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Peterskirche (Erfurt)

Die Peterskirche ist eine ursprünglich dreischiffige romanische Pfeilerbasilika und liegt auf dem Petersberg im Zentrum der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt.

Anfang des 12. Jahrhunderts wurde die Peterskirche im Sinne der Hirsauer Reform als Klosterkirche des ehemaligen Benediktinerklosters St. Peter und Paul (Peterskloster) errichtet. Dieses Kloster hatte auf Grund enger Beziehungen zu der nebenan gelegenen Pfalz auf dem Petersberg verschiedene Male die Ehre, deutsche Kaiser und Könige zu beherbergen. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Peterskirche vorübergehend auch als evangelische Kirche genutzt. Anfang des 19. Jahrhunderts wandelten Preußen und Franzosen die Kirche in ein Magazin und Lagergebäude um. Bei dieser Nutzung blieb es bis in die Gegenwart.

Seit 1993 dient sie als Ausstellungsraum für das Erfurter Forum Konkrete Kunst und ist seit 1998 im Besitz der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Nutzung als Klosterkirche

Im Jahr 1060 wurde das zu der Zeit auf dem Petersberg bestehende Kollegiatstift durch den Mainzer Erzbischof Siegfried I. in das Benediktinerkloster St. Peter und Paul (Peterskloster) umgewandelt. Eine Urkunde über dieses Ereignis lieferte die erste Erwähnung eines Klosters auf dem Petersberg. Doch schon 1080 vernichtete ein Stadtbrand, ausgelöst durch Truppen Heinrich IV., die aus Holz bestehende Klosteranlage. Fünf Jahre später wurde das Kloster unter dem Abt Giselbert im Sinne der Hirsauer Reform neu strukturiert. Sein Nachfolger Abt Buchard aus dem schwäbischen Kloster Hirsau begann 1103 mit einem völligen Neubau aus Stein. Dabei entstand auch die Peterskirche, deren Bauzeit sich in die Länge zog. Als Buchard 1117 vom Mainzer Erzbischof abgesetzt wurde, stand nur der Westbau als Unterbau der geplanten Westturmfront, sowie die Fundamente des Lang- und Querhauses. Daran änderte sich auch unter Buchards Nachfolger Ripert nichts. Erst der 1127 eingesetzte, wiederum aus dem Kloster Hirsau stammende Abt Werner I. trieb den Neubau der Kirche energisch voran und ließ vermutlich die beherrschende Doppelturmfront am östlichen Ende errichten. 1143 weihte man die Nebenaltäre in Chor und Querhaus ein und am 16. Juni 1147 fand die von Erzbischof Heinrich I. durchgeführte Gesamtweihe für die Peterskirche statt.

In den folgenden Jahren stieg die Bedeutung des Petersklosters durch besondere Privilegien und zahlreiche Stiftungen. Außerdem hatte das Kloster auf Grund seiner engen Beziehungen zu der nebenan gelegenen Pfalz auf dem Petersberg die Ehre und die Pflicht, deutsche Kaiser und Könige aufzunehmen, wie zum Beispiel Kaiser Friedrich I. Barbarossa während seiner Reichstage in Erfurt. Dabei geschah eines der bedeutendsten Ereignisse in der Geschichte des Petersklosters, in deren Mittelpunkt Heinrich der Löwe stand. Er war als Herzog von Bayern und Sachsen einer der mächtigsten Reichsfürsten und stand der Italienpolitik Kaiser Friedrichs I. Barbarossa ablehnend gegenüber. Dadurch entflammten zwischen ihm und dem Kaiser Konflikte, so dass er 1179 geächtet und gewaltsam zum Gehorsam gezwungen wurde. Gedemütigt unterwarf er sich und flehte am 11. November in der Peterskirche vor dem Kaiser um Gnade. Als Strafe musste er für drei Jahre in die Verbannung nach England gehen. Am 14. Dezember 1289 kehrte König Rudolf I. im Peterskloster ein um dort einen fast einjährigen Reichstag ab zuhalten. Dabei bekämpfte er Raubritter und Plünderer, die zu dieser Zeit bei den Bürgern und Kaufleuten in der Region um Erfurt für Angst und Schrecken sorgten. Des Weiteren ließ man auf Befehl des Königs in Erfurt ein Landfriedensgericht einrichten.

Um 1475 erhielt die Kirche ihre charakteristischen hölzernen Turmhelme, die das Bild des gesamten Petersbergs bis 1813 bestimmten. 1450 erfand Johannes Gutenberg die erste Buchdruckmaschine, die vermutlich im Peterskloster als eine der ersten in ganz Thüringen eingesetzt wurde. Chor und Querhaus wurden zwischen 1499 und 1505 und das ursprünglich flach gedeckte Langhaus im 17. oder 18. Jahrhundert eingewölbt. 1517 wurde durch Martin Luther die Reformation eingeleitet, der 1525 der Bauernkrieg folgte. Aufständische Bürger und Bauern aus der Region Erfurt besetzten daraufhin unter anderem das Peterskloster, das als Zentrum der Gegenreformation fungierte. Dabei ging viel Klosterbesitz verloren und die Zahl der Konventsmitglieder, die schon durch die Pestepidemien gelitten hatte, stark zurück. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) wurde Erfurt mit dem Petersberg 1631 von Unionstruppen von Gustav II. Adolf von Schweden besetzt. Die Schweden lösten 1632 kurzzeitig das Peterskloster auf und wandelten es 1633 vorübergehend in ein protestantisches Kloster um. Nach der Besatzungszeit waren noch drei Klosterbrüder übrig geblieben und zahlreiche Kostbarkeiten und Vorräte geplündert. Zwischen 1665 und 1702 wurde die Zitadelle Petersberg errichtet, die seither das Peterskloster mit der Peterskirche ringsherum einschloss. Bei dem Bau ging einerseits der Haupteingang, die breiten Graden (ehem. Treppenaufgang an der Bastion Leonhard) und der an der Hauptzufahrt gelegene Weinberg des Klosters verloren. 1672 und 1727 wurden die durch den Dreißigjährigen Krieg verursachten Schäden an der Kirche wieder repariert und 1765 ihr Innenraum von italienischen Stuckateuren barockisiert. Durch den Einsturz der der Bastion Philipp 1735 kam es zur Zerstörung der nebenan gelegenen Fronleichnamskapelle (Corpus-Christi-Kapelle).

Nutzung als Magazin und Lagerraum

1802 erhielt Preußen als Entschädigung für die verlorenen Gebiete links des Rheinufers die Stadt Erfurt. Daraufhin besetzten preußische Truppen den Petersberg und lösten noch im gleichen Jahr am 23. März das Peterskloster auf, um mehr Platz für eine wesentlich stärkere Besatzung zu finden. Die Peterskirche wurde zu einer Gemeindekirche umfunktioniert. Am 18. Oktober 1806 kapitulierte die Zitadelle Petersberg auf Befehl des Prinzen Wilhelm von Oranien vor den napoleonischen Truppen, die daraufhin den Berg widerstandslos einnahmen. Unter den Franzosen wurde das Kircheninventar, unter anderem die Orgel, das Glockengeläut und das Chorgestühl an den Höchstbietenden versteigert. Nach dem die Zitadelle Petersberg 1813 in den Belagerungszustand versetzt wurde, wandelte man die Peterskirche in ein Magazin für Vorräte um und verlegte die Begräbnisstätte der Grafen von Gleichen in den Erfurter Dom. Seit Anfang des 12. Jahrhunderts hatten die Grafen von Tonna-Gleichen die Vogteirechte über Erfurt und das Peterskloster und ließen sich in der Peterskirche begraben. Zwischen dem 28. Oktober 1813 und dem 5. Mai 1814 wurde die Stadt durch preußische, österreichische, russische Truppen belagert. Als am 6. November 1813 die Franzosen, der Aufforderung die Festung aufzugeben nicht nachkamen, wurde auf diese das Feuer eröffnet. Dabei fielen mehrere Klostergebäude, unter anderem Teile der Peterskirche dem Feuer zum Opfer. Am 5. Mai 1814 kapitulierten die Franzosen. Nach dem Wiener Kongress (1814-1815) kam es zu einer Neuordnung Europas. Als Ergebnis erhielt das Königreich Preußen unter anderem die Provinz Sachsen und die Stadt Erfurt. Die Festung Erfurt gehörte nun zu den am südlichsten gelegenen Befestigungsanlagen Preußens. Deshalb sollte sie als Festung ersten Ranges zusammen mit den beiden Zitadellen Petersberg und Cyriaksburg ausgebaut werden. Dabei wurden ab 1814 die für die Zitadelle Petersberg zu auffälligen Osttürme der Peterskirche sowie ihr Mittelschiff auf die Höhe der beiden Seitenschiffe herabgesetzt. Des Weiteren errichtete man Satteldächer und zog in der Kirche eine Holzdecke für ein zweites Geschoss ein. Ab 1819/20 diente sie den Preußen als Korn- und Mehlspeicher. Zwischen 1828 und 1830 ließ man die Reste des ausgebrannten Klostergebäudes abtragen und verwendete die Steine zur Errichtung der Defensionskaserne. In DDR-Zeiten wurde die Peterskirche unter anderem als Sporthalle und als Lagerraum einer Großhandelsfirma genutzt. 1998 wurde sie in die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten aufgenommen, die seither das Obergeschoss als Veranstaltungsraum vermietet. Das Erdgeschoss dient seit 1993 als Ausstellungsraum für das Erfurter Forum Konkrete Kunst. In Konzeption befindet sich eine Ausstellung "Geschichtsort Thüringen", die einen Überblick über die thüringische Landesgeschichte geben soll.

Architektur

Vom älteren Kloster, das beim Stadtbrand 1080 ausbrannte, sind kaum Spuren vorhanden. Die zerstörte Klosterkirche scheint nach den Grabungen Karl Beckers von 1919 bereits einen dreischiffigen Chor mit Winkeltürmen zwischen Chor und Querhaus besessen zu haben. Der Neubau von 1103 sah ein dreischiffiges Langhaus mit einem Chorschluss aus drei parallelen Apsiden und eine nie vollendete Westturmanlage vor. Der heutige dreischiffige Chorbau mit geradem Abschluss nach Vorbild der Hirsauer Reform sowie das Querhaus mit den beiden Apsiden entstammen dem Planwechsel von 1127. Ihm werden außerdem die beiden Osttürme zugeschrieben, die 1813 preußischen Artilleriebeschuss zum Opfer fielen. Das Mittelschiff war ursprünglich flach gedeckt und wurde durch neun Pfeilerarkaden von den Seitenschiffen getrennt. In Höhe des siebten Pfeilers, der eine Kreuzform besaß, stand der Kreuzaltar. Er trennte den navis ecclesiae (Laienbereich) vom chorus minor (kleine Chor) für Mönche niederer Weihen. Weiter östlich, im Bereich der Vierung und Seitenarme des Querhauses lag der chorus major (große Chor), in dem sich Priestermönche zum Gebet versammelten. Den Abschluss bildete das presbyterium (hohe Chor), der aus einem dreischiffigen Chorbau mit zwei Neben- und einem Hauptchor bestand. Im Osten und Süden der Kirche lag ein Friedhof, auf dem bis 1735 die Fronleichnamskapelle (Corpus-Christi-Kapelle) stand. Auf die Anlage einer Krypta wurde jedoch verzichtet.

Vorbild der Peterskirche war vermutlich die Klosterkirche St. Peter und Paul in Hirsau, der Ausgangspunkt der Hirsauer Reform. Ihre Architektur ist von viel Sachlichkeit und wenig Bauzier geprägt, weist dafür bei den einzelnen bauplastischen Details an der Süd- und Ostseite eine handwerklich sehr anspruchsvolle Arbeit auf. Die Wandgliederung beginnt am Boden mit einem horizontal verlaufenden Sockelprofil, über dem Lisenen vertikal aufsteigen. Sie setzen sich als Halbsäule mit einer attischen Basis und einem Würfelkapitell fort und begrenzen die rundbogigen Fenster. Den Abschluss bildet ein um die Kirche verlaufender Rundbogen- und Schachbrettfries. Des Weiteren wird die südliche Kirchenmauer von zwei bildlichen Darstellungen geschmückt, von einem Kreuzigungsrelief (1370) und von einer Ritzzeichnung eines Schmerzensmann (um 1360). Die Nord- und Westseite sind dagegen schmucklos, da an diesen Stellen die Klosterkirche mit dem Peterskloster verbunden war. Eine der Besonderheiten sind auch die die riesigen, sorgfältig zugeschnittenen Steinquader, die passgenau an ihrer Stelle sitzen und deren Mauertechnik für die damalige Zeit neu war. Im Innenraum schränken die Holzeinbauten der Preußen aus dem 19. Jahrhundert und die Abtragung des Mittelschiffs den ehemaligen Raumeindruck stark ein. Lediglich Detailformen wie Reste der ehemaligen Arkaden und Pfeiler können noch einen Eindruck in die Hirsauer Baukunst geben. Sie haben einen rechteckigen Querschnitt und werden an den Schmalseiten durch eine dreiviertelrunde Säule mit Würfelkapitell und attischer Basis begrenzt. Der Ansatz der ehemaligen Arkaden, wird von einem Schachbrettfries geschmückt.

Siehe auch

Literatur

 Commons: Zitadelle Petersberg – Bilder, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 58' 43" N, 11° 01' 14" O