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Abraham

Dieser Artikel behandelt den biblischen Patriarchen Abraham. Weitere Bedeutungen siehe unter Abraham (Name).

Abraham (hebr. אַבְרָהָם, im Islam arabisch ابرَاهِيم‎, Ibrahim), der Hirte und Herdenbesitzer, ist als Prophet eine zentrale Figur des Tanachs (Altes Testament), der ihn als Stammvater Israels beschreibt. Abrahams Geschichte wird in der Genesis bzw. Bereschit (1. Buch Mose) erzählt. Danach gehört er zusammen mit seinem Sohn Isaak und seinem Enkel Jakob zu den Erzvätern, aus denen laut biblischer Überlieferung die Zwölf Stämme des Volkes Israel hervorgingen.

Neben dem Judentum berufen sich auch der Islam und das Christentum auf Abraham als Stammvater. Darum bezeichnet man alle drei auch als abrahamitische Religionen. In ihrem Trialog spielt die Figur des Stammvaters eine große Rolle. Die Abrahamserzählung ist im ersten Buch Mose (Gen 12-25 EU) zu finden.

Inhaltsverzeichnis

Biblischer Abraham

Im 1. Buch Mose der Bibel wird seine Lebensgeschichte geschildert.

Abraham hieß ursprünglich Abram, hebr. Avram. Er ist als legendärer Stammvater der Semiten (Juden und Araber) bekannt.

Zusammen mit seinem Vater Terach und Lot, dem Sohn seines verstorbenen älteren Bruders Haran, war der chaldäische Hirte Abram aus seiner Heimat der sumerischen Stadt Ur in Chaldäa (dem Süden des heutigen Irak) nach Harran (bei Şanlıurfa, Türkei) gewandert, weil die Stadt Ur von Feinden besetzt worden war.

Es war die Zeit des Endes der Jungsteinzeit und des Beginns der Bronzezeit um 1900 vor Beginn der heutigen Zeitrechnung.

In Harran wurde er von Gott aufgefordert, in das Land Kanaan zu ziehen.

Als über das Land eine Hungersnot kam, zog Abram (mit Familie) nach Ägypten, um dort zu bleiben. Dort gab er seine Frau Sarai als seine Schwester aus, und sie wurde in das Haus des Pharao geholt ohne zu wissen, dass sie die Ehefrau von Abram war. Nachdem der Pharao dies erfahren hatte, beklagte er sich bei Abram über diese Lüge, gab ihm seine Frau zurück und bat ihn, das Land zu verlassen. Er gab ihm eine Begleitung mit, die ihn, seine Frau, und alles, was ihm gehörte, fortgeleiten sollten. [1]

Danach schließt Gott mit Abram einen „neuen“ Bund und gab Abram ( אַבְרָם) und seiner Frau Sarai ( שָׂרַי) neue Namen: Abraham ( אַבְרָהָם) und Sarah ( שָׂרָה). Das Land Kanaan will er der Überlieferung zufolge ihm und seinen Nachkommen geben. [2]

Seine 90-jährige Frau glaubte jedoch nicht dem Bericht ihres Mannes, dass sie ein Kind gebären wird und forderte ihn gemäß dem auch anderwärts bezeugten Rechtsbrauch auf, ihre junge Sklavin Hagar zu nehmen, mit der Abram seinen erstgeborenen Sohn Ismael zeugte. Hagar gebar ihn. [3]

In einer weiteren Erscheinung forderte Gott von Abraham und seinen Nachkommen fortan die Beschneidung als Bundeszeichen. Später sendet er erneut Engel zu Abraham, die ihm die Geburt eines Sohnes mit Sara ankündigen. Tatsächlich wird Sara schwanger und gebiert ein Jahr später Isaak, als Abraham hundert Jahre alt ist. (Dass Abraham wirklich so alt war und nicht das Alter etwa nach der Zahl der Ernten gezählt wurde, soll aus dem Bericht über die Sintflut in Genesis Kapitel 7 und 8 hervorgehen, wonach die Zeit vom 600. bis 601. Geburtstag von Noah 360 Tage betrug). Im Anschluss daran forderte Sara von Abraham die Verstoßung Hagars und Ismaels, weil sie in ihnen eine Gefahr für ihren Sohn sah. ("Eines Tages beobachtete Sara, wie der Sohn, den die Ägypterin Hagar Abraham geboren hatte, umhertollte. Da sagte sie zu Abraham: Verstoß diese Magd und ihren Sohn! Denn der Sohn dieser Magd soll nicht zusammen mit meinem Sohn Isaak Erbe sein." Gen 21,9 - 10) Hagar und Ismael werden in die Wüste geschickt. Dort werden sie von Gott und seinem Engel gerettet. [4] Mit ihm und der Familie seines Neffen Lot, der von den Engeln als einzig Gerechter der Zerstörung Sodoms im Tal des Jordans am Toten Meer entging, flohen sie nach Zoar, wo die Frau Lots zur Salzsäule erstarrte. Dort wurde Lot Stammvater aller Ammoniter und Moabiter; seine beiden Töchter schwängerten sich - laut Aussage der Bibel - selbst an ihm, weil kein Mann den Untergang überlebt hatte. Das Tote Meer wird von Arabern daher auch Lotsee genannt. Lot selbst wird als Prophet im Koran aufgeführt. Abraham jedoch zog mit seiner Familie weiter in die Berge von Kanaan.

Sowohl in seiner Heimatstadt Ur (im Süden des heutigem Irak) als auch in Harran, welches heute in der Türkei liegt, wurden damals die fast identischen Mondgötter Nanna (Stadtgott von Ur) und Sin (Orakel verkündender Mondgott von Harran) verehrt. Sein Symbol, der Stier, taucht später in der Geschichte Moses beim Empfang der Gesetzestafeln wieder auf, als sich das Volk wieder den alten Göttern zuwandte und ein goldenes Kalb (als Symbol des Mondgottes) schufen und anbeteten. Die biblische Erzählung der Akedah, nach der Gott Abrahams Glauben auf die Probe stellt, indem er ihm befiehlt, seinen Sohn Isaak zu opfern (Opferung Isaaks), spiegelt nach moderner Auslegung die Abkehr vom Menschenopfer wider. Menschenopfer waren in den Kulten der Bronzezeit häufige Praxis.

Abraham nahm also an, dass Gott, das Ewige Wesen, ein ihm geziemendes Opfer fordere. Der Widder, der jedoch anstatt Isaak geopfert wird, wird künftig bei allen Hirtennomaden geopfert (Schächten). Evangelikale Christen bringen diesen biblischen Mythos, in dem Gott lehrt, dass er keine Menschenopfer mag, mit dem Opfertod des christlichen Menschen-Gottes Jesus Christus in Verbindung.

Abraham wird des Weiteren auch im Stammbaum Jesu aufgeführt.

Die Erzählung vom „Beinahe“-Opfer des Isaak spielt nach dem biblischen Zeugnis auf einem Berg im Land Morija. Nach jüdischer Überlieferung handelt es sich hier um den Tempelberg in Jerusalem.

Abraham-Apokalypse

Die aus dem 2. Jahrhundert stammende Apokalypse beschreibt die Himmelfahrt Abrahams. Der ursprünglich aramäische oder hebräische Stoff ist jüdisch mit christlicher Überarbeitung, und zählt zu den außerkanonischen jüdisch-christlichen Schriften.

Abraham im Islam

Im Islam gilt Abraham (Ibrahim) als Prophet, welcher erkannte, dass es nur einen einzigen Gott gibt, wodurch er als Hanif und erster Gerechter angesehen wird. Die Wallfahrt nach Mekka (Hadsch) geht nach islamischer Auffassung auf Ibrahim zurück. Er habe dort, wo heute die Kaaba steht, eine Gedenkstätte an Gott wiedererrichtet, welche ursprünglich der Legende nach von Adam gebaut worden sein soll.

Der Vater Ibrahims ist nach koranischer Überlieferung Azar. Nach Gen. 11,26 ist Terach sein Vater. Azar entspricht dem biblischen Knecht Abrahams (Gen. 15,2).

Ibrahim wurde laut Koran gegen den erbitterten Widerstand seines Vaters zum Verkünder des Glaubens. Er zerstörte die Götzenbilder (Sure 21,58 und 37,88-96). Diese Götzendiener ergriffen ihn und warfen ihn ins Feuer. Er wurde errettet (21,68f.). Dieses Wunder veranlasste einige der Landsleute, darunter auch Lot (29,26), sich zum Glauben an Gott zu bekehren. Abraham wandert aus, wird aber - wie in der Genesis - einer schweren Glaubensprüfung unterzogen. Er soll seinen Sohn opfern. Als er die Bereitschaft zu diesem Opfer erkennen lässt, greift Gott ein und erlässt ihm die Tötung des Sohnes, statt dessen soll Ibrahim einen Widder opfern. Ibrahims Opfer gilt als Vorbild für das rituelle Opfern von Schlachtvieh während der Wallfahrtszeit in der Nähe von Mekka und das jährliche Islamisches Opferfest.

Sein Sohn Isma'il (Ismael), den ihm Hadschar (Hagar) gebar, gilt als Stammvater der Araber, Abraham selbst als Stammvater der Semiten allgemein. Die Muslime und Juden ehren sein Grab in Hebron (al-Chalîl).

Die 14. Sure des Koran ist nach Abraham/Ibrahim benannt [5].

Paulus Lehre über die Bedeutung von Hagar und Sara (Erzmutter)

In seinem Brief an die Galater schreibt er darüber [6].

„Sagt mir, die ihr unter dem Gesetz sein wollt: Hört ihr das Gesetz nicht? Denn es steht geschrieben, daß Abraham zwei Söhne hatte, den einen von der Magd, den andern von der Freien. Aber der von der Magd ist nach dem Fleisch gezeugt worden, der von der Freien aber kraft der Verheißung. Diese Worte haben tiefere Bedeutung. Denn die beiden Frauen bedeuten zwei Bundesschlüsse: einen vom Berg Sinai, der zur Knechtschaft gebiert, das ist Hagar; denn Hagar bedeutet den Berg Sinai in Arabien und ist ein Gleichnis für das jetzige Jerusalem, das mit seinen Kindern in der Knechtschaft lebt. Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie; das ist unsre Mutter. Denn es steht geschrieben (Jesaja 54,1): «Sei fröhlich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierst! Brich in Jubel aus und jauchze, die du nicht schwanger bist. Denn die Einsame hat viel mehr Kinder, als die den Mann hat.» Ihr aber, liebe Brüder, seid wie Isaak Kinder der Verheißung. Aber wie zu jener Zeit der, der nach dem Fleisch gezeugt war, den verfolgte, der nach dem Geist gezeugt war, so geht es auch jetzt. Doch was spricht die Schrift? «Stoß die Magd hinaus mit ihrem Sohn; denn der Sohn der Magd soll nicht erben mit dem Sohn der Freien» (1. Mose 21,10). So sind wir nun, liebe Brüder, nicht Kinder der Magd, sondern der Freien.“

Zitate

Siehe auch

Versuch einer zeitlichen Einordnung

Auf der Seite des ökumenischen Heiligenlexikons über Abraham steht, dass er "um 2000 v. Chr." lebte. [7]

Literatur

Fachlexika

Fussnoten

  1. Genesis, 12. Kapitel
  2. Genesis, 15. Kapitel
  3. Genesis, 16. Kapitel
  4. Genesis, 21. Kapitel
  5. The Holy Qur'an/Ibrahim
  6. Paulus Brief an die Galater 4,21 - 4,31
  7. Ökumenisches Heiligenlexikon über Abraham