Heim

Cricket

Cricket (engl. [ˈkrɪkɪt], sehr selten dt. Kricket) ist eine Mannschaftssportart, die vor allem in England und den Ländern des Commonwealth große Popularität genießt. Die Regeln gelten in anderen Ländern als kompliziert bis unverständlich. Dies liegt vor allem daran, dass sich die Grundkonstellation von anderen Sportarten (mit Ausnahme von Baseball) deutlich unterscheidet, so dass ein Anknüpfungspunkt an bereits Bekanntes nicht gegeben ist.

Während bei anderen Sportarten Angriff und Verteidigung ineinandergreifen und einander innerhalb eines Spielzuges abwechseln können, sind die Phasen beim Cricket klar voneinander getrennt. Jeweils eine Zeit lang ist eine Mannschaft diejenige, die Runs (Punkte) erzielt, während die andere versucht, dies zu verhindern; anschließend wird gewechselt. Eine solche Phase heißt Innings. Von der Mannschaft, die Runs erzielt, sind zwei Spieler auf dem Spielfeld, die so genannten Batsmen, von der anderen alle elf.

Die Batsmen stehen einander auf der Pitch gegenüber. Hinter ihnen steht je ein Wicket. Ein Run wird erzielt, wenn es ihnen gelingt, die Position zu tauschen, sie also einmal über die Pitch rennen. Die andere Mannschaft versucht nun, dafür zu sorgen, dass einer der Batsmen ausscheidet (Dismissal). Ist dies der Fall, so übernimmt ein anderer Spieler seiner Mannschaft dessen Position. Haben alle Mannschaftsmitglieder einmal ihre Position als Batsman eingenommen und sind wieder ausgeschieden, so dass nur noch ein Batsman übrig bleibt, endet das Innings. Jetzt tauschen die beiden Mannschaften die Rollen, so dass die Mannschaft, die bislang versucht hat Runs zu erzielen, jetzt versucht, die gegnerischen Batsmen ausscheiden zu lassen. Ein vollständiges Cricketspiel besteht aus ein oder zwei Innings pro Mannschaft. Die Mannschaft, die in ihrem einen oder ihren beiden Innings zusammen mehr Runs erzielt und es schafft, die gegnerische Mannschaft einmal bzw. zweimal ausscheiden zu lassen, gewinnt das Spiel (vgl. Ergebnis (Cricket)).

Inhaltsverzeichnis

Regeln

Als oberste Instanz der Cricket-Regeln ist der Marylebone Cricket Club (MCC) in London anerkannt, obwohl internationales Cricket unter der Führung des International Cricket Council (ICC) durchgeführt wird.

Spielfeld

Hauptartikel: Cricketfeld

Cricket wird auf einem großen, ovalen Platz gespielt, dessen äußere Begrenzung (Boundary) beispielsweise durch ein Seil markiert ist. In der Mitte des Spielfeldes befindet sich ein besonders präparierter, 20 Meter langer und drei Meter breiter Streifen – die so genannte Pitch. An den beiden Enden dieser Pitch sind jeweils drei Stäbe (Stumps) aufgestellt, auf denen lose je zwei kleinere Querstäbe (Bails) liegen. Diese beiden Sets von Stäben werden Wickets genannt.

Spieler und Offizielle

Eine Cricketmannschaft besteht aus elf Spielern. In sehr eingeschränktem Maße ist auch der Einsatz von Substitutes und Runnern für verletzte Spieler möglich, taktische Einwechslungen gibt es jedoch nicht. Im Verlauf eines Cricketspiels übernehmen die Spieler je nach Spielsituation verschiedene Rollen.

Grundkonstellation

Bei einem Cricketspiel stehen sich die Teams immer abwechselnd als Schlagmannschaft (batting side) und Feldmannschaft (fielding side) gegenüber. Ein solcher Spieldurchgang wird Innings genannt (auch im Singular mit Plural-'s') und nach der Mannschaft benannt, die in diesem Durchgang am Schlag ist. Ein Spiel besteht aus einem oder zwei Innings pro Mannschaft.

Die Schlagmannschaft versucht, eine möglichst hohe Zahl von Runs, also Punkten, zu erzielen. Dazu befindet sich je ein Schlagmann (Batsman) an den beiden Wickets, die an den Enden der Pitch stehen. Ansonsten sind keine Spieler der Schlagmannschaft auf dem Spielfeld, diese kommen erst zum Einsatz, sobald einer der Batsmen ausscheidet.

Der Werfer (Bowler) der Feldmannschaft bowlt (siehe Wurftechnik) von einem Ende der Pitch jeweils sechs Würfe, ein so genanntes Over, auf den jeweils gerade am anderen Ende der Pitch befindlichen Batsman. Dieser Batsman wird Striker genannt. Hinter ihm und seinem Wicket steht ein weiteres Mitglied der Feldmannschaft, der Wicket-Keeper, welcher als einziger seines Teams Fanghandschuhe trägt. Die restlichen neun Spieler der Feldmannschaft, die Fielders, sind auf dem Spielfeld verteilt.

An dem Pitchende, von dem aus gerade gebowlt wird, steht einer der beiden Schiedsrichter (Umpires), der andere steht auf Höhe des Strikers, aber ungefähr 20 Meter von der Pitch entfernt.

Nach jedem Over wird der Bowler gewechselt und vom anderen Ende der Pitch aus gebowlt, die Batsmen bleiben aber jeweils an dem Pitchende, an dem sie gerade stehen. Kein Bowler darf also zwei Over hintereinander absolvieren. Meist wechseln sich eine Zeit lang zwei Spieler ab.

Die genaue Angabe des Ergebnisses hängt von mehreren Faktoren ab.

Wurftechnik

Der Bewegungsablauf beim Bowlen

Die Wurftechnik des Bowlers ist durch die Regeln größtenteils vorgeschrieben. Der Wurfarm darf, sobald er die Höhe der Schulter erreicht hat, nicht mehr gestreckt werden, was in der Praxis fast immer dazu führt, dass der Arm in diesem Moment schon voll gestreckt ist und bleibt. Ansonsten wird der Wurf ungültig, siehe No Ball. Diese Technik wird bowlen genannt, im Cricket werden deshalb die Begriffe werfen und bowlen streng unterschieden.

Eine weitere Besonderheit ist die Tatsache, dass der Ball so gebowlt wird, dass er vor dem Striker auf dem Boden aufkommt. Die Regeln schreiben dies zwar nicht vor, sie verbieten allerdings, dass der Ball den Batsman volley über Hüfthöhe erreicht. Für volley benutzt man im Cricket den Begriff full toss. Obwohl der Ball beim Aufkommen viel an Geschwindigkeit verliert, wird dem Batsman das Schlagen des Balles erschwert. Denn zum einen kann der Ball durch Spin oder eine ähnliche Technik eine starke seitliche Bewegung erfahren, zum anderen ist die Höhe des Balles beim Batsman, zusammen mit dem damit verbundenen Steigungswinkel, schwerer einzuschätzen und ein Schlag oft nur unzureichend zu kontrollieren.

Punkte (Runs)

Der Striker hat zwei Ziele. Zum einen verteidigt er sein Wicket, d. h. er verhindert, dass es vom gebowlten Ball getroffen wird. Zum anderen wird er, wann immer ihm dies möglich erscheint, versuchen, den Ball so wegzuschlagen, dass er genug Zeit hat, zum anderen Wicket hinüberzulaufen. Sein Partner, der Non-Striker, welcher am anderen Ende der Pitch neben dem dortigen Wicket steht, damit der Bowler der Feldmannschaft Platz zum bowlen hat, muss dann ebenfalls zum gegenüberliegenden Pitchende laufen. Den Batsmen bleibt die Entscheidung, ob losgelaufen wird oder nicht, jedoch selbst überlassen.

Kommt einer der Batsmen dabei nicht rechtzeitig hinter die Schlaglinie (popping crease) an seinem Pitchende, bevor die Feldmannschaft den Ball auf das entsprechende Wicket geworfen und zerstört hat, d. h. mindestens einer der kleinen, querliegenden Stäbe (bails) heruntergefallen ist, so ist dieser Batsman ausgeschieden (siehe 1. unter Ausscheiden des Schlagmanns unten). Gelingt den Batsmen aber dieser Seitenwechsel, wird dies single genannt und zählt einen Punkt (Run). Wenn genug Zeit ist, können die Batsmen beliebig oft hin und her laufen und bekommen eine dementsprechende Punktzahl. In der Praxis geschieht dieser Platzwechsel selten öfter als dreimal. Wenn der Striker den Ball über die Spielfeldgrenze schlägt, gibt es sechs Runs. Der Schiedsrichter streckt dann beide Arme nach vorn. Wenn der Ball vorher den Boden berührt, gibt es nur vier Runs. Der Schiedsrichter streckt beide Arme seitlich aus.

Ausscheiden des Schlagmanns (Wickets)

Hauptartikel: Dismissal

Die Feldmannschaft hat das Ziel, die gegnerischen Schlagleute so schnell wie möglich aus dem Spiel zu werfen. Jeder Batsman spielt so lange, bis er ausgeschieden ist und wird dann durch den nächsten Batsman, der in diesem Innings (Spieldurchgang) noch nicht an der Reihe war, ersetzt. Sobald zehn der elf Schlagleute ausgeschieden sind (man spricht dann von all out), ist dieses Innings abgeschlossen. Das Schlagrecht wechselt bzw. das Spiel ist zu Ende.

Das Ausscheiden eines Batsman wird auch als Wicket bezeichnet, unabhängig davon, ob das eigentliche Wicket daran beteiligt war oder nicht. Ein solches Wicket kann auf zehn verschiedene Arten geschehen (die vier letztgenannten sind jedoch sehr selten):

  1. Wenn das Wicket mit dem Ball von der Feldmannschaft getroffen wird, während einer der Schlagleute noch zwischen den Wickets (eigentlich zwischen den Schlaglinien) unterwegs ist (Run out).
  2. Wenn der Bowler mit seinem Ball am Striker vorbei das Wicket trifft und mindestens ein Bail herunterfällt (Bowled). Manchmal lenkt der Striker dabei den Ball auch unabsichtlich auf sein eigenes Wicket. Dies wird als played on bezeichnet, ist aber regeltechnisch auch nichts anderes als Bowled.
  3. Wenn der Striker den Ball schlägt und ein Mitglied der Feldmannschaft den Ball fängt, bevor der Ball zum ersten Mal auf dem Boden aufkommt (Caught). Falls der Wicket-Keeper den Ball fängt, spricht man von caught behind, wenn der Bowler selbst den Ball fängt von caught and bowled.
  4. Wenn der Ball vom Striker verfehlt, jedoch durch seinen Körper aufgehalten wird, der Ball aber, nach Ansicht des Schiedsrichters, das Wicket getroffen hätte, kann er von diesem „aus“ gegeben werden. Diese spezielle Regel ist sogar noch etwas komplizierter als hier beschrieben. Daher ist es nicht verwunderlich, dass diese Regel wohl die bei weitem meisten Diskussionen nach sich zieht (aber nicht auf dem Platz), da es hier sehr auf das subjektive Urteil des Schiedsrichters ankommt (Leg before Wicket oder kurz LBW, da der Ball meist von den Beinen aufgehalten wird).
  5. Wenn der Striker beim Schlagversuch vor seine Schlaglinie tritt und der Ball zum Wicket-Keeper hinter ihm durchkommt, und dieser dann alleine das Wicket des Striker mit dem Ball zerstört, bevor dieser wieder hinter seine Linie gelangt ist und ohne dass der Striker einen Punkt (Run) angestrebt hat. Dies nennt man Stumped.
  6. Wenn der Striker während des Schlagvorgangs sein eigenes Wicket zerstört, z. B. mit seinem Schläger oder durch Beinberührung (Hit Wicket).
  7. Wenn ein Batsman absichtlich den Ball mit der Hand spielt (Handled the Ball).
  8. Wenn ein Batsman die Feldmannschaft absichtlich behindert (Obstructing the Field).
  9. Wenn der Striker den Ball absichtlich zweimal spielt (Hit the Ball Twice), außer er verteidigt mit dem zweiten Treffer einzig sein Wicket.
  10. Wenn der neue Batsman länger als 3 Minuten braucht, um zum Weiterspielen bereit zu sein (Timed out).

Die Ausscheidensarten zwei bis sechs oben werden immer dem Bowler gutgeschrieben. Gelingt ihm ein Wicket bei drei aufeinander folgenden Würfen, so spricht man von einem Hattrick.

Extras

Dies sind weitere Möglichkeiten, Punkte zu erzielen. Davon gibt es fünf verschiedene Unterkategorien.

Ein No Ball wird gegeben, wenn sich der vordere Fuß des Bowlers beim Wurf vollständig vor der Popping Crease befindet, also eine Art Abwurflinie ganz übertritt. Es gibt noch eine ganze Reihe anderer Regelverstöße, die als No Ball geahndet werden, doch dies dürfte der bei weitem häufigste sein. Der Schlagmann kann solch einen No Ball aber wie jeden regelgerechten (fairen) Ball schlagen und zusätzlich zu dem Extra-Run (siehe unten) weitere Punkte erzielen. Wenn ein Bowler einen no-ball bowlt, kann der Schlagmann nicht out gegeben werden (außer wenn er Run-Out ist).

Wides sind Bälle, die so weit am Schlagmann vorbei gebowlt werden, dass dieser keinen normalen Schlag ausführen kann. Hierbei hat der Schiedsrichter einen großen Interpretationsspielraum.

Sowohl No Balls als auch Wides zählen automatisch einen Punkt (Run) für die Schlagmannschaft und der Striker ist bei so einem Ball gegen eine Reihe von Ausscheidensarten immun. In beiden Fällen muss der Ball auch noch zusätzlich vom Bowler wiederholt werden.

Wird ein Ball nicht vom Schlagmann geschlagen, insbesondere wenn der Wicket-Keeper hinter ihm den Ball nicht aufhält, können die beiden Batsmen ganz normal Runs erlaufen, als wäre der Ball geschlagen worden. Diese Punkte werden Byes genannt.

Leg-Byes sind ein ähnlicher Fall, hierbei ist der Ball aber vom Körper des Schlagmanns unabsichtlich abgeprallt: Er muss entweder versucht haben, den Ball zu spielen oder ihm auszuweichen.

Penalties werden für Unsportlichkeiten wie Manipulation des Balles oder absichtliche Spielverzögerungen vergeben und zählen immer fünf Punkte auf einmal.

Alle diese oben genannten Punkte werden nicht dem Schlagmann gutgeschrieben, sondern unter der jeweiligen Kategorie unter Extras vermerkt.

Austragungsformen

Test Cricket

Hauptartikel: Test Cricket

Als Test oder Test Cricket bezeichnet man eine spezielle Form eines internationalen Cricketspiels. Tests gelten traditionell als höchste Form der Ausübung des Sports, entsprechen aber aufgrund ihres unspektakulären Spannungsbogens keineswegs modernen TV-Sehgewohnheiten: Bis heute wird ein Test über fünf Tage – in täglich drei rund zweistündigen Spielabschnitten – ausgetragen. Tests sind wiederum meist in eine Serie von zwei bis sechs Tests eingebettet, so dass die entsprechenden Duelle sich über mehrere Wochen hinziehen können. Tests finden nur zwischen wenigen dazu spielberechtigten Nationalmannschaften statt.

First-Class Cricket

Hauptartikel: First-Class Cricket

Das Pendant des Test Cricket auf nationaler Ebene wird First-Class Cricket genannt. Die Spiele zwischen Profimannschaften finden überwiegend in einer Liga statt und dauern drei bis vier Tage. Es werden — wie beim Test Cricket — zwei Innings je Mannschaft mit der selben Tageseinteilung gespielt.

Am bekanntesten ist die englische County Championship (Grafschaftsmeisterschaft), die seit 1890 ausgetragen wird.

One-Day Cricket

Aufgrund der Bedürfnisse vor allem des Fernsehens wurde seit den 60er Jahren ein kürzeres und dramatischeres Format eingeführt, das One-Day Cricket (Eintagscricket). Diese neue Art des Crickets erfreute sich bald wachsender Popularität, wurde von Traditionalisten aber weitgehend abgelehnt. Heute hat es sich aber längst etabliert.

Im Gegensatz zum First-Class Cricket ist ein Innings nicht erst dann abgeschlossen, wenn alle Schlagleute „aus“ sind, sondern schon nach einer festgesetzten Zahl von Over, üblicherweise 50 Over. Sobald also eines dieser beiden Kriterien erfüllt wird, ist das Innings vorbei. Aus diesem Grund wird diese Spielform auch oft Limited-Overs Cricket genannt.

Die Wide-Regel wird dabei besonders streng interpretiert. Auch gelten beim One-Day Cricket meist weitere, über die normalen Cricketregeln hinausgehende Beschränkungen für Feldspieler, welche genau vorschreiben, in welchen Abschnitten eines Innings wo auf dem Feld wieviele Feldspieler platziert sein dürfen.

Wie beim Test Cricket werden auch One-Day Internationals meist als Teil einer Serie (Tour) ausgetragen (drei bis sieben Spiele) oder gar in Form eines (3-)Länderturniers. Alle vier Jahre wird im One-Day-Modus eine Weltmeisterschaft (Cricket World Cup) ausgetragen. In den vier Jahren zwischen der WM findet eine Champions Trophy statt.

Zusätzlich werden viele kleinere Turniere organisiert wie das Sharjah-Turnier in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder das VB Trophy (Januar/Februar) in Australien.

Twenty20 Cricket

Hauptartikel:Twenty20

Einen Versuch des Englischen Cricketverbandes (ECB) stellt die neue Variante des Twenty20-Cricket dar. Um den modernen Medien gerecht zu werden, werden die Spielabschnitte auf je 20 Over verkürzt und eine Maximalspieldauer von 75 Minuten je Innings festgelegt.

Strafen drohen der Feldmannschaft, wenn sie es nicht schafft, alle Over in der festgelegten Zeit zu spielen. Diese Cricket-Variante ist jedoch noch nicht so weit verbreitet wie First-Class oder One-Day Cricket und wird von Cricket-Traditionalisten sehr kritisch betrachtet, auch wenn es eine Chance darstellen kann, neue Zuschauer für diesen Sport zu gewinnen.

Ausrüstung

Ein Cricketspieler benötigt ein Trikot, oft zusätzlich einen Sweater und eine lange Hose. Die Schuhe sind weiß und haben meist ein besonderes Profil, Schuhe für Bowler sogar Spikes. Bei Testspielen ist weiße Spielkleidung vorgeschrieben; bei One-Day Cricket wird, zumindest bei den Profis, heute fast immer in bunter Spielkleidung gespielt, früher oft als „Pyjama Cricket“ belächelt.

Jeder Schlagmann hat natürlich einen Schläger und trägt Schutzausrüstung. Das wichtigste Schutzbekleidungsstück sind sicherlich die Pads, die seine Beine vor dem mit einer sehr hohen Wucht auftreffenden Ball schützen.

Zusätzlich sollte der Schlagmann einen Helm und Handschuhe tragen, sowie eine so genannte Box, einen Unterleibsschutz. Einige Spieler tragen darüber hinaus noch einen Schutz für die Arme oder gar einen Brustschutz unter dem Hemd.

Bei der Feldmannschaft trägt nur der Wicket Keeper, der immer hinter dem Schlagmann und dessen Wicket steht, eine besondere Ausrüstung. Wie der Schlagmann hat auch er einen (meist kleineren) Beinschutz (Wicket Keeping Pads) und er ist der einzige Spieler der Feldmannschaft, der Fanghandschuhe (Wicket Keeping Gloves) tragen darf.

Die beiden Schiedsrichter tragen lange weiße Kittel. Sie genießen großen Respekt und es gilt als sehr unsportlich, die Entscheidung eines Schiedsrichters zu kritisieren oder gar Diskussionen mit ihm anzufangen.

Bekannte Spieler

Zu den bekanntesten Spielern gehören:

Australien

England

Pakistan

Indien

Sri Lanka

Südafrika

West Indies

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte des Crickets

Entstehung

Eine frühe Form von Cricket, die von Schafhirten und Bauern gespielt wurde, kann bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Es liegen schriftliche Belege über ein Spiel namens creag aus dem Jahre 1300 in Kent vor, das von Prince Edward gespielt wurde.

1598 berichtet ein Gerichtsfall über eine Sportart namens Kreckett, die an einer Schule in Guildford ausgeübt wurde. Dies ist auch laut dem Oxford English Dictionary der erste gültige Nachweis des Wortes Cricket in der Englischen Sprache.

Während des 17. Jahrhunderts wurde Creckett vor allem im Südosten Englands immer populärer. Gegen Ende dieses Jahrhunderts wurde es zu einer organisierten Sportart (die vermutlich auch die ersten Profis auf diesem Gebiet hervorbrachte), da nachweislich im Jahre 1697 ein great cricket match mit 11 Spielern pro Mannschaft in Sussex abgehalten wurde.

Organisation und Weiterentwicklung von Cricket

Im 18. Jahrhundert wurden wesentliche Bestandteile des Spiels weiterentwickelt und Cricket wurde zum Nationalsport in England. Adelige und reiche Kaufleute begannen ihre eigenen Mannschaften (select XIs) aufzustellen. Spielstätten in London wurden bereits 1707 auf dem Artillery Ground in Finsbury bereitgestellt, bis 1787 letztendlich der legendäre Lord’s Cricket Ground eröffnet wurde. Der im selben Jahr gegründete Marylebone Cricket Club avancierte rasch zur ersten Adresse in diesem Sport und ist bis heute auch der Hüter der Laws of Cricket (Cricketregeln).

Im 19. Jahrhundert wurde der bis dahin angewandte Unterarmwurf zuerst durch den Rundwurf (ein Wurf in Höhe des Beckens) und schließlich 1864 durch den Oberarmwurf ersetzt, der heute noch ein typisches Erkennungsmerkmal von Cricket ist. 1877 wurde auch das erste Test Cricket Match auf dem Melbourne Cricket Ground zwischen Australien und England ausgetragen.

Cricket war auch eine Sportart bei den Olympischen Spielen in Paris im Jahre 1900. Die Dauer des olympischen Cricketspiels betrug nur zwei Tage, Sieger wurde Großbritannien, das bis heute diesen Titel tragen darf.

Von Seiten des International Cricket Council gibt es intensive Bemühungen, Cricket wieder olympisch werden zu lassen oder zumindest als olympische Demonstrationssportart einzuführen. Im Rahmen der organisatorischen Zeitabläufe wird dies aber nicht mehr zu den Olympischen Spielen in London 2012 zu realisieren sein.

Eklats

Underarm incident, 1981

Als beschämendster Moment der Cricketgeschichte gilt der sogenannte Underarm incident (dt. in etwa „Unterarm-Vorfall“) in einem one-day cricket match zwischen Australien und Neuseeland am 1. Februar 1981 in Melbourne. Die neuseeländischen Schlagleute lagen beim letzten Ball des Spiels 6 Punkte hinter Australien und hätten mit einer großen Boundary noch einen Gleichstand erzielen können. Um dies zu verhindern, rollte der australische Bowler Trevor Chapell auf Anweisung seines Bruders und Kapitäns Greg den Ball am Boden zum neuseeländischen Schlagmann, so dass es für diesen unmöglich war, ihn weit und hoch in die Luft zu schlagen.

Diese Technik des Bowlens existierte zwar im ausgehenden 19. Jahrhundert, war aber zum Zeitpunkt des Vorfalles lange unüblich, wenn auch nicht von den Regeln verboten. Australien wurde zum Sieger des Spieles erklärt, was langjährige Konflikte mit dem neuseeländischen Cricketteam zur Folge hatte.

Spielabbruch, 2006

Der erstmalige Abbruch eines internationalen Cricket-Spiels in der langjährigen Geschichte der Sportart sorgte für Anfeindungen zwischen Australien und Pakistan. Der Vorfall hatte sich am Sonntag, dem 20. August 2006 in London im Spiel zwischen England und Pakistan ereignet.

Der australische Schiedsrichter Darrel Hair hatte das Match im berühmten Londoner Oval Stadium am Sonntag abgebrochen und England zum Sieger erklärt. Auslöser war ein Streit über einen von Pakistan angeblich manipulierten Ball, wofür Pakistan mit einem Punkteabzug bestraft werden sollte.

Die pakistanische Mannschaft hatte sich daraufhin zunächst geweigert, nach der Teepause wieder auf dem Feld zu erscheinen. Der Schiedsrichter brach daraufhin das Spiel ab.

Hair wird in seinem Heimatland nun als Held gefeiert, in weiten Teilen Asiens aber angefeindet: „Darrel Hair ist bereit, seine Nase in die schmuddeligen Ecken der Cricket-Welt zu stecken, was die meisten seiner Kollegen nicht tun wollen“, schrieb ein Kommentator des australischen Daily Telegraph.

In der Zeitung The Australian hieß es, Hair sollte als Held angesehen werden, da er Courage gezeigt habe, obwohl er nach strittigen Entscheidungen bereits in der Vergangenheit Todesdrohungen ausgesetzt gewesen sei.

In Teilen Asiens wurde der Schiedsrichter dagegen beschimpft. „Hair ist einer von der Sorte, die sich in einen „Mini-Hitler“ verwandeln, wenn sie die weiße Schiedsrichterjacke überstreifen“, schrieb der ehemalige Kapitän der pakistanischen Mannschaft, Imran Khan, in der pakistanischen Zeitung Daily Nation.
Auch in nahezu allen anderen Zeitungen Pakistans war der Spielabbruch scharf kritisiert worden.

Aufgrund seines Spielabbruchs wurde Hair vom ICC entlassen und darf keine weiteren Spiele mehr leiten.

Cricket in Deutschland

Cricket wird in Deutschland offiziell vom Deutschen Cricket Bund e.V. vertreten, der sich über verschiedene Landesverbände organisiert. Leistungsmäßig liegt Deutschland auf der Cricket-Weltrangliste derzeit auf Platz 42 und stellt in Europa außerhalb der britischen Insel den größten Landesverband.

Der Ursprung von Cricket in Deutschland lag seinerzeit in Berlin. Seit spätestens 1873 spielten dort Herren aus England und den USA diesen Sport. 1888 begannen Germania 88, später Viktoria 89, Union 92, Britannia 92 und Helgoland mit einem geregelten Spielbetrieb. Über viele Jahrzehnte bestimmte Viktoria 1889 den Sport und errang zahlreiche Meisterschaften (21mal bei den Herren/letztmalig 1959). Ähnlich der Regelung im Fußball darf Viktoria 1889 für die errungenen Meisterschaften vier Sterne auf dem Trikot tragen. Die 1. Meisterschaft der Damen — 2006 erstmals ausgespielt — wurde von den Viktoria-Damen mit einem Sieg gegen den Schweriner BBCCC e.V. gewonnen. Das Team wechselte übrigens nach dem Sieg in der Meisterschaft komplett in einen anderen Verein (Reinickendorfer Füchse).

Aktueller Deutscher Meister (Herren) in der Saison 2007/08 ist die Mannschaft des DSSC Berlin um ihren Manager Saeed Ahmed — im Endspiel auf der NATO-Cricketanlage in Mönchengladbach wurde der Bonner CC bezwungen.

Mittlerweile gibt es bundesweit eine Cricket-Bundesliga, Berlin hat als erster Verband eine zweite Bundesliga eingerichtet. Bis heute spielt in Deutschland einzig der Berliner Fußball- und Cricket-Club (BFC) Viktoria 1889 e.V. ununterbrochen Cricket und gilt als der älteste deutsche Fußball- und Cricketverein, wobei der Verein heute nicht mehr an die seinerzeitige Glanzzeit anknüpfen kann.

In Hessen gibt es etwa 12 Cricket Vereine, die regelmäßig in der Bundesliga West teilnehmen. Der älteste Verein ist der Frankfurt Cricket Club e.V, der 1974 gegründet wurde. Außerdem gibt es Vereine in Darmstadt (Darmstadt Cricket Club), Wiesbaden, Rodgau, Olympia Frankfurt, Hellas Frankfurt und Walldorf.

Derzeit gibt es im Rahmen eines European Cricket Council-Development-Programmes besondere Anstrengungen, Cricket in Deutschland weiter zu entwickeln und insbesondere den Jugend- und Damenbereich weiter auszubauen (so haben sich die Damenteams des Oldenburger CC, des Schweriner BBCCC, der Reinickendorfer Füchse Berlin und des Tegernsee CC München in der Interessengemeinschaft Metropol Cricket Teams Deutschland zusammengeschlossen). Regional liegt der Entwicklungsschwerpunkt in den ostdeutschen Bundesländern, in denen noch ein großes Potential schlummert. Bisher existierte in den Neuen Bundesländern mit dem Schweriner BBCCC (abgesehen von den Vereinen in Berlin) nur ein offizieller Cricket-Verein. Jetzt stehen die Cricket Halloren im USC Halle vor dem Start, ebenso haben das Cricket Team „Weißer Hirsch“ im RV Dresden und der Verein Börde Cricket Magdeburg den Spielbetrieb aufgenommen; der Havelländische Cricket Club Werder wurde im April 2007 gegründet, und an den Universitäten Leipzig und Rostock gibt es entsprechende Sportgruppen. Weiterhin arbeitet der Cricket Club Schloß Grochwitz in Herzberg (Elster) aktuell an der Clubgründung. Mit der Etablierung eines ostdeutschen Regionalverbandes (NOCV/Nordostdeutscher Cricket Verband im DCB mit Sitz in Werder (Havel)), der Gründung des Preußischen Cricket Club zu Potsdam (PCCP) und Planungen für weitere Cricketvereine in Erfurt, Brandenburg an der Havel und Baruth/Mark sind aber schon erfolgversprechende Aktivitäten vorhanden, um neue Zielgruppen anzusprechen.

Eine besondere Position nimmt übrigens in Deutschland der Husumer Cricketclub ein, der seine Spiele in Hattstedt austrägt und in der ersten dänischen(!) Liga spielt – diese ist deutlich stärker als die deutschen Ligen. Husum stellt daher auch regelmäßig Nationalspieler für das deutsche und auch das dänische National-Team. Das dortige Stadion war bisher das einzige reine Cricketstadion in Deutschland. Mit dem Bau einer bis zu 60.000 m² großen Anlage in Werder/Havel als Cricket-Zentrum des Nordostdeutschen Cricket Verbandes/NOCV und des neuen Havelländischen Cricket Clubs Werder/HCCW ist aber ein zusätzlicher, attraktiver Anlaufpunkt für Cricketer in Deutschland geplant. Diese zukünftige Anlage mit sechs Rasen-Bahnen und einer Kunstrasen-Pitch ist die zweite Rasen-Pitch-Anlage in Deutschland und in Kontinental-Europa neben Husum und Amsterdam erst die dritte.

Die damit verbundenen heimischen Trainingsmöglichkeiten für die Deutsche Nationalmannschaft erhöhen auch die Leistungsfähigkeit des Teams in der Division 5 zur Cricket-WM, für die Deutschland jetzt zugelassen worden ist.

Cricket in der Schweiz

Cricket wird in der Schweiz offiziell von der Swiss Cricket Association (S.C.A.) vertreten, die 1980 gegründet wurde. Ihr gehören zur Zeit 18 assoziierte Mitgliedsclubs an. Seit 1985 ist die S.C.A. Mitglied des I.C.C. (affiliated member).

Zurich United C.C gewann die Schweizer Meisterschaft 2007; im Final wurden die Nomads mit 327:311 Runs geschlagen.

Cricket in Österreich

Bereits 1892 gründeten in Wien ansässige Engländer den Vienna Cricket Club. Cricket wird in Österreich heute vom Österreichischen Cricket Verband (Ö.C.V.) vertreten, der 1981 gegründet wurde. Ihm gehören zur Zeit 13 aktive Clubs an. Es bemühen sich außerdem je ein Club aus Kroatien und Slowenien um Aufnahmen. Der Ö.C.V. ist Mitglied des I.C.C. (affiliated member).

Anekdotisches und Cricket-Slang

 Commons: Cricket – Bilder, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Cricket – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik