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Cabernet Sauvignon

Der Cabernet Sauvignon ist eine rote Rebsorte. Die Rebe hat so große Bedeutung erlangt und ist so begehrt, dass sie in die Nobilität der Weinwelt aufrückte und als Edelrebe bezeichnet wird.

Beheimatet ist sie im Bordelais, hat aber von hier ihren Siegeszug in die ganze Weinbau-Welt angetreten, in jüngerer Vergangenheit verstärkt auch nach Übersee. Mit rund 200.000 Hektar Rebfläche weltweit liegt sie an siebenter Stelle, wurde aber von der Sorte Merlot als am weitesten verbreitete rote Qualitätssorte überrundet. Auch außerhalb ihrer Heimat behält die Sorte ihre Eigenart und ihren Charakter, wobei natürlich die Intensität der Charakteristika durch den Einfluß der Böden oders des Klimas variieren können.

Wiedererkennungsmerkmale des Cabernet Sauvignons sind der charakteristische Traubengeruch von schwarzen Johannisbeeren (Cassis), der zum Teil durch einen Geruch von Zedernholz begleitet wird und die tiefdunkle Farbe der Weine. Darüber hinaus weisen die Weine immer einen konzentrierten Fruchtgeschmack mit einem tragenden Gerüst von Tanninen und Säure auf. Erschwert wird die Identifizierung der Traube im Wein durch die Tatsache, daß die Rebe kaum sortenrein angeboten wird.

Die Charakteristika der Rebsorte haben diverse Rebzüchter zu neue Kreationen angeregt. Während man im kühlen Weinbauklima insbesondere die tiefe Farbe der Weine mit einer frühen Reife zu kombinieren versucht, liegt das Hauptaugenmerk im warmen Anbauklima auf finessenreiche Sorten mit entsprechender Hitzefestigkeit.

Abstammung: Cabernet Franc x Sauvignon Blanc (durch DNA-Analyse 1997 nachgewiesen)

Inhaltsverzeichnis

Charakter und Ausbau

In seiner Jugend ist der Wein aus der Cabernet-Sauvignon-Rebe fruchtig, rau und gerbstoffbetont mit kräftiger „Nase“. Ein guter Cabernet-Sauvignon verwöhnt im Laufe seiner Reifung zunehmend mit feinen Röstaromen, Aromen von schwarzen Johannisbeeren, oft auch an Lakritze erinnernd und grüne Paprika.

Der Cabernet verbringt häufig 15 - 18 Monate und seltener bis zu 30 Monate im neuen oder gebrauchten Eichenfass (oder Barrique) aus Frankreich, Slowenien oder Amerika. Diese Lagerung verleiht, wenn sorgfältig ausgeführt, dem Wein Röst- oder Vanille-Aromen und mildert die Strenge der Tannine. Durch diesen Ausbau kann der Winzer speziell den Cabernet stark beeinflussen, die Tannine betonen oder ihm einen Eichengeschmack geben.

Diese Weine bestechen weniger durch die Art, vielmehr durch die Feinheit ihrer Aromen. Wenn die Traube voll ausreifen kann, ergibt sie vielschichtige gerbstoffreiche Weine. Als spätreifende Sorte muss sie in warmen Ländern stehen, damit der Wein nicht grasig oder nach grünem Pfeffer schmeckt. Die Trauben sind mittelgross und dicht mit dunkelblauen, dickschaligen Beeren besetzt.

Die Sorte wird in ihrer Heimat Bordeaux nur relativ selten pur angeboten, da sie sich hervorragend zum Verschnitt mit anderen Rebsorten (dort mit Merlot und Cabernet Franc, gelegentlich auch Malbec und Petit Verdot; in Übersee auch mit Syrah) eignet und der Verschnitt, die „Cuvée“, oftmals noch ein wenig besser ist als die zur Herstellung verwendeten Einzelweine.

Ampelographische Sortenmerkmale

In der Ampelographie wird der Habitus folgendermaßen beschrieben:

Der Cabernet Sauvignon verfügt über einen aufrechten und kräftigen Wuchs. Sie treibt spät aus und entgeht daher meist den Frühjahrsfrösten. Die Rebsorte ist sehr anfällig gegen die Rebkrankheiten Echter Mehltau (auch Oidium genannt), Eutypiose und die Schwarzzfleckenkrankheit. In südlichen Anbaugebieten wie Regionen im Languedoc kann es zu Trockenstreß kommen, wobei die Symptome nicht schwerwiegender wie beim Merlot sind. Weniger anfällig ist der Cabernet Sauvignon gegen den Falschen Mehltau der Weinrebe. Die Dicke der Beerenschale schützt vor Grauschimmelfäule; die Beeren können daher lange am Stock reifen. Die Geiztriebbildung ist gering. Dadurch ist der Aufwand der Rebenpflege geringer als bei vergleichbaren Sorten birgt aber die Gefahr, daß bei einer Erkrankung eines Jungtriebs kaum neue Triebe nachwachsen. Die robuste Beerenschale und das feste Holz ermöglicht auch eine maschinelle Lese mit dem Vollernter.

Die Trauben reifen Anfang bis Mitte Oktober, physiologisch ca. 12 - 15 Tage später als die des Gutedels.

Herkunft

Es wird häufig behauptet (wahrscheinlich fälschlicherweise), der Cabernet Sauvignon sei in Frankreich bereits im Jahre 1635 urkundlich erwähnt. Damals sandte Kardinal Richelieu dem Abbé Breton aber wahrscheinlich mehrere tausend Rebstöcke der Sorte Cabernet Franc, eine Sorte die an der Loire auch heute noch eine wichtige rote Rebsorte darstellt.

Der Synonymname Bidure bot Anlass zur Vermutung, dass sie von der von Plinius dem Älteren (23-79) erwähnten, antiken Sorte Biturica abstammen könnte.

Das Synonym Vidure hat seine Wurzeln im lokalen Dialekt und heißt übersetzt hartes Holz (siehe auch in französisch : vigne dure), eine Bezeichnung, die die Rebsorte mit dem Carmenère teilt.

Erst ab Ende des 18. Jahrhunderts trat die Sorte im Bordeaux verstärkt in Erscheinung, besondere Verdienste werden Armand d´Armailhacq und Baron Hector de Brane zugeschrieben. Heute dominiert sie vor allem in den großen Weinen des Médoc.

Im Jahr 1997 veröffentlichten John E. Bowers und Prof. Carole P. Meredith von der University of California, Davis eine Studie, in der durch DNA-Analyse mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Verwandtschaft zwischen dem Cabernet Sauvignon und den Sorten Cabernet Franc und Sauvignon Blanc aufgezeigt wird. [1] Auf eine engere Beziehung zum Cabernet Franc wurde in der Literatur schon lange hingewiesen. Die Beziehung zum Sauvignon Blanc überraschte jedoch. Der Namensteil Sauvignon deutet eigentlich darauf hin, dass man davon ausging, die entsprechende Rebsorte sei eine direkte Selektion von Wildreben (sauvage bedeutet auf franz. wild) , eine Eigenschaft die man sowohl dem Sauvignon Blanc als auch dem Cabernet Sauvignon zuschrieb.

Mutationen

Viele Rebsorten wie Grenache oder auch der Spätburgunder neigen zur Bildung von Mutationen. So ist nachgewiesen, dass der Grauburgunder und der Weißburgunder Mutationen des Spätburgunders sind. Ahnliche Veränderungen sind auch beim Grenache bekannt. Lange Zeit war jedoch keine Rebsorte bekannt, die durch eine Mutation aus dem Cabernet Sauvignon hervorging.

Im Jahr 1977 fand man jedoch in einem Weinberg von Clegett Wines in Australien eine graue Variante (häufig auch als bronzefarbenen Variante beschrieben). Diese neue Sorte wurde Malian benannt und erbringt blassfarbene Rotweine, die ab 1991 vermarktet wurden. Später fand man bei Clegett auch eine weiße Variante. Dieser weiße Cabernet Sauvignon (White Cabernet) wurde auf Namen Shalistin getauft [2] Während Malian noch über Anthocyanine in der oberen Schicht der Beerenschale verfügt, sie aber in der unteren Schicht der Epidermis verloren hat, fehlen die Farbpigmente beim Shalistin völlig.

Die Sorte Malian scheint aus einer Mutation der DNA-Abschnitte VvMYBA1 oder VvMYBA2 aus dem Cabernet Sauvignon entstanden zu sein. Der genetische Fingerabdruck aller drei Sorten ist identisch.

Klone

Allein in Frankreich gibt es 25 für den gewerblichen Anbau anerkannte Klone, die aber auch auf internationaler Ebene eine große Rolle spielen. Am weitesten verbreitet ist Klon 15, der bei einer hohen Ertragsleistung noch gute Mostgewichte einbringt und aufgrund seiner vergleichsweise guten Hitzeverträglichkeit in Südfrankreich zum Einsatz kommt.

Klon 337 verfügt über eine mittelgute Ertragsleistung. Die Weine sind im Gegenzug reicher an Anthocyanen und sind sehr ausgewogen. Über einen ähnlichen Ertrag wie Klon 337 verfügt auch Klon 341, der wegen guter Qualität und seines regelmäßigen Ertrags geschätzt wird.

Weit verbreitet sind ebenfalls die Klone 169, 170, 188, 190, 191, 335, 336, 338, 340, 412 und 685.

Neuzüchtungen

Die tiefe Farbe und die Finesse der Weine aus Cabernet Sauvignon haben viele Rebzüchter dazu veranlasst, den Sortencharakter der Sorte sowohl in Zonen kühlen Klimas als auch in Zonen heissen und trockenen Klimas hineinzutransportieren.

Die Sorten Baron, Cabernet Cortis und Cabernet Carbon wurde am Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg durch Norbert Becker gekreuzt. Züchtungsziel war das Finden pilzwiderstandsfähiger Rebsorten mit hoher Farbkraft bei kühlem Klima. Die Sorte Cabernet Cantor gehört nicht in diese Familie von Rebsorten.

In den 1970er Jahren stellte die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg in Weinsberg die Sorten Cabernet Cubin, Cabernet Dorsa, Cabernet Dorio und Cabernet Mitos vor. Hier stand eher die Winterhärte bei gleichzeitig guter Farbkraft im Vordergrund.

Carminoir ist eine rote Neuzüchtung der Agroscope RAC Changins Schweiz aus Blauburgunder mit Cabernet Sauvignon aus dem Jahr 1982.

Die Rebsorten Marselan und Ruby Cabernet gehören zu den Varianten, die auf der Suche nach finessereichen Weine aus hitzebeständigen Sorten entstanden. Marselan entstand in Südfrankreich und Ruby Cabernet ist eine Kreuzung von Harold Olmo aus Kalifornien.

Verbreitung

Fast jedes Land mit nennenswertem Weinbau hat Cabernet in seinen Weinbergen. Die besten sortenreinen Cabernets werden in Kalifornien und der Toskana hergestellt. In Kalifornien gilt der reinsortige Ausbau als die höchste Vollendungsstufe und liefert Weine der Weltklasse. Cuvées mit Cabernet werden dort oft als Bordeaux-Blends bezeichnet.

Berühmt sind die „Sassicaia“-Weine des Weingutes „Tenuta San Guido“ in der Toskana. Der Sassicaia von 1985 erzielt im Handel nicht selten einen vierstelligen Preis. Da diese Weine den italienischen Weinvorschriften zu Folge als Cabernet-Weine nicht dem Rebsortenspiegel für Qualitätsweine entsprechen, firmieren sie in der Regel als Vino da Tavola (Tafelwein), der untersten Stufe der Qualitäts-Skala. Die Unsinnigkeit dieser Einstufung ist inzwischen erkannt, und zahlreiche toskanische Anbaugebiete erlauben den reinsortigen Cabernet- oder auch Merlot-Ausbau. So ist für den Sassicaia eine eigene DOC Bolgheri gegründet worden.

In Australien ist der Cabernet Sauvignon nach der Syrah die zweitwichtigste rote Rebsorte mit insgesamt 28.621 Hektar bestockter Rebfläche (Stand 2005). In Argentinien stehen immerhin 16.900 Hektar in Ertrag.

Synonyme

Aufgrund seiner weiten Verbreitung und der längeren Geschichte ist die Liste der Synonyme umfangreich. Cabernet Sauvignon ist auch unter den Namen Bidure Bordaoux, Bordeaux, Bordo, Bouchet, Bouschet Sauvignon, Breton, Burdeaos Tinto, Caberne, Cabernet petit, Cabernet piccolo, Carbonet, Carbouet Castet, Dzanati, Epicier noir, Kaberne Sovinjon, Lafet, Lafite, Marchoupet, Menut, Navarre, Petit Bouchet, Petit Bouschet, Petit Cabernet, Petit Vidure, Petite parde, Petite Vidure, Sauvignon, Sauvignon rouge, Sauvignonne, Vaucluse, Veron, Vidure, Vidure petite und Vidure Sauvignonne.

Siehe auch

 Wiktionary: Cabernet Sauvignon – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
 Portal: Wein – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Wein

Einzelnachweise

  1. [1] The parentage of a classic wine grape, Cabernet Sauvignon von John E. Bowers & Carole P. Meredith vom Department of Viticulture and Enology, University of California, Davis, California; in Nature
  2. http://www.springerlink.com/content/8j11q77863474jv3/ Amanda R. Walker, Elizabeth Lee and Simon P. Robinson von CSIRO Plant Industry, Adelaide Laboratory.

http://www.vivc.bafz.de/datasheet/dataResult.php?data=1929 Cabernet Sauvignon in der Datenbank des Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof

Literatur