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Goldstandard

Dieser Artikel behandelt den volkswirtschaftlichen Goldstandard, für das Verfahren zur Zielerreichung siehe Goldstandard (Verfahren)

Als Goldstandard bezeichnet man die Deckung einer Währung durch Gold. Das Umtauschverhältnis zwischen Bargeld und Gold bezeichnet man als Goldparität. Damit ist die (theoretische) Verpflichtung der Zentralbank verbunden, Bargeld jederzeit in eine entsprechende Menge Gold umzutauschen (Verpflichtung zur Konvertibilität). Aus dem Besitz eines Geldscheins ergibt sich somit ein direkter Anspruch auf eine bestimmte Menge Gold, was aber in Deutschland laut Bankgesetz vom 14. März 1875, § 18, nur Einlösung in „coursfähiges“ deutsches Geld bedeutete. Praktisch hieß das, dass man als Bürger neben Goldmünzen (=Kurantgeld) oder Silbertalern (bis 1907) evtl. auch Scheidemünzen und papierne Reichskassenscheine − je nach Kassenlage − an den Bankkassen auf Verlangen erhielt.

Der reine Goldstandard stellt einen Sonderfall der Wechselkursparität dar und existiert eigentlich nur in der Theorie. In der Praxis hatten die klassischen Goldstandardländer nur einen sog. „Goldanker“, der bewirken sollte, dass eine Papier- und Scheidemünzeninflationierung (Bargeldinflationierung) durch gesetzliche Goldhinterlegungspflichten „abgebremst“ wird. Auf die Buchgeld- bzw. Kreditgeldschöpfung der Geschäftsbanken hatte das jedoch keinen Einfluss, so dass der Goldstandard eigentlich schon ab etwa 1900 durch das Buchgeld in den Hauptindustrieländern unterlaufen wurde, was damalige gewisse inflationäre Tendenzen ab etwa 1900 mit erklären würde.

Schon zur Zeit des Silberstandards machten die Regierungen die Erfahrung, dass nie gleichzeitig alle Geldscheine, z. B. vor Kriegsbeginn oder einer Wirtschaftskrise, zum Umtausch in Kurantgeld an den Bankschaltern zum Umwechseln präsentiert wurden. Folglich konnten die Regierungen schon im 18. und 19. Jahrhundert über ihre Zentralbanken (auch wenn sie oft formal juristisch Privatbanken waren) immer mehr ungedecktes Papiergeld (und das notfalls mit Zwangskurs) in Umlauf setzen, als sie Gold oder Silber in ihren Tresoren zum evtl. Umtausch vorhalten mussten. Notfalls konnte man ja die Einlösbarkeit der Banknoten in Kurantmünzen per Gesetz sofort aussetzen, was z. B. in England zur Zeit der napoleonischen Kriege auch geschah. Erinnert sei hier an die (nur) Dritteldeckung der Reichsbanknoten und die Aufhebung der Einlösbarkeit dieser Banknoten in Metallgeld zu Beginn des 1. Weltkrieges in Deutschland, was dann ebenso in Österreich und den Ländern der Lateinischen Münzunion geschah.

Inhaltsverzeichnis

Arten

Man unterscheidet:

Wenn für die gesamte sich im Umlauf befindende Menge Geld Gold in der Zentralbank vorhanden ist, spricht man von einem vollen Goldstandard (100-%-Deckung).

Bei den aktuellen Edelmetallkursen würde die gesamte bisher geförderte Goldmenge nicht ausreichen, um sämtliche nichtgoldenen Zahlungsmittel (einschließlich Buchgeld, das ca. 90 Prozent der Geldmenge ausmacht) entweder als Goldumlaufgeld zu ersetzen oder als bei den Banken hinterlegte Deckung der nichtgoldenen Zahlungsmittel zu dienen. Selbst bei Einbeziehung von Silber und Platin würde zur Zeit keine volle Deckung erreicht. Andererseits ist zu berücksichtigen, dass die Einführung eines vollen Edelmetallstandards für eine der Leitwährungen die Edelmetallpreise aufgrund der dann immensen Nachfrage bei nur schwierig zu steigerndem Angebot stark ansteigen ließe, so dass eine volle Deckung auf diesem Wege vorstellbar wäre. Allerdings wären die Kosten des Staates für solch eine durch Edelmetalle gedeckte Währung immens.

Geschichte

Historisch wurde in den meisten Industriestaaten der Goldstandard zwischen 1817 (Großbritannien), 1871 (Deutschland) und 1900 (USA) eingeführt und löste die zuvor vorherrschenden silberbasierten Währungen ab, was wohl vordergründig seine Hauptursache im Silberpreisverfall ab etwa 1878 hatte. Einige Buchautoren führen den erst langsamen, dann schneller werdenden Preisverfall von Silber ab etwa 1873 darauf zurück, dass das Silber durch eine "bewusste", anfangs noch heimliche, Silber-Demonetarisierung – durch den Austausch von Silbermünzen durch z.B. "silberfarben" glänzende Kupfer-Nickel-Münzen aus sogenanntem "Neusilber" – zwecks längerfristiger Schaffung einer "Fiat-Money-Währung" vorgenommen wurde. Hier könnten jedoch auch noch "unbewusste Einspareffekte" beim Münzmaterial eine Rolle gespielt haben.

Beispiel: 1 sächsischer Neugroschen von vor 1873 war noch aus einer silberhaltigen Billon-Legierung und das spätere gleichwertige 10-Pfennig-Stück des Deutschen Reiches war nur noch aus geringwertigem Neusilber.

Diese Demonetarisierung betraf dann nach dem 1. Weltkrieg schließlich auch das Gold - anfangs zuerst nur Private betreffend (Goldkernwährung), später dann auch den kommerziellen Handel (Details siehe weiter unten). Bei Gold trat allerdings kein Preisverfall mehr ein - wie vorher noch vor 1914 beim Silber geschehen. Im Gegenteil - durch inflationäre Prozesse ab und nach dem 1. Weltkrieg werteten Gold und Silber sowie viele anderen Waren und Dienstleistungen bei der Entwicklung hin zu den heutigen reinen Fiat-Money-Währungen pro jeweiliger Währungseinheit nominal teilweise erheblich auf.

In Krisenzeiten (1. und 2. Weltkrieg, Weltwirtschaftskrise) rückten viele Staaten vom Goldstandard ab; einige führten anschließend wieder eine Abwandlung des Goldstandards (Goldkernwährung) ein, die allerdings die Bürger vom Umtausch ihrer Banknoten und Konten in physisches Gold ausschloss. 1944 wurde mit dem Bretton-Woods-System ein internationales, auf dem goldhinterlegten US-Dollar basierendes Währungssystem geschaffen, das jedoch 1973 scheiterte, nachdem die US-Regierung in Folge des Vietnamkriegs international zahlungsunfähig wurde und 1971 den Goldkernstandard endgültig aufgab. Seitdem sind goldbasierte Währungen die Ausnahme und haben nur theoretische Bedeutung, da der internationale Zahlungsausgleich heute durch die gegenseitige Auf- und Abwertung der Währungen am Devisenmarkt erfolgt. Bei stützenden Eingriffen der Zentralbanken in den Markt wird dieser Ausgleich gestört, was vorübergehend zu Handelsbilanzdefiziten und -überschüssen führt.

Folgen

Die Verpflichtung zur Konvertibilität begrenzt die Ausgabe von Bargeld (aber nicht die Buchgeldschöpfung bzw. Kreditausreichnung der Privatbanken, die nur durch die 10%ige Bargeldhaltung begrenzt ist) durch die Zentralbank und schränkt außerdem deren Handlungsfähigkeit ein, auf wirtschaftliche Schwankungen mit Änderung der Geldpolitik zu reagieren. Das bedeutet: Es kommt bei einer Vergrößerung der gesamtwirtschaftlichen Gütermenge ohne entsprechende Vergrößerung der verfügbaren Goldmenge zwangsläufig zu einer Deflation, im umgekehrten Fall zu einer Inflation. In der heutigen Zeit ist aufgrund der extrem hohen Buchgeldmengen mit einer „klassischen Deflation“, die auf Bargeldmangel beruht, nicht mehr zu rechnen. Allerdings ist bei Einhaltung des klassischen Goldstandards eine Hyperinflation als Folge des Missbrauchs der Seignioragefähigkeit durch die Regierung ausgeschlossen - falls die Regierung ihre Gesetze nicht vorher rechtzeitig ändert.

Befürworter des Goldstandards behaupten, dass die Aufhebung der klassischen Goldstandards Anfang des 20. Jahrhunderts (z. B. durch Großbritannien 1914) zu einer Überschwemmung der Welt mit neu geschaffenem Geld und zur ungesunden Wirtschaftsaufblähung in den 1920er Jahren (die „Goldenen Zwanziger“) geführt habe. Als Folge davon sei es zum Börsencrash (Schwarzer Donnerstag) und zur Wirtschaftskrise in den 30er Jahren gekommen. Tatsächlich war 1995 – aufgrund der Inflation – ein U.S.-Dollar aus dem Jahre 1940 nur noch 8 U.S.-Cent wert.

Ob die Vorteile des Goldstandards die Nachteile überwiegen, ist unter Wirtschaftswissenschaftlern ein klassisches Streitthema. Die eine Seite vertritt wie schon John Maynard Keynes die These, dass die Nachteile des Goldstandards überwiegen, besonders in einer zunehmend globalisierten Wirtschaft, und dass er Wirtschaftskrisen begünstigt, indem er eine starke Kopplung von Währungen ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche Entwicklung der jeweiligen Länder erzwingt und geldmarktpolitische Eingriffe zur Stabilisierung der Wirtschaft unmöglich mache. Verbreitet ist aber auch die gegenteilige Auffassung, dirigistische Eingriffe seien nicht Lösung, sondern Ursache von Krisen, da sie eine Bereinigung von Ungleichgewichten durch den Markt verhindern.

Formell aufgehoben wurde die (Gold-)Deckungspflicht von den Zentralbanken der westlichen Länder am 17. März 1968.

Literatur

Siehe auch