Heim

Schneelast

Die Schneelast gehört zu den klimatisch bedingten veränderlichen Einwirkungen auf Bauwerke. Sie hängt von der geografischen Lage und von der Form des betrachteten Bauwerks ab und wirkt im allgemeinen als Flächenlast senkrecht zur Grundfläche.

Schnee ist gefrorener Niederschlag, dessen Dichte und Gewicht von der Temperatur abhängen. Ein Meter Pulverschnee entspricht dabei einer sechs Zentimeter hohen Wassersäule, bei Pappschnee sind es 20 cm. Für statische Nachweise wird vereinfachend und auf der sicheren Seite liegend mit nassem Schnee und einer Wichte von 2 kN/m³ gerechnet.

Inhaltsverzeichnis

Rechenwert Schneelast

In den Normen werden die Schneelasten in Rechenwerte zur Ermittlung der Tragwerkssicherheit überführt. Dabei wird aufgrund der starken physikalischen und zeitlichen Schwankungen der ausgeprägte stochastische Charakter beachtet. Die Rechenwerte entsprechen der 98%-Fraktile der Jahresmaxima und somit einer mittleren Wiederkehrperiode von 50 Jahren.

Standort

Die maßgebenden Einflussfaktoren auf die Größe der Schneelasten sind die des Standortes mit der lokalen Klimazone und der topografischen Höhe. Das Schneeklima wird in den Normen durch eine Schneelastzonenkarte erfasst, welche die Schneeintensität für verschiedene geographische Regionen angibt. In Deutschland gibt es die Zone 1 (u.a. Rheintal und Rheinische Tiefebene), 2 und 3 (Alpen, Bayerischer Wald, Thüringer Wald, Erzgebirge, Harz sowie Vorpommern) sowie die Zonen 1a und 2a (Hochschwarzwald, Rhön und Sauerland). Da die Schneehöhe überproportional zur Höhenlage wächst, ist diese als weiterer Einflussfaktor zu berücksichtigen. Damit ergibt sich die am Standort anzusetzende charakteristische Schneelast.

Bauwerksgeometrie

Die Dachform eines Bauwerkes ist ein weiterer Parameter für die Schneelast und wird durch Formbeiwerte berücksichtigt. Diese erfassen zum Beispiel, dass bei einem steilen Dach der Schnee schneller abrutscht als bei einem flachen Dach. Größe und Verteilung der Schneelast kann auch stark durch die Windverhältnisses beeinflusst werden. So bilden sich an Höhensprüngen oft Schneeverwehungen, die zu beachten sind. Der Formbeiwert beschreibt das Verhältnis zwischen der Schneemenge auf dem Dach und der gefallenen Schneemenge.

Schneelast

Die am Bauwerk anzusetzende Schneelast folgt somit aus der lokalen (charakteristischen) Schneelast multipliziert mit einem Formbeiwert.

Im Regelfall ist bei Flachdächern mindestens 0,5 kN/m² anzusetzen, im Extremfall ist auch das zwanzigfache an Schneelast möglich. Für die Schneelast auf einem Dach gilt somit:

Mit

Normen

In Deutschland sind die Schneelasten mit der DIN 1055-5 im Juli des Jahres 2005 neu geregelt worden. In Österreich wurden die Belastbarkeiten von Gebäudeeindeckungen im April 2006 durch die ÖNORM B 1991-1-3:2006-04-01 gesetzlich neu vorgegeben, wobei die Werte wesentlich erhöht wurden. In der Schweiz ist die SIA 261:2003 anzuwenden.

Winter 2005/2006

Aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen sind extreme Schneelasten, die nur sehr selten vor kommen, in den Normen nicht erfasst. In Teilen des Alpenraumes und des Bayerischen Waldes hat so z.B. im Winter 2005/2006 die tatsächliche Schneelast die in den Normen und damit auch die in der DIN 1055-5:1975-06, welche in Deutschland damals bauaufsichtlich eingeführt war, jeweils angegebene Lastannahme deutlich überschritten, weshalb die Dächer zur Vermeidung eines Versagens von der Schneelast geräumt werden mussten. Es zeigte sich, dass den Schneelasten auf Dächern oft nicht genug Augenmerk geschenkt wird. Im Gegensatz zur Information über die Lawinenlage findet eine qualifizierte Information von Hausbesitzern und Baufachleuten durch die Bauaufsichtsbehörden und Wetterdienste über die aktuellen Schneelasten, selbst bei größeren Überschreitungen der lokalen Normlasten, nicht statt.

Dacheinstürze

Gleich zu Beginn 2006 stürzte unter einer Schneelast, die die Normvorgaben nicht überschritt, die Eislaufhalle in Bad Reichenhall ein und forderte 15 Menschenleben. Ende Januar stürzte eine Messehalle in Kattowitz ein und tötete 65 Menschen. Wurde dies auf einzelne Ereignisse zurückgeführt, so änderte sich die Situation Anfang Februar, als in vielen Orten Bayerns, Oberösterreichs, der Steiermark und Niederösterreichs zahlreiche Dachstühle unter größeren Schneemassen einbrachen. Tausende Freiwillige, wie Feuerwehr, Bergrettung und andere, sowie das Militär mussten vor drohenden Wetterumschwüngen mit Regen hunderte Dächer vom Schnee befreien.