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Continental AG

Koordinaten: 52° 23′ 10″ N, 9° 44′ 0″ O

Continental AG
Unternehmensform Aktiengesellschaft
ISIN DE0005439004
Gründung 1871
Unternehmenssitz Hannover
Unternehmensleitung
Mitarbeiter 153.587 (31. März 2008)
Umsatz 16,619 Mrd. Euro (2007)[1]
Branche Automobilzulieferer
Produkte

Reifen, Automobilelektronik und - mechatronik

Website www.conti.de

Die Continental AG (kurz Conti) ist ein deutsches Unternehmen mit Hauptsitz in Hannover. Es hat die Rechtsform einer Aktiengesellschaft. Vorstandsvorsitzender ist seit dem 11. September 2001 Manfred Wennemer. Dem Unternehmen gehören über 150.000 Mitarbeiter an, die an über 200 Standorten in 36 Ländern beschäftigt sind. [2] In Deutschland ist die Continental AG Marktführer in der Reifenproduktion, macht aber inzwischen mehr Umsatz als Automobilzulieferer von Fahrsicherheitstechnik (auch ESP).

Inhaltsverzeichnis

Unternehmensgliederung

Die Continental AG wurde 1871 gegründet und ist seit August 2003 wieder Mitglied im DAX. 2007 erzielte sie mit weltweit rund 150.000 Beschäftigten einen Umsatz von 16,619 Milliarden Euro bei einem EBITDA von 2,491 Milliarden Euro. Das Unternehmen gliedert sich in vier „Divisionen“ mit insgesamt 16 Marken. Die Divisionen sind:

Die ContiTech AG wurde mit der 2004 bekannt gegebenen Übernahme der Phoenix AG gestärkt. Durch die Fusion beider Unternehmen sind die verbliebenen Aktionäre der Phoenix AG Aktionäre der ContiTech AG geworden. ContiTech Aktien werden an der Börse in Hamburg und Hannover gehandelt.

Die ContiTemic befasst sich mit elektronischen Bremssystemen, Insassenschutz, Komfortelektronik und Antriebstechnik. Mit dem Zulieferer ZF-Sachs (Antriebe) und weltweiten Partnern für Energiespeicher liefert die ContiTemic komplette Hybrid-Antriebe an Automobilfirmen wie GM, DaimlerChrysler, uvm.

Im Juli 2006 erwarb Continental das Automobilelektronik-Geschäft von Motorola (Geschäftsbereiche Fahrwerksteuerung und Antrieb, Sensorik und Komfortelektronik sowie das Telematikgeschäft), um u. a. die eigene Division „Continental Automotive Systems“ mit einem neuen Geschäftsbereich Telematik zu ergänzen.

Durch die Integration von Motorola in den Continental-Konzern werden die Bezeichnungen „Temic“, „Teves“ und „Motorola“ nicht mehr geführt, sondern es wird nur noch „Continental Automotive Systems“ für alle Elektronik-Töchter benutzt.

Im April 2007 wurde angekündigt, dass Continental 51 Prozent der Matador Rubber Group kauft. Somit engagiert sich der hannoversche Automobilzulieferer über ein bereits bestehendes Joint-Venture im Bereich LKW-Reifen hinaus bei dem slowakischen Reifen- und Maschinenhersteller. Die Continental AG geht damit einen weiteren strategischen Schritt, Fertigungskapazitäten in Niedriglohn-Ländern zu schaffen.

Am 25. Juli 2007 wurde bekanntgegeben, dass Continental den Automobilzulieferer Siemens VDO Automotive übernehmen wird. Der Kaufpreis beträgt 11,4 Milliarden Euro.

Produktion

Reifen

Die Continental AG ist nach Bridgestone, Michelin und Goodyear der viertgrößte Reifenhersteller der Welt. Die Division Pkw-Reifen (Europa) umfasst die Marken Continental, Uniroyal, Semperit, Barum, General Tire, Euzkadi, Viking, Gislaved und Mabor. Weiterhin werden eine ganze Reihe von Hausmarken zum Beispiel für Reifengroßhändler gefertigt. Mit Wirkung zum 1. November 2004 hat sie den Geschäftsbereich Landwirtschaftsreifen an die tschechische CGS-Gruppe (Czech Rubber Group) verkauft.

Im Jahr 1985 übernahm Continental die Reifensparte der Semperit im niederösterreichischen Traiskirchen und damit deren Tochterfirmen in Slowenien Sava und in Tschechien Barum. Im Jahr 2002 wurde die Reifenproduktion aus Traiskirchen ganz nach Tschechien verlagert. Heute gibt es nur noch eine Produktion für Gummimischungen. Ursprünglich wollte das ganze Werk in Traiskirchen der österreichische Industrielle Mirko Kovats kaufen. Da Continental die Markenrechte des Namens Semperit nicht mitverkaufen wollte, kam das Geschäft nicht zustande.

Fahrzeugsysteme

Ab 1995 etablierte sich der Unternehmensbereich CAS (Continental Automotive Systems). Dabei handelt es sich um elektronisch gesteuerte Fahrwerk - und Fahrzeugsicherheitssysteme (z. B. bei Bremsen, Reifendruck, Fahrerassistenzsystem, ESP, Airbagsteuergeräte, Beschleunigungssensoren). Hier hat das Unternehmen als weltweit führender Technologiepartner der Automobilindustrie umfassende Kompetenz in den Bereichen Fahrsicherheit, Antrieb und Komfort. Mit dem Erwerb des Bremsenherstellers Alfred Teves GmbH 1998 mit Sitz in Frankfurt am Main, der zu der Zeit von der amerikanischen ITT Automotive abgestoßen wurde, und des Automobilelektronikherstellers Temic in Nürnberg (2001 von DaimlerChrysler übernommen) übertrifft dieser Unternehmensbereich die Reifenproduktion und wurde zum größten Standbein des Unternehmens. 2004 lag der Anteil am Gesamtkonzernumsatz bei rund 40 Prozent. In der Nähe von Brimley (Michigan) unterhält das Unternehmen ein Entwicklungszentrum mit Testgelände (46° 22' 15" N, 84° 34' 17" W).

Marken des Geschäftsbereichs CAS (Continental Automotive Systems):

Bosch und Continental haben hohe Anteile am Weltmarkt für ESP-Systeme.

Umstrukturierungen und Werkschließungen

Am 4. August 2004 bekräftigte der deutsche Reifenproduzent Continental im Zuge seines Umsatzberichts, dass er durch Umstrukturierungsmaßnahmen trotz im übrigen günstiger Prognosen die Reifenfertigung im US-Werk Mayfield in Kentucky zum Jahresende einzustellen gedenkt. Im November 2004 ließ das Unternehmen verlauten, dass sie ihre führende Marktposition in den USA bei elektronischen Stabilitätskontrollsystemen (ESP) für Autos weiter ausbauen konnte. Nachdem die großen Automobilhersteller aus Detroit angekündigt hatten, fast alle neuen Modelle serienmäßig mit dieser Sicherheitsausrüstung auszustatten, kann Continental die Auslieferungen von ESP-Systemen in den USA 2005 wahrscheinlich verdoppeln.

Deutschland

2005 kam es in der Sparte Pkw-Reifenproduktion zu einem unerwartet geringen Wachstum. Daraufhin gab der Vorstandsvorsitzende Manfred Wennemer am 22. November 2005 bekannt, die Produktion von PKW-Reifen im Stammwerk Hannover-Stöcken zum Jahresende 2006 trotz Rentabilität einzustellen. Dadurch verloren 320 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Dies führte zu Protesten seitens der Belegschaft. Am 6. Dezember 2005 fand zum ersten Mal in der Geschichte der Continental AG eine Betriebsvollversammlung aller in Deutschland beschäftigten Mitarbeiter an 26 Standorten statt. Hier forderten die Arbeitnehmervertreter die Zurücknahme der angekündigten Werksschließung. Am 23. Januar 2006 kam es zu einem erneuten Aktionstag der Beschäftigten mit einer Demonstration vor der Unternehmenszentrale in Hannover. Einen Tag später wurde bei einem Treffen von Geschäftsleitung, Betriebsrat und Gewerkschaft ein Kompromiss (Schließung erst Ende 2007) erzielt, der die Entlassung von rund 400 Mitarbeiter zur Folge haben wird.

In seiner bisherigen Amtszeit als Vorstandsvorsitzender des Continental-Konzerns hat Herr Wennemer die Produktion konsequent an Kostengesichtspunkten orientiert und dabei neben Kostensenkungen in der Verwaltung auch die Verlagerung der Produktion in Niedriglohnstandorte vorangetrieben. Heftige Kritik wurde geübt aufgrund der vorzeitigen Aufkündigung einer mit Gewerkschaft und Betriebsrat geschlossenen Vereinbarung über den Erhalt von Arbeitsplätzen gegen unbezahlte Mehrarbeit Ende 2005 im Stammwerk Hannover.

In vielen Standorten der Continental AG wurde und wird in Deutschland derzeit die 42 bzw. 37,5 Stundenwoche ohne Lohnausgleich eingeführt.

Herr Wennemer begründet diese teilweise radikalen Maßnahmen mit dem immer stärker und härter werdenden globalen Wettbewerb.

Andere Länder

Werksschließungen gab es in zurückliegenden Jahren bereits in Dublin (Irland), Newbridge (Schottland), Herstal (Belgien), Gislaved (Schweden) und Traiskirchen (Österreich). Der Mischsaal in Traiskirchen wird weitergeführt. Ein seit 1998 schwelender Konflikt um eine Werksschließung im mexikanischen Guadalajara wurde erst Anfang 2005 beigelegt. Continental übernahm seinerzeit die mexikanische Reifenfirma Euzkadi und schloss das Unternehmen 2001 überraschend nach langanhaltenden Kontroversen mit dem Euzkadi-Management und der Gewerkschaftsvertretung um Arbeitszeitverlängerungen und Lohnkürzungen. Dabei wurden etwa 1.100 Arbeiter entlassen. Sie verhinderten durch Streikposten eine Werks-Demontage. Obwohl die Schließung vorübergehend von einem mexikanischen Bundesarbeitsgericht für rechtswidrig bzw. der Streik für rechtens erklärt wurde, kam es erst Anfang 2005 zu einer Lösung des Konflikts. Mit Hilfe der mexikanischen Regierung übernahmen die Arbeiter das Werk zu 50 Prozent.

Auch in den USA kam es zu Werksschließungen so wurde in Mayfield Kentucky am 31. Dezember 2004 die Reifenproduktion eingestellt. Der Mischsaal und einige Lageraktivitäten werden in Mayfield weitergeführt. Der Standort Charlotte North Carolina wurde am 15. September, 2006 geschlossen. Somit verbleibt nur das Werk in Mt. Vernon Illinois als Herstellungsort für PKW und LKW Bereifung in den USA.

Geschichte

Das hannoversche Traditionsunternehmen wurde 1871 in Hannover unter dem Namen Continental-Caoutchouc- & Gutta-Percha Compagnie gegründet. Die Firma war von Anfang an als Aktiengesellschaft an der Börse notiert. Langjähriger Generaldirektor war Siegmund Seligmann (1853–1925), der 1876 in die Firma eintrat und schon 1879 ihr kaufmännischer Direktor und Vorstandsmitglied wurde. Zusammen mit dem Chemiker Adolf Prinzhorn (1834–1913) gelang es ihm, das Unternehmen innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem der führenden Gummi- und Reifenproduzenten in Deutschland zu machen. Zählte die Firma um 1875 nur etwa 250 Arbeiter, so konnte ihre Zahl in der Ära Seligmann bis auf 13.000 Beschäftigte (1914) gesteigert werden. 1892 begann man als erste Firma in Deutschland mit der Produktion von Fahrrad-Luftreifen (Pneumatics), 1898 von profillosen Automobilreifen und 1904 von Profilreifen. Das Hauptwerk entstand an der Vahrenwalder Straße in Hannover, daneben kam es im Stadtteil Stöcken vor dem Zweiten Weltkrieg zu einem weiteren Werksbau.

1912–1914 entstand das repräsentative Verwaltungsgebäude in der Vahrenwalder Straße, entworfen von dem Architekten Peter Behrens. Nach der Fertigstellung wurde es während des Ersten Weltkrieges als Lagerhaus vom Militär genutzt. Nach dem Krieg wurde es 1919–1920 nochmals ausgebaut. Der Bau ist weitgehend identisch mit dem in gleicher Zeit entstandenen Verwaltungsgebäude der Mannesmann AG in Düsseldorf. Das Verwaltungsgebäude in Hannover hat eine Fassade von 100 m Länge. Die Eckpilaster ähneln denen am Alten Museum Berlin. Das Gebäude wurde bei Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, aber wieder aufgebaut. Seit den 1980er Jahren befindet sich darin das „Technologie-Centrum Hannover“ (TCH), eine Einrichtung für Gründungsmanagement der Region Hannover.

1981 erzielte Continental weltweit einen Jahresumsatz von 1,165 Milliarden US-Dollar und hatte einen Weltmarktanteil von 3,9 Prozent.

Im Oktober 1982 schloss das Unternehmen ein Kooperationsvertrag mit dem US-amerikanischen Reifenkonzern General Tire ab, der 1981 einen Weltmarktanteil von 2,9 Prozent besaß und jährlich 500.000 Reifen in den USA produzierte. 1987 verkaufte GenCorp die Tochtergesellschaft General Tire zu 100 Prozent an die Continental AG.

Von 1990 bis 1993 versuchte der italienischen Reifenhersteller Pirelli die Continental AG zu übernehmen. Dies wäre einer der ersten Fälle gewesen, in dem ein großes deutsches Unternehmen von einem ausländischen Mitbewerber übernommen wird. Dementsprechend gab es ein großes Medienecho. Die Continental AG versuchte die Feindliche Übernahme zu verhindern. Dies gelang, da eine Abwehrfront unter Federführung der Deutschen Bank eine Sperrminorität erwarb und Pirelli nach langem Kampf die Liquidität ausging.[3]

Am 31. September 2004 verließ Wolfgang Ziebart die Führung des Geschäftsbereichs „CAS“ und wechselte zum Halbleiterhersteller Infineon. Nachfolger wurde der vorher bei Volkswagen tätige Dr. Karl-Thomas Neumann.

2005 erhält Dr. Alan Hippe, Finanzvorstand, den FINANCE-Award „CFO des Jahres“.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Geschäftsbericht 2007, S. 2
  2. „Continental“ kauft Siemens VDO und startet in eine neue Unternehmensära, 5. Dezember 2007
  3. Roland Czada, Reinhard Zintl: Politik und Markt. PVS- Politische Vierteljahresschrift. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2003, ISBN 3531141406, S. 309
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