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Bockhorn (Friesland)

Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 53° 24′ N, 8° 1′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Friesland
Höhe: 6 m ü. NN
Fläche: 77,15 km²
Einwohner: 8731 (31. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte: 113 Einwohner je km²
Postleitzahl: 26345
Vorwahl: 04453
Kfz-Kennzeichen: FRI
Gemeindeschlüssel: 03 4 55 025
Gemeindegliederung: 13 Ortsteile
Adresse der Gemeindeverwaltung: Am Markt 1
26345 Bockhorn
Webpräsenz:
www.bockhorn.de
Bürgermeister: Ewald Spiekermann (UWG, Unabhängige Wählergemeinschaft)

Bockhorn ist eine Einheitsgemeinde und ein staatlich anerkannter Erholungsort im Landkreis Friesland, Niedersachsen (Deutschland). Historisch gehört die Gemeinde zum Oldenburger Land.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Bockhorn liegt südlich von Wilhelmshaven in der Nähe der Bundesautobahn 29.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde besteht aus den Ortschaften: Adelheidsgroden, Bockhorn, Bockhornerfeld, Bredehorn, Ellenserdammersiel, Goehlriedenfeld, Grabstede, Jührdenerfeld, Kranenkamp, Moorwinkelsdamm, Osterforde, Petersgroden und Steinhausen.

Geschichte

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Gemeinde 1220 als Bochorne (von boca - Buche). Der ursprüngliche Name bezeichnet die Lage der Siedlung auf einer von Buchen ("boca", niederdeutsch "book") bewachsenen Landzunge (Horn oder Hörn). Somit ist das heute verwendete Ortswappen mit dem (Hirsch-)Bock und dem Jagdhorn eigentlich irreführend. Während der 1930er Jahre wurde die Gemeinde eine Großgemeinde "Friesische Wehde". Heute fallen unter diese Bezeichnung außerdem die Nachbargemeinden Zetel und Neuenburg.

Geschichtliche und wirtschaftliche Entwicklung

Wann Bockhorn entstanden ist, liegt im Dunkeln. Aber dass die Gegend schon lange vor Beginn unserer Zeitrechnung besiedelt war, bezeugen Funde aus der Jungsteinzeit (3000 - 2000 v. Chr.), der Bronzezeit (2000 - 750 vor Chr.) und aus der Eisenzeit (750 bis Christi Geburt). Bockhorn wurde vielleicht gegründet, als die Friesen in die Geest eindrangen. Sein Name taucht zum ersten Male in einer Urkunde aus dem Jahr 1220 auf, "Bochorne" ist ein zusammengesetzter Name. Das Grundwort ist horna (gebogene Flur). Das heutige "Bock" ist ursprünglich "boc", "boca", "buoca" (Buche). Die alte Siedlung Bockhorn muss dem Namen nach also auf einer im Grundriss gebogenen, damals mit Buchen bestandenen Flur, angelegt worden sein.

Zwei Sturmfluten - die Clemensflut im Jahr 1334 und die Marcellusflut 1362 - brachten starke Landverluste und unermessliche Not über die Bevölkerung an der Nordseeküste.

Lange Jahre gehörte die Friesische Wehde und damit Bockhorn zu Rüstringen, 1428 überließ Siebet, Häuptling zu Rüstringen, dem Grafen Dietrich von Oldenburg und dessen Gemahlin Heilwig alle Ansprüche und Gerechtsamkeit dem Kirchspiel Frijade, seine Güter den Kirchspielen Varel, Bockhorn, Zetel und Horsten. Bald nach der Überlassung kam es zu Streitigkeiten. 1486 wurde die Westwehde nochmals an Ostfriesland verpfändet, bis durch den Frieden von Zetel 1517 die Friesische Wehde endgültig zu Oldenburg kam.

Während des 30-jährigen Krieges zog Graf Anton Günther dänische Hilfstruppen heran, doch obwohl das Land von Brandschatzung und Plünderung verschont blieb, trat erst nach dem Friedensschluss 1648 allmählich eine Besserung ein. Die dänischen Könige waren gleichzeitig Grafen von Oldenburg und Delmenhorst. Als 1667 Graf Anton Günther starb, gingen die Grafschaften an den König von Dänemark und Herzog von Holstein-Gottrop über, der bis 1773 über das Land herrschte. Das 19. Jahrhundert muss für die Friesische Wehde eine glückliche Zeit gewesen sein. Die Spinnerei und Weberei standen in voller Blüte. Die neuerstandene Ziegelindustrie trug zu dem wirtschaftlichen Aufschwung bei. Durch die Kriegszüge Napoleons begannen schwere Zeiten für das Land. Herzog Peter Friedrich Ludwig von Oldenburg - Oldenburg war inzwischen Herzogtum geworden - versuchte, dem 1806 gegründeten Rheinbund nicht beizutreten. Es gelang ihm nicht, und so kam das Herzogtum Oldenburg 1810 unter die französische Verwaltung, unter der sowohl der Handel, als auch die Bevölkerung zu leiden hatten. Die Franzosen zogen sich erst zurück, nachdem Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig geschlagen worden war.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts vollzog sich in Bockhorn bei Industrie und Gewerbe ein bemerkenswerter Umschwung. Während in den 1850er Jahren noch die Baumwoll- und Leinenweberei in voller Blüte stand, ging sie immer weiter zurück, bis sie gegen Ende des Jahrhunderts völlig aufhörte. Dagegen nahm die Ziegelindustrie einen bedeutenden Aufschwung. So stieg die Nachfrage nach Klinkern von Jahr zu Jahr und der Name Bockhorns wurde durch die Klinkerindustrie in ganz Europa bekannt.

Die 1888-93 gebaute Eisenbahn Neuenburg, Zetel, Bockhorn, Ellenserdammersiel ließ die Friesische Wehde zu einem beliebten Ausflugsziel werden, bis die Bahn nach dem 2. Weltkrieg an Bedeutung verlor. Der Bahnverkehr wurde nach und nach eingestellt: 1953 auf dem Abschnitt zwischen Bockhorn und Westerstede, 1954 auf dem Ringbahnabschnitt nach Ellenserdamm; der letzte Personenzug (Sonderzug "Musikexpress") verkehrte 1967 auf der Hauptstrecke. Anfang der 1990er Jahre wurde die Strecke endgültig stillgelegt und im Jahr 2002 abgebaut.

Bis 1867 bestand die Friesische Wehde aus den Gemeinden Bockhorn und Zetel. Als die Gemeinde Neuenburg gebildet wurde, musste Bockhorn dazu die Ortschaft Astede und große Waldgebiete abtreten. Bockhorn, Neuenburg und Zetel wurden 1933 als Großgemeinde Friesische Wehde mit dem Sitz in Bockhorn zusammengefasst, aber 1948 wurde sie wieder in die drei alten Gemeinden aufgeteilt. Erwähnenswert ist die rund 800 Jahre alte evangelische Kirche, die aus quaderförmig bearbeiteten Granitfindlingen gebaut wurde.

Zur Gemeinde Bockhorn (9.060 Einwohner am 1. Januar 2008, davon 8.693 mit Erstwohnsitz) gehören neben dem Hauptort Bockhorn, Adelheidsgroden, Petersgroden, Blauhand, Ellenserdammersiel, Steinhausen, Kranenkamp, Osterforde, Grabstede, Bockhornerfeld, Bredehorn, Moorwinkelsdamm, Jührdenerfeld, Goelriehenfeld.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner
2004 9.119
2005 8.780
2007 8.693

Politik

Gemeinderat

Bei den letzten Wahlen zum Gemeinderat kam es zu folgenden Ergebnissen:

Partei 10. Sept. 2006
SPD 24,1 % 2.343 5 Sitze
CDU 23,4 % 2.275 5 Sitze
FDP 16,7 % 1.620 4 Sitze
UWG 27,9 % 2.717 6 Sitze
BfB 7,9 % 773 2 Sitze
Wahlbeteiligung 3.387 von 6.968
48,6 %

Städtepartnerschaften

Seit 2002 besteht eine Partnerschaft mit der ungarischen Gemeinde Vértessomló (dt. Schemling).

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die St.-Cosmas-und-Damian-Kirche in Bockhorn wurde im Jahr 1230 begonnen. Sie ist als typisch friesische Kirche zum Teil aus Findlingen gebaut und auf einer Warft errichtet. 1630 wurde die Kirche bei einem Brand durch Blitzschlag beschädigt. Danach wurden ein Taufbecken aus Eichenholz, die Empore und die Kanzel angeschafft. Bemerkenswert ist ferner ein Taufstein aus dem 13. Jahrhundert und ein Grabstein aus dem Jahre 1656.

Die Kirche hatte bis 1720 keine Orgel, dann wurde aber Christian Vater, ein Schüler des Arp Schnitger, beauftragt, eine zu bauen. Die Orgel wurde in den 1970er Jahren renoviert.

Regelmäßige Veranstaltungen

Das große Oldtimer- und Teilemarkt in Bockhorn findet jährlich rund um Pfingsten (Juni) statt, Höhepunkt der Oldtimermesse ist die Friesland-Rallye mit Oldtimern und Youngtimern.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben