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Dia (Fotografie)

Als Diafilm, Diapositivfilm oder Umkehrfilm bezeichnet man einen fotografischen Film, dessen Farben oder Grauwerte unmittelbar in ihren natürlichen Abstufungen sichtbar sind, und nicht wie in den umgekehrten Abstufungen auf einem Negativfilm. Der Diafilm ergibt nach der Entwicklung direkt ein Diapositiv.

Ein Kinofilm wird normalerweise auf Negativfilm belichtet, das Diapositiv für die Projektion im Kino wird im Kopierwerk durch Kontaktkopie des Negativs auf einen Positivfilm und durch anschließendes Entwickeln hergestellt.

Inhaltsverzeichnis

Filmmaterial und Entwicklung

In der Amateurfotografie mit herkömmlichen Filmen werden heute weit überwiegend Negativmaterialien eingesetzt, da die meisten Freizeitfotografen als Ergebnis einen Papierabzug anstreben. Zwar sind auch von Farbdias Papierabzüge möglich, jedoch weist das für die Projektion optimierte Farbdia einen hohen Kontrastumfang auf, der oft nur sehr eingeschränkt auf Papier wiedergegeben werden kann. Farbnegativfilm mit seinem weichen Kontrast hat einen wesentlich größeren Belichtungsspielraum, insbesondere in Richtung Überbelichtung. In Verbindung mit den im Negativ eingebetteten Farbmasken, die Absorptionsfehler der Schichtfarbstoffe kompensieren, ist der Negativfilm das erheblich bessere Zwischenglied auf dem Weg zu einem solchen Papierabzug

Fast alle Schwarzweißfilme sind Negativfilme (Ausnahmen: die SW-Umkehrfilme Agfa Scala, FomaPan R und der schon lange nicht mehr produzierte Agfa DD (Dia-Direct)). Prinzipiell kann man zwar jeden beliebigen SW-Negativfilm durch Umkehrentwicklung zum Diafilm machen, gute Ergebnisse erreicht man jedoch nur mit Filmen, die einen klaren Schichtträger aufweisen. Die meisten Schwarzweißfilme weisen jedoch einen grau eingefärbten Schichtträger (Grey base) auf, der die Entstehung von Lichthöfen verhindert. Mittlerweile gibt es Verfahren zum Herstellen von Schwarzweiss-Dias, die geeigneten Filmen bis zu 800 l/mm Auflösung entlocken können, mithin weit mehr als bei Farbdiafilmen.

Farbumkehrfilme sind heute als Mehrschichtfilme aufgebaut, die nach einem chromogenen Verfahren verarbeitet werden. Das heißt, die Farbstoffe entstehen während der Verarbeitung; dazu befinden sich entsprechende Farbkuppler in den lichtempfindlichen Schichten. Das Umkehren erfolgt durch den Umkehrentwicklungsprozess, der prinzipielle Aufbau – abgesehen von Optimierungen auf den jeweiligen Anwendungsfall – von Umkehrfilmen und Negativfilmen ist gleich. Dadurch ist grundsätzlich auch eine Umkehrentwicklung eines Negativfilms bzw. Negativentwicklung eines Diafilms möglich (Crossentwicklung). Die erreichbaren Ergebnisse sind aber eher als „experimentell” zu bezeichnen.

Eine Ausnahme bildet der Kodak Kodachrome-Diafilm: Die Farbkuppler befinden sich hierbei nicht in den lichtempfindlichen Schichten. Vielmehr werden die drei Emulsionsschichten im Laufe der Verarbeitung im K-14-Prozess einzeln einer Umkehrentwicklung unterzogen, wobei sich entsprechende Farbkuppler für die jeweilige Grundfarbe in je einer eigenen Entwicklerlösung befinden. Dieses Verfahren, das in den Grundzügen seit der Einführung 1935 unverändert im Einsatz ist, ermöglicht besonders dünne lichtempfindliche Schichten, was zu größerer Schärfe führt – jahrzehntelang waren Kodachrome-Diafilme schärfer als andere Diafilme. In den vergangenen Jahren haben andere Filme aufgeholt, derzeit (Stand Sommer 2007) gelten der Fujichrome Provia 100F/Astia 100F (normale Farbabstimmung, extrem neutrale Graubalance) und der Fujichrome Velvia 50/100/100F (farbverstärkt, für die Natur- und Landschaftsfotografie) als die schärfsten und auch feinkörnigsten Diafilme der Welt.

Diapositiv

Archiv für Kleinbilddias

Da Dias exakt dem Aufnahmeformat entsprechen, zum Beispiel beim Kleinbild 24x36 mm (1,7" Diagonale), ist zum Betrachten stets ein Hilfsmittel erforderlich.

Es gibt Diabetrachter, bei denen das Dia durch eine Lupe betrachtet wird. Hierbei wird meist das Umgebungslicht zur Beleuchtung verwendet. In solchen Betrachtern können meist sowohl gerahmte Dias als auch ungeschnittene Filmstreifen betrachtet werden. Diabetrachter gibt es auch in Versionen als Stereodiabetrachter.

Außerdem ermöglichen Diaprojektoren Dias, also die von dem Filmstreifen einzeln geschnittenen Bilder, auf eine Leinwand oder Mattscheibe zu projizieren. Damit das Stück Film in das Gerät eingebracht werden kann, muss es in der Regel in einem Diarahmen eingebettet sein.

Vor- und Nachteile

Die praktischen Vorteile des Diafilms liegen vor allem in der hohen Schärfe und Farbtreue sowie dem großen Tonwertumfang des Diapositivs. Diese Vorteile treten in der Projektion klar zu Tage. Die Bildqualität eines projizierten Kleinbilddias ist der eines per Beamer (typische Auflösung: 1024 × 768 (XGA)) projizierten Digitalbildes weit überlegen, sowohl in Hinsicht auf die Auflösung als auch auf den Kontrastumfang.

Während beim Anfertigen von Abzügen des Negativfilms die Farbgebung abhängig von der Kompatibilität des Negativfilms und des Fotopapiers und insbesondere auch von der Farbe des Lichts zur Belichtung variiert, erhält man bei projizierten Diapositiven idealerweise immer die originale Farbe. Erschwerend kommt bei Bildern vom Negativ hinzu, dass die Entwicklungszentren Computeralgorithmen anwenden, um beispielsweise den Himmel in einem besonders schönen Blau erscheinen zu lassen oder um allgemein die Brillanz zu erhöhen, um den Verbraucher glauben zu machen, dass es sich um besonders hochwertige Abzüge handele, wobei erst auf den zweiten Blick klar wird, dass dabei die Natürlichkeit der Farben insgesamt darunter leidet. Dasselbe Problem tritt leider auch bei Abzügen vom Diapositiv auf. Aus analogen Gründen ist das Dia auch dem auf dem Rechner betrachteten digitalen Bild sowie dessen Abzug oder Ausdruck hinsichtlich der Originaltreue der Farben überlegen.

Im professionellen Bereich sind Dias oftmals von Vorteil, da ihre Qualität leichter zu beurteilen ist als die von Negativen.

Wenn es um die Herstellung von Papierbildern geht, sind Farbdias Farbnegativen unterlegen, da Farbnegativfilme darauf optimiert sind. Für die Projektion sind Farbdias auf einen großen Dichteumfang optimiert, was die Wiedergabe aller Tonwerte in der Vergrößerung erschwert. Durch digitale Bildverarbeitung sind in den letzten Jahren Fortschritte zu verzeichnen.

Farbdiafilme werden heute im standardisierten E-6-Entwicklungsprozess entwickelt; die einzige bedeutende Ausnahme bildet der bereits erwähnte Kodachrome-Film, der auf Grund seines speziellen Aufbaus ein eigenes Entwicklungsverfahren (K-14) benötigt und deshalb nur in wenigen spezialisierten Großlabors verarbeitet werden kann.

Wie weiter oben schon angedeutet, kann man für spezielle Anwendungen und/oder Effekte einen Umkehrfilm auch mit dem C-41-Prozess entwickeln, der eigentlich für Farbnegativfilme gedacht ist. Das Ergebnis sind kontrastreiche Negative mit übermäßig gesättigten Farben.

Nachteilig bei Dias auf der Basis von Umkehrfilm ist die Tatsache, dass es sich in aller Regel um Unikate handelt, die einem vergleichsweise hohen Beschädigungsrisiko ausgesetzt sind, insbesondere durch Staub, Fingerabdrücke, Kratzer, Licht und Feuchtigkeit. Da die Diapositive eine Gelatineschicht haben, sind sie, wie alle anderen Fotomaterialien, auch gegen Pilze und Bakterien anfällig. So können sich im Verlaufe von Jahren Löcher bilden, das Dia wird zerstört. Es besteht natürlich stets die Möglichkeit, auch Diapositive zu digitalisieren, wobei jedoch zumindest mit Amateurmitteln bisher weder die volle Auflösung noch der Kontrastumfang eines korrekt belichteten und verarbeiteten Dias erreicht wird.

Siehe auch

Einige Umkehrfilme: