen Provinzen durch einen Vizegouverneur vertreten, der gleichrangig zum Generalgouverneur ist und überwiegend zeremonielle Aufgaben wahrnimmt. In den Territorien übernimmt ein von der Bundesregierung ernannter Kommissar die Aufgaben eines Vizegouverneurs.

Alberta British Columbia Manitoba New Brunswick Neufundland und Labrador Nova Scotia Ontario Québec Québec Prince Edward Island Prince Edward Island Saskatchewan Nordwest-Territorien Nunavut Nunavut Nunavut Nunavut Nunavut Yukon

Provinz oder
Territorium
Hauptstadt Fläche
in km²
Bevölkerung
(2006)[23]
Alberta Edmonton 661.848 3.455.062
British Columbia Victoria 944.735 4.352.798
Manitoba Winnipeg 553.556 1.182.921
New Brunswick Fredericton 71.450 748.878
Neufundland und Labrador St. John’s 405.212 506.548
Nova Scotia Halifax 55.284 932.966
Ontario Toronto 1.076.395 12.753.702
Québec Québec 1.542.056 7.687.068
Prince Edward Island Charlottetown 5.660 138.800
Saskatchewan Regina 651.036 990.212
Nordwest-Territorien Yellowknife 1.346.106 41.795
Nunavut Iqaluit 2.093.190 31.216
Yukon Whitehorse 482.443 30.883

Wirtschaft

Hauptartikel: Wirtschaft Kanadas

Kanada gehört zu den wohlhabendsten Ländern der Welt; es ist Mitglied der WTO, der OECD, des IWF, der Weltbank und der G8. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt liegt Kanada mit 1432,140 Mrd. US-Dollar auf dem neunten Platz. Bei der Kaufkraftparität liegt es mit 1265,838 Mrd. internationalen Dollar auf Platz 13, beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf mit 43.485 US-Dollar auf Platz 14 (Stand jeweils 2007).[24] Im Human Development Index der UNDP, der auch nichtökonomische Faktoren berücksichtigt, belegt Kanada den vierten Platz.[25]

Zwar gilt Kanada als soziale Marktwirtschaft, doch der wirtschaftliche Handlungsspielraum ist sehr groß; im „Index der wirtschaftlichen Freiheit“ der Heritage Foundation wird Kanada höher bewertet als die meisten westeuropäischen Staaten und leicht tiefer als die USA.[26] Wie in anderen entwickelten Ländern wird die kanadische Volkswirtschaft durch den Dienstleistungssektor dominiert. Überdurchschnittlich hoch ist jedoch der Anteil des Primärsektors, was auf den Reichtum an natürlichen Ressourcen und deren Ausbeutung zurückzuführen ist.

Kanada ist eines der wenigen entwickelten Länder, das Netto-Exporteur von Energie ist.[27] Vor der Küste der Atlantischen Provinzen liegen umfangreiche Vorkommen an Erdgas, mit den Athabasca-Ölsanden in Alberta verfügt Kanada über die zweitgrößten Reserven an Erdöl nach Saudi-Arabien.[28] In mehreren Provinzen, insbesondere Québec, British Columbia und Ontario, steht mit der Wasserkraft eine erneuerbare Energiequelle in großer Menge zur Verfügung. Kanada ist einer der weltweit wichtigsten Lieferanten von landwirtschaftlichen Erzeugnissen; im Mittelpunkt stehen dabei vor allem Weizen und andere Getreidesorten aus den Prärieprovinzen. Das Land ist der weltweit größte Produzent von Zink und Uran, auch bei der Förderung von Gold, Aluminium und Blei nimmt es eine führende Stellung ein.[29]

Historisch gesehen war die Industrie in Kanada gegenüber anderen Sektoren stets nachrangig, wenn auch keineswegs unbedeutend. Aus diesem Grund war das Land in den 1970er- und 1980er-Jahren weitaus weniger stark von der Deindustrialisierung betroffen als andere Industrienationen. Als Zentrum der kanadischen Industrie gelten die Provinzen Ontario und Québec, wobei vor allem die Automobil- und die Luftfahrtindustrie eine bedeutende Rolle spielen. Mit Abstand am meisten Bedeutung besitzt der Dienstleistungssektor: Sieben der zehn größten kanadischen Unternehmen sind im Banken- und Versicherungsbereich tätig.

Der Außenhandel macht einen großen Teil der kanadischen Wirtschaft aus. Die Exporte betragen 36,7 % und die Importe 32,8 % des BIP. Bei weitem wichtigster Handelspartner sind die USA, mit 76,4 % der Exporte und 65,0 % der Importe im Jahr 2007.[30] Kanada belegt nach der EU, den USA, Japan und China den fünften Platz in der Weltaußenhandelsstatistik.[31] Der Außenhandel ist weitgehend frei, nur in wenigen Schlüsselbereichen sind ausländische Investitionen auf Minderheitsbeteiligungen beschränkt.

War die kanadische Wirtschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch weitgehend auf den Export nach Europa orientiert, so wurden die Handelsbarrieren zum Nachbarland USA nach dem Zweiten Weltkrieg nach und nach abgebaut. Ein erster wichtiger Schritt war das 1965 vereinbarte Canada-United States Automotive Agreement (auch Auto Pact genannt), das die Grenzen für die Automobilindustrie vollständig öffnete. Das Kanadisch-Amerikanische Freihandelsabkommen von 1988 schaffte die Zölle zwischen beiden Ländern ab und führte zu einer markanten Erhöhung des Handelsvolumens. Mit dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen wurde diese Freihandelszone 1994 auf Mexiko ausgedehnt. Weitere Freihandelsabkommen bestehen mit Israel, Chile, Costa Rica und der EFTA (Island, Norwegen, Schweiz und Liechtenstein).[32]

Verkehr

Allgemeines

Die Hauptverkehrsachse im Straßen-, Eisenbahn-, Luft- und Schifffahrtsverkehr verläuft entlang dem Sankt-Lorenz-Strom durch Ontario und Québec und verbindet Toronto, Montréal, die Stadt Québec und Ottawa miteinander. Der gesamte Norden des Landes ist verkehrsmäßig wenig erschlossen, da hier, außer in den Gebieten der Rohstoffförderung, kaum Bedarf besteht.

Straßen

Das dichteste Straßennetz befindet sich im Bereich der höchsten Bevölkerungsdichten in den Atlantikprovinzen, in Süd-Ontario, in Québec entlang des St. Lorenz, in den südlichen Prärieprovinzen und im Bereich der Frazermündung / Vancouver. Als ein alle Bundesstaaten verbindendes Element wurde von Victoria am Pazifik bis St. John's am Atlantik der Trans-Canada-Highway gebaut, mit 8000 km eine der längsten Straßen der Welt. In den Ballungsräumen und als Verbindung zwischen größeren Zentren ist diese Straße als Autobahn ausgebaut. Durch Ontario führen zwei Routen dieser Straße, eine nördlichere und eine südlichere. Der Trans-Canada-Highway ist die einzige Bundesstraße Kanadas. Die übrigen Landstraßen, auch die Autobahnen, werden von den Provinzen hergestellt und unterhalten. Die verkehrsreichste Autobahn Kanadas bildet das Rückgrat des Windsor-Québec-Korridors, in Ontario mit der Straßennummer „401“. Mit 16 Spuren durch den Ballungsraum Toronto gehört der 401 zu den breitesten Autobahnen der Welt. Nach Norden führen nur wenige Straßen, von denen die meisten wegen großer Baumaßnahmen (Staudämme, Bergbau etc.) gebaut wurden, oder aus militärischen Gründen entstanden (z.B. der Alaska Highway).

In Kanada von Bedeutung sind Überlandbusse. Jede Region verfügt über ein ausgedehntes Busnetz; die größte Busgesellschaft ist die Greyhound Bus Company, deren Streckennetz in Nordamerika 193.000 km umfasst. Greyhounds Go Anywhere Fare und der North America Discovery Pass gelten für unbegrenzte Busfahrten in einem bestimmten Zeitraum in ganz Kanada und in den USA oder in bestimmten Gebieten.

Flugverkehr

Von Bedeutung ist der Inlandsflugverkehr. Ca. 75 Fluggesellschaften, darunter Air Canada, sorgen für regionale Flugverbindungen. Air Canada Jazz bedient Kanadas Osten und Westen. Air Transat fliegt auch auf innerkanadischen Strecken. In Westkanada fliegen Air BC (ZX) und Horizon Air, in Mittelkanada Air Alliance, Air Ontario (GX). Internationale Flughäfen befinden sich in Québec, Toronto, Montréal, Calgary, Edmonton, Halifax und Vancouver.

Eisenbahn

Die Eisenbahn besitzt innerhalb des Großraumes Toronto-Montréal Bedeutung im Personen- und Güterverkehr, außerhalb dieses Gebietes beschränkt sich die Bedeutung auf den Massengüterverkehr und den Tourismus, vergleichbar den Schienenkreuzfahrten in Europa. Es bestehen zwei von Osten nach Westen verlaufende transkanadische Eisenbahnstrecken: die Canadian Pacific Railway und die Canadian National Railway. Betreiberin des Schienenpersonenverkehrs ist die VIA Rail Canada (Liste nordamerikanischer Eisenbahngesellschaften), der Güterverkehr wird von vielen privaten, regionalen Gesellschaften betrieben.

Innerstädtischer Verkehr

Im Gegensatz zu vielen US-amerikanischen Großstädten verfügen die kanadischen über ein gut ausgebautes System des öffentlichen Nahverkehrs, das vor allem von Bussen und Straßenbahnen (street cars) getragen wird.

Schifffahrt

Wichtige Seehäfen befinden sich in den Städten am Sankt-Lorenz-Strom und in Vancouver. Zudem besteht auf den Großen Seen eine bedeutende Binnenschifffahrt.

Kultur

Das heutige Kanada wird überwiegend durch die europäischen Einflüsse der Pioniere, Forscher, Händler und Fischer aus Großbritannien, Frankreich und Irland, regional auch aus Deutschland oder der Ukraine geprägt. In jüngerer Zeit wird das Bild in größeren Städten auch von Asiaten (z. B. Vancouver, Toronto) und von Schwarzen aus der Karibik und aus Afrika ergänzt. Viele ihrer Traditionen bleiben weiterhin Teil von Kanada, etwa ihre Nahrung, Sprache, Erzählungen, Geschichte, Feiertage und Sport. Die kulturellen Feste dieser Einwanderer sind ein fester Bestandteil des kanadischen Lebens, z. B. das chinesische Neujahrsfest in Vancouver oder der Caribana-Umzug in Toronto. Viele Kanadier können noch heute ihre Wurzeln zurück zu diesen Ländern verfolgen und sind stolz auf ihre Herkunft. Der in vielen Städten ursprünglich vorherrschende britische Geist wurde mit der zunehmenden Einwanderung aus anderen Ländern weitgehend verwischt. Am deutlichsten ist er noch in Victoria zu erkennen. Dies gilt auch für das frankophone Kanada, das ebenfalls starken Einflüssen durch die Einwanderung ausgesetzt ist.

Kanada und Großbritannien teilen einen Abschnitt ihrer Geschichte und Kanada ist Mitglied des Commonwealth of Nations. Beide Länder sind in Personalunion verbunden. Großbritannien ist Kanadas drittgrößter Handelspartner, und von dort kommen nach den USA die meisten ausländischen Touristen. Die Verbindungen Kanadas zu anderen frankophonen Ländern sind in der Organisation internationale de la Francophonie institutionalisiert und es gibt einen regen kulturellen Austausch mit Frankreich. So ist Kanada beispielsweise am französischsprachigen Fernsehkanal TV5 beteiligt.

Deutsche Einflüsse sind vor allem in Südontario um die Stadt Kitchener (ehemals Berlin) präsent. In ganz Südontario, besonders im Gebiet von Kitchener sind Orte mit deutschen Namen verstreut. Kitchener wirbt damit, dass dort das größte Oktoberfest außerhalb Münchens gefeiert wird.

Seit den 1990er Jahren sind in Kanada viele Asiaten eingewandert, vorwiegend aus Hongkong, China und Korea. Insbesondere in Vancouver (spöttischer Name: Hongcouver) und Toronto bilden sie starke ethnische Minderheiten und die Chinatowns mit ihren chinesischen Straßen- und Werbeschildern gehören zu den Sehenswürdigkeiten.

Die Schaffung und der Schutz einer eigenständigen kanadischen Kultur wird durch Programme, Gesetze und Einrichtungen der Bundesregierung, z. B. der CBC/Radio-Canada, dem NFB (National Film Board of Canada/Office national du film du Canada) und der CRTC (Canadian Radio-Television and Telecommunications Commission/Conseil de la radiodiffusion et des télécommunications canadiennes) unterstützt. [33]

Indigene Kultur

Die Kulturformen der 632 First Nations (Indianervölker) sind nicht einheitlich; die verschiedenen Stämme entwickelten eigene Identitäten und kulturelle Strukturen. Dabei lassen sich große Kulturareale unterscheiden. An der Pazifikküste war die Kultur von Fischfang dominiert, vor allem vom Lachs, oder vom Walfang, wie bei den Nuu-chah-nulth auf Vancouver Island. Dort finden sich auch die gewaltigen Totempfähle, deren größter über 50 m hoch ist. Im Binnenland dominierten Jagd, Sammeln und Flussfischerei. In den großen Ebenen, den Plains, war die Bisonjagd von zentraler Bedeutung, in anderen der Elch. Durch die Aufkunft des Pferdes entwickelte sich ein Reiternomadismus. An den Großen Seen hingegen dominierte eine agararische Kultur mit Großdörfern.

Die nicht mit den Indianern verwandten, zahlenmäßig unbedeutenden Inuit im Norden des Landes entwickelten eine überwiegend von den arktischen Lebensumständen geprägte Kultur, die sich in vielerlei Hinsicht auf das ganze Kanada auswirkt. Ein Beispiel dafür stellt das Emblem der Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver dar, ein Inuksuk aus der Inuit-Kultur, das aus aufeinander gestapelten Steinen besteht und eine menschliche Gestalt symbolisiert.

Moderne Musik

Kanada hat zahlreiche namhafte Künstler der Rock- und Popmusik hervorgebracht. Zu den bekanntesten Vertretern der Popmusik gehören Bryan Adams, Paul Anka, Bachman-Turner Overdrive (BTO), Michael Bublé, Jane Child, David Clayton-Thomas, Bruce Cockburn, Leonard Cohen, Lisa Dalbello, Céline Dion, Nelly Furtado, Hedley, Danko Jones, Chantal Kreviazuk, K. D. Lang, Avril Lavigne, Gordon Lightfoot, Amanda Marshall, Sarah McLachlan, Metric, Joni Mitchell, Alanis Morissette, Anne Murray, Daniel Powter, Shania Twain, Tegan and Sara und Rufus Wainwright; bekannte Vertreter der Rockmusik sind unter anderem Alannah Myles, April Wine, Alexisonfire, The Arcade Fire, Barenaked Ladies, Buffy Sainte-Marie, Billy Talent, Kittie, Broken Social Scene, City and Colour, Crash Test Dummies, D.O.A., The Guess Who, Heart, Martha and the Muffins, Nickelback, No Means No, Rush, Saga, Silverstein, Simple Plan, Steppenwolf, Kataklysm, Cryptopsy, Sum 41, Skinny Puppy, Skye Sweetnam, The Tea Party, The Tragically Hip, The Weakerthans und Neil Young.

Populäre Jazzmusiker sind unter anderem Paul Bley, Maynard Ferguson, Diana Krall, Moe Koffman und Oscar Peterson.

Avril Lavigne, Sarah McLachlan, Sloan und weitere Musiker haben sich der Initiative Canadian Music Creators Coalition (CMCC) angeschlossen und kündigen in einer Grundsatzerklärung an, künftig wieder für sich selbst sprechen zu wollen und erklären, „Klagen gegen unsere Fans sind kontraproduktiv und überzogen. Wir wollen unsere Fans nicht verklagen“. Prozesse und das Digital Rights Management (DRM) sind lt. (CMCC) die eigentliche Bedrohung für die Künstler, nicht der Tausch von Musik. Die (CMCC) fordert die eigene Regierung auf, die Künstler selbst besser vor der Ausbeutung durch die Musikindustrie zu schützen.

Kanada entwickelte im letzten Jahrhundert eine große Szene der Country-Musik. Die Canadian Country Music Association ehrt jährlich die bedeutendsten Künstler mit der Aufnahme in die Canadian Country Music Hall of Fame. Wichtige Interpreten sind bzw. waren unter anderem Wilf Carter, Hank Snow und Gordon Lightfoot.

Klassische Musik

Auf dem Gebiet der klassischen Musik ist der bekannteste Kanadier sicherlich Glenn Gould (1932–1982), der einer breiteren Öffentlichkeit als begnadeter Interpret vor allem der Werke Johann Sebastian Bachs bekannt ist. Berühmtheit erlangte der damals 22-jährige im Jahr 1955 mit einer aufsehenerregenden Einspielung der Goldberg-Variationen.

Auch die Symphonieorchester in Montréal und Toronto haben Weltruf, die Kammermusik hat einen erstklassigen Rang: Tafelmusik und das St. Lawrence String Quartett haben verschiedene Preise gewonnen. Sänger wie Jon Vickers, Russel Braun und Michael Schade, der Flötist Robert Aitken sowie der Pianist Marc-André Hamelin und die Liedbegleiterin Céline Dutilly sind bekannte Interpreten. Auch Werke der Komponisten Murray Schafer und Claude Vivier werden regelmäßig aufgeführt.

Film

Kanadische Kinospielfilmproduktion[34]
Jahr Anzahl
1975 39
1985 58
1995 38
2005 80

Das kanadische Autorenkino gewinnt dank erfahrener Cineasten wie Atom Egoyan (der bei der Berlinale 2002 Präsident der Jury war), David Cronenberg, Denys Arcand und Léa Pool, aber auch durch junge Filmemacher wie Jean-François Pouliot, Denis Villeneuve, Don McKellar, Keith Behrman und Guy Maddin immer mehr an Bedeutung.

Filmregisseure wie Jean-Claude Lauzon („Night Zoo“ (1987), Léolo (1992)) und Denys Arcand (unter anderem „Der Untergang des amerikanischen Imperiums“ (1986), „Jesus von Montreal“ (1989) und „Joyeux Calvaire“ (1996), „Die Invasion der Barbaren“ (2003)) haben dem Kanadischen Film zu internationaler Geltung verholfen.

Bekannte kanadische Schauspieler sind: Raymond Burr, Donald Sutherland, Kiefer Sutherland, Keanu Reeves, Glenn Ford, Graham Greene, Lorne Greene, Christopher Plummer, Dan Aykroyd, Carrie-Anne Moss, Pamela Anderson, Hayden Christensen, Leslie Nielsen, Jim Carrey, Jason Priestley, Michael J. Fox, Paul Gross, Mike Myers, Sarah Polley, John Candy, Roy Dupuis, Rémy Girard, Elisha Cuthbert, William Shatner, Sarah Chalke, Ryan Reynolds, Amanda Tapping, Michael Shanks, Kelly Rowan, Evangeline Lilly, Neve Campbell, Jason Gray-Stanford, Victor Webster und Kristin Kreuk.

Theater

Das kanadische Theater, das aus einer starken mündlichen Tradition hervorgeht, hat nicht nur weltweit bekannte Regisseure wie Robert Lepage oder Denis Marleau hervorgebracht, sondern auch eine große Anzahl von Theaterautoren, die in verschiedene Sprachen - unter anderem auch ins Deutsche - übersetzt werden. So sind in jüngster Zeit zum Beispiel Texte von Michel-Marc Bouchard, Daniel Danis, Michel Tremblay, George Walker, David Young und Colleen Wagner von deutschen Ensembles aufgeführt worden.

Literatur

Kanada verfügt über eine reiche, wenn auch junge literarische Tradition. Insbesondere seit den 1960er Jahren genießen Autoren wie Leonard Cohen, Pierre Vallières, Margaret Atwood, Michel Tremblay und Michael Ondaatje auch außerhalb ihrer Landesgrenzen erhebliche Bekanntheit.

Siehe auch: Kanadische Literatur, Liste kanadischer Schriftsteller

Bildende Kunst

In der Bildenden Kunst hat sich Kanada in Europa in den letzten Jahrzehnten durch innovative Künstler einen Namen gemacht. Jeff Wall, Rodney Graham, Ken Lum, Ian Wallace und Geneviève Cadieux haben fotografische Techniken auf neuartige Weise für sich genutzt; Louis-Philippe Demers verwenden in ihren künstlerischen Arbeiten die neuen Technologien, und Jana Sterbak hat außergewöhnliche konzeptuelle Environments geschaffen.

Essen und Trinken

Die Küstenregionen bieten eine Vielzahl von Fisch und Meeresfrüchten; Mittelkanada liefert landwirtschaftliche Produkte und ausgezeichnetes Rindfleisch. Der Kolonialeinfluss ist noch immer spürbar, und die meisten Restaurants in den Großstädten bieten europäische Gerichte an. Der französische Einfluss in Québec ist nicht zu übersehen, es gibt zahlreiche Restaurants mit französischer Küche.

Spirituosen können nur in besonderen Spirituosengeschäften oder in Restaurants gekauft werden, die die Bezeichnung Licensed Premises tragen. Viele Restaurants gestatten ihren Gästen, eigenen Wein, Bier oder Ahornsirup mitzubringen. In den meisten Hotels, Restaurants und Bars gibt es eine gute Getränkeauswahl. Europäische und amerikanische Weine und Spirituosen werden angeboten. In den Bars wird am Tisch oder am Tresen bedient, man bezahlt im Allgemeinen jedes Getränk einzeln. Die Ausschankzeiten sind von Provinz zu Provinz verschieden, ebenso das Mindestalter für den Alkoholkauf (18 bzw. 19 Jahre).

Sport

Hauptartikel: Sport in Kanada

Der Sport in Kanada ist vielfältig und umfasst zahlreiche Winter- und Sommersportarten. Als Nationalsportarten offiziell anerkannt sind Lacrosse (im Sommer) und Eishockey (im Winter), wobei Eishockey die mit großem Abstand beliebteste Sportart ist. Kanada gilt nicht nur als Mutterland des Eishockeys, sondern gehört auch zu den weltweit erfolgreichsten Ländern. Sechs kanadische Mannschaften sind in der NHL, der bedeutendsten Profiliga der Welt, vertreten.

Die bei Zuschauern beliebteste Sportart im Sommer ist Canadian Football, das große Ähnlichkeiten mit dem American Football aufweist. Das Meisterschaftsendspiel, der Grey Cup, weist bei im Fernsehen übertragenen Sportereignissen die höchste Einschaltquote auf. Ebenfalls auf Interesse stoßen Baseball, Basketball, Cricket, Curling, Fußball, Rugby Union und Softball. Die am häufigsten ausgeübten Einzelsportarten sind Eislaufen, Golf, Leichtathletik, Ringen, Schwimmen, Skateboarden, Skifahren, Snowboarden und Tennis. Da das Land überwiegend ein kühles Klima besitzt, sind die Erfolge bei Wintersportarten tendenziell zahlreicher als bei Sommersportarten.

Kanada war Gastgeber zahlreicher internationaler Sportveranstaltungen, darunter die Olympischen Sommerspiele 1976 in Montreal und die Olympischen Winterspiele 1988 in Calgary. Die Olympischen Winterspiele 2010 werden in Vancouver ausgerichtet. Zudem waren kanadische Städte Ausrichter von vier Commonwealth Games und zahlreichen Weltmeisterschaften.

Feiertage

Kanadaweite Feiertage sind Neujahr, Karfreitag, Ostermontag, Victoria Day (Montag vor oder am 24. Mai, zur Feier von Königin Victoria, auch May two-four weekend genannt), Labour Day (erster Montag im September, „Tag der Arbeit“), Canada Day (1. Juli, zur Feier des British North America Act vom 1. Juli 1867), Erntedankfest (in Kanada am zweiten Montag im Oktober), Rememberance Day (11. November, Ende des Ersten Weltkrieges), 1. Weihnachtsfeiertag und Boxing Day (2. Weihnachtsfeiertag).

Feiertage in Kanada:

Datum Englische Bezeichnung Französische Bezeichnung Bemerkung
1. Januar New Year's Day Nouvel an Neujahr
Karfreitag Good Friday vendredi saint Karfreitag
Ostermontag Easter Monday Pâques Ostermontag
Montag vor oder am 24. Mai Victoria Day fête de la Reine Feier des Geburtstages des amtierenden britischen (und kanadischen) Monarchen. In Québec fallen Victoria Day und fête des patriotes auf den selben Tag.
1. Juli Canada Day fête du Canada Zur Feier des British North America Act vom 1. Juli 1867
Erster Montag im September Labour Day fête du travail Tag der Arbeit
Zweiter Montag im Oktober Thanksgiving action de grâce Erntedankfest
11. November Remembrance Day jour du souvenir Tag der Veteranen
25. Dezember Christmas Noël 1. Weihnachtsfeiertag
26. Dezember Boxing Day lendemain de Noël 2. Weihnachtsfeiertag

Umwelt

Der Kohlenstoffdioxidausstoß pro Kopf des Landes gehört zum weltweit höchsten, was an der wirtschaftlichen Ausrichtung und der Größe des Landes liegt. Zum Einen ist das Flugzeug ein populäres Fortbewegungsmittel, zum Anderen baut die Wirtschaft vor allem auf Holzhandel und Fischfang auf.

Ein großes Problem stellt der Lachsfang auf dem Yukon River dar. In der Vergangenheit waren immer ausreichend große Lachsbestände vorhanden, mittlerweile musste jedoch der Lachsfang zum Teil schon saisonal verboten werden (Saison 2002). Schuld für das Fehlen der Fischzüge zu den Quellen des Yukons sind US-amerikanische Fischtrawler, welche vor der Mündung des Yukon großzügig alles abfischen und somit die Rückwanderung und das Ablaichen der Lachse erschweren. Ein Einspruch der Kanadischen Regierung ist nicht zu erwarten, da gefürchtet wird, dass sonst die amerikanischen Kreuzfahrtschiffe auf dem Weg nach Alaska nicht mehr an der kanadischen Küste halt machen. Der Tourismus würde somit in den betroffenen Regionen stark geschädigt.

Ein noch nicht gelöster Konflikt zwischen Interessenvertretern von Naturschutz und Industrie ist die teilweise recht rabiate Tötung von Robben zur Fell- und Fleischgewinnung. Hier gerät Kanada einerseits unter den moralischen Druck der Weltöffentlichkeit, andererseits unter den Druck der stark konservativen neufundländischen Bevölkerung, für welche die Robbenjagd einen notwendigen Nebenverdienst darstellt.

In Kanada gibt es eine Reihe bekannter Nationalparks und Provinzparks (Provincial Parks, zum Beispiel Algonquin Park, Ontario), siehe auch: Nationalparks in Kanada.

Nach einer Studie der Simon Fraser Universität, die auf Betreiben der David Suzuki Foundation durchgeführt wurde, gehört Kanada zu jenen Industrienationen mit der schlechtesten Umweltschutz-Bilanz. So liegt Kanada auf dem 28. Platz von 30 untersuchten Staaten auf dem Gebiet der ökonomischen Zusammenarbeit und Entwicklung. Auf dem letzten Platz liegt das Land bei der Produktion von Atommüll und der Kohlenmonoxidemission. Außerdem nimmt man beim Wasserverbrauch den 29. Platz ein. Europäische Staaten wie Schweden, die Schweiz, Dänemark und Deutschland rangieren an der Spitze dieser Umweltbilanz, während Kanada, Belgien und die USA an deren unteren Ende stehen.

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Einzelnachweise

  1. Bruce G. Trigger: Handbook of North American Indians Volume 15, S. 357-361. Smithsonian Institution, Washington 1978. OCLC 58762737.
  2. Statistics Canada, Census 2006, Population and dwelling counts
  3. Liste der First Nations: http://sdiprod2.inac.gc.ca/FNProfiles/FNProfiles_Search.asp?Search=FN
  4. Rechte der Sprachminderheiten – Amtssprachenkommissariat (2007)
  5. a b Bevölkerung nach Muttersprache – Statistics Canada (2006)
  6. Meistgesprochene Sprachen zuhause – Statistics Canada (2001)
  7. Kenntnis der Amtssprachen – Statistics Canada (2001)
  8. Language Regimes in the Provinces and Territories – Website des kanadischen Parlaments
  9. Website Canadian Statistics: Religion
  10. Skilled workers and professionals: Who can apply - Kanadisches Immigrationsministerium
  11. Website Citizenship in Canada: Skilled Worker Class Immigration
  12. Vgl. (PDF, 244 kB): Andrew Kitchen, Michael M. Miyamoto, Connie J. Mulligan, A Three-Stage Colonization Model for the Peopling of the Americas, in: Public Library of Science (PLoS), 13. Februar 2008 und J. V. Wright: A History of the Native People of Canada: Early and Middle Archaic Complexes - Canadian Museum of Civilization, Ottawa 2001.
  13. Hiermit befasst sich das Helluland Archaeology Project.
  14. Artikel Basques in der Canadian Encyclopedia: englisch, französisch
  15. Christopher Moore: The Loyalist - Revolution Exile Settlement. McClelland & Stewart, Toronto 1994. ISBN 0-7710-6093-9.
  16. Artikel Durham Report in der Canadian Encyclopedia: englisch, französisch
  17. Heritage Canada - The Queen and Canada: 53 Years of Growing Together (2005)
  18. Generalgouverneur von Kanada - Rolle und Verantwortung des Generalgouverneurs (2005)
  19. a b Verfassungsgesetze von 1867 und 1982
  20. The National Defence family - Kanadisches Verteidungsministerium, 2006
  21. Canadian Rangers: Overview (2008)
  22. Desmond Morton: A Military History of Canada. McClelland & Stewart, Toronto 1999.ISBN 0-7710-6514-0.
  23. Bevölkerungsschätzung 1. April 2007 - Statistics Canada
  24. World Economic Outlook Database - Internationaler Währungsfonds, Oktober 2007
  25. Human Development Report 2007/08
  26. Index of economic freedom - Heritage Foundation, 2008
  27. The World Factbook: Canada - Central Intelligence Agency, Mai 2006
  28. Tony Clarke, Bruce Campbell, Gordon Laxer: US oil addiction could make us sick - The Parkland Institute, 2006
  29. Canadian Mining - The Canadian Encyclopedia
  30. Imports, exports and trade balance of goods - Statistics Canada, April 2008
  31. Commodity Trade Statistics Database
  32. Übersicht der Vereinbarungen und Verhandlungen im Bereich der Wirtschaft - Kanadisches Außen- und Außenhandelsministerium
  33. National Film Board of Canada (Hrsg.): Mandate of the National Film Board. 2008 (Stand: 24. April 2008).
  34. Weltfilmproduktionsbericht (Auszug), Screen Digest, Juni 2006, S. 205–207 (eingesehen am 15. Juni 2007)

Koordinaten: 42° 74° N, 53° 141° W