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Anton Hansen Tammsaare

Anton Hansen Tammsaare (richtiger Name Anton Hansen, * 30. Januar 1878, Hof Tammsaare in der Gemeinde Albu, † 1. März 1940, Tallinn), war ein estnischer Schriftsteller, dessen fünfteiliger Romanzyklus Tõde ja õigus (Wahrheit und Gerechtigkeit; 1926-1933) als eines der wesentlichen Werke der estnischen Literatur gilt.


Inhaltsverzeichnis

Biografie

Tammsaare wurde in der Region Järvamaa, in der Gemeinde Albu als Bauernsohn geboren. Er kam aus armen Verhältnissen, vermochte es aber genügend Geld für seine Ausbildung zusammenzubringen. Er ging in Väike-Maarja und im Gymnasium von Hugo Treffner in Dorpat (Tartu) zur Schule, und studierte danach Recht an der Universität Tartu. Sein Studium wurde von einer Tuberkulose-Erkrankung unterbrochen. Über ein Jahr verbrachte er in einem Sanatorium in Sotschi am Kaukasus und danach sechs weitere Jahre auf dem Bauernhof seines Bruders in Koitjärve. In dieser Zeit las er Werke von Cervantes, Shakespeare und Homer.

1919, nachdem Estland unabhängig geworden war, heiratete Tammsaare Käthe-Amalie Weltman und zog nach Tallinn. Hier verfasste er die Werke, die ihm einen dauerhaften Platz in der estnischen Literatur einbringen sollten. Obwohl Tammsaare seine Themen aus der Geschichte und dem Leben des estnischen Volkes bezog, haben seine Romane einen engen Bezug zu den Ideen von Henri Bergson, Carl Gustav Jung and Sigmund Freud und Schriftstellern wie Knut Hamsun und André Gide. Tammsaare war Mitglied der Künstlergruppe Noor-Eesti (Jung-Estland), die gegen die kulturelle Dominanz Russlands gerichtet war.

Bibliografie

Seine frühen Werke sind geprägt von naturalistisch und ländlich orientiertem Realismus. Einige seiner Geschichten zeichnen die Atmosphäre des Revolutionsjahres 1905 auf. Als seine zweite Schaffensperiode werden oft die Jahre zwischen 1908 und 1919 eingestuft, in denen er verschiedene Stadtromane und Kurzgeschichten schrieb. In „Poiss ja liblik“ (1915, Der Junge und der Schmetterling), zeigt Tammsaare Einflüsse Oscar Wildes. Später wandte er sich Neorealismus und Existenzialismus zu.

Wahrheit und Gerechtigkeit umfasst fünf Bände:

Weil die Beschreibung der russischen Revolution von 1905 im Band 3 das Augenmerk im Camusischen Sinne mehr auf das Leiden des Einzelnen legt, denn auf die - sehr kritisch gesehene - revolutionäre Ideologie, wurde dieser durch die sowjetischen Zensur oft stark gekürzt und mit Band 2 kombiniert. Noch heute wird der dritte Band manchmal als „künstlerisch minderwertig“ bezeichnet, obwohl die Beschreibung der revolutionären Ereignisse sich mit der Darstellung ähnlicher Szenen etwa in Pasternaks Dr. Schiwago durchaus messen kann. In Estland ist der zweite Band mit seinen Unterrichtsszenen aus einer Bildungsanstalt (dem verschlüsselten Treffnergymnasium) in Tartu am Beliebtesten. Internationalen Literaturkritikern gilt der erste Band als stärkster; es ist ein klassischer Bauernroman, der an Hamsun erinnert, der aber auch am meisten über den estnischen Charakter erzählt, besonders verkörpert in der Gegenüberstellung der beiden Bauern Andres and Pearu. Tammsaare selbst sagte später, dass die verschiedene Bände die Beziehung des Menschen (resp. des Handelnden) (1) zum Land, (2) zu Gott, (3) zu Staat und Gesellschaft (4) zu sich selbst und (5) die Resignation behandelten. Von Wahrheit und Gerechtigkeit gibt es zwei deutsche Gesamtausgaben (s. Bibliographie unten), von denen die erste ebenfalls die Bände 2 und 3 kombiniert.

Sein Roman „Põrgupõhja Uus Vanapagan“ (1939, Satan mit gefälschtem Pass) erfuhr international neben „Wahrheit und Gerechtigkeit“ die weiteste Verbreitung.

Werke in Auswahl

Personendaten
Tammsaare, Anton Hansen
Hansen, Anton (richtiger Name)
estnischer Schriftsteller
30. Januar 1878
Albu
1. März 1940
Tallinn