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Sternberg


Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Sternberg (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 53° 42′ N, 11° 49′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Parchim
Amt: Sternberger Seenlandschaft
Höhe: 40 m ü. NN
Fläche: 67,67 km²
Einwohner: 4619 (31. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte: 68 Einwohner je km²
Postleitzahl: 19406
Vorwahl: 03847
Kfz-Kennzeichen: PCH
Gemeindeschlüssel: 13 0 60 073
Stadtgliederung: 9 Ortsteile
Adresse der Stadtverwaltung: Am Markt 1
19406 Sternberg
Webpräsenz:
www.stadt-sternberg.de/
Bürgermeister: Jochen Quandt
Lage der Stadt Sternberg im Landkreis Parchim

Sternberg ist eine Kleinstadt im Landkreis Parchim in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Die Stadt ist Verwaltungssitz des Amtes Sternberger Seenlandschaft.

Inhaltsverzeichnis

Geografie und Verkehr

Umliegende Städte sind Warin, Brüel, Bützow, Wismar und Schwerin. Die Stadt liegt im Naturparkes Sternberger Seenland, inmitten der gleichnamigen Seenplatte eines hügeligen Endmoränenzuges am Großen Sternberger See, der von der Mildenitz durchflossen wird. Sternberg liegt an der B 104 Schwerin–Güstrow und an der B 192 Wismar–Neubrandenburg.

Der Personenverkehr auf der Wismar-Karower Eisenbahn von Blankenberg über Sternberg in Richtung Goldberg wurde 1996 (Karow–Sternberg) beziehungsweise 1998 (Sternberg–Blankenberg–Wismar) eingestellt. Über den Busverkehr ist Sternberg jedoch weiterhin an Blankenberg und somit an den Zugverkehr angebunden. Es verkehren auch Busse in Richtung Güstrow, Parchim und der Landeshauptstadt Schwerin.

Zu Sternberg gehören die Ortsteile Gägelow, Groß Görnow, Groß Raden, Klein Görnow, Neu Pastin, Pastin, Sagsdorf, Sternberger Burg und Zülow.

Geschichte

Sternberger Stadtmauer

Name

Der alte Burgname wurde zum Namen der Stadt. Das mittelniederdeutsche sterne sollte der Burg Glück bringen. Aus Sterneberg (1256) wurde Sterneberghe (1265), Sterneberch (1409) und Sterneberghe (1409). Das älteste Stadtsiegel zeigt einen halben Stern.

Mittelalter

Um 1230 bis 1250 wird der Ort planmäßig mit einem rasterartigen Straßennetz in einem leicht elliptischen Grundriss angelegt. Im Jahr 1248 verlieh Fürst Pribislaw I. von der Linie Parchim-Richenberg der Siedlung Sternberg das Stadtrecht. 1260 wird es als oppidum erwähnt. Im Jahr 1256 kam Sternberg zum Fürstentum Mecklenburg und. 1288 wurde das Heilig Geist-Hospital erwähnt, welches 1659 abbrennt. Um 1300 wurde mit dem Bau der frühgotischen Kirche begonnen. Zur Jahreswende 1308/1309 war ein großer Stadtbrand. 1322 wurde die Kirche durch den Turm ergänzt. 1310 wurde Sternberg zur Lieblingsresidenz des Fürsten Heinrich II. (dem Löwen) von Mecklenburg, 1329 starb er in seiner Sternberger Residenz, wurde jedoch im Doberaner Münster beigesetzt, während die Fürstin Agnes ab 1345 in der Sternberger Kirche ruht. 1352 teilten die Söhne Heinrich des Löwen das Land; Sternberg kam zu Mecklenburg-Stargard und war zeitweise Residenz von Herzog Herzog Johann I. 1366 wurde Sternberg nach einem Friedensschluss "Landfriedensort". Um 1392 teilen Johannes Söhne nochmals das Stargarder Herzogtum und Johann II. (Herr von Sternberg) wählt Sternberg zur Residenz der Länder Sternberg und Fürstenberg. Die Vogtei Sternberg mit dem Fürstenhof wurde 1425 an die Familie von Plessen verpfändet. 1450 grassierte die Pest im Ort. 1468 belagert Herzog Heinrich IV. der Dicke die Stadt, die Stadt aber siegte. 1471 fiel die Stadt dann nach dem Tod des letzten Stargarder Herzogs doch an den Schweriner Herzog Heinrich den Dicken.

Judenpogrom und Wohlstand

Am 24. Oktober 1492, zeitgleich zu den Pogromen gegen Juden in Spanien, wurden nach Einholung eines entsprechenden Gutachtens der Universität Rostock auf dem so genannten Judenberg vor Sternberg 27 Juden aus ganz Mecklenburg verbrannt, die man des Hostienfrevels bezichtigt hatte. Anlass war eine angebliche Hostienschändung[1], die der Legende nach folgendermaßen vor sich gegangen sein soll:

„ Am 22. Oktober jenes Jahres, so die gar nicht fromme Legende, verkaufte ein Priester einer Gruppe von Juden zwei geweihte Hostien. Diese durchstachen den konsekrierten Leib Christi mit Nadeln, so dass Blut daraus floss. Die angebliche Untat wurde der Obrigkeit bekannt. Siebenundzwanzig an der "Tat" mehr oder weniger beteiligte Juden starben auf dem Scheiterhaufen, ihre Glaubensgenossen hatten Mecklenburg und das benachbarte Pommern zu verlassen. Sternberg etablierte sich als Wallfahrtsort und gelangte dadurch zu Wohlstand. ... Noch 430 Jahre später aber war den Sternberger Stadtvätern jenes Ereignis wert, als Bildergeschichte ihr Notgeld zu zieren. [2]

Das Sternberger Pogrom stellt einen klassischen Justizmord dar und legte den massiven christlich motivierten Judenhass in der Bevölkerung bloß. Flugblätter mit entsprechenden Darstellungen sorgten dafür, dass Sternberg für kurze Zeit im gesamten Deutschen Reich bekannt wurde. Von 1492 bis Mitte des 16. Jahrhunderts war Sternberg aus diesem Grund Wallfahrtsort und viele Besucher mehrten den Wohlstand der Bürger. Als Folge des Judenpogroms konnte die Heiligenblut-Kapelle[3] an die Sternberger Stadtkirche angebaut werden und im Jahre 1500 ein Kloster der Augustiner-Eremiten in der Stadt angesiedelt werden; 1527 war es als Folge der lutherischen Reformation verlassen.

Landtage in Sternberg und Malchin

Ein außerordentlichen Landtag am 20. Juni 1549 an der Sagsdorfer Brücke bei Sternberg beschloss die Einführung der Reformation in Mecklenburg.

1572 erfolgte die Verlegung des Landtages nach Sternberg. Die Stadt müsste dieses Privileg nach der Landesteilung Mecklenburgs von 1621 (Güstrower Reversalen und Erbvertrag) in die beiden Herzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Güstrow, mit Malchin teilen. Die Landtage des mecklenburgischen Ständestaats nach 1628 bis 1918 fanden so abwechselnd in Sternberg - also im Schwerinschen, und in Malchin - also im Güstrowschen, statt.

Nach dem Hamburger Vergleich wurde Mecklenburg in zwei beschränkt autonome (Teil-) Herzogtümer geteilt, ab 1815 (Teil-) Großherzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz. Diese bildeten einen gemeinsamen Staat und unterstanden einem gemeinsamen Landtag. Dieser jährlich im Herbst einberufene Landtag tagte in den jeweiligen Rathäusern von Sternberg und Malchin. Bis zum Ersten Weltkrieg gehörte Sternberg zum Herzogtum (ab 1815 Großherzogtum) Mecklenburg-Schwerin.

Dreißigjähriger Krieg bis zur Abschaffung der Monarchie

1618 wurde die Sternberger Vogtei an die Familie von Grabow verpfändet. Ab 1622 tagte das Hofgericht im Rathaus von Sternberg. Während des Dreißigjährigen Krieges hielt Wallenstein 1628 einen Landtag in Sternberg ab und besetzten 1638 die kaiserlichen Truppen unter General Gallas die Stadt, und nutzten sie einige Zeit als Hauptquartier. 1639 brach die Pest aus, die so stark wütet das die Stadt ein halbes Jahr nahezu verlassen war. Der verheerenden Stadtbrand von 1659 richtete großen Schaden an, nur eine Scheune blieb erhalten. 1675/76 blieb die Stadt auch nicht vom Krieg der Schweden gegen die Brandenburger verschont. Durch ein Seuche der Soldaten fanden auch die Hälfte der Einwohner den Tod. Danach begann ein Wiederaufbau der Stadt. Auch im Nordischen Krieg musste die Stadt durch schwedische und russische Truppen leiden.

Nach der Reichsexekution von 1717 bis 1728 kämpften Sternberger Schützen 1733 erfolglos zusammen mit dem abgesetzten Herzog Karl Leopold gegen die Ritterschaft und Herzog Christian Ludwig II.. Im Gegenzug besetzten kaiserliche Truppen die Stadt. 4.052 Taler Kosten mußte allein Sternberg für diesen Bürgerkrieg berappen. Von 1774 bis 1848 war Sternberg Sitz der Superintendentur. 1790 verkaufte dann die Familie Pressentin ihr landtagsfähiges Rittergut, das 1830 eingemeindet wurde.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren wieder Juden in Sternberg ansässig. Sie richteten 1825 am Fuße des Judenbergs ihren Jüdischen Friedhof ein, der in der Zeit des Nationalsozialismus mehrmals geschändet und zerstört wurde.

1839 entstanden die Wallanlagen in der heutigen Form. Die Chaussee Schwerin-Sternberg-Güstrow entstand. Sternberg erhielt 1887 durch die 72 km lange Nebenlinie Wismar-Blankenberg-Brüel-Sternberg-Goldberg-Karow Anschluss an das Eisenbahnnetz. Im Jahr 1855 hat der Ort 2550 Einwohner. Ab 1865 verfügte der Ort über Straßenbeleuchtung mit Petroleum und 1869 wurde die erste Telegraphenstation eingerichtet. Ein Postamt kam 1871 und 1888 wurde ein neues Reichspostgebäude am Markt errichtet. 1895 erhält die Stadt eine "höhere Lehranstalt für Bauberufe", also ein Technikum und verfügte über eine sechsklassige Bürgerschule sowie eine Volksschulklasse. Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Monarchie in Mecklenburg abgeschafft.

Neuere Geschichte

Nach 1918 gehörte Sternberg zum Freistaat Mecklenburg-Schwerin, dann ab 1934 zum Land Mecklenburg. 1919 kam das bisherige Dominalamt Warin-Neukloster-Sternberg-Tempzin zum neugebildeten Kreis Wismar. 1922 entstand die Chaussee nach Demen und die Stadtbibliothek richtete sich im Rathaus ein.

Notgeld und Judenpogrom

1922 druckt die Stadt Sternberg Notgeld in Folge der Inflation. Das Notgeld zeigt Motive des Judenpogroms[4] von 1492, das schon früh, um 1500, als Justizmord aufgedeckt worden war.

„ Deutschland 1922. Auf dem Höhepunkt der Inflation druckten viele Städte eigenes, sogenanntes Notgeld. Auch Sternberg im Mecklenburgischen gab solche Kupons heraus. Bemerkenswert daran waren die darauf abgebildeten Motive. Sie stellten ein Ereignis dar, welches sich 1492 in Sternberg zugetragen haben soll - eine Hostienschändung. ... Siebenundzwanzig an der "Tat" mehr oder weniger beteiligte Juden starben auf dem Scheiterhaufen, ihre Glaubensgenossen hatten Mecklenburg und das benachbarte Pommern zu verlassen. Sternberg etablierte sich als Wallfahrtsort und gelangte dadurch zu Wohlstand. ... Noch 430 Jahre später aber war den Sternberger Stadtvätern jenes Ereignis wert, als Bildergeschichte ihr Notgeld zu zieren. Unkommentiert, als handele es sich dabei um eine historische, wahrheitsgemäße Begebenheit. [5]

An der Mildenitz bei Zülow geht 1924 ein Kraftwerk in Betrieb. 1929 wurde am Fischerteich ein neues Schulgebäude aufgebaut, nach dem das alte abbrannte. Auch wird das Freibad Am Heidberg eröffnet.

Nationalsozialismus und Judenverfolgung

1932 kann die NSDAP erstmals ihren Kandidaten als Bürgermeister durchsetzen. 1934 wurde das Technikum aufgelöst und eine SS-Sportschule nutzt das Gebäude vorübergehend und ab 1935 eine Postschutzschule. 1937 eröffnete am Sternberger die Badeanstalt. 1940 ist die Stadt wieder "judenfrei", die letzten beiden Juden müssen die nationalsozialistisch regierte Stadt verlassen. Ab 1939 waren Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter teils mit SS-Bewachung in Peeschen und im Ort. 1943 wurden ausgebombte Hamburger untergebracht. Am 3. Mai 1945 wurde Sternberg kampflos an die Rote Armee übergeben, die Rathaus, Post, Amtsgericht und andere Häuser zusammen mit dem NKWD beschlagnahmte. Durch die Flüchtlinge erhöhte sich die Einwohnerzahl schlagartig auf 4480.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1952 das Land Mecklenburg aufgelöst und Sternberg wurde als Kreisstadt des gleichnamigen Kreises (der kleinste Kreis der DDR) dem Bezirk Schwerin zugeordnet. 1946 wurden im Zuge der Bodenreform die umliegenden großen Güter enteignet und an Neusiedler aufgeteilt. Verschieden Unternehmer wurden ebenfalls enteignet. 1946 wurde das Hotel Kaiser Hof zum Sternberger Hof umbenannt und war danach Volkshaus und bis 1990 Sitz der Kreisleitung der SED. Bei den Wahlen 1949 stimmten noch 28,3 % der Bürger gegen die Kandidaten der Liste der Nationalen Front. Das Postschulgebäude wurde 1952 Sitz des Rat des Kreises. Die LPG Sternberger Burg, später Freundschaft entstand. Das Ministerium für Staatssicherheit bezog 1953 die Villa der alten Faßfabrik.

Bis 1963 wurden 215 neue Wohnungen, vor allem an der Leonhard-Frank-Straße, gebaut und 1978 ein Kreiskulturhaus (heute Seehotel). Ab 1967 wurde auf dem Finkenkamp entschieden der drastischen Wohnungsnot begegnet durch den Bau von 465 Mietwohnungen. Von 1945 bis 1989 wurden insgesamt 1055 Wohnungen erstellt. 1974 entstand am Luckower See ein Campingplatz für 1000 Urlauber.

Nach der Wende von 1989/1990 - das Land Mecklenburg-Vorpommern entstand - wurde seit 1991 der historische Stadtkern im Rahmen der Städtebauförderung grundlegend saniert; das Stadtbild dieser gut erhaltenen Landstadt, mit seiner teilweise erhaltenen Stadtmauer, hat sich stark verbessert. Weitere 325 Wohnungen entstanden von 1991 bis 1998. Nach der Auflösung des Kreises Sternberg 1994 kam die Stadt zum neugebildeten Landkreis Parchim.

Die slawische Burg Groß Raden am Sternberger See wurde rekonstruiert und ist seit 1987 als archäologisches Freilichtmuseum der Öffentlichkeit zugänglich.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner
1819 1.852
1855 2.550
1905 2.735
1939 2.743
1945 4.480
1989 5.200
2000 5.049
2006 4.691

Sehenswürdigkeiten

Fachwerkhaus mit Zierbalken
Kütiner Straße 7
Fachwerkhaus mit Zierbalken
Luckower Straße 25

Persönlichkeiten

Quellen

  1. Judenpogrom, Hostenfrevel, Stadtgeschichte Sternberg"Wie die Legende berichtet, erhielt der Jude Eleasar von einem Sternberger Messpriester geweihte Hostien. Diese wurden am 20.7. 1492 von den Juden zerstochen und zerschnitten, wobei Blut aus ihnen floss, das "Heilige Blut" von Sternberg. Als Eleasars Frau versucht haben soll, die Hostien ins Wasser zu werfen, ist sie mit beiden Füßen in einen Stein eingesunken."; Stadtgeschichte Sternberg; Torsten Bade, Hamburg, 03. April 2008, 15:05 Uhr
  2. Perter Ortag; Jüdische Kultur und Geschichte; Vorwort S.7; Bonn 2004; Bundeszentrale für politische Bildung
  3. Judenpogrom, Hostenfrevel, Stadtgeschichte Sternberg"Dieses "Beweisstück" für die Schuld der Juden ist auch heute noch, eingemauert in der Wand der heiligen Blutskapelle ( Stadtkirche), zu sehen. Als Folge dieses Verrats wurden in Sternberg Scheiterhaufen errichtet, auf denen 27 Juden verbrannten. Die Stadt Sternberg zog ihren Vorteil aus dieser Begebenheit. Zum "Heiligen Blut" und den ausgestellten Hostien machten um 1500 jährlich tausende Gläubige Wallfahrten. Mit den Wallfahrern kamen Gold und Geschenke nach Sternberg."; Stadtgeschichte Sternberg; Torsten Bade, Hamburg, 03. April 2008, 15:05 Uhr
  4. „„Das Kreuz hat im Leben vieler Menschen seine Spuren hinterlassen. Für uns als Christen ist es das Sinnbild für Liebe und Güte. Aber es hat auch Narben hinterlassen, wie mit der Judenverbrennung in Sternberg“, meint die Sternberger Pastorin Cornelia Ogilvie. Auch dies sei Teil der christlichen Geschichte. „Deshalb soll die Plastik nicht nur ein Denkmal, sondern vor allem ein Mahnmal sein. Wir betrachten es als ein Zeichen für unsere christliche Verantwortung“, sagt sie.“ Zeichen gegen das Vergessen 11.10.2007
  5. Perter Ortag; Jüdische Kultur und Geschichte; Vorwort S.7; Bonn 2004; Bundeszentrale für politische Bildung

Literatur