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Radonbalneologie

Radonbalneologie (weitere synonyme Bezeichnungen sind Radontherapie, Radonbad, Radoninhalationskur).

In vielen Kurorten werden therapeutische Anwendungen des radioaktiven Gases Radon als "Radonbäder" oder Radon-Emanationen für Kurgäste angeboten. Am bekanntesten ist wohl der Heilstollen in Böckstein in der Nähe von Bad Gastein bei Salzburg in Österreich. Andere Kurorte sind: Radon Revitalbad in Menzenschwand, Radonstollen in Bad Kreuznach, Bad Brambach (Sachsen), Bad Steben bei Hof, Bad Münster (Rheinland-Pfalz), Bad Schlema in Sachsen, Bad Zell in Oberösterreich, Sibyllenbad in der Oberpfalz, Jáchymov in Tschechien sowie Niška Banja bei Niš in Serbien, das durch die radioaktive Pechblende bekannt ist und als das Radiumbad gilt.

Als Indikationen werden angegeben:

Bei der Radontherapie soll es sich um eine sogenannte "low-dose"-Strahlentherapie handeln. Das Radon dringt zum einen in die Haut ein, und gelangt zum anderen in die Atemwege. Das eingeatmete Radon schädigt vor allem die obere Bronchien, verteilt sich aber nach dem Einatmen auch in gelöster Form im ganzen Körper. Auf der Haut ist die Radonwirkung auf die oberste Zellschicht begrenzt, das stratum germinativum der Haut wird nicht erreicht. Aber auch im Thermalwasser kommt in Bad Gastein und Bad Hofgastein Radon vor: 740.000 Bq/m³ und Radium (Ra226) 780 Bq/m³. Als Edelgas geht Radon keinerlei chemische Bindung ein. Die biologische Halbwertszeit soll etwa 15 bis 30 Minuten durch Abatmung betragen. Durch die Erwärmung der Umgebungsluft bzw. durch Herabsetzung des Luftdrucks (Höhenlage) und die folgende Hyperventilation wird die Radonaufnahme gesteigert. Die heilbringende Wirkung soll bei normaler Temperatur ab 37.000 Bq/m³ (1 nCi/l) Atemluft einsetzen, mit einem Maximum bei 3 MBq/m³ Atemluft (3.000.000 Bq/m³).

Laut T. Küttler (Lehrbuch Innere Medizin) muss eine Radiumtrinkquelle mindestens 29 µCi (auf welche Menge bezogen ?) und eine Radiumbadquelle mindestens 290 µCi (Bezug ?) aufweisen, um eine Wirkung zu erzielen. 29 µCi entsprechen 1,073 MBq und 290 µCi entsprechen 10,73 MBq.

Im exponierten Gewebe kommt es durch die Bestrahlung zur Bildung von freien Radikalen, die eine schädliche Wirkung auf die Zelle haben (DNA, Zellmembran). Die positive Wirkung der Radonexposition soll in der Aktivierung der körpereigenen Schutzmechanismen gegen die Radikalbildung bestehen, ausgelöst durch den "Reiz" der Alphastrahlung. Zugleich soll die DNA-Synthese durch Radon herabgesetzt werden, und dies soll ein möglicher Mechanismus der anti-rheumatischen Wirkung sein. Daneben soll Radon die Kortisonsekretion steigern - dies könnte die Wirkung bei Asthma/Rheuma miterklären. Obwohl ionisierende Strahlung als Agens für Alterungsprozesse im Körper diskutiert wird, soll es hier andersherum sein und eine "low-dose" Radioaktivität soll eine schützende Wirkung vor Krebs haben. Ursache dafür wird von den Befürwortern dieser Ansicht die Hormesis-Hypothese (T.D. Luckey) schwacher Radioaktivität angeführt, die der ansonsten als für die stochastischen Effekte linear angenommenen Dosis-Wirkungs-Kurve (LNT: linear no threshold) und der ALARA-Regel (as low as reasonable achievable) widerspricht. Die Hormesishypothese ähnelt den Dosis-Wirkungs-Beziehungen der deterministischen Strahlenwirkung für die eine unteren Schwellendosis postuliert wird, die überschritten werden muss, um einen Schaden zu bewirken. Luckey spricht im Zusammenhang mit der Hormesishypothese sogar von einem "Strahlenbedarf", den wir hätten. Eine für den Strahlenschutz geradezu ketzerische Ansicht. Auch aus Indien gibt es Berichte über eine angebliche die Krebsinzidenz mindernde Wirkung schwacher ionisierender Strahlung durch die Umwelt. Andererseits ist bekannt, dass in Gebieten in Indien, in denen die Menschen einer hohen natürlichen Radioaktivität ausgesetzt sind (zum Beispiel Kerala), das Down-Syndrom häufiger auftritt. Auch besagt die stochastische Strahlenwirkung, dass es keine Schwellendosis gibt, und ein einzelner Volltreffer eines einzelnen zufälligen Photons ausreicht, um genau die eine Mutation zu bewirken, die zum Krebstod führen kann. Andernorts wird dagegen sogar von einer größeren Strahlengefahr geringer Dosen ionisierender Strahlen ausgegangen (Sternglass, Manstein...) bezogen auf die lineare Dosis-Wirkungs-Kurve. Hier prallen viele Meinungen konträr aufeinander. Neben der Hormesis-Hypothese kleiner Dosen ionisierender Strahlung wird auch von Adaptationsphänomen (adaptive Reaktion, adaptive response) der Zelle bei Stressreaktionen gesprochen. Eine Bedeutung könnten derartige Anpassungen der Zelle bei der Resistenzentwicklung von Tumorzellen gegenüber der therapeutischen Bestrahlung haben. Auch scheinen Zellen die Fähigkeit zu besitzen, sich nach UV-Bestrahlung besser gegen die damit verbundenen Schäden zu wappnen. Auch hier wird der Begriff der Hormesis benutzt.

Literatur

Siehe auch

Radon, Hormesis, Strahlenschutz


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