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Stehendes Heer

Stehendes Heer bezeichnet im Gegensatz zu den erst bei Bedarf aufgestellten Truppen eine dauernd unter Waffen stehende und damit jederzeit einsatzbereite Armee, aber auch die zur Reserve beurlaubten Personen. Davon abgegrenzt wurden früher die Ersatzreserve, die Landwehr und der Landsturm, heute zählt die Reserve nicht dazu.

Die Stehende Marine wird Flotte genannt und bildet die Gesamtheit der aktiven Marinetruppen und der Marinereserve, im Gegensatz zur früheren Seewehr und der Marine-Ersatzreserve.

Geschichte

Stehende Heere sind seit der Antike bekannt. Die ägyptischen Pharaonen hatten stehende Heere ebenso wie die Griechen und die Römer (Legion). Im Mittelalter waren stehende Heere eher die Ausnahme. Der jeweilige König bzw. Lehnsherr forderte seine Vasallen auf, ihrer Dienstpflicht nachzukommen oder man bediente sich Söldnerheeren, die für denjenigen kämpften, der bezahlte.

Von dem französischen König Karl VII. wurde ein stehendes Heer aufgestellt. Karl wollte verhindern, dass Söldner, die nach dem Ende des Hundertjährigen Kriegs keine Aufgabe mehr hatten, weiterhin plündernd durch das Land zogen und gab ihnen eine Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. In Italien war das Söldnerwesen im Spätmittelalter besonders schlimm, trotzdem kämpften bis zum Dreißigjährigen Krieg primär Söldnerheere. Die Landsknechte bestritten ihren Lebensunterhalt durch Kriegsdienst und Plünderungen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg stellten die Herrschenden aller Länder stehende Heere auf, da diese nicht von der Laune der Anführer der Söldner und dem passenden Geldbeutel abhängig waren. Schon Machiavelli hatte erkannt, dass Macht, die auf Söldnerheeren basierte, dauerhaft nichts wert war.

Im 18. Jahrhundert lösten stehende Heere völlig die bis dahin übliche Praxis ab, Armeen bei Bedarf auszuheben, sei es durch Zwangsverpflichtung der Zivilbevölkerung, den Ruf an Vasallen und Lehnsnehmer oder durch die Anwerbung von Söldnern. Im Zeitalter des Absolutismus war das stehende Heer eine der wichtigen Stützen der herrschaftlichen Macht, denn die Soldaten konnten nicht nur gegen äußere Feinde, sondern auch zur Unterdrückung von Aufständen und Unruhen im Inneren eingesetzt werden.

Gegen Ende des 18. Jahrhundert wurde während der Französischen Revolution die Wehrpflicht eingeführt, um das in Friedenszeiten vergleichsweise kleine Heer schnell um eine große Anzahl von Soldaten erweitern zu können.

Vor- und Nachteile

Eine Armee, die nur bei Bedarf einberufen wird, ist wesentlich billiger als ein stehendes Heer. Ein stehendes Heer verursacht auch in Friedenszeiten laufende Kosten, da das Personal trainiert und bezahlt, sowie die Ausrüstung ständig gewartet und aktualisiert werden muss, um die Einsatzbereitschaft und Effektivität der Armee aufrechtzuerhalten. Jedoch ist die Verteidigungsbereitschaft eines stehenden Heeres höher, da eine Mobilisierung in der Regel schneller vonstatten geht als bei Bedarfsheeren. Auch ist der Trainingzustand meist besser. Ebenfalls ist die abschreckende Wirkung einer dauerhaft kampfbereiten Truppe auf einen potentiellen Aggressor nicht zu unterschätzen.

Siehe auch