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Kleinern

Kleinern ist ein Gemeindeteil von Edertal im Landkreis Waldeck-Frankenberg in Nordhessen (Deutschland).

Im Dorf Kleinern, ein staatlich anerkannter Erholungs- und Luftkurort in der Ferienregion Edersee, leben etwa 650 Einwohner.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Kleinern liegt rund 35 km südwestlich der nordhessischen Großstadt Kassel und etwa 4 km südlich der Edertalsperre (je Luftlinie), dem Absperrbauwerk des Edersees (das so genannte „blaue Auge des Landkreises Waldeck-Frankenberg“), zu dem mit dem PKW rund 12 km und zu Fuß oder mit dem Fahrrad etwa 6 km zurückzulegen sind. Bis nach Bad Wildungen, dem zweitgrößten Heilbäderzentrum Deutschlands, sind es mit dem Auto 8 km.

Kleinern befindet es sich am Südostrand des Nationalparks Kellerwald-Edersee und wird vom Wesebach durchflossen. Weite Mischwälder und herrliche Wiesentäler umgeben Kleinern. Es liegt auf durchschnittlich 250 m ü. NN und ist über die Landesstraße L 3332 zu erreichen.

Durch Kleinern führt ein Abschnitt des Kellerwaldsteigs, ein 156 km langer Wanderweg im Naturpark Kellerwald-Edersee. Mineralwasser liefern die zu jeder Zeit zugänglichen „Kleinerschen Quellen“, drei an der Zahl: Bathildisquelle, Dorf- und Mühlenbrunnen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Dorfkirche von 1681

In Kleinern stand bis zum Jahr 1681 eine im 13. Jahrhundert erbaute kleine, dem Ort angemessene, Dorfkirche. Heute besitzt Kleinern eine im Verhältnis zu vergleichbaren Dörfern in der Umgebung recht große Kirche. Der markante Turm überragt den Ort deutlich und ist, unabhängig von welcher Himmelsrichtung aus man Kleinern erreicht, schon von weitem ein Blickfang.

Diese Kirche entstand unter der Federführung des Grafen Christian Ludwig von Waldeck, der 1660 seinen Wohnsitz mit Hofstaat, Kanzlei und Regierung von Bad Wildungen nach Kleinern verlegte. Die vorhandene, bereits baufällige, Kirche war jetzt für den Hof zu klein. Sie wurde abgerissen und an ihrer Stelle im Zeitraum von 1681 bis 1694 (13 Jahre) die heutige barocke Anlage erbaut. Im ersten Bauabschnitt von 1681 bis 1686 (5 Jahre) entstand das Kirchenschiff und im zweiten Bauabschnitt von 1689 bis 1694 (5Jahre) der Turm. Die Gesamtbauzeit der Kirche Kleinern ohne die Baupause von 1686 bis 1689 betrug also 10 Jahre. Die 1668 noch in der alten Kirche installierte prachtvolle Holzkanzel und der Schnitzaltar von 1521 wurden in die neue Kirche übernommen und befinden sich auch heute noch dort; dank sorgfältiger Pflege und Restaurierung in einem ausgezeichneten Zustand.

Die derzeitige Orgel hatte zwei Vorgängerinnen (ca. 1680 bis 1817 / 1818 bis 1868) und stammt aus dem Jahr 1869. Sie wurde zwischenzeitlich mehrfach überholt, zuletzt in den Jahren 1976 bis 1978 mit einem Kostenaufwand von ca. 20.000 €.

Die ursprünglichen drei gegossenen Glocken mussten im ersten Weltkrieg zu Kriegszwecken abgeliefert werden, so dass die Kirche heute drei Stahlglocken aus dem Jahr 1922 besitzt. Die Läuteanlage wurde 1962 auf elektrischen Betrieb umgestellt.


Lindenholzaltar von 1521

Der Lindenholzaltar mit Temperamalerei auf Kreidegrund entstand 1521 in der früheren Franziskanerwerkstatt von Meiterdorf (heute der Frankenberger Stadtteil Ederdorf). Er besteht aus einem geschnitzten Mittelschrein und zwei doppelseitig bemalten Tafeln. Der Mittelschrein beinhaltet eine figurenreiche Darstellung der Kreuzigung Christi, der linke Flügel die Geburt Christi und der rechte Flügel zeigt den Heiligen Laurentius, eingerahmt von der Heiligen Katharina (links, mit Schwert) und der Heiligen Lucia (rechts). 1955 wurde der Altar in der Werkstatt des Landeskonservators restauriert. Um ihn vor der schädlichen Sonneneinstrahlung zu schützen, erhielt die Kirche im Jahre 1964 neue Fenster mit Spezialglas.


Dorfbrunnen von 1904

Der Dorfbrunnen liegt im südlichen Teil Kleinerns. Das achteckige Brunnenhaus wurde 1904 errichtet und 1997 sowie 2004 jeweils in erheblichem Umfang renoviert. Die Fassung ist 1,80 m tief. Die Schüttung beträgt im Jahresdurchschnitt ca. 5 l / min bei einer Wassertemperatur von 6° bis 12° C. Die aktuellen Werte der Heilwasser- und Kontrollanalysen werden regelmäßig am Brunnenhaus und im Web unter kleinern.de veröffentlicht. Das Heilwasser ist sehr erfrischend, hat einen prickelnden Geschmack und eignet sich u. a. vorzüglich zur unterstützenden Behandlung von Störungen im Nieren-, Blasen-, Magen- und Darmbereich. Am 1. Mai 2004 fand eine Jubiläumsveranstaltung "100 Jahre Quellenhaus Dorfbrunnen Kleinern" statt.


Freizeitanlage Spicke

Eingebettet in das reizvolle Wesebachtal entstand 1974 südlich des Ortes die Freizeitanlage Spicke. Erweiterungen erfolgten in den Jahren 1994, 2004, 2005 und 2006. Den Besucher empfängt die entspannende Ruhe einer intakten Landschaft, aber auch die Lebendigkeit der Pflanzen- und Tierwelt. Die Spicke ist der richtige Ort für Kinder und ihre Spiele sowie das Sammeln von Erfahrungen im Umgang mit natürlichen Elementen und ihren Gesetzen. Die Freizeitanlage Spicke bietet Erholung und Kurzweil für Groß und Klein mit Tischtennis, Damespiel, Wassertretanlage, Klangspielen, "Fußfühlpfad", Turmrutsche, Rutsche, "Telefon", Labyrinth, Seilbahn, Sitzarena mit Sonnesegel, zwei Insektenhäusern, einem kleinen Floßteich, einer Hängebrücke, einem Weidendom in Schneckenform und vielen weiteren Überraschungen.

Dorferkundungspfad / ökologischer Dorfpfad

Im Zuge der Regionalentwicklung entstand zwischen 1994 und 1996 ein ökologischer Dorfpfad mit 13 - heute 14 - interessanten Stationen. Er stellt die Geschichte und Ursprünglichkeit eines typischen Dorfes mit Bauerngärten, Backhaus, Dorfplatz mit Dorfgemeinschaftsbrunnen sowie Streuobstwiesen deutlich und einprägsam heraus. Ein Spaziergang entlang des Dorferkundungspfades vermittelt alles Wissenswerte und Reizvolle über das Wesetaldorf, z.B. in Texten auf Metallschildern, die im Ort an den jeweiligen Stationen angebracht sind.


Geschichte

Kleinern entstand wahrscheinlich in der Zeit zwischen 800 und 900. 1225 wurde der Ort erstmals urkundlich als Creinre erwähnt. 1250 bis etwa 1400 hatten die Herren von Kleinern, Lehensleute der Grafen von Waldeck, hier einen Burgsitz, der 1283 als im Besitz des Gumpert von Kleinern befindlich erwähnt ist. Unter ihrer Regie entstand im 13. Jahrhundert eine kleine Dorfkirche. 1509 ging das Dorf vorübergehend in den Besitz der Herren von Löwenstein über.

1513 erwarb Asmus (I.) von Geismar von Graf Philipp II. von Waldeck einen größeren Hof in Kleinern und baute ihn zum Rittersitz aus. Für die im 13. Jahrhundert in Kleinern gegründete Kirche erwarb die Familie von Geismar 1523 den 1521 in der Franziskanerwerkstatt in Meiterdorf (Frankenberg) geschaffenen, kunstvollen Schnitzaltar.

1613 errichtete Asmus (II.) von Geismar südlich vom Ort einen neuen Burgsitz, aber der Dreißigjährige Krieg führte zu einer Verarmung der Familie von Geismar, so dass sie ihr Burggut mit Herrensitz an den Grafen Christian Ludwig von Waldeck (1635-1706), den Stammvater aller späteren Grafen und Fürsten von Waldeck, verkaufte. Unter dessen Regie entstand dann unter Einbeziehung des Geismarschen Herrensitzes um 1662 das Schloss Christiansburg. Baumeister war der aus Mengeringhausen stammende Emanuel Brand. Nach Fertigstellung der Gebäude verlegte Christian Ludwig seinen Wohnsitz mit Hofstaat, Kanzlei und Regierung von Wildungen nach Kleinern. Die Anlage war vierflügelig – mit quadratischem Innenhof – und umgeben von einem Wassergraben. Der zur Straße gelegene Flügel war zweigeschossig und hatte eine Toreinfahrt. Links schloss sich ein ebenfalls zweigeschossiger Flügel an – allerdings mit anderen Geschosshöhen – der zum Hof hin einen offenen Arkadengang im Renaissancestil besaß und in dessen Obergeschoss sich ein großer Festsaal mit offenem Kamin befand.

1681 bis 1694 entstand unter der Federführung von Graf Christian Ludwig an der Stelle der alten, bereits baufälligen Kirche aus dem 13. Jahrhundert, ein neuer barocker Bau (1681 bis 1686: Kirchenschiff; 1689 bis 1694: Turm). Der Schnitzaltar von 1521 und die prachtvolle Holzkanzel von 1668 wurden von der alten in die neue Kirche übernommen.

1695 verlegte Christian Ludwig seine Residenz nach Arolsen. Sein Sohn Friedrich Anton Ulrich vermählte sich 1700 mit Louise, Pfalzgräfin von Birkenfeld, und beide bewohnten bis 1706 das Schloss Christiansburg. Nach dem Tod seines Vaters übernahm Friedrich Anton Ulrich die Regierungsgeschäfte und verlegte seinen Wohnsitz ebenfalls nach Arolsen.

Später (1707 bis 1710), als Regierender Fürst von Waldeck und Pyrmont, ließ Friedrich Anton Ulrich die Christiansburg abreißen, so dass von der in über vier Jahrzehnten entstandenen Pracht leider nichts erhalten geblieben ist.

Schloss Christiansburg stand einst südlich der Wesetalstraße, gegenüber dem 1972/73 entstandenen Dorfgemeinschaftshaus, noch vor dem heutigen Sportplatz (Hof Ludwig Brüne).

1745 entstand in Kleinern eine Schmelzhütte zum Ausschmelzen von Eisen von in der Nähe abgebauten Erzen. Das gewonnene Eisen wurde in drei Hammerwerken weiter verarbeitet. 125 Jahre später (ca. 1870) erfolgte die Stilllegung dieser Werke und der Schmelzhütte. Aufgrund der fortschreitenden Industrialisierung in Deutschland lohnte sich deren Betrieb nicht mehr.

1781 wurde Kleinern zum Marktflecken erhoben. Landwirtschaft, Forstwirtschaft und die Eisenverarbeitung prägten zu dieser Zeit das Dorf.

1919 bestand Kleinern aus 82 Wohnhäusern. Der aus Düsseldorf stammende Kunstmaler Willi Tillmans baute sich ein Haus (Atelier) am Elmsberg. Er erreicht durch seine zahlreichen Werke − Aquarelle, Ölbilder und Grafiken − überwiegend aus dem waldeckischen Raum, einen hohen Bekanntheitsgrad.

Entwicklung von Kleinern seit 1968:

Weblink

Koordinaten: 51° 08' 32" N, 09° 03' 42" O