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Kopli kalmistu

Der Kopli kalmistu (deutsch: Friedhof Ziegelskoppel) in Tallinn war Estlands grösster protestantischer deutsch-baltischer Friedhof und befand sich im Vorort Kopli (Ziegelskoppel). Er umfasste tausende Grabstätten Revaler Bürger und bestand vom späten 18. Jahrhundert bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, als er von der Roten Armee vollständig eingeebnet wurde.

Inhaltsverzeichnis

Ursprünge

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erließ die russische Zarin Katharina die Große ein Dekret, das die Beerdigung von Bürgern in den Kirchen, unabhängig von deren Stand oder gesellschaftlicher Zugehörigkeit, verbot. Gründe für das Dekret waren Platzmangel in den Kirchengräbern und die Gefahr, dass sich ansteckende Krankheiten wie die Pest durch diese Praxis weiterhin verbreiten konnten. Die Pest hatte zuletzt 1771 zu einem Aufstand in Moskau geführt.

Unter diesem Vorzeichen wurde der Friedhof Ziegelskoppel außerhalb von Reval eingerichtet. Er diente über 150 Jahre als Beerdingungsstätte; fast alle Deutsch-Balten, die zwischen 1790 und 1944 starben, wurden dort beerdigt. Bis 1939 entstanden tausende Gräber der Revaler Bürgerschaft, auch die ihrer bekannteren Exponenten.

Letzte Beerdigungen

Ende 1939 folgten viele Deutsch-Balten der Aufforderung Nazi-Deutschlands, ihre Heimat zu verlassen, wie es zwischen Deutschland und der Sowjetunion im Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt vereinbart worden war, und siedelten sich im heute polnischen Wartheland an. Die Zahl der Beerdigungen im Friedhof Ziegelskoppel nahm stark ab. Bis 1944 wurde er aber im kleineren Umfang weiterhin benutzt, um die Toten der in Estland gebliebenen Deutschen zu bestatten.

Zerstörung durch sowjetische Truppen nach 1945

Bald nach dem Zweiten Weltkrieg und der zweiten Besetzung der baltischen Staaten durch die Sowjetunion wurde der Vorort Kopli wegen seiner strategischen Lage am Finnischen Meerbusen zum Militärgebiet erklärt und für die Öffentlichkeit geschlossen.

Der Friedhof wurde danach von der Roten Armee eingeebnet. Eine Umbettung der menschlichen Überreste fand nicht statt. Die Grabsteine wurden dazu verwendet, in anderen Stadtteilen Mauern und Bürgersteige zu bauen. Vom Friedhof blieben nur die Baumreihen entlang der Wege erhalten.

Heutiger Zustand

An der Stelle des früheren Friedhofs befindet sich heute ein öffentlicher Park. Vom Friedhof blieben nur die Baumreihen entlang der Wege erhalten, ansonsten weist nichts auf die frühere Bedeutung des Gebiets hin. An den Friedhof und die dort Beerdigten erinnern nur noch die alten Sterbebücher und einige detaillierte Gebietskarten im Talliner Stadtarchiv.

Der Friedhof in der Literatur

Der Friedhof ist Schauplatz mehrerer Episoden des Erzählbandes Der Tod von Reval des deutsch-baltischen Schriftstellers Werner Bergengruen.