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Galicien

Dieser Artikel befasst sich mit der Region Galicien in Spanien; zu der ähnlich lautenden historischen Landschaft in der Ukraine und Polen siehe Galizien; zu der ähnlich lautenden Gemeinde in Kärnten siehe Gallizien.
Galicien
Galicia

Flagge Galiciens

Wappen Galiciens
Karte
Basisdaten
Hauptstadt Santiago de Compostela
Amtssprachen Spanisch und Galicisch
Bevölkerung 2.771.341 (2007)
 - Anteil an Spanien 6,6 %
 - Rang in Spanien Rang 5 von 17
 - Dichte 93,7 Einw. / km²
Fläche 29.574 km²
 - Anteil an Spanien 5,8 %
 - Rang in Spanien Rang 7 von 17
Ausdehnung Nord-Süd: bis 208 km
West-Ost: bis 192 km
Autonomiestatut vom 28. April 1981
Präsident der
Xunta de Galicia
Emilio Pérez Touriño (PSdeG)
Vertretung in den
Cortes Generales
Kongress: 25 Sitze
Senat: 19 Sitze
Gliederung 4 Provinzen
ISO 3166-2 ES-GA

Galicien (span. Galicia, galic. Galicia oder Galiza; offiziell galic. Comunidade Autónoma de Galicia, span. Comunidad Autónoma de Galicia), ist eine Autonome Gemeinschaft im Nordwesten Spaniens. Sie gliedert sich in die vier Provinzen A Coruña, Lugo, Ourense und Pontevedra.

Der Name geht auf die keltischen Galläker (auch Kallaiker, lateinisch: Callaici) zurück, ein kelto-iberisches Volk, das im Altertum in dieser Region siedelte.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Galicien liegt in Nordwest-Spanien und erstreckt sich etwa zwischen 9°W 42°N und 7°W 44°N. Im Norden grenzt Galicien an das kantabrische Meer, im Westen an den Atlantischen Ozean. Im Süden grenzt es an Portugal und im Osten an die spanischen autonomen Gemeinschaften Kastilien-León und Asturien.

Prägend für die Region sind hohe Bergketten, die Galicien vom Rest Spaniens abschotten. Mehr als die Hälfte des Gebietes liegt über 400 m hoch. Die höchste Erhebung ist mit 2.127 m die Pena Trevinca. Interessant ist zudem der ausgeprägte Küstenverlauf Galiciens: mit einer Gesamtlänge von rund 1.659 km, von denen über 800 km aus Steilküste und rund 300 km aus Strandabschnitten bestehen, umfasst dieser rund ein Drittel der spanischen Küste. Charakteristisch für Galiciens Küste sind die so genannten Rías, schlauch- und trichterförmige, fjordähnliche Flussmündungen, in die das Meer eingedrungen ist.

Küstenabschnitt bei A Coruña

Im Gegensatz zu Fjorden weisen die Rías allerdings nur eine geringe Tiefe auf. Unterschieden werden die Rías Baixas (span. Rías Bajas) und die Rías Altas. Die Rías Altas im Norden reichen von Ribadeo bis A Coruña. Die Rías Baixas reichen vom Kap Finisterre (galic. Cabo Fisterra) bis zur portugiesischen Grenze. Hauptunterscheidungsmerkmal der beiden Küstenabschnitte ist die jeweils sehr spezifische Küstencharakteristik. Während die Rías Baixas sanft ins Meer laufen, ist der Verlauf der Rías Altas wesentlich steiler. So finden sich an den Rías Altas auch die höchsten Kliffs des europäischen Kontinents. Diese liegen in San Andrés de Teixido (Cedeira), nahe Ferrol, und erreichen eine Höhe von 620 m. Die größte Ría ist die zu den Rías Baixas gehörende Ría de Arousa. Diese hat eine Länge von 37 km und eine Tiefe von maximal 69 m. Auffällig sind die zahlreichen Holzflöße, an denen Miesmuscheln gezüchtet werden

Charakteristisch für Galicien sind überdies die weitläufigen Wälder. Das Waldgebiet in der Autonomen Gemeinschaft entspricht etwa 30 Prozent des Gesamtwaldbestandes in Spanien.

In Galicien liegt das Ziel des sowohl kulturell als auch touristisch bedeutenden Jakobsweges, der Pilger und andere Interessierte zu Fuß, mit dem Rad oder dem Auto bis nach Santiago de Compostela führt.

Bedeutende Städte sind A Coruña, Ferrol, Lugo, Ourense, Pontevedra, Santiago de Compostela und Vigo.

Klima

Das Klima der Region wird vom Atlantik geprägt und ist ausgesprochen mild, dabei jedoch sehr feucht. Kennzeichnend für Galicien sind milde Winter mit heftigen Niederschlägen und nicht allzu heiße Sommermonate. Die mittlere Sonnenscheindauer liegt bei 1.989,4 Stunden pro Jahr. Die mittleren Temperaturen an der Küste liegen im Jahresdurchschnitt in A Coruña bei 13,8 °C und in Vigo bei 14,7 °C. Im Binnenland erreicht Ourense 14 °C. In den Bergen liegen die Durchschnittstemperaturen deutlich darunter, so etwa bei 9,7 °C im „Alto de Rodicio“ oder 8 °C in „Pedrafita do Cebreiro“. Der Nordwesten Galiciens weist rund 150 Regentage im Jahr auf und ist damit die regenreichste Region Spaniens. Diese Zahl reduziert sich zunehmend in Richtung Südosten. Hier werden rund 100 Regentage und weniger im Jahr registriert. Am regenintensivsten sind in abnehmender Reihenfolge der Winter, der Herbst und der Frühling. Die mittlere Niederschlagsmenge liegt bei 1.404,8 l/m².

Das feuchte Klima, häufige Nebel und Winde sowie die grüne bergige Landschaft – insbesondere im Herbst und im Winter – lassen Assoziationen mit Irland oder der Bretagne aufkommen.

Bevölkerung

Die Einwohnerzahl Galiciens liegt bei 2.767.524 Einwohner (Stand: Januar 2006 [1]), von denen 48,2 Prozent Männer und 51,8 Prozent Frauen sind [2].

In Galicien wird neben Spanisch das mit dem Portugiesischen eng verwandte Galicische (galic. Galego, span. Gallego) gesprochen. Das Galicische ist seit 1981 in dieser Region - aber nicht in Gesamt-Spanien - Amtssprache neben dem Spanischen. Im November 2005 wurde Galicisch als „offizielle Sprache“, nicht jedoch als eine der Amtssprachen der Europäischen Union anerkannt. Die deutsche Bezeichnung für die heimische Bevölkerung lautet Galicier (span. gallegos, gal. galegos).

Geschichte

In Galicien wurden vereinzelt Spuren gefunden, die in das Spätpaläolithikum, zwischen 25.000 und 16.000 v. Chr. datiert wurden. Die älteste Spuren menschlicher Aktivität wurden in Budiño, Porriño, gefunden und stammen aus der Zeit um 25.000 v. Chr. Ab 8000 v. Chr. sind die Funde von Steinwerkzeugen recht häufig. An der Küste wird seit dem Mesolithikum Fischerei betrieben. Die Periode wird auch als asturianische Kultur bezeichnet und ist entlang der Küste von Vigo bis Asturien verbreitet. Es taucht erste Keramik auf. Erste Megalithanlagen werden ab 4000 Jahre v. Chr. errichtet. Etwa 5.000 Mámoa genannte Hügel, die meist im Zentrum liegende Dolmen bedecken - sind hier zu finden. Leider fanden in den Grabhügeln durchweg Raubgrabungen statt, die bis heute fortdauern. Bekannt sind die Anlagen von Dombate, Axeitos, Pedra da Arca bei Baiñas oder Maus de Salas.

In der Bronzezeit (ab 1800 v. Chr.) gibt es Hinweise auf eine entwickelte Metallverarbeitung. Aus dieser Periode stammen auch diverse in Stein gravierte Figuren (Petroglyphen). Ausgehend von abstrakten Themen (Cup-and-Ring-Markierungen) werden auch Tiere und Menschen dargestellt. Die wichtigsten Fundorte der Figuren liegen in der Provinz Pontevedra (Mogor, Castrove, Campolameiro).

In der späten Bronzezeit und der Eisenzeit (etwa ab 1000 v. Chr. bis 400 v. Chr.) entstanden befestigte Siedlungen (gal. u span. castros), überwiegend in geschützten Hanglagen oder auf Hügeln. Die Befestigungen und die Grundrisse der meist ovalen Häuser sind teilweise noch sichtbar. Gute Beispiele für diese Castros sind Santa Tegra bei A Guarda, Troña, Castromao, Borneiro, S. Cibrao de Lás und Viladonga.

Vermutlich ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. fielen die Kelten in verschiedenen Wellen in Galicien ein und vermischten sich mit der einheimischen Bevölkerung. Von den keltischen Galläkern (Kallaiker, lateinisch Callaici), die in diesem Gebiet siedelten, leitet sich der Name Galicien ab.

Die Römer führten erstmals 135 v. Chr. Expeditionen nach Galicien durch. Die Konsolidierung der römischen Macht erfolgte durch Julius Caesar im Jahre 60 v. Chr. Galicien wurde zur römischen Provinz Gallaecia.

Gallaecia umfasste - über das heutige Galicien hinaus - Gebiete im westlichen Teil des heutigen Kastilien und im nördlichen Teil Portugals. Die Befriedung Gallaecias erfolgte durch die Kriegszüge unter dem römischen Kaiser Augustus. In der Folge entwickelten die Römer eine umfassende Infrastruktur, insbesondere durch den Bau von Straßen. Die Straßen der Römer blieben neben den Pilgerwegen nach Santiago de Compostela bis ins Mittelalter die einzigen guten Verbindungen nach Galicien.

In der Zeit der Völkerwanderung ließen sich in Galicien im Jahr 409 die germanischen Sueben nieder und gründeten 411 unter König Hermerich, der bis 438 regierte, ein Königreich. Während der suebischen Herrschaft gab es aber einheimische Gruppen, nach Hydatius im 5. Jahrhundert die Aunonenses und Auregenses, die nicht der suebischen Oberhoheit unterworfen werden konnten. Im 6. Jahrhundert werden im selben Zusammenhang die Runconen genannt. Dem ersten König Hermerich folgen die Könige Rechila bzw. Richila (438-448) und Rechiar (448-456). Aus der Zeit des Regenten Rechiar und danach sind nur wenige Aufzeichnungen erhalten. Sicher ist, dass das Suebenreich durch den Tod des Königs Miro entscheidend geschwächt wurde. Miro starb 583 auf einem erfolglosen Feldzug gegen den Westgotenkönig Leovigild, dessen aufständischen Sohn Hermenegild er unterstützen wollte. Darauf kam es bei den Sueben zu einem Machtkampf um die Königswürde, den Leovigild dazu nutzte, das Suebenreich zu annektieren. Audeca war der letzte König der Sueben. Er wurde von Leovigild besiegt, der 585 Galicien verwüstete, den Kronschatz raubte und das Land zu einer gotischen Provinz machte. Die neue Herrschaft führte zu einer schweren wirtschaftlichen und sozialen Krise, von der sich das Land erst zum Ende des 8. Jahrhunderts langsam erholen konnte[3]. Die einheimische Aristokratie scheint aber weiter bestanden zu haben, noch Rekkared wird rex Gothorum atque Sueuorum genannt. Erst 652 unter Rekkeswind wurde eine Verwaltungsreform durchgeführt, die das Territorium besser in das Westgotenreich eingliederte. Nach der Regierungszeit von Chindaswinth funktionierten nur noch Braga, Lucus und Tude (Tuy) als Prägestätten.

Der Nordwesten der iberischen Halbinsel scheint bis fast zum Ende der westgotischen Herrschaft heidnisch geblieben zu sein. Die kirchliche Organisation scheint erst gegen Ende des 6. Jahrhunderts entstanden zu sein. Die Magnaten bevorzugten Eigenkirchen unter ihrer direkten Kontrolle. Die Christianisierung der Sueben geht auf die Priscillianer, die es verabsäumten, heidnische Bräuche auszurotten, sowie auf den Heiligen Martin von Braga und Fructuosus von Braga zurück. 561 und 572 fanden in Braga Konzile statt, die heidnische Praktiken verdammten, aber noch am Ende des 7. Jahrhunderts musste Valerius von Bierzo die Existenz solcher beklagen.

Die im Jahr 711 beginnende maurische Eroberung der Iberischen Halbinsel hatte auf Galicien nur geringen Einfluss. Das erste Eindringen der Mauren in Galicien wird auf das Jahr 716 datiert. Für eine dauerhafte Ansiedlung der Mauren im galicischen Kerngebiet gibt es keine Hinweise. Lediglich in den Randzonen des Landes wurden wohl einige kleinere Gruppen von Berbern sesshaft. Eine Eingliederung Galiciens in das Herrschaftsgebiet von Al-Andalus erfolgte nicht. Etwa um 740 zogen sich die Mauren aus Galicien endgültig zurück. Aus den folgenden Jahrzehnten sind jedoch immer wieder maurische Raubzüge in galicisches Gebiet bekannt.

Im Jahr 813 wurden in einem Grab in der heutigen Stadt Santiago de Compostela die dort vermuteten Gebeine des Apostel Jakobus (spanisch Santiago), einem der zwölf Apostel Jesu, gefunden. Der Fundort wurde etwa um 830 - zur Zeit des Bischofs Theodemir von Iria Flavia - zum Wallfahrtsort. In der Folgezeit pilgerten gläubige Christen aus ganz Europa auf dem Jakobsweg nach Galicien, um das Grab von Jakobus zu besuchen. 1075 wurde der Grundstein für die Kathedrale von Santiago de Compostela gelegt, die im Jahr 1211 geweiht wurde.

Im 10. und 11. Jahrhundert war Galicien jeweils kurzzeitig ein selbstständiges Königreich. Im Jahr 1065 wurde Don García zum König von Galicien ausgerufen. Galicien war ansonsten Teil des Königreiches León. Im 13. Jahrhundert fiel Galicien zusammen mit León an die kastilische Krone.

1833 wurde das Königreich Galicien formell aufgelöst und in vier Provinzen aufgeteilt, die direkt der spanischen Zentralregierung unterstanden.

Die sich unter anderem aus der Abgelegenheit der Region ergebende wirtschaftliche Rückständigkeit Galiciens führte im 19. Jahrhundert zu dem Beginn einer Massenauswanderung. Zwischen 1836 und 1980 wanderten rund 2,5 Millionen Menschen aus. Das beliebteste Ziel war Lateinamerika (u. a. Argentinien, Brasilien). Als Resultat dieser damals beginnenden Auswanderungswelle leben noch gegenwärtig rund 1,4 Millionen Galicier (2003) in der Emigration, wobei mit dem wirtschaftlichen Aufschwung Spanien etwa seit 1980 eine Rückkehrbewegung eingesetzt hat.

Im Zuge der Demokratisierung Spaniens in den 1970er Jahren wurde Galicien neben Katalonien, Navarra und dem Baskenland als eine der historischen Nationalitäten Spaniens anerkannt und erhielt deshalb 1980/1981 als eine der ersten Regionen Spaniens ein Autonomiestatut. Seitdem ist es eine der Autonomen Gemeinschaften Spaniens.

Die Jahre zwischen 1989 und 2005 waren dabei auf Ebene der Autonomen Gemeinschaft von einer klaren absoluten Mehrheit des konservativen Partido Popular unter dem Regierungschef Manuel Fraga Iribarne geprägt.

In den letzten Jahren gab es vor der Küste von Galicien mehrere Öltanker-Havarien. In das Blickfeld der internationalen Öffentlichkeit gelangte insbesondere die schwere Havarie des Tankers Prestige im Jahr 2002 (siehe auch Ölpest). Diese war Ausgangspunkt für die umfassende Bürger- und Sozialbewegung „Nie wieder!“ (Nunca Mais).

Nach den Regionalwahlen von 2005 wurde die Regierung des Partido Popular durch eine Koalitionsregierung aus Partido Socialista de Galicia und Bloque Nacionalista Galego unter dem neuen Regierungschef Emilio Pérez Touriño abgelöst.

Politik

Galicien hat den Status einer Autonomen Gemeinschaft innerhalb des Königreichs Spanien und verfügt über ein eigenes regionales Parlament. Die Regionalregierung heißt Xunta de Galicia.

Die politische Landschaft Galiciens wird durch die regionalen Ableger der großen spanischen Volksparteien Partido Popular (hier: Partido Popular de Galicia - PPG) und Partido Socialista Obrero Español (hier: Partido Socialista de Galicia - PSdeG) sowie der linksnationalistischen Regionalpartei Bloque Nacionalista Galego (BNG) bestimmt.

Bei den Regionalwahlen am 19. Juni 2005 erzielte der Partido Popular, mit dem für eine fünfte Amtszeit kandidierenden Manuel Fraga Iribarne an der Spitze, 44,9 % der Stimmen (37 Sitze) und verpasste damit knapp die erneute absolute Mehrheit. Die Sozialisten, die 32,5 % (25 Sitze) der Stimmen auf sich vereinigten sowie der BNG mit 19,6 % (13 Sitze) verfügten damit über eine knappe Mehrheit im Regionalparlament. Die Vereinigte Linke (Izquierda Unida) erzielte bei den Wahlen am 19. Juni 2005 0,8 % (0 Sitze) der Stimmen.

Nach der Bildung einer Koalitionsregierung aus PSdeG und BNG wurde Emilio Pérez Touriño vom PSdeG am 29. Juli 2005 vom galicischen Parlament zum Nachfolger von Manuel Fraga Iribarne als Regierungschef gewählt und trat am 2. August 2005 sein Amt an.

Partei Prozent Sitze 2005 Sitze 2001
PP 44,9% 37 41
PSdeG 32,5% 25 17
BNG 19,6% 13 17
EU-IU 0,8% 0 0

Politische Gliederung

Die Autonome Gemeinschaft Galicien gliedert sich in die vier Provinzen A Coruña, Lugo, Ourense und Pontevedra. Die Provinzen umfassen ihrerseits 53 Landkreise mit 315 Gemeinden und 3.781 so genannten Parroquias.

Bemerkenswert ist, dass Galicien mit einem Anteil von lediglich 5,8 Prozent an der Gesamtfläche Spaniens über die Hälfte der Ortschaften Spaniens umfasst. Im Jahre 1996 waren es 20.947, von denen einige jedoch nur ein einziges Haus zählten.

Provinz Einwohner Hauptstadt Gemeinden
A Coruña (La Coruña) 1.120.814 A Coruña (La Coruña) Liste
Lugo 360.512 Lugo Liste
Ourense (Orense) 342.213 Ourense (Orense) Liste
Pontevedra 927.555 Pontevedra Liste

Wirtschaft und Infrastruktur

Galicien ist eine der ärmeren Regionen Spaniens. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag 2002 bei 36,8 Milliarden Euro. Das Pro-Kopf-BIP lag bei 13.391 Euro und damit auf einem Niveau, das sich lediglich auf 79 Prozent des spanischen Pro-Kopf-BIP belief. Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht Galicien einen Index von 88 (EU-27:100) (2006) [4].

Die Wirtschaftsstruktur des Landes wird von klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) dominiert. Insgesamt gab es im Jahr 2003 174.083 Unternehmen in Galicien, von denen 173.935 (99,9 Prozent) den klein- und mittelständischen Unternehmen (zwischen 0 und 249 Beschäftigte) zuzurechnen waren. Rund 94,9 Prozent der Unternehmen in Galicien gehörten zu der Gruppe der Kleinstunternehmen (0 bis 9 Beschäftigte). Die Anzahl von Großunternehmen in Galicien ist im Vergleich mit dem spanischen Gesamtstaat unterentwickelt.

Von besonderer Bedeutung in Galicien sind die Landwirtschaft und der Fischfang. Dabei überwiegt die Bedeutung der Landwirtschaft im Osten des Landes und die Industrie sowie die Großhäfen im Westen.

Die Beschäftigung der galicischen Wirtschaft verteilte sich 2003 prozentual wie folgt auf die wirtschaftlichen Sektoren:

Die durchschnittliche jährliche Arbeitslosenquote betrug im Jahr 2006 (bis zum dritten Quartal) 8,63 %. Die Jugend, d. h. der Bevölkerungsteil mit dem besten Ausbildungsniveau, verzeichnet die höchste Arbeitslosenquote.

Importe: 9,4 Milliarden Euro: 32 Prozent Autos, 14 Prozent Fisch/Meeresfrüchte, 13 Prozent Mineralien hauptsächlich aus Frankreich und Portugal, aber auch aus anderen EU-Staaten.

Exporte: 9,3 Milliarden Euro: 50 Prozent Autos, 8 Prozent Fisch/Meeresfrüchte, 5 Prozent Kleidung hauptsächlich nach Frankreich und Portugal, aber auch in andere EU-Staaten.

Waldbrände

Verglichen mit dem übrigen Spanien wird Galicien jedes Jahr im Sommer von überdurchschnittlich vielen Waldbränden heimgesucht. Im Jahr 2006 erreichten die Brände einen vorläufigen Höhepunkt: Nach amtlichen Angaben verbrannten innerhalb zweier Wochen zu Beginn des Monats August rund 70.000 Hektar Wald und Buschland; gezählt wurden über 1.600 Brandherde. Bei diesen Feuern kamen auch Menschen zu Schaden (vier Tote) und Häuser wurden zerstört; der Rauch der brennenden Wälder führte zu einem erheblichen Smog an der Küste, zeitweise mussten deshalb sogar Straßen gesperrt werden. Der Gesamtschaden wird allein 2006 auf 500 Millionen Euro geschätzt. Die Ursachen für diese Brände - die zunächst verwundern, da Galicien im Vergleich zum übrigen Spanien sehr feucht und regenreich ist - sind vielfältig. Einerseits sind die Wälder Galiciens großteils Monokulturen aus Eukalyptus und Nadelgehölzen, die besonders leicht entflammbar sind. Die Wälder gelten auch als „vernachlässigt“, d.h. nur mangelhaft bewirtschaftet; viel trockenes Unterholz trägt zur Ausbreitung von Feuern bei. Neben natürlichen Bränden durch Blitzschlag oder Selbstentzündung bei Hitze sind jedoch viele Brände auf Brandstiftung zurückzuführen. Diese rühren teilweise von Bodenspekulationen, die trotz eines Gesetzes, wonach Brandflächen 30 Jahre nicht bebaut werden dürfen, weitergehen, aber auch von irrationalen Motiven: So ist es in Galicien eine alte Tradition, Familien-, Geschäfts- oder politische Probleme durch Brandstiftung „zu regeln“ (d. h. der Brandstiftung liegt ein Racheakt zugrunde); auch wurden schon Feuerwehrleute der Brandstiftung überführt, da die meist privaten Feuerwehren Prämien für Einsätze bekommen. Schließlich kommen auch unachtsam weggeworfene Zigarettenkippen und Grillfeuer mitunter als Ursachen in Betracht. Die Vielfalt der Ursachen machen eine wirkungsvolle Bekämpfung bzw. Prävention sehr schwierig. Allerdings haben die sehr starken Feuer 2006 in der Bevölkerung offenbar einen Umdenkprozess eingeleitet. Man besinnt sich zunehmend des ökologischen und ökonomischen Werts der Wälder.

Insbesondere die galicischen Brände haben zur Annahme einer Entschließung des Europäischen Parlaments am 6. September 2006 geführt [5], die von einer fraktionsübergreifenden Gruppe von Parlamentariern eingebracht wurde. Darin wird die EU-Kommission u. a. aufgefordert, für eine nachhaltige Entwicklung der Wälder Europas Sorge zu tragen sowie Maßnahmen zur Prävention von Waldbränden und Überschwemmungen zu entwickelt und besser zu koordinieren.

Sehenswürdigkeiten

Kultur

Literatur

Die Wurzeln der galicischen Literatur reichen bis in das 12. Jahrhundert zurück. Der älteste bekannte und noch erhaltene literarische Text in galicischer Sprache ist ein 1196 komponierter Lobgesang von Xoán Soares de Pavia. Insgesamt sind 170 Autoren mittelalterlicher Lobgesänge bekannt. Obwohl die galicische Sprache auch während des 16. bis 18. Jahrhunderts die verbreitetste Sprache in Galicien war, gibt es für diesen Zeitraum kaum literarische Zeugnisse; dieser Zeitraum wird in Galicien als die „dunklen Jahrhunderte“ (galicisch: Os Séculos Escuros) bezeichnet. Erst das Jahr 1863 kennzeichnet den Beginn des so genannten Rexurdimento, der sprachlich-literarischen Wiedergeburt. In diesem Jahr wird das Werk Cantares gallegos (Lieder aus Galicien) von Rosalía de Castro veröffentlicht. Das Werk dieser Lyrikerin, zusammen mit den Werken von Curros Enríquez (Aires da miña terra, 1880) sowie Eduardo Pondal (Queixumes dos pinos, 1886), stellt die Wiedergeburt des Galicischen in der spanischen Literatur dar. In den Werken dieser Autoren und insbesondere bei Pondal drücken sich deutliche Bestrebungen galicischer Literaten aus, die galicische Literatur weiterzuentwickeln.

Zu den in Spanien bekanntesten galicischen Schriftstellern, die jedoch überwiegend in spanischer Sprache schrieben, gehören auch Ramón María del Valle-Inclán, Camilo José Cela (Nobelpreisträger für Literatur) sowie Torrente Ballester.

Nach dem Ende des Franco-Regimes, das die Veröffentlichungen in galicischer Sprache untersagte, erlebte die galicische Literatur eine erneute Phase des Aufschwunges. Im Jahre 1998 wurden insgesamt 1.106 Bücher auf Galicisch veröffentlicht. Die Gesamtauflage dieser Bücher lag bei knapp zwei Millionen Exemplaren. Die in der Gegenwart populärsten galicischen Autoren sind Xosé Neira Vilas, Manuel Rivas, Suso de Toro und X. L. Méndez Ferrín.

Musik

Traditionelle galicische Musik wird geprägt vom Einsatz von Dudelsack (galicisch Gaita), Leier und Harfe. Außerdem spielen Perkussionsinstrumente wie Tamboril (Kleine Trommel) oder Pandereta (Pandeiro) eine wichtige Rolle. Die Musik erinnert an die Musik aus keltischen Gebieten wie Irland oder die Bretagne und erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit in Galicien.

Eine frühe literarische Erwähnung der Nutzung der Gaita in Galicien findet sich in der Punica, einem Gedicht von Silius Italicus über den Zweiten Punischen Krieg. Dort heißt es:

Fibrarum et pennae divinarumque sagacem
flammarum misit dives Callaecia pubem,
barbara nunc patriis ululantem carmina linguis,
nunc pedis alterno percussa verbere terra,
ad numerum resonas gaudentem plauder caetras. (Buch III.344-7)

Die Caetras und Gaethas, die Silius Italicus hier erwähnt, sind Sackpfeifen aus Callaecia.

Als erster namentlich überlieferter gaiteiro (deutsch Dudelsackspieler) Galiciens gilt Johan Gonçalves, der 1374 in Monfero lebte.

Wichtige Vertreter der traditionellen galicischen Musik, die teilweise auch international Beachtung gefunden haben, sind etwa die Gruppen Milladoiro oder Fuxan os Ventos. Insbesondere Milladoiro wurde bereits vor Jahren international auf dem Gebiet keltischer Folkmusik bekannt.

Musiker, die zwar fest in der traditionellen galicischen Musik verwurzelt sind, aber auch neue Wege suchen sind u. a. Berrogüetto, Carlos Núñez, Luar na Lubre, Pancho Alvarez, Susana Seivane, Cristina Pato und Xosé Manuel Budiño. Auch diese Musiker konnten in der internationalen Folkszene einige Bekanntheit erlangen.

Feste

In Galicien werden jedes Jahr über 4.000 Ortsfeste gefeiert, zu denen noch unzählige Wallfahrten, gastronomische Feiern und andere Traditionen, wie der Karneval, kommen.

Religiöse Feste

Historische Feste

Einige jährlich begangene Feste mit historischen Hintergrund sind:

Gastronomie

In den Küstenregionen spiegelt sich die Nähe zum Atlantischen Ozean wider. Zu den Spezialitäten der galicischen Küche gehören hier diverse Krusten- und Schalenweichtiere. Zu diesen zählen u. a. Entenmuscheln (galicisch percebes), Austern (ostras), Langusten (lagostas) und Jakobsmuscheln (vieiras). Auch diverse Fischsorten stehen hier regelmäßig auf dem Speiseplan. Dazu gehören etwa der Seehecht (merluza) oder der gesalzene Stockfisch (bacallau). Typisch für Galicien sind zudem deftige Eintöpfe (z.B. caldo galego), der pulpo á feira (Krake nach galicischer Art) oder die empanada. Dieses überwiegend aus Teig und einer würzigen Füllung bestehende Gericht ist eine der beliebtesten Speisen der traditionellen galicischen Küche und wurde bereits im Jahr 1188 im Glorienportal der Kathedrale zu Santiago de Compostela dargestellt.

Derzeit gibt es fünf Herkunftsbezeichnungen (Denominacións de Orixe) für Weine aus Galicien. Dies sind Ribeiro, Valdeorras, Rías Baixas, Ribeira Sacra, und Monterrey.

Siehe auch: Weinbau in Spanien

Sport

Ein Fußballverein aus der spanischen Primera División ist in Galicien beheimatet:

Dazu kommen zwei Team aus der Segunda División:

Literatur

Tobias Büscher: Galcien & Jakobsweg, DuMont 2008

 Wiktionary: Galicien – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

Quellen

  1. Erhebung des Instituto Nacional de Estadísticas, http://www.ine.es/
  2. http://www.ine.es/inebase/cgi/axi?AXIS_PATH=/inebase/temas/t20/e260/a2006/l0/&FILE_AXIS=ccaa01.px&CGI_DEFAULT=/inebase/temas/cgi.opt&COMANDO=SELECCION&CGI_URL=/inebase/cgi/ Instituto Nacional de Estadistica
  3. culturagalega.org: „O primeiro dos reinos“ www.culturagalega.org, 5. Juli 2004
  4. http://www.ine.es/prensa/np488.pdf Instituto Nacional de Estadistica
  5. PE 378.317v01-00 bzw. B6‑0460/2006