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Niger

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Niger (Begriffsklärung) aufgeführt.
République du Niger

Republik Niger

Flagge Wappen
Amtssprache Französisch
Hauptstadt Niamey
Staatsform Parlamentarische Demokratie
Staatsoberhaupt Präsident Tandja Mamadou
Regierungschef Seini Oumarou
Fläche ca. 1.267.000 km²
Einwohnerzahl 13.000.000 (S 2006)
Bevölkerungsdichte 10,2 Einwohner pro km²
HDI 0,311[1]
Währung CFA-Franc BCEAO
Unabhängigkeit von Frankreich am 3. August 1960
Nationalhymne La Nigérienne
Zeitzone UTC+1
Kfz-Kennzeichen RN
Internet-TLD .ne
Telefonvorwahl +227

Niger (dt.: [ˈniːgər], frz.: [niˈʒɛːʀ]) ist ein Staat in Westafrika; sein Name ist identisch mit dem des großen Stromes Niger, dessen Oberlauf den relativ dicht besiedelten Südwesten des Wüstenstaates durchfließt.

Niger grenzt im Norden an Algerien und Libyen, im Westen an Mali und Burkina Faso, im Osten an den Tschad und im Süden an Nigeria und Benin. Niger ist ein Binnenstaat mit Anteil an der Sahara, dem Sahel und dem Sudan und gehört zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Die ehemalige französische Kolonie ist seit 1960 unabhängig. Nach einer Phase von Staatsstreichen und Aufständen der Tuareg scheint sich Niger politisch zu stabilisieren. Existenzbedrohend für den größten Teil der nigrischen Bevölkerung sind regelmäßig wiederkehrende Dürren und Nahrungsmittelknappheit.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Klimadiagramm von Zinder in Niger
Siehe auch: Liste der Städte in Niger

Im Zentrum Nigers liegt die Sandwüste Erg du Ténéré und das Gebirge Aïr, dessen höchster Gipfel 2.310 Meter hoch ist und Mont Gréboun heißt. Das Aïrgebirge ist die südöstliche Fortsetzung des algerischen Hoggar- oder Ahaggar-Gebirges.

Im Westen, Süden und Osten ist der Aïr von weiteren Wüsten umgeben, deren größte der östlich gelegene Ténéré ist. Er nimmt etwa 30% der Staatsgebietes ein, das nur am südwestlichen Rand dicht besiedelt ist. Weiter östlich liegt der Kaouar, eine weitere Wüste. Diese Saharagebiete reichen östlich bis zur Grenze des Tschad. Im Norden geht der Ténéré in das Djadoplateau über, im Nordosten ins Tibestigebirge. Diese Wüsten, die sämtlich zur Sahara gehören, nehmen insgesamt etwa zwei Drittel der Staatsfläche ein.

Der dritte Drittel des Nigers im Süden und Südosten ist Teil des Sahels (Sahel = arab. „Ufer“ der Wüste). Dieser Streifen befindet sich am nördlichen Rand der Trockensavanne. Seit Ende der Sechzigerjahre traten in der Dornbuschsavanne mehrere Dürren auf und verwandelten letztere zunehmend in eine wüstenartige Landschaft. Im Südosten liegt ein Teil des Tschadsees auf dem Gebiet des Niger, doch bei starker Trockenheit erreicht der See den Niger bereits nicht mehr.

Der Südwesten ist von Niger dominiert, dem drittgrößten Fluss Afrikas. Er fließt auf 650 Kilometern durch das Land. Diese Region ist die einzige fruchtbare des Landes.

Klima

Das Klima des Niger ist durchgehend heiß und trocken. Im Süden gibt es eine von Juni bis Oktober andauernde Regenzeit, während der beinahe der ganze Niederschlag des Jahres fällt, der im Mittel zwischen 400 und 700 Millimeter beträgt. Davon wiederum fällt beinahe die Hälfte im August. Während bis in die Neunzigerjahre auch im Südwesten Regen fiel, blieb letzterer in jüngster Zeit in der Sahelzone meist aus. Im Norden des Landes gibt es kaum jemals Niederschläge.

Die Tagestemperaturen in den Wüstengebieten liegen im Januar durchschnittlich bei 17° C, im Juni bei 34° C. Im Süden werden im Januar 22 bis 24°C und im Juni 32 bis 34°C gemessen.

Flora

Im Süden finden sich vorwiegend in der Trockensavanne heimische Gewächse wie Gräser, Dornenbüsche und Trockenwälder. In den tiefer gelegenen Region findet man auch Tamarinden, Affenbrotbäume, Kapokbäume und Mahagoni. Der Pflanzenbestand der Savanne hat in den letzten Jahren durch Überweidung und Trockenheit allerdings sehr gelitten. Die Gebiete des Nordens sind praktisch vegetationslos.

Fauna

Die Tierwelt des Niger ist, bedingt durch die karge Vegetation, nicht sehr artenreich. In einem Nationalpark im Südosten leben Löwen, Antilopen, Giraffen, Büffel, Strausse, Elefanten und Flusspferde. In den nördlichen Wüstenregionen leben Fenneks und Gazellen, während man in den Bergen das Aïr unter anderem Paviane und Aïr-Mähnenspringer findet.

Bevölkerung

Es gibt vor allem im Norden des Landes viele Oasenbewohner, Nomaden und Halbnomaden. Viele von ihnen geben jedoch den Nomadismus auf und ziehen in die zum Teil überbevölkerten Städte. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt im Süden, zumeist an der Grenze zu Nigeria und Benin.

Die große Mehrheit der Nigrer bekennt sich zum Islam (94 %), der Rest der Bevölkerung teilt sich in Christen und Anhänger indigener Religionen.

Rund 52% der Gesamtbevölkerung gehören der Volksgruppe der Zarma und Songhai an, über 23% sind Hausa, rund 8% der Bevölkerung sind Tuareg-Berber, etwa 6% sind Beri Beri (Kanuri) und 4,3% Fulbe. Außerdem leben im Land über 3000 Franzosen, meist in den Städten.

75 % der Bevölkerung sprechen Hausa als Erst- oder Zweitsprache, weitere Sprachen neben Französisch sind Songhai-Djerma (22 %), Fulfulde (10 %), Tamaschagh (eine Tuareg-Berbersprache, 10 %), Kanuri (4 %)[2] und andere.

Die sehr hohe Fertilitätsrate von 7,4 Geburten pro Frau führt zu einem Bevölkerungswachstum von jährlich etwa 2,75 %.

74 % der Männer und 90 % der Frauen sind Analphabeten.

Die Lebenserwartung beträgt derzeit etwa 42 Jahre.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Nigers

Zahlreiche Funde und Felszeichnungen belegen die Besiedlung des nigrischen Territoriums seit frühester Zeit. Zum Zeitpunkt der Ausbreitung des Islam um das Jahr 660 waren die Völker Nigers bereits in Staaten organisiert, die sich bis zur Ankunft der Franzosen eine bedeutende Stellung erhalten konnten. Im Jahr 1921 wurde Niger eine französische Kolonie innerhalb Französisch-Westafrikas. Die Grenzziehung erfolgte hierbei ohne Berücksichtigung der historischen kulturellen und sprachlichen Gegebenheiten. Niger wurde 1958 autonome Republik und zwei Jahre später schließlich unabhängig. 1995 konnte eine Rebellion der Tuareg mit der Unterzeichnung eines Friedensvertrages vorläufig beendet werden. Da die Regierung sich nicht an die Vertragspunkte hielt, haben die Tuareg ihren Aufstand wieder weitergeführt. 1999 wurde Tandja Mamadou zum Staatspräsidenten gewählt und bei den Wahlen 2004 im Amt bestätigt.

Politik

Die Verfassung ist nach dem Vorbild Frankreichs als semi-präsidentielles System mit Direktwahl des Präsidenten (alle fünf Jahre) gestaltet.

Die Präsidenten der Republik Niger:

Im Parlament (Assemblée Nationale) verfügen die Parteien Mouvement National de la Societé de Développement (MNSD) (38 Sitze) und Convention Démocratique et Sociale (CDS) (17 Sitze) zusammen über eine Mehrheit der 83 Sitze.

Verwaltungsgliederung

Das Staatsgebiet teilt sich in sieben départements und den Hauptstadtdistrikt.

Departements und Arrondissements:

  • Agadez
    • Agadez
    • Arlit
    • Bilma
  • Diffa
    • Diffa
    • Maïné-Soroa
    • N'Guigmi
  • Dosso
    • Birni N'Gaouré
    • Dogon-Doutchi
    • Dosso
    • Gaya
    • Loga
  • Maradi
    • Aguié
    • Dakoro
    • Guidan-Roumdji
    • Madarounfa
    • Mayahi
    • Tessaoua
  • Tahoua
    • Birni N'Konni
    • Bouza
    • Illéla
    • Keita
    • Madaoua
    • Tahoua
    • Tchin-Tabaraden
  • Tillabéri
    • Filingué
    • Ouallam
    • Say
    • Téra
    • Tillabéry
  • Zinder
    • Gouré
    • Magaria
    • Matamey
    • Mirria
    • Tanout
  • Niamey (Hauptstadtbezirk)

Wirtschaft

Die nigrische Volkswirtschaft erreichte 2005 ein Bruttoinlandsprodukt(BIP) von knapp 11,28 Milliarden Euro, das entspricht einer Wirtschaftsleistung von etwa 900 Euro pro Kopf der Bevölkerung. Im Vergleich zum Jahre 2001, wo das BIP noch bei 1,7 Milliarden Euro lag und das BIP pro Kopf bei bescheidenen 150 Euro war, ist das BIP also auf fast das siebenfache gestiegen. 39 % des Volkseinkommens stammen aus der Landwirtschaft, während der industrielle Sektor nur etwa 17 % der Gesamtleistung ausmacht, sich jedoch in den letzten fünf Jahren um wenigstens 3 % erhöht hat. Dies ist zwar nicht besonders viel, es weist aber in eine bessere wirtschaftliche Zukunft. Im Jahr 2006 lag das Wirtschaftswachstum bei 5,5%, was vor allem auf den ungewöhnlich hohen Ernteerträgen zurückzuführen ist. Die restlichen 44 % werden von den Dienstleistungen gemacht. Wichtigstes Exportgut ist das nördlich von Agadez abgebaute Uran, dessen Ausfuhr 32 % der Gesamtexporte generiert, wichtigster Handelspartner bleibt Frankreich. Niger zählt nach wie vor zu den ärmsten Ländern der Welt: noch 2003 belief sich der Anteil der Bevölkerung mit weniger als 1 US-Dollar pro Tag auf 61% (siehe auch: Tabelle: Die höchste Armut weltweit).

Landwirtschaft

In der nigrischen Sahara-Region ist nur in Oasen, etwa im Aïr-Gebirge, Bewässerungsfeldbau möglich. Nur der schmale Streifen entlang der nigerianischen Grenze befindet sich in der Sahelzone und ist somit für den Regenfeldbau geeignet. Die Regenzeit ist extrem kurz, knapp drei bis vier Monate. Darüber hinaus ist die Regenzeit durch eine hohe Variabilität der Regenfälle gekennzeichnet: Regional können ebenso stark unterschiedliche Regengüsse niedergehen, wie die zeitliche Verteilung der Regenmenge während der Regenzeit sehr ungleichmäßig sein kann.

Anbauprodukte sind hauptsächlich verschiedene Hirsearten sowie Bohnen und Erdnüsse. Nur in Trockenflusssenken werden im Bewässerungsanbau Gemüsearten, Henna, Capsicum-Arten, Tabak u.ä. angebaut. Mobiles Kapital sind Kleinviehherden, die in Notzeiten zunächst vermarktet und dann verzehrt werden.

Produktionsmittel sind heute der individualisierte Besitz an Grund und Boden sowie das durch den gemeinsam wirtschaftenden Haushalt erworbene Saatgut, das unter Umständen in Kooperativen hinzugekauft werden muss. Dies geschieht, wenn das Saatgut wegen Nahrungsknappheit verzehrt statt ausgebracht wird. Bei staatlichen Kooperativen oder reichen Händlern verschulden sich die Bauern z.T. auch durch den Kauf von Insektiziden und Düngemittel.

Die Arbeitsmittel sind die einer weitgehend nicht mechanisierten Landwirtschaft: die kurzstielige Hacke und ein langstieliges Jäteisen (Kanuri: ashasha). Ochsengezogene Pflüge befinden sich in der Regel im Besitz reicher Bauern, die meist identisch mit der einheimischen Aristokratie sind. Der überwiegende Teil der Bauern hat hierzu keinen Zugang.

Die vorkoloniale Gesellschaftsstruktur sieht eine gemeinschaftliche Nutzung der Böden durch eine Großfamilie, ein gandu (Hausa: Haushalt) vor. Individueller Besitz an Grund und Boden war weitgehend unbekannt. Seit der Kolonialzeit hat sich durch die Konsolidierung familiärer Besitzansprüche und einer zunehmenden Vermarktung von Grund und Boden ein individueller Besitz von Boden etabliert. Der Bevölkerungsdruck führte zu Landknappheit. Erbteilung führte zur Fragmentierung von Landbesitz. Individuelle Parzellen können heute eine (Klein-)Familie kaum noch ernähren.

Ein weiteres Problem stellt die großflächige Abholzung zur Gewinnung von Brennmaterial dar, sowie das fast vollständige Abtragen von Pflanzenmaterial nach der Ernte, so dass Ackerflächen zum einen vor der Sonneneinstrahlung nicht mehr geschützt sind und zum anderen der Düngungseffekt durch verrottendes Pflanzenmaterial ausbleibt. Die Böden verarmen. Seit Mitte der 80er Jahre wird diesem Problem mit einer systematischen Begrünung entgegen getreten. Hilfreich war dabei insbesondere die Bepflanzung mit der Akazienart Faidherbia albida. Bis 2006 konnten so 3 Mio. Hektar Land begrünt werden, von denen 250.000 Hektar bereits wieder landwirtschaftlich nutzbar sind. In diesen Gebieten sind die Niederschlagsmengen von 1982 bis 1999 um 10 bis 20 Prozent gestiegen.

Die lange Trockenzeit macht ein Vorratshaltungssystem notwendig, das in vorkolonialer Zeit sozial und religiös sanktioniert war. Diese Vorratshaltung war eng an die vorkoloniale Struktur der Haushalte, ihrer Arbeits- und Konsumptionsstruktur gebunden. Mit der Fragmentierung der Haushalte und der Individualisierung von Bodenbesitz vor allem seit der Dekolonisierung geht eine Auflösung dieser vorkolonialen Umverteilungsstrukturen einher. Heutige (Klein-)Familien können kaum noch auf ein Netz familiärer und nachbarschaftlicher Solidaritätsstrukturen zurückgreifen, vor allem angesichts des allgemein herrschenden ökologischen Drucks auf die ökologisch fragile Klimazone.

Hungersnöte und Nahrungsmittelknappheit

Die folgenden Punkte gelten als ursächlich für die immer wiederkehrenden katastrophalen Hungersnöte im Land:

Die Hungersnöte sind mit ein Grund für das vermehrte Auftreten von Noma in Niger. Auf 100.000 Einwohner werden laut Studien 14 Erkrankte gezählt.

Infrastruktur

Das nigrische Straßennetz von insgesamt 10.100 km (1996) besteht aus 798 km befestigten und 9.302 km unbefestigten Straßen. Außerdem besitzt das Land 27 Flugplätze mit neun befestigten Landebahnen (1999). Auf 300 km ist der Niger zwischen Dezember und April befahrbar. Ein Bahnnetz besitzt Niger noch nicht, auch wenn bereits Planungen bestehen.

Kultur

Anmerkung:

Islamische Feiertage sind nach dem Mondkalender berechnet und verschieben sich daher von Jahr zu Jahr. Die wenigen christlichen Gemeinden feiern auch Ostern und andere kirchliche Feste.

Literatur

Quellen

  1. http://hdr.undp.org/hdr2006/statistics/ HDI von Niger
  2. Fischer Weltalmanach 2006, S. 337, ISBN 3596720060
 Commons: Niger – Bilder, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Niger – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
 Wikimedia-Atlas: Niger – geografische und historische Karten

Koordinaten: 12°-23° N, 0°-16° O