Heim

Allgemeine Grundausbildung

Die Allgemeine Grundausbildung (AGA) der Deutschen Bundeswehr soll den Rekruten die Grundlagen militärischer Fertigkeiten vermitteln. Dazu gehören in erster Linie eine Schieß- und Gefechtsausbildung, das Erlernen militärischer Umgangsformen (Formaldienst), die Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit sowie die Vermittlung theoretischer Kenntnisse (Rechte und Pflichten eines Soldaten). Die AGA erstreckt sich über die ersten drei Monate der Wehrdienstzeit.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Ihre Inhalte sind u. a.:

Verlauf

Mit erfolgter Musterung und Zustellung des Einzugsbescheids hat sich der Rekrut zum ersten Werktag des ersten Dienstmonats, in Ausnahmefällen (direkt folgender Feiertag oder Wochenende) auch einige Tage später, in seiner neuen Dienststelle einzufinden. Dort werden zunächst persönliche Daten und weitere Angaben wie Bankverbindung, vorhandene Führerscheine etc. erfasst und zu den Akten genommen. Der Soldat wird einem Zug zugeordnet und bekommt eine Stube zugeteilt. Zusätzlich erhält er eine Abfassung verschiedener Gesetze (Grundgesetz, Soldatengesetz, Wehrpflichtgesetz u. Ä.), Bettwäsche, Kleiderbügel und ein Schloss für seinen Spind, sofern er kein eigenes besitzt.

Mit der Berufung in ein öffentlich-rechtliches Dienstverhältnis wird dem Soldaten ein Dienstgrad zugeteilt, der je nach Truppengattung und Vorbildung verschieden sein kann. In der Regel ist dies jedoch der niedrigste Dienstgrad (Schütze, Flieger, Matrose. Siehe Dienstgrad)

In der ersten Woche lernt der Rekrut erste Grundsätze des soldatischen Alltags, so z. B. das korrekte Antreten und Marschieren (Formaldienst), die verschiedenen Dienstgrade oder das richtige Melden an einen Vorgesetzten, z. B. beim Betreten der Stube. Der Soldat wird gründlich ärztlich untersucht und erneut auf Wehrtauglichkeit geprüft, und er wird eingekleidet. Je nachdem, ob der eigene Standort eine Bekleidungskammer besitzt oder nicht, müssen dafür teilweise weite Wege in Kauf genommen werden. Weiterhin erhält der Rekrut seinen Truppenausweis und seine Erkennungsmarke. Geprägt ist die erste Woche, wie auch die kommenden, von viel Unterricht im Unterrichtsraum/Hörsaal (U-Raum), u. a. über Gelände- und Waffenkunde, rechtliche Belange oder finanzielle Angelegenheiten.

Unter Umständen kann es vorkommen, dass die Ausbildung auch an den ersten Wochenenden fortgesetzt wird. Höhepunkt des ersten Monats bildet der Grüntag oder Geländetag, wo der Soldat das erste Mal in Kampfausrüstung bei einem Standortübungsplatzaufenthalt die verschiedenen Bewegungsarten im Gelände lernt, ein Zweimannzelt errichtet oder den Platz der Gruppe anlegt. In den ersten Wochen übernachten die Rekruten in der Regel aber noch nicht außerhalb der Kaserne.

Manche Ausbildungswochen stehen unter einem bestimmten Schwerpunkt, so z. B. eine Wachausbildung, in der der Soldat über seine Befugnisse als Wach- und Sicherungssoldat unterrichtet wird und lernt, Fahrzeuge und Personen anzuhalten, zu überprüfen und ggf. festzuhalten oder gar, in welcher Situation er Schusswaffen gebrauchen darf bzw. muss. Ein anderer Schwerpunkt ist die Ausbildung zum Helfer im Sanitätsdienst, im Grunde eine Ausbildung der Ersten Hilfe unter Gefechtsbedingungen, d. h. er lernt auch, mit Schussverletzungen umzugehen oder Brüche zu schienen. Eine andere Woche geht er nur auf die Standortschießanlage (StoSA) und lernt das Schießen mit verschiedensten Handwaffen der Bundeswehr. Nicht wenige Rekruten erhalten dabei ihre erste Auszeichnung, die Schützenschnur der Bundeswehr.

Neben Ausbildungen in der Kaserne selbst wird der Rekrut mehrmals mehrere Tage im Gelände verbringen, die so genannten Biwaks, die dazu dienen, dem Soldaten das Verhalten im Gelände näherzubringen. Dazu gehört das Anlegen von Stellungen und Alarmposten, der Kampf im bewaldeten Gelände, Karten- und Kompassausbildung, die Tätigkeiten als Meldesoldat, das Verhalten bei Nacht und vieles anderes. In Verbindung zu diesen Biwaks werden erste längere Märsche durchgeführt, die sich durchaus bis zu zwanzig Kilometer erstrecken können. Seltener werden in der AGA auch Orientierungsmärsche durchgeführt, bei denen der Soldat auf sich allein gestellt den Weg zu bestimmten Punkten finden muss.

Außerdem steht auch Sport auf dem Dienstplan des Soldaten. Der Physical Fitness Test (PFT), der zu Beginn und Ende der AGA durchgeführt wird, soll dem Soldaten zeigen, wie sich die Ausbildung auf seine allgemeine Leistungsfähigkeit ausgewirkt hat. Neben dem obligatorischen Lauftraining können je nach Möglichkeit auch Kraftsport oder Ballsportarten durchgeführt werden. Zum eher militärischen Sport gehört das Überwinden der Hindernisbahn, wo vor allem die Eskaladierwand immer wieder zum Stolperstein für die Rekruten wird.

Einer der Höhepunkte der Grundausbildung ist das feierliche Gelöbnis, das entweder in der Kaserne selbst oder auch in der Öffentlichkeit stattfinden kann, wie auf Marktplätzen oder größeren Freiflächen. Dabei ist oftmals die ganze Familie anwesend und es ist dem Rekruten gestattet, den Tag mit ihr zu verbringen. Auf das Gelöbnis bereitet der Formaldienst vor, wo das korrekte Marschieren im Gleichschritt exerziert wird und der Verlauf des Gelöbnisses mehrmals geprobt wird. Trotz dieser Vorbereitung gibt es immer wieder Rekruten, die vor allem an heißen Tagen dem langen Stillstehen nicht gewachsen sind.

Es gibt die Möglichkeit, das Gelöbnis zu verweigern. Soldaten, die davon Gebrauch machen, müssen damit rechnen, dass sie während ihrer Dienstzeit nicht befördert werden und ihnen nach Abschluss der Grundausbildung keine sensiblen Aufgaben zugewiesen werden. Sollten Soldaten z. B. aufgrund einer Erkrankung nicht am Gelöbnis teilnehmen können, wird das Gelöbnis zu einem späteren Zeitpunkt meist im Dienstzimmer des zuständigen Kommandeurs nachgeholt und von ihm abgenommen.

Den Abschluss der Allgemeinen Grundausbildung bildet die Rekrutenbesichtigung, die je nach den Festlegungen des Kompaniechefs unterschiedlich ausfallen kann. Meist verlegt er die Kompanie für mehrere Tage ins Gelände, wo der Rekrut alle gelernten Fähigkeiten letztlich unter Beweis stellen muss. Angefangen beim Aufbau des Platzes der Gruppe über verschiedenste Aufgaben, z. B. das Behandeln eines verletzten Kameraden, muss er korrektes soldatisches Verhalten beweisen. Oftmals werden auch kleine Kampfhandlungen geführt, z. B. das Überfallen von Fahrzeugen oder feindlichen Gruppen, auch Meldebahnen sind sehr beliebt. In der Praxis hat die Rekrutenbesichtigung trotz anderslautender Kommentare der Ausbilder für gewöhnlich keine Auswirkung darauf, ob man die AGA besteht oder nicht.

Kann man die Grundausbildung nicht bestehen?

Tatsächlich ist es möglich, dass man die Grundausbildung wiederholen muss, weil man wesentliche Ausbildungsinhalte verpasst hat. Krankheit ist dabei keine Entschuldigung. Es ist allerdings unerheblich, wie lange man in der AGA tatsächlich anwesend war, man muss lediglich bestimmte Ausbildungen nachweisen. Diese unterscheiden sich teilweise von Truppengattung zu Truppengattung, folgende Punkte sind aber meist ausschlaggebend:

Bei Nichtbestehen oder Nichtteilnahme an der Wachausbildung muss das nicht heißen, dass die gesamte AGA wiederholt wird. Im Normalfall werden diese Soldaten in ihre Stammeinheiten versetzt und müssen dann im nächsten Quartal die entsprechenden Ausbildungen nachholen.

Da man meist an einer Krankheit nicht selbst schuld ist, werden diese wichtigen Ausbildungsinhalte teilweise in der letzten Woche wiederholt und für die Soldaten angeboten, die davon etwas verpasst haben. Es gibt durchaus Soldaten, die als Gefreiter ausscheiden und neun Monate lang in der Grundausbildung waren. Für die weitere Ausbildung als Zeitsoldat ist eine bestandene AGA jedoch Voraussetzung; sie kann von Zeitsoldaten einmal wiederholt werden. Letztendlich ist es die Entscheidung des Kompaniechefs, ob die Grundausbildung wiederholt wird.

Dienstpostenausbildung

An die AGA schließt sich die Dienstpostenausbildung (DPA) oder Einweisungswoche Mannschaften (EWM) an. Das Erlernen von truppengattungsspezifischen Fertigkeiten steht im Vordergrund. Beispielhaft ist die Ausbildung als Fahrer inklusive der Erwerb eines entsprechenden Führerscheins oder die Ausbildung zum Richtkanonier einer Panzerhaubitze.

Literatur