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Landkreis Emsland

Der Landkreis Emsland ist ein niedersächsischer Landkreis im Nordwesten der Bundesrepublik Deutschland. Er ist mit seinen 2.881,4 km² Fläche der zweitgrößte Landkreis Deutschlands (hinter dem brandenburgischen Landkreis Uckermark) und größer als das Saarland. Er hat seinen Namen Emsland nach dem ihn durchquerenden Fluss Ems.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Der Landkreis besteht aus den Landschaften Emsland und Hümmling. Prägend für den Raum sind die beiden Flüsse Ems und Hase mit ihren Zuflüssen, die ausgedehnten Moorflächen des Bourtanger Moores und des Küstenkanalmoores, sowie die Geest des Hümmlings und des Lingener Landes.

Der Kreis hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von etwa 93 km und eine Ost-West-Ausdehnung von etwa 56 km. Höchste Erhebungen sind der Nattenberg mit 91,7 m ü. NN bei Emsbüren, der Windmühlenberg in der Samtgemeinde Freren mit 93 m über NN und der Windberg mit 72,7 m ü. NN bei Werpeloh im Hümmling.

Stadtrechte haben folgende Kommunen Haren (Ems), Haselünne, Freren, Lingen (Ems), Meppen (Kreisstadt) und Papenburg. Der Landkreis war bis zum 6. Dezember 1993 der flächenmäßig größte Landkreis Deutschlands, abgelöst wurde er vom neugeschaffenen brandenburgischen Landkreis Uckermark.

Geographische Lage

Der Landkreis Emsland liegt im Westen Niedersachsens, er grenzt im Westen an den Landkreis Grafschaft Bentheim, sowie an die Niederlande (Provinzen Groningen und Drenthe), im Norden an den Landkreis Leer in Ostfriesland, im Osten an den Landkreis Cloppenburg und an den Landkreis Osnabrück und im Süden an den Kreis Steinfurt im westfälischen Münsterland.

Geschichte

Der Norden (der frühere Kreis Aschendorf-Hümmling) und die Mitte (der frühere Kreis Meppen) des heutigen Landkreises gehörte bis 1803 zum Niederstift Münster, zwischen 1803 und 1810 war es Teil des Herzogtum Arenberg. Der Süden (der frühere Kreis Lingen) bildete die Niedergrafschaft Lingen und war seit 1702 preußisch.

1810 wurde das heutige Kreisgebiet Teil des französischen Kaiserreichs. Seit 1814 gehörten Emsland und Hümmling zum Königreich Hannover. Mit diesem fielen sie 1866 an Preußen. Seit 1946 gehören sie zum Bundesland Niedersachsen.

Der heutige Landkreis wurde durch die Kreisreform am 1. August 1977 aus den Landkreisen Aschendorf-Hümmling, Meppen und Lingen gebildet. In vielen Statistiken des Landkreises spiegelt sich diese Aufteilung in Emsland-Nord, Emsland-Mitte und Emsland-Süd wider.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Emsländische Landschaft
Zur Pflege kultureller Einrichtungen wurde die Emsländische Landschaft als eingetragener Verein gegründet.

Museen
Architektur
Technische Denkmäler und Attraktionen

Bevölkerung

Im Landkreis Emsland wird von der einheimischen Bevölkerung noch vielerorts - insbesondere im ländlichen Raum - die niedersächsische Sprache (umgangssprachlich plattdüütsch oder auch platt/plattdeutsch) gesprochen. Mit einer Bevölkerungsdichte von 107 Einwohnern pro Quadratkilometer (2005) gehört der Landkreis zu den dünnstbesiedelten Regionen in Deutschland. Der Landkreis ist stark katholisch geprägt. Der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung beträgt zur Zeit etwa 80 %. Der Landkreis Emsland weist eine der höchsten Geburtenraten Deutschlands auf.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
1821 65.973
1848 76.893
1871 79.743
1885 83.512
1905 94.612
1925 117.094
1933 129.843
1939 154.739
1946 175.933
1950 190.564
1956 188.582
1961 197.459
1971 230.208
1978 237.775
1980 240.748
1985 248.112
1990 263.890
1995 292.993
2000 303.034
2005 309.613

(Die Einwohnerzahlen vor 1977 beziehen sich auf das Gebiet der früheren Landkreise Aschendorf-Hümmling, Meppen und Lingen.)

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigte:

1980 1985 1990 1995 2000 2003 2004 2005 2006
65.157 64.777 74.482 84.691 90.007 90.722 89.460 89.365 90.141


Arbeitslose (Stand Mai 2008):

Arbeitslose Arbeitslosenquote Freie Stellen
6.997 4,5 % 1.568

Hauptverkehrsweg ist seit alters her die so genannte Emsachse, die den Landkreis von Nord nach Süd erschließt.

Religionen

Der Landkreis Emsland gehört wie der Landkreis Vechta, der Landkreis Cloppenburg, die ehemaligen Stifte Osnabrück und Hildesheim und das Untereichsfeld zu den Regionen in Niedersachsen die - im Gegensatz zum Großteil des Landes - traditionell von der katholischen Kirche geprägt sind. Der Anteil der Katholiken beträgt nach wie vor etwa 80 %.

Bildung

Im Landkreis gibt es insgesamt 11 Gymnasien, diese sind in Handrup, Haren, Haselünne, Lingen, Meppen, Dörpen, Papenburg und Sögel.

Seit 1988 existiert in Lingen die Berufsakademie Emsland. Sie ist die älteste Berufsakademie Niedersachsens und bietet drei akkredierte Studiengänge (Betriebswirtschaft, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen) an.

Im Jahr 2000 wurde in Lingen eine Außenstelle der Fachhochschule Osnabrück gegründet, der die Fakultät Gesellschaft und Technik mit den Instituten Management und Technik, Kommunikations-Management sowie Theaterpädagogik umfasst.

Politik

Landrat

Zum ersten hauptamtlichen Landrat wurde bei der Kommunalwahl am 9. September 2001 mit 72,7 % der Stimmen Hermann Bröring (CDU) gewählt. Er wurde bei der Kommunalwahl am 10. September 2006 mit 74,2 % der Stimmen in seinem Amt bestätigt. Der Landrat gehört automatisch auch dem Kreistag an.

Kreistag

Der Kreistag hat 66 gewählte Mitglieder. Hinzu kommt der direkt gewählte hauptamtliche Landrat. Ihm gehören seit der Kommunalwahl am 10. September 2006 fünf Parteien bzw. Wählergemeinschaften an.

Aktuelle Zusammensetzung des Kreistages:

Wappen

Das Wappen des Landkreises ist dreigeteilt. Im oberen Drittel ist ein graues Hünengrab auf rotem Untergrund dargestellt, es steht für den Nordteil des Landkreises und bezieht sich auf das Wappen des ehemaligen Landkreises Aschendorf-Hümmling. In der Mitte sind drei rote Mispelblüten auf goldenem Untergrund, sie stehen für den Zusammenschluss der drei ehemaligen Kreise und gehen auf das Wappen des ehemaligen Kreises Meppen zurück. Ein Wellenschnitt zwischen dem mittleren und dem unteren Bereich des Wappens steht für die Ems. Die Mispelblüten gehen auf das Wappen der Herzöge von Arenberg zurück, die 1803 Landesherren des vorher zum Fürstbistum Münster gehörigen Amtes Meppen wurden. Der goldene Anker auf blauem Untergrund im unteren Drittel des emsländischen Wappens geht auf das Wappen des ehemaligen Kreises Lingen zurück.

Kreispartnerschaft

Seit dem Jahr 2004 verbindet eine Partnerschaft den Landkreis Emsland mit dem polnischen Landkreis (Powiat) Lidzbark Warmiński (dt. Heilsberg in Ostpreußen) in der Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Ursprünglich ist der Landkreis durch die Landwirtschaft und durch den Torfabbau geprägt. Heute sind im Maschinen-, Motoren- und Fahrzeugbau, der Papiererzeugung (Nordland Papier in Dörpen), dem Schiffbau (Meyer-Werft in Papenburg), der Erdöl- und Erdgasindustrie (Gaz de France in Lingen), der Ernährungswirtschaft und im Baugewerbe viele Arbeitskräfte beschäftigt. Neben diesen Branchen nimmt der Tourismus (beispielsweise sei hier das Ferienzentrum Schloss Dankern in Haren genannt) einen immer größeren Stellenwert ein.

Verkehr

Straßenverkehr

Parallel westlich zu dieser Emsachse verläuft die 2004 fertig gestellte Autobahn A 31 und östlich der Ems die Bundesstraße B 70.

Nach Westen zu den Niederlanden hat es lange keine günstige Verkehrsverbindung gegeben, da das Bourtanger Moor eine kaum zu überwindende natürliche Grenze darstellte. Heute gibt es eine West-Ost-Achse von der deutsch-niederländischen Grenze bei Twist-Schöninghsdorf zur Autobahn A 1 bei Cloppenburg durch die Bundesstraßen B 402, B 213 und B 72, die als E 233 heute die kürzeste Verbindung zwischen dem Raum Amsterdam und dem Raum Hamburg für den Autoverkehr darstellt. 2005 wurde der vierspurige Ausbau beschlossen und zwischen der A 31 sowie der niederländischen Grenze sind die Bauarbeiten abgeschlossen (Stand: 2008). Falls die Strecke zur Autobahn ausgebaut werden sollte, würde sie die Bezeichnung A 34 tragen. Der Süden des Landkreises ist an die Autobahn A 30 (durchgängig befahrbar seit 1991) angebunden. Die B 401 läuft parallel zum Küstenkanal von der A 31 bei Heede/Dörpen nach Oldenburg, die B 408 von der B 70 an Haren vorbei bis zur niederländischen Grenze. In Salzbergen, in der Südspitze des Landkreises, verlief die B 65, die durch die Fertigstellung der A 30 zur Landesstraße herabgestuft wurde. Ein weiterer Knotenpunkt befindet sich in Lingen; hier treffen die Bundesstraßen B 70, B 213 und B 214 aufeinander.

Schienenverkehr

Die Hauptachse des Schienennetzes ist seit 1856 die Emslandstrecke Leer (Ostfriesland) - Papenburg - Meppen - Lingen - Rheine der Hannöverschen Staatsbahn. Hier verkehren die InterCity der Linie Luxemburg - Norddeich Mole im 2-Stunden-Takt und stündlich der „Emsland-ExpressMünster - Emden.

In Salzbergen mündet seit 1865 die von Oldenzaal - Bad Bentheim kommende Strecke der niederländischen „AS Spoorweg=Mj“ Almelo - Salzbergen ein. Es bildet jetzt die Bahnstrecke 375 Amsterdam - Bad Bentheim - Salzbergen - Rheine - Osnabrück - Bielefeld / Hannover.

Die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft führte 1879 ihre Strecke Quakenbrück - Freren - Rheine durch den Südostzipfel des Kreises.

Der Kreis betreibt in eigener Regie die Emsländische Eisenbahn GmbH, die aus den Kreisbahnen der Kreise Hümmling und Meppen entstanden ist:

Die 1894 eröffnete Meppen-Haselünner Eisenbahn wurde 1902 bis Herzlake und 1907 zur oldenburgischen Staatsbahn in Lewinghausen verlängert. Die Hümmlinger Kreisbahn von Lathen nach Werlte entstand 1898 als Schmalspurbahn und berührte auch die damalige Kreisstadt Sögel. Sie wurde 1957 auf Normalspur umgebaut.

Die Kleinbahn Lingen-Berge-Quakenbrück GmbH stellte ab 1904 eine weitere - schmalspurige - Querverbindung von der Ems in Richtung Oldenburgisches Münsterland her.

Angesichts der großen Fläche des Kreises war die Bahndichte mit 209 km ziemlich gering. Trotzdem wurde fast die Hälfte des Netzes (97 km) im Personenverkehr stillgelegt:

Immerhin werden zwei Strecken mit 51 km Länge noch von Museumsbahnen befahren

Außerdem befindet sich in Lathen die einzige Transrapid-Versuchsstrecke Emsland in Europa. Die Züge fahren dort mit über 500 km/h auf der Magnetschiene.

2006 ereignete sich dort der bislang erste Unfall mit einem Transrapid. Der vollbesetzte Wagen raste mit ca. 250 km/h in einen Werkstattwagen. 23 Menschen starben, nur sehr wenige überlebten.

Schiffsverkehr

Der einzige Seehafen des Landkreises liegt in der Stadt Papenburg, die Ems ist von Papenburg bis zur Mündung als Seewasserstraße ausgewiesen. Die kanalisierte Ems und ab Meppen der Dortmund-Ems-Kanal verbinden das Ruhrgebiet mit der Nordsee. Flussaufwärts wird die Ems ab Meppen nur noch im Freizeitverkehr befahren. Bereits seit 1829 umfährt der Güterverkehr die zahlreichen Mäander der Ems zwischen Lingen und Meppen auf dem ehemaligen Ems-Hase-Kanal, der seit 1899 überwiegend in den Dortmund-Ems-Kanal einbezogen ist. Bei Dörpen zweigt der Küstenkanal von der Ems ab und verbindet sie mit der Weser. Der Ems-Vechte-Kanal verbindet die Ems mit der Vechte, ist aber für jegliche Schifffahrt gesperrt. Ferner gibt es den Haren-Rütenbrock-Kanal.

Zwischen Haren und Meppen soll voraussichtlich bis 2007 der Euro-Hafen Emsland-Mitte als Stichhafen entstehen.

Für die Erschließung des Bourtanger Moores hatte das zwischen 1870 und 1904 erbaute Linksemsische Kanalnetz eine zentrale Bedeutung. Neben dem Gütertransport, diente es vor allem der Entwässerung.

Flugverkehr

Im Landkreis Emsland gibt es einige Sportflugplätze, aber keine größeren Flughäfen.

Die nächsten internationalen Flughäfen sind der Flughafen Münster/Osnabrück in Greven, der Flughafen Bremen und in den Niederlanden der Flughafen Eelde in Groningen.

Städte und Gemeinden

(Einwohner am 30. Juni 2006)

Einheitsgemeinden

  1. Emsbüren (9.807)
  2. Geeste (11.289)
  3. Haren (Ems), Stadt (22.746)
  4. Haselünne, Stadt (12.552)
  5. Lingen (Ems), Große selbständige Stadt (51.428)
  6. Meppen, Stadt, Selbständige Gemeinde (34.462)
  7. Papenburg, Stadt, Selbständige Gemeinde (34.797)
  8. Rhede (Ems) (4.227)
  9. Salzbergen (7.504)
  10. Twist (9.641)

Samtgemeinden

  1. Samtgemeinde Dörpen (15.570)
  2. Samtgemeinde Freren (10.803)
  3. Samtgemeinde Herzlake (9.930)
  4. Samtgemeinde Lathen (10.936)
  5. Samtgemeinde Lengerich (9.050)
  6. Samtgemeinde Nordhümmling (12.227)
  7. Samtgemeinde Sögel (15.570)
  8. Samtgemeinde Spelle (12.652)
  9. Samtgemeinde Werlte (15.929 )


Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinden

* Sitz der Samtgemeindeverwaltung

Samtgemeinde Dörpen (15.570)

  1. Dersum (1.466)
  2. Dörpen * (4.847)
  3. Heede (2.212)
  4. Kluse (1.486)
  5. Lehe (1.004)
  6. Neubörger (1.576)
  7. Neulehe (733)
  8. Walchum (1.361)
  9. Wippingen (885)

Samtgemeinde Freren (10.803)

  1. Andervenne (940)
  2. Beesten (1.677)
  3. Freren, Stadt * (5.121)
  4. Messingen (1.117)
  5. Thuine (1.948)

Samtgemeinde Herzlake (9.930)

  1. Dohren (1.163)
  2. Herzlake * (4.115)
  3. Lähden (4.652)

Samtgemeinde Lathen (10.936)

  1. Fresenburg (895)
  2. Lathen * (5.888)
  3. Niederlangen (1.224)
  4. Oberlangen (989)
  5. Renkenberge (690)
  6. Sustrum (1.250)

Samtgemeinde Lengerich (9.050)

  1. Bawinkel (2.332)
  2. Gersten (1.205)
  3. Handrup (877)
  4. Langen (1.410)
  5. Lengerich * (2.658)
  6. Wettrup (568)

Samtgemeinde Nordhümmling (12.227)

  1. Bockhorst (1.005)
  2. Breddenberg (824)
  3. Esterwegen * (5.180)
  4. Hilkenbrook (827)
  5. Surwold (4.391)

Samtgemeinde Sögel (15.570)

  1. Börger (2.786)
  2. Groß Berßen (684)
  3. Hüven (568)
  4. Klein Berßen (1.155)
  5. Sögel * (6.811)
  6. Spahnharrenstätte (1.404)
  7. Stavern (1.063)
  8. Werpeloh (1.099)

Samtgemeinde Spelle (12.652)

  1. Lünne (1.774)
  2. Schapen (2.446)
  3. Spelle * (8.432)

Samtgemeinde Werlte (15.929)

  1. Lahn (909)
  2. Lorup (3.110)
  3. Rastdorf (992)
  4. Vrees (1.635)
  5. Werlte * (9.283)

Literatur

Siehe auch

Liste der Wappen im Landkreis Emsland

Große Jugendplattform im Emsland

 Commons: Landkreis Emsland – Bilder, Videos und Audiodateien