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Chondropathia patellae

Klassifikation nach ICD-10
M22.4 Chondropathia patellae
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Bei der Chondropathia patellae ("Knorpelkrankheit der Kniescheibe") handelt es sich um eine Erkrankung der knorpeligen Rückfläche der Kniescheibe.

Inhaltsverzeichnis

Ursache

Mit einer Stärke bis zu 7 mm ist der Knorpel an der Kniescheibe der dickste unseres Körpers. Die Ernährung des Knorpels erfolgt über einen Walkvorgang, der die Gelenkflüssigkeit in den Knorpel hinein- und auch wieder hinausdrückt. Dieser Walkvorgang kann nur in einem recht engen Druckbereich zuverlässig ablaufen. Wird der Anpressdruck zu hoch, wird dieser Prozess ebenso gestört wie bei zu niedrigem Druck.

Der wichtigste Streckmuskel des Oberschenkels, der M. Quadriceps femoris, reagiert sehr empfindlich auf Inaktivität oder Schonung des Beines. Innerhalb von weniger als zwei Wochen büßt der mittige Kopf dieses Muskels ein Großteil seiner Kraft ein. Die resultierende Kraft, die auf den oberen Pol der Kniescheibe wirkt, verlagert sich und mit ihr die Lastverteilung im Kniescheibengleitlager. Unabhängig von der eigentlichen Erkrankung kann somit jeder "schlechte Zustand" eines Knies zu einer Schädigung der Kniescheibenrückfläche führen. Dieses Krankheitsbild kann sich verselbständigen und, auch nachdem die erste Erkrankung ausgeheilt ist, weiterbestehen. Die daraus resultierenden Ernährungsstörungen führen zu einer Degeneration des Knorpels, die Oberfläche wird rau, die Fasern treten zutage, man spricht von der "Demaskierung des Knorpels".

Krankheitserscheinungen

Bei leichteren Fällen bereitet das Gehen in der Ebene keine Schwierigkeiten, Schmerzen treten häufig beim Bergabgehen auf, beim Hinhocken und beim längeren Sitzen. Daher auch die volkstümliche Bezeichnung "Theaterknie", die Leute fingen nach dem ersten Akt an, mit den Füßen zu scharren.

Verlauf

Die Erkrankung tritt manchmal schon bei Kindern oder recht jungen Leuten auf. Mädchen und Frauen sind etwas häufiger betroffen. Das Krankheitsbild führt, unbehandelt, zu einer fortschreitenden Degeneration des Knorpels. Am Ende steht die Arthrose des Kniescheibengleitlagers.

Diagnostik

Sieht man sich ein erkranktes Bein an, fällt zunächst der schwache oder zu schmächtige mittige Kopf des Oberschenkelstreckers auf. Die Bewegungsprüfung zeigt Reibegeräusche im Gleitlager, der Arzt kann bestimmte Phänomene auslösen, die allesamt den Reizzustand des Kniescheibengleitlagers nachweisen. Reizergüsse oder Kapselschwellungen können auftreten, sind aber nicht unbedingt vorhanden. Es gibt eine spezielle Röntgentechnik, in der das Gleitlager in verschiedenen Funktionszuständen dargestellt wird, die Aussagekraft ist aber nicht unbegrenzt. Das NMR zeigt in einem späteren Stadium die Knorpelschäden, bei Beginn der Erkrankung wird hier jedoch kein krankhafter Befund zu erheben sein.

Das Bild zeigt einen Querschnitt durch die Knochen des Oberschenkels, die Femurkondylen. Im oberen Bereich des Bildes liegt die Kniescheibe. Gut zur Darstellung kommt die Feinstruktur des Knochens, die sogenannte Spongiosa.

Zwischen Kniescheibe und dem Oberschenkel ist die Knorpelschicht zu sehen, der feine, graue Saum dazwischen ist die Gelenkflüssigkeit. Im unteren Teil des Bildes ist die Kniekehle mit den durchlaufenden Gefäßen. Die Gelenkkapsel umgibt den Oberschenkel und die Kniescheibe, man sieht angedeutet die Faserstruktur. Das wabige, hell dargestellte Material ist Körperfett.

Therapie

Wie an so vielen Stellen in der Medizin ist es auch hier am besten, die Krankheit gar nicht erst auftreten zu lassen. Wird ein Bein wie auch immer verletzt, sollte so früh wie eben möglich gezielte Gymnastik betrieben werden, um die Kraft des Oberschenkels zu erhalten. Das stellt auch die sinnvolle Behandlung der Chondropathia patellae dar, über Krankengymnastik oder Elektrostimulation den Oberschenkel aufzubauen. Die Industrie bietet dazu eine Reihe von "Kraftmaschinen" an, die aber, bei unkritischem Einsatz, mehr schaden als nutzen. Es gibt verschiedene Bandagen, die die Führung der Kniescheibe verbessern sollen, allerdings schwächen sie bei längerem Gebrauch die Oberschenkelmuskulatur, wirken also auf Dauer schlecht auf das Krankheitsbild. Sinnvoll sind diese Bandagen nur, wenn sie gezielt kurzzeitig bei Belastungen eingesetzt werden.

Ziel von physiotherapeutischen Maßnahmen ist zum einen die Stärkung des Oberschenkelstreckers. Ferner kann durch gezieltes Dehnen des Oberschenkelstreckers der Druck auf die Kniescheibe verringert werden, so dass in Folge der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst wird.

Neben diesen Therapieansätzen gibt es verschiedene operative Möglichkeiten, das Kniescheibengleitlager zu verändern. Das kann eine Spaltung des Kapselapparates sein, eine Fesselung der Quadricepssehne, das kann auch eine operative Verlagerung des Patellarsehnenansatzes am Schienbeinkopf sein. Jedoch ist ein operatives Vorgehen nur sinnvoll, wenn die anderen genannten Therapiemaßnahmen versagen und die Ursache durch einen Überdruck der Kniescheibe bedingt ist.

Die Auswahl des geeigneten Therapieverfahrens hängt einerseits von der Art der Schädigung, aber auch von der Lebensweise des Patienten und von den Ansprüchen, die er an seine körperliche Leistungsfähigkeit hat, ab.

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