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Urwald Sababurg

Der Urwald Sababurg (auch Urwald im Reinhardswald genannt) ist ein etwa 92 ha großes, von alten Eichen und Rotbuchen dominiertes Naturschutzgebiet im Reinhardswald (Nordhessen). Es ist aus einem ehemaligen Hutewald hervorgegangen.

Inhaltsverzeichnis

Geographische Lage

Der „Urwald Sababurg“ liegt im Landkreis Kassel etwa 25 km (Luftlinie) nördlich der Großstadt Kassel. Er befindet sich an der aus Richtung Westen von der Stadt Hofgeismar kommenden Kreisstraße „K 55“, die das im Westen gelegene Dorf Beberbeck mit der im Osten stehenden Sababurg verbindet. An diese Straße stößt der „Urwald Sababurg“ im Norden, an den Tierpark Sababurg grenzt er im Osten und an das sanft eingeschwungene Tal der Holzape im Südwesten. Er liegt zwischen 269 und 336 m ü. NN.

Geschichte

Das vollständig im Eigentum des Landes Hessen befindliche Gebiet wurde bereits 1907 als eines der ersten deutschen Naturschutzgebiete ausgewiesen. Dies geschah auf Initiative des Kunstmalers Theodor Rocholl, der als Schlachtenmaler berühmt wurde und im Reinhardswald mehrere seiner Landschaftsgemälde schuf sowie zahlreiche nachfolgende Künstler zu Studien des „Urwalds“ inspirierte. Der Urwald Sababurg ist daher bis heute auch als „Malerreservat“ bekannt.

Das heutige als „Urwald“ bezeichnete Gebiet ist kein Urwald im eigentlichen Sinn, sondern war ursprünglich ein lockerer Weidewald, der sich aus alten Huteeichen und -buchen zusammensetzte und durch die intensive Waldweidenutzung des Reinhardswaldes bis Mitte des 19. Jahrhunderts entstand. Auf die frühere Nutzung als Weidewald weist auch der alte Name „Kuhberg“ hin; dies ist eine knapp außerhalb bzw. östlich des „Urwald Sababurg“ gelegene Bergkuppe (326 m ü. NN).

Flora und Fauna

Das Naturschutzgebiet war von Anfang an ein Totalreservat und wurde seit der Unterschutzstellung nicht mehr forstlich genutzt. Während die 200 bis 600 Jahre alten und dickstämmigen Eichen und Rotbuchen ihr natürliches Höchstalter erreicht haben und im Absterben begriffen sind, ist in den ehemaligen Waldlücken auf dem natürlichen Waldstandort auf alkalischen und nährstoffarmen Braunerden über Buntsandstein ein Waldreitgras-Rotbuchenwald aufgewachsen, der noch zahlreiche Exemplare der Pionierbaumarten Eberesche (Sorbus aucuparia) und Hänge-Birke (Betula pendula) enthält.

Den Bodenbewuchs dominieren Bodensäurezeiger wie Blaubeere (Vaccinium myrtillus), Drahtschmiele (Avenella flexuosa), Waldreitgras (Calamagrostis arundinacea) und Schönes Widertonmoos (Polytrichum formosum). Lichtungen werden vom Adlerfarn (Pteridium aquilinum) eingenommen. In der Senke, die im Süden des Naturschutzgebietes in die Aue der Holzape überleitet, haben sich auf Wasser stauenden Stagno-Gleyen Schwarzerlen-Bruchwälder entwickelt, die auch einzelne Exemplare des Faulbaums enthalten.

Insgesamt wurden in dem Naturschutzgebiet 1967 133 Pflanzenarten und 1964 253 Insektenarten nachgewiesen. Kennzeichnend für den „Urwald Sababurg“ sind nicht nur die imposanten Baumriesen, sondern auch die hohen Anteile an stehendem und liegendem Totholz, das zahlreichen Totholz zersetzenden Pflanzen- und Tierarten Lebensraum bietet. Der Wald ist in der Öffentlichkeit auch für sein Hirschkäfer-Vorkommen bekannt.

Tourismus

Der Urwald Sababurg ist eine viel besuchte Attraktion für Touristen, Ausflügler und Schulklassen, die sich vom Waldbild des „Märchenwaldes“ und den knorrig gewachsenen Baumindividuen beeindrucken lassen. Die große Besucheranzahl beeinträchtigt das Naturschutzgebiet jedoch erheblich, zum Beispiel durch Lärm und allgemeine Unruhe (Störung von Wild und Vögeln), Müll, Sachbeschädigungen (v.a. alte Bäume und Hinweistafeln), Zertrampeln der Vegetation abseits der Wege und Erhöhung der Brandgefahr.

Für große Unruhe sorgen zur Zeit (Anfang 2008) Pläne des Bürgermeisters von Hofgeismar, auf dem Gelände der Domäne Beberbeck in unmittelbarer Nachbarschaft des Urwalds "Europas größtes Ferienparadies" zu errichten (mehr dazu unter Beberbeck). Ein solches Vorhaben wäre allein durch den dann zu erwartenden massiven Anstieg der Besucherzahlen eine große Gefährdung des Naturschutzgebietes.

Ausflugsziele in der Nähe sind der Tierpark Sababurg, an den das Naturschutzgebiet im Osten grenzt, sowie die Sababurg.

Literatur

7Koordinaten: 51° 32′ 33″ N, 9° 30′ 29″ O