Heim

Bundesministerium der Justiz

Bundesministerium der Justiz
Staatliche Ebene Bund
Stellung der Behörde Oberste Bundesbehörde
Gegründet 1. Januar 1877 als „Reichsjustizamt“
Hauptsitz in Berlin
Behördenleitung Brigitte Zypries, Bundesministerin der Justiz
Anzahl der Bediensteten ca. 620
Website bmj.bund.de

Das Bundesministerium der Justiz ist ein Ministerium der Bundesrepublik Deutschland (siehe auch Bundesregierung). Hervorgegangen ist es aus dem Reichsministerium der Justiz (bis 1945).

Inhaltsverzeichnis

Historische Einordnung

Das Amt des Justizministers bzw. der Justizministerin gehört neben denen des Innen-, Außen-, Finanz- und Verteidigungsministers (früher Kriegsminister) zu den so genannten klassischen Ressorts (erkennbar am bestimmten Artikel im Namen). Diese Bezeichnung rührt daher, dass es zunächst nur diese Geschäftsbereiche gab.

Zuständigkeit

Oberster Dienstherr im Ministerium ist der Bundesminister bzw. die Bundesministerin der Justiz. Dem jeweiligen Amtsinhaber steht ein beamteter sowie ein parlamentarischer Staatssekretär zur Seite.

Im föderativen System Deutschlands ist die Verwaltung der Justiz, Rechtspflege und Strafverfolgung in erster Linie Sache der Bundesländer. Zentrale Aufgabe des Bundes auf dem Gebiet der Justiz ist die Sicherung und Fortentwicklung des Rechtsstaats; diesem Ziel entspricht die gesetzgeberische Tätigkeit. Sie umfasst die Vorbereitung neuer Gesetze und die Vorbereitung und Änderung oder die Aufhebung von Gesetzen in den klassischen Gebieten des Rechts, nämlich dem bürgerlichen Recht, dem Strafrecht, dem Handels- und Gesellschaftsrecht, dem Urheberrecht und dem gewerblichen Rechtsschutz, dem Gerichtsverfassungs- und Verfahrensrecht für die einzelnen Gerichtsbarkeiten (außer Arbeits- und Sozialgerichtsbarkeit) sowie dem Dienst- und Berufsrecht der Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte und Notare. Ferner ist das Ministerium für die mit der Herstellung der Einheit Deutschlands erwachsenen Aufgaben im Bereich der strafrechtlichen, verwaltungsrechtlichen und beruflichen Rehabilitierung und der „offenen Vermögensfragen“ zuständig. Das Ministerium prüft ferner bei allen von anderen Ministerien vorbereiteten Gesetzes- und Verordnungsentwürfen die sogenannte „Rechtsförmlichkeit“, um zu gewährleisten, dass die gesetzlichen Regelungen mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Das Ministerium ist Herausgeber der Veröffentlichungsorgane Bundesgesetzblatt und Bundesanzeiger und bereitet die Wahl der Richter des Bundesverfassungsgerichts und der Richter an den obersten Gerichtshöfen des Bundes vor.

Zum Geschäftsbereich des Ministeriums gehören der Bundesgerichtshof in Karlsruhe mit einem 5. Strafsenat in Leipzig, der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe mit der Dienststelle Leipzig, das Bundesamt für Justiz mit dem Bundeszentralregister in Bonn, das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, der Bundesfinanzhof in München, das Bundespatentgericht in München und das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA) in München mit den Dienststellen in Berlin und Jena.

Die gegenwärtige Bundesministerin der Justiz in der schwarz-roten Bundesregierung ist die SPD-Politikerin Brigitte Zypries.

Siehe auch: Rechtspolitik

Internationale Aspekte

Während in Deutschland eine strikte Trennung zwischen Gefahrenabwehr (präventiver Gewalt -> Innenministerium) und Strafverfolgung (repressiver Gewalt -> Justizministerium) stattfindet, bestehen in einigen Staaten keine derartigen Trennungen. In Großbritannien wird die Strafverfolgung und die Gefahrenabwehr unter den Secretary of State for the Home wahrgenommen. In den USA heißt der Justizminister der Attorney General. Im amerikanischen System besteht eine Trennung zwischen Strafverfolgungsaufgaben und der Gefahrenabwehr (durch das neugeschaffene Department of Homeland Security).

Justizminister

siehe auch: Amtsinhaber seit 1919

Bundesminister der Justiz seit 1949

Deutsche Justizminister
Nr. Name (Lebensdaten) Amtsantritt Ende der Amtszeit Partei
1 Dr. Thomas Dehler (1897–1967) 20. September 1949 20. Oktober 1953 FDP
2 Fritz Neumayer (1884–1973) 20. Oktober 1953 16. Oktober 1956 FDP
3 Dr. Hans-Joachim von Merkatz (1905–1982) 16. Oktober 1956 29. Oktober 1957 DP
4 Fritz Schäffer (1888–1967) 29. Oktober 1957 14. November 1961 CSU
5 Dr. Wolfgang Stammberger (1920–1982) 14. November 1961 19. November 1962 FDP
6 Dr. Ewald Bucher (1914–1991) 13. Dezember 1962 27. März 1965 FDP/DVP
7 Dr. Karl Weber (1898–1985) 1. April 1965 26. Oktober 1965 CDU
8 Dr. Richard Jaeger (1913–1998) 26. Oktober 1965 30. November 1966 CSU
9 Dr. Dr. Gustav Heinemann (1899–1976) 1. Dezember 1966 26. März 1969 SPD
10 Prof. Dr. Horst Ehmke (* 1927) 26. März 1969 21. Oktober 1969 SPD
11 Gerhard Jahn (1927–1998) 22. Oktober 1969 7. Mai 1974 SPD
12 Dr. Hans-Jochen Vogel (* 1926) 16. Mai 1974 22. Januar 1981 SPD
13 Dr. Jürgen Schmude (* 1936) 22. Januar 1981 1. Oktober 1982 SPD
14 Hans A. Engelhard (1934–2008) 4. Oktober 1982 18. Januar 1991 FDP
15 Dr. Klaus Kinkel (* 1936) 18. Januar 1991 18. Mai 1992 FDP/DVP (ab 1991, zuvor parteilos)
16 Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (* 1951) 18. Mai 1992 17. Januar 1996 FDP
17 Prof. Dr. Edzard Schmidt-Jortzig (* 1941) 17. Januar 1996 26. Oktober 1998 FDP
18 Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin (* 1943) 27. Oktober 1998 22. Oktober 2002 SPD
19 Brigitte Zypries (* 1953) 22. Oktober 2002 SPD

Parlamentarische Staatssekretäre

Parlamentarische Staatssekretäre
Name Amtsantritt Ende der Amtszeit Partei
Alfons Bayerl 1969 1974 SPD
Hans de With 1974 1982 SPD
Hans Hugo Klein 1982 1983 CDU
Benno Erhard 1983 1987 CDU
Friedrich-Adolf Jahn 1987 1990 CDU
Reinhard Göhner 1990 1993 CDU
Rainer Funke 1990 1998 FDP
Eckart Pick 1998 2002 SPD
Alfred Hartenbach 2002 SPD

Beamtete Staatssekretäre

Beamtete Staatssekretäre
Name Amtsantritt Ende der Amtszeit Partei
Walter Strauß 1949 1963
Arthur Bülow 1963 1966
Horst Ehmke 1966 1969 SPD
Hermann Maassen 1969 1971
Dr. Günter Erkel 1971 1982 SPD
Klaus Kinkel 1982 1990 parteilos
Ingo Kober 1990 1995
Heinz Lanfermann 1996 1998 FDP
Hansjörg Geiger 1998 2005 parteilos
Lutz Diwell 2005 SPD