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Martin Stephan (Geistlicher)

Martin Stephan (* 13. August 1777 in Štramberk bei Neutitschein, Mähren; † 22. Februar 1846 im Perry County (Illinois), USA) war ein deutsch-amerikanischer Geistlicher.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Martin Stephan war der charismatische Führer der sächsischen Auswandererbewegung und hatte damit indirekten Einfluss auf die Entstehung der Missouri-Synode.

Er wurde als Sohn römisch-katholischer Eltern geboren. Vor seinem Studium der Theologie arbeitete als Leineweber.

Im Jahr 1797 schloss er sich in Breslau einem Zweigverein der pietistischen Deutschen Christentumsgesellschaft an.

Er studierte von 1804 bis 1809 in Halle (Saale) und Leipzig Theologie, bekleidete eine Pfarrstelle im böhmischen Haber (Habřina) und wurde 1810 zum Prediger der böhmischen Exulanten-Gemeinde in Dresden und somit an die dortige Johanneskirche berufen. In seinen Predigten kritisierte er sowohl die moderne, liberale Theologie seiner Zeit, die er als ungläubig bezeichnete, als auch den Pietismus, der ihm zu weich erschien. Seine Predigten konzentrierten sich überwiegend auf die Themen "Erbsünde" und "Christi Versöhnungstod". Zudem vertrat Martin Stephan eine antiökumenische Theologie, indem er betonte, dass es außerhalb der sichtbaren lutherischen Kirche kein Heil gebe. Zugleich ordnete er die Gemeinde streng hierarchisch mit dem Pfarrer an der Spitze. Für seine Überzeugungen nahm er bald eine Art Unfehlbarkeit in Anspruch. Manche seiner Anhänger sahen in dem von ihm herausgegebenen Predigtband eine Art Bekenntnisschrift. Während seiner Zeit an der St. Johanniskirche sammelte eine Personalgemeinde von "Erweckten", die in der Öffentlichkeit als "Stephanisten" bezeichnet wurden. Zu den über tausend Hörern, die sich zu seinen Gottesdiensten versammelten, zählte auch der sächsische Staatsminister Detlev von Einsiedel.

Aufgrund seiner privaten (teilweise nächtlichen) Zusammenkünfte insbesondere mit jungen Frauen geriet Martin Stephan in den Verdacht der Unzucht. 1835 wurden die Zusammenkünfte der Anhänger von Martin Stephan verboten. 1837 verhaftete die Polizei Martin Stephan während einer dieser Zusammenkünfte in einem Weinberg in der Hoflößnitz. Aufgrund der Tatsache, dass bei dieser Zusammenkunft Frauen anwesend und Betten aufgestellt waren, wurde Martin Stephan angeklagt. Der Prozess wegen Spendenveruntreuung und Unzucht wurde allerdings aufgrund der Intervention des sächsischen Staatsministers eingestellt. Allerdings suspendierte ihn die Kirchenleitung Sachsens im Zusammenhang mit diesem Prozess von seinem Dienst als Pfarrer.

Am 21. Januar 1839 wanderte Stephan Martin auf der "Olbers" (Passagierliste [1] zusammen mit über 700 Anhängern von Bremen nach Missouri/USA aus. Unter den Auswanderern waren sechs Pfarrer (u.a. Ernst Gerhard Wilhelm Keyl und Carl Ferdinand Wilhelm Walther), vier Lehrer und zehn Kandidaten der Theologie.

Während der Überfahrt, die mit dem Untergang eines der fünf Schiffe einherging, ließ sich Martin Stephan zum Bischof der "Apostolisch-lutherische Episkopalkirche zu Stephansburg" ausrufen und verlangte von seinen Anhängern absoluten Gehorsam. Nach der Ankunft in St. Louis stellte sich herhaus, daß Martin Stephan die ihm anvertrauten Spendengelder und Ersparnise der Auswanderer veruntreut und mehrere Mädchen sexuell missbraucht hatte.

Nach einem Prozess durch ein Gemeindeversammlung wurde Stephan abgesetzt und aus der Gemeinde ausgeschlossen. Die um ihre Ersparnisse gebrachten Auswanderer plünderten ihn vollständig aus und schickte ihn über den Mississippi River. In Red Bud (Illinios) gründete er die Trinity Church, in der er bis zu seinem Tod als Pfarrer tätig war. In einem Wiederaufnahmeverfahren Jahre später wurde das Urteil der Absetzung Stephans für ungültig erklärt.

Zahlreiche sakrale Gegenstände, einschließlich eines silbernen Kelches aus der Hand des Kürfürsten Johann Georg I. von Sachsen, die Martin Stephan der Dresdner Exulanten-Gemeinde gestohlen hatte, sind heute im Concordia Historical Institute ausgestellt.

Pfarrer Carl Ferdinand Wilhelm Walther übernahm in dieser Krise die Leitung der Gemeinde und konnte durch die Betonung der Unfehlbarkeit der Heiligen Schrift, in deren Mittelpunkt Gottes Gesetz und Evangelium steht, das Auseinanderbrechen der Auswanderergemeinde verhindern.

Aus der Gemeinde der Stephan-Anhänger ging die Missouri-Synode hervor, die heute über drei Millionen Mitglieder zählt.

Werke

Literatur

Personendaten
Stephan, Martin
Deutsch-amerikanischer Geistlicher
13. August 1777
Štramberk bei Neutitschein (Mähren)
22. Februar 1846
Perry County (Illinois) (USA)