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Doornkaat

Doornkaat ist der Name einer Spirituosenmarke (Korn) und auch des dahinter stehenden Unternehmens Doornkaat AG, das zwar noch seinen offiziellen Sitz, nicht aber mehr die Produktion in der Stadt Norden in Ostfriesland hat. Die Doornkaat AG gehört seit 1991 zum Spirituosenhersteller Berentzen-Gruppe AG im emsländischen Haselünne.

Der dreifach gebrannte Korn wird in einer grünen Vierkantflasche angeboten und hat 38 vol. Hape Kerkelings Figur Horst Schlämmer genehmigt sich gern einen Doornkaat, auch vor laufenden Kameras, und trug so in jüngster Zeit zur Bekanntheit der Marke bei.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Doornkaat wurde 1806 in Norden von dem aus Groningen stammenden Mennoniten Jan ten Doornkaat Koolman gegründet. Unterstützt wurde er hierbei durch den wohlhabenden Norder Kaufmann Cremer, ebenfalls ein Mennonit. Trotz großer Konkurrenz (es gab seinerzeit in Norden 24 Kornbrennereien) setzte er sich mit seinem Produkt durch. Im Laufe der Jahrzehnte wurde Doornkaat sogar zu einer deutschlandweit bekannten Kornmarke. Die Marke "Doornkaat" wurde am 1. Oktober 1894 angemeldet und am 8. Dezember 1894 in das deutsche Markenregister eingetragen.

Das Unternehmen erhielt zudem noch weitere Standbeine. So wurde 1882 eine Bierbrauerei im Norder Stadtteil Westgaste eröffnet. Ab 1930 vertrieb Doornkaat auch einen eigenen Tee (Doka Tee). Durch Schiffsbeteiligungen rundete das florierende Unternehmen sein Portefeuille ab.

Nachdem die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg nochmals einen großen Aufschwung gebracht hatten, erfolgte in den siebziger und achtziger Jahren ein schneller Abstieg, der letztlich auch zum Verkauf des Unternehmens führte. Dies hatte vor allem personelle Gründe: Der damalige Chef des Unternehmens, Gerhard ten Doornkaat Koolman, war mehr Techniker (studierter Chemiker) denn Kaufmann. So erfolgten zum einen Fehlinvestitionen wie der Erwerb einer Fruchtsaftfabrik. Zum anderen fand das Unternehmen keine wirksame Strategie, um einem veränderten Trinkverhalten der Bevölkerung zu begegnen. Eine Produktverteuerung durch die Branntweinsteuer tat ein Übriges.

Der Verkauf an Berentzen war die Konsequenz dieses Niedergangs.

Auswirkungen der Schließung für das Norderland

War Doornkaat jahrzehntelang ein florierendes Unternehmen, das in seinen besten Tagen Arbeitsplätze bot, der Stadt Steuereinnahmen und den Landwirten der Umgebung einen Absatzmarkt brachte, so brach (spätestens) nach 1991 ein wirtschaftliches Standbein weg. Zwar konnte ein Großteil der Mitarbeiter übernommen werden – allerdings wurde schon kurz nach der Übernahme nicht mehr in Norden produziert. Lediglich die Abfüllung des Mineralwassers St. Ansgari verblieb noch in der Stadt.

Das ehemalige Betriebsgelände der Brennerei ist im Bereich der Straßen Doonkaatlohne und Dornkaatstraße zu finden. Ein großer Teil der Gebäude ist heute äußerlich unverändert erhalten. Diverse Unternehmer, darunter auch die Gastronomie haben sie teilweise restauriert mit neuem Leben erfüllt.

Es ist zu betonen, dass nicht allein der Niedergang der Doornkaat AG in der Folgezeit wirtschaftliche Probleme für die Stadt Norden brachte. Bereits in den Jahrzehnten zuvor hatten mehrere Betriebe schließen müssen (darunter beispielsweise Anfang der 1980er ein Werk des Büromaschinenherstellers Olympia mit mehreren Tausend Beschäftigten und bereits zuvor eine Eisengießerei), was einen Wegfall von Steuereinnahmen und Arbeitsplätzen nach sich zog. Allerdings dürfte Doornkaat aufgrund seines deutschlandweiten Bekanntheitsgrades das prominenteste Beispiel sein.

Soziales Engagement

Engagement in Norden

Die Familie ten Doornkaat Koolman war in der Norder Mennonitengemeinde stark verwurzelt. Daraus erwuchs ein starkes gesellschaftliches und soziales Engagement. So entstand durch Kommerzienrat Jan ten Doornkaat Koolman durch Hilfe eines Germanisten zwischen 1879 und 1884 ein dreibändiges Wörterbuch der ostfriesischen Sprache. 1894 ließ das Unternehmen auf dem Blücherplatz im Zentrum Nordens einen Pavillon erbauen, der von den Einwohnern gut angenommen wurde und auch als Musiksaal diente. Die Familienmitglieder unterstützten stark die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Norden und des Heimatvereins Norderland und förderten zudem die örtliche Diakonissenstation.

Nach Recherchen des Norder Heimatforschers Dr. Gerhard Canzler standen die Mitglieder der Familie während der Nazi-Diktatur nie in der ersten Reihe der politischen Aktivisten. Zwangsarbeiter wurden in der Firma nicht beschäftigt.

Stiftung

Im Dezember 1988 gründete Gerhard ten Dornkaat Koolman die nach ihm genannte Stiftung. Sie hat seitdem für Ostfriesland eine große Bedeutung gewonnen. Stiftungszweck sind die Förderung von Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, die Pflege des Heimatgedankens, der Denkmal-, Umwelt- und Naturschutz sowie die Rettung aus Lebensgefahr, insbesondere zur See. Nach Gerhard ten Doornkaat wurde ein Seenotrettungsboot der DGzRS benannt.

Literatur und Quelle

Canzler, Gerhard: Doornkaat. Eine Firmenchronik, hrsg. von Kay ten Doornkaat Koolman, Eigenverlag, Norden 2002