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Edelknecht

Ein Edelknecht (Armiger) war ein adliger, ritterbürtiger, erwachsener, aber noch nicht zum Ritter geschlagener oder mit dem Schwert umgürteter mittelalterlicher Krieger.

Der Begriff Edelknecht wird allerdings in der Literatur und Dichtung nicht einheitlich verwendet. Oft werden auch Knappen oder ritterliche Dienstmannen als Edelknechte bezeichnet. In den zeitgenössischen lateinischen Quellen erscheinen Edelknechte u.a. als "servientes equites, servientes loricati, famuli, scutiferi, satellites equestres, clientes oder servientes armati ut milites". Diese Begriffe können wiederum auch nicht ritterbürtige Sergenten (franz: "sergents à cheval") bezeichnen, also nach ritterlicher Art bewaffnete Krieger nichtritterlicher Abstammung.

Ritter und Edelknecht

Die meisten Angehörigen des niederen Dienstadels mussten aus wirtschaftlichen Gründen auf den Erwerb der Ritterwürde verzichten. Häufig ermöglichte man nur dem ältesten Sohn einer Familie den Ritterstand, seine Brüder mussten Edelknechte bleiben. Für das tägliche Leben hatte dies wenig Bedeutung, allenfalls bei Turnieren wurden Unterschiede zwischen Rittern und Knechten gemacht. Die drei Ritterpferde standen nur „richtigen“ Rittern zu, Edelknechte mussten sich mit zweien begnügen, wurden aber meist zum Turnier zugelassen.

Eine sichtbare Unterscheidung zwischen Edelknechten und Rittern war ursprünglich der Schwertgurt, der das eigentliche Symbol der Ritterwürde war (Schwertleite). Nichtritterliche Krieger befestigten das Schwert üblicherweise am Sattel.

Neben den finanziellen Aspekten haben sicher auch familiäre Gesichtspunkte zum Verzicht auf die Erlangung der Ritterwürde beigetragen. Ein Ritter musste üblicherweise eine lange Ausbildungszeit als Page und Knappe auf der Burg eines befreundeten Ritters oder Hochadligen absolvieren. Auch wenn die Burg des „Ausbilders“ oft nicht allzu weit entfernt lag, dürfte die Trennung von der Familie für beide Seiten nicht einfach gewesen sein. Trotz der hohen Kindersterblichkeit damaliger Zeiten waren die emotionalen Bindungen zwischen Eltern und Kindern damals vermutlich nicht weniger eng als heute, auch wenn einige moderne Soziologen und Historiker dies anders sehen mögen.

Der niedere Adel, der den größten Teil der Ritter und vor allem der Edelknechte stellte, war nicht nur ein Berufskriegerstand. So waren die mitteleuropäischen Kleinadligen mehr größere Bauern und Gutsverwalter als Soldaten, so dass die Ritterwürde im Alltag entbehrlich war.

Einigen Edelknechten wurde wegen besonderer Tapferkeit oder anderer Verdienste sogar mehrmals die Ritterwürde verliehen. Allerdings waren diese „Promotionen“ eher von symbolischem Charakter, vergleichbar einer Ordensverleihung. Den Ausgezeichneten fehlte meist die wirtschaftliche Grundlage, um die Ritterwürde dauerhaft anzunehmen. Der ständige Unterhalt der drei üblichen Ritterpferde und der entsprechenden Anzahl an Knechten war diesen Niederadligen aus finanziellen Gründen meist unmöglich oder einfach zu teuer. Auch die Ausrichtung einer standesgemäßen „Promotionsfeier“, bei der üblicherweise die gesamte umliegende Adelsgesellschaft eingeladen werden musste, dürfte viele abgeschreckt haben. Als Edelknecht war man auch als „Ausbilder“ eines jungen Ritters ungeeignet, sparte sich hier also erheblichen zusätzlichen finanziellen und zeitlichen Aufwand.

Die gleichzeitige Ritterpromotion vieler Edelknechte war vor allem anlässlich größerer Schlachten üblich. Wenn die Zahl der ausgezeichneten Knechte auch häufig übertrieben überliefert sein dürfte, wurden sie manchmal schon vor der Schlacht zur Hebung der Kampfmoral ausgesprochen. Die Promotion nach dem Kampf war als besondere Ehrung tapferer Krieger weitaus häufiger. Hier zählte die Leistung mehr als die Herkunft, auch Bauern und Handwerker wurden gelegentlich derart ausgezeichnet. Auch anlässlich von Turnieren oder Hochzeiten kamen Massenpromotionen vor. Wie erwähnt blieben diese Promotionen oft ohne Auswirkungen auf den tatsächlichen Stand des Geehrten.

Aus allen diesen wirtschaftlichen und familiären Gründen verzichteten auch etliche wohlhabende Adlige auf die Ritterwürde. Dies scheint im späteren Mittelalter so überhand genommen zu haben, dass sogar regional Gesetze und Verordnungen erlassen werden mussten, die Ritterwürde bei entsprechendem Vermögen also verbindlich vorgeschrieben wurde.

Allerdings versuchten einige Feudalherren auch systematisch, die Entstehung eines mächtigen und wohlhabenden Ritterstandes zu unterdrücken. Edel- und insbesondere nicht ritterbürtige Kriegsknechte waren einfach „preiswerter“ und leichter zu kontrollieren. In Zuge des allgemeinen Niederganges des Rittertums wuchs die Zahl der Edelknechte, arme „Ritter“ waren also meist gar keine.

Der Begriff Ritter umfasste ursprünglich alle berittenen Krieger, später wandelte er sich zur Standesbezeichnung. In den Augen der Bevölkerung waren Edelknechte auch „Ritter“, bis heute werden diese beiden unterschiedlichen Versionen des „Rittertums“ leider auch in der seriösen wissenschaftlichen Literatur nicht deutlich genug unterschieden. Allerdings erleichtert diese Unterscheidung das Verständnis des gesellschaftlichen Phänomens Ritterschaft und besonders seines Unterganges deutlich.

Quellen und Nachweise

1264

8 (1851), S. 550

1311

ain todslag von graven, freien, dinstmannen, ritter oder edlen knecht, das sol steen an unsern gnaden...

1316

wir ritter und eidelknechte und die burgere gimenlich...

1. Viertel des 14. Jahrhunderts

manic edel kneht, biderb unde frumic, baten do den kunic, daz er si ritter werden liez

www.deutsches-rechtswoerterbuch.de

Rixner

Eine der wertvollsten und leicht zugänglichen Quellen zur "Edelknechtschaft" ist das "Turnierbuch" Georg Rixners (1530). In den Turnierlisten werden die Ritter und Edelknechte besonders bei spätmittelalterlichen Turnieren getrennt, oder die Ritterwürde wird hinter dem Namen erwähnt. Die Anzahl der Edelknechte übertrifft die der Ritter bei weitem. Manchmal waren weniger als ein Viertel der Teilnehmer Ritter. Die nichtritterlichen Kämpfer werden als "Edle", "Knecht" und "Edelknecht" bezeichnet. Das nur in drei Originalexemplaren erhaltene Werk wurde der Forschung 1997 als Reprint zugänglich gemacht.

Literatur