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Reservist

Ein Reservist ist ein Soldat, der nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Militärdienst der Armee, in der er gedient hat, für den Kriegsfall weiter zur Verfügung steht.

Inhaltsverzeichnis

Geschichtliche Entwicklung

Historisch gesehen hat in Mitteleuropa das Reservistenwesen erstmals nach der preußischen Niederlage in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt große Bedeutung erlangt. Napoleon zwang am 9. Juli 1807 in dem Friedensschluss von Tilsit Preußen neben größeren Gebietsabtretungen auch zu einer drastischen Reduzierung der Armeestärke. Die preußische Armee durfte nunmehr nicht stärker als 42.000 Mann sein.

Das Krümpersystem, das durch den Heeresreformer Scharnhorst in der preußischen Armee eingeführt wurde, sah eine Kurzausbildung der Rekruten vor, die im Kriegsfalle als Reservisten das Heer beträchtlich vergrößern konnten. Der Verringerung der Armeestärke war somit die gewünschte Wirkung vorenthalten und in den kommenden Kriegen konnte Preußen auf eine große Zahl ausgebildeter Soldaten zurückgreifen.

Schon im deutschen Kaiserreich wurden den Reservisten nach dem abgeleisteten Wehrdienst sogenannte Kriegsbeordungen ausgehändigt, die genaue Anweisungen für das Verhalten des Reservisten im Kriegsfalle auflisteten.

In der ehemaligen DDR war jeder männliche Wehrpflichtige Reservist der Armee, unabhängig davon, ob er einen aktiven Militärdienst geleistet hat. Hier wurde zwischen gedienten und ungedienten Reservisten unterschieden. Ungediente Reservisten wurden "je nach Lage" zum Militärdienst eingezogen.

Reservisten der Bundeswehr

Jeder Wehrpflichtige, der mindestens einen Tag in der Bundeswehr gedient hat, ist Reservist. Es sei denn, er ist für wehruntauglich erklärt worden oder hat einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung gestellt. Soldaten auf Zeit oder Berufssoldaten, die ihr Dienstzeitende erreicht haben, gehören danach ebenfalls zur Reserve. Das gilt in dem Fall auch für Frauen, allerdings auf Grundlage des Soldatengesetzes [1] , nicht des Wehrpflichtgesetzes. Jeder ausgeschiedene Soldat führt seinen Dienstgrad mit dem Zusatz "d.R." (der Reserve) weiter. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Soldat beordert ist, also in einem Truppenteil eingeplant, oder nicht. Nur Berufssoldaten führen nach dem Dienstende die Bezeichnung "a.D." (außer Dienst), sofern sie noch beordert sind oder eine Wehrübung abgeleistet haben den Zusatz "a.D. d.R." (außer Dienst / der Reserve). Alle anderen (Sodaten auf Zeit -SaZ- und Wehrpflichtige) führen grundsätzlich bis zum Lebensende den Zusatz "d.R.".

Reservisten sind integraler Bestandteil der Bundeswehr. Sie sind die Voraussetzung für die Einsatzfähigkeit der Streitkräfte nicht nur im Verteidigungsfall, sondern bereits im Frieden

Die Reservisten werden folgenden Verwendungskategorien zugeordnet:

Beorderte Reservisten, die sich verpflichtet haben, innerhalb von drei Jahren mindestens 72 Tage Wehrdienst zu leisten, sind sogenannte Einsatzreservisten.

Reservisten können über ihre aktive Dienstzeit hinaus in der Bundeswehr aktiv sein. Dies geschieht durch (inzwischen überwiegend freiwillige) Wehrübungen (WÜb) oder Dienstliche Veranstaltungen (DVag). Außerhalb der Bundeswehr organisiert der Reservistenverband als besonders beauftragter Träger die "beorderungsunabhängige freiwillige Reservistenarbeit".

Die Wehrpflichtigen unterliegen der Wehrüberwachung (§ 24 WPflG). Diese endet bei Offizieren und bei Unteroffizieren mit Ablauf des Jahres, in dem sie das 60., und bei Mannschaften sowie ungedienten Wehrpflichtigen, in dem sie das 32. Lebensjahr vollenden. Die Zusätze "a.D." und/oder "d.R." dürfen trotzdem weitergeführt werden. Ehemalige Berufsoldaten und Soldaten auf Zeit unterliegen der Dienstleistungsüberwachung (§ 77 SG) . Für sie gelten teilweise abweichende Fristen.

Für den Spannungs- oder den Verteidigungsfall ist die Festlegung einer einheitlichen Altersgrenze von 60. Lebensjahren vorgesehen.

Anerkannte Kriegsdienstverweigerer, die ihren Zivildienst abgeleistet haben, gehören ebenfalls zur Reserve und werden im Verteidigungsfall zu den entsprechenden Aufgaben im zivilen Bereich, außerhalb der Bundeswehr, z.B. Rettungsdienst, Sanitätsversorgung, Wiederherstellung der zivilen Infrastruktur, herangezogen.

Alle ungedienten Wehrpflichtigen gehören dagegen zur Ersatzreserve, die nur im Verteidigungsfall zum Militärdienst eingezogen wird.

Einsätze und Verluste von Reservisten

Bei den Auslandseinsätzen der Bundeswehr sind regelmäßig auch Reservisten eingesetzt und nutzen dort meist in Spezialfunktionen ihre im Zivilleben erworbenen Kenntnisse. So waren im Dezember 2006 von rund 8400 Soldaten im Auslandseinsatz mehr als 500 Reservisten und weitere 716 sogenannte "Freiwillig zusätzlichen Wehrdienst Leistende". Reservisten sind z.B. als Sprachmittler, bei der Feldpost oder im Bereich der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit tätig.

Am 14. November 2005 kam in Kabul durch einen Selbstmordanschlag ein Oberstleutnant d.R. ums Leben. Am 19. Mai 2007 starben ein Hauptmann d.R., sowie zwei Oberfeldwebel d.R. in Kundus.

Verbände

Der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. (VdRBw e.V.) ist der vom Deutschen Bundestag beauftragte Verband für die Reservistenarbeit außerhalb der Bundeswehr und hat deutschlandweit mehr als 130.000 Mitglieder, die vor Ort in 2500 "Reservistenkameradschaften" organisiert sind.

Der Bayerische Soldatenbund Bayerische Soldatenbund 1874 e.V. (BSB) vertritt vor allem Kriegerkameradenschaften und nun auch Reservisten der Bundeswehr.

Verweise

Quellen

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. [1]
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