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Rasse

Dieser Artikel behandelt einen Fachbegriff der Zoologie. Zu seiner Verwendung in der Anthropologie siehe Rassentheorien.

Rasse ist eine veraltete typologisch definierte Untereinheit der Art in der biologischen Systematik. Darin fassten die Taxonomen solche Individuen zu einer Formengruppe zusammen, die einander ähnlich und von anderen derart definierten Gruppen hinlänglich unterscheidbar waren, jedoch nicht so verschieden, dass sie einer eigenen Art zugerechnet wurden.
Häufig wurde „Rasse“ auch synonym zu Varietät verwendet. Aufgrund des Fehlens einer einheitlichen, allgemein anerkannten Definition von „Rasse“ und „Varietät“, kam im Laufe des 19. Jahrhunderts allmählich der Terminus Unterart oder Subspezies in Gebrauch, der deutlich strenger definiert ist.[1]

In der Zoologie ist der Begriff „Rasse“ weitgehend obsolet und wird nur noch für gezüchtete Formen von Haus- oder Nutztieren (Zuchtrassen, Kulturrassen) verwendet, siehe auch Rangstufe (Zoologie). Haus- und Nutztierrassen sind vom Menschen durch gezielte Selektion und Isolation hinsichtlich eines spezifischen Typus („rassetypische“ Merkmale) gezüchtet worden, so dass hier echte zoologische Formengruppen vorliegen, siehe auch Zuchtlinie.[2][3] In der zoologischen Systematik werden Rassen nur dann berücksichtigt, wenn sie formal als Unterarten anerkannt sind.[4]

In der Botanik spricht man neben Unterarten von Formen und Varietäten. Zuchtformen werden als Sorten bezeichnet.[5]

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Das deutsche Wort „Rasse“ geht auf die entsprechenden Formen in den romanischen Sprachen zurück. „Raza“ (span.), „raça“ (port.), „razza“ (ital.) oder „race“ (frz.) lassen sich z.T. bis ins 13. Jahrhundert zurück verfolgen. Während des 16. Jahrhunderts gelangte das französische „race“ in der selben Schreibweise in die englische und später in die deutsche Sprache. Die Eindeutschung zu „Rasse“ erfolgte jedoch erst im 19. Jahrhundert; in den Schriften von Kant oder, hundert Jahre später, Marx ist noch der Terminus „race“ gebräuchlich. Die älteste bekannte europäische Wurzel des Wortes „Rasse“ führt nach Spanien und wird vielfach als Hispanisierung des arabischen „Ra´s“ (Kopf, Ursprung) gedeutet. Ursprünglich bezeichneten die Spanier damit Menschen aristokratischer Abstammung oder edlen Blutes, die Ausweitung der Bedeutung auf Menschenschlag (ganz allgemein) oder die Tierzucht erfolgte erst später.
Der französische Forscher François Bernier benutzte den Begriff noch synonym zu „espèce“ (Art), er gilt als der erste, der den Begriff zum Zwecke der Klassifikation von Menschen anwandte. [6]

Einteilung

Die Einteilung der Rassen erfolgt anhand des Grades der züchterischen Bearbeitung (Primitiv-, Natur-, Land-, Übergangs-, Kultur- und Zuchtrassen, sowie veredelte Rassen), der Abstammung, der geographischen Verbreitung und den Standorterfordernissen (z.B. Höhenvieh und Niederungsvieh), den Ansprüchen an Fütterung und Haltung (Intensiv-, Extensivrassen), der Nutzungsrichtung (z.B. Fleischkühe, Milchkühe), sowie anhand morphologischer Merkmale (braunbunt, schwarzbunt, gehörnt, hornlos, etc.).

Nomenklatur

Rassen werden nicht mehr wie früher üblich mit einem eigenen Namen bezeichnet, sondern als „forma domestica“ der Stammart, um Verwechslungen mit Unterarten auszuschließen. Z.B. wurde aus der alten Bezeichnung für das Hauspferd, Equus ferus caballus nun Equus ferus f. domesticus, siehe Nomenklatur (Biologie)[7]

Siehe auch

Literatur

 Wiktionary: Rasse – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

Einzelnachweise

  1. Ernst Mayr: Grundlagen der zoologischen Systematik., Blackwell Wissenschaftsverlag, Berlin 1975, ISBN 3-490-03918-1, S. 44ff, S. 134-181
  2. Ulrich Kattmann in: Heidrun Kaupen-Haas, Christian Saller: Wissenschaftlicher Rassismus. Analysen einer Kontinuität in den Human- Naturwissenschaften., Campus Verlag 1999, ISBN 3-593-36228-7, S. 78
  3. Artikel: Rasse in Lexikon der Biologie, Band 11, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2003, ISBN 3-8274-0336-7, S. 421ff
  4. Ernst Mayr: Grundlagen der zoologischen Systematik., Blackwell Wissenschaftsverlag, Berlin 1975, ISBN 3-490-03918-1, S. 47
  5. „Varietäten“ und „Formen“ sind in der Botanik spezielle Untereinheiten der Art, die jedoch nur noch in seltenen Ausnahmefällen verwendet werden. Vgl. Strasburger 33. Aufl. S. 528f und Strasburger 35. Aufl. S. 581.
  6. Imanuel Geiss: Geschichte des Rassismus Frankfurt am Main, Suhrkamp 1993, ISBN 3518115308, S. 16-17
  7. Artikel: Rasse in Lexikon der Biologie, Band 11, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2003, ISBN 3-8274-0336-7, S. 421ff