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Quandt (Familie)

Quandt ist der Name einer deutschen Industriellenfamilie, die sich um 1700 im brandenburgischen Pritzwalk angesiedelt hatte. Der Tuchfabrikant Emil Quandt (1849–1925) ließ seinen Sohn Günther Quandt (1881–1954) eine Ausbildung in der Textilindustrie absolvieren. Danach trat Günther Quandt als Prokurist in die väterliche Firma ein. Bereits 1909 war er Leiter mehrerer Tuchfabriken in seiner Heimatstadt. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg baute die Familie ihr Vermögen u. a. als Rüstungsproduzent aus und konnte sich geschickt den Nürnberger Prozessen entziehen. Das Vermögen der Familie wird auf 20 Milliarden Euro geschätzt.[1] Sie gilt als verschwiegen und öffentlichkeitsscheu.

Inhaltsverzeichnis

Günther Quandt

In erster Ehe war Günther Quandt mit Antonie Ewald verheiratet, die 1918 an der spanischen Grippe starb. Aus dieser Ehe gingen die beiden Söhne Hellmut Quandt (1908–1927) und Herbert Quandt (1910–1982) hervor.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Günther Quandt zum Leiter der „Reichswolle AG“ ernannt. Seine Firmengruppe wurde Hauptlieferant der Armee. Nach dem Krieg blieb er bis 1922 Referent im Reichswirtschaftsministerium. Ab 1922 engagierte er sich mehr und mehr in der Kaliindustrie, und es gelang ihm, die Aktienmehrheit der Accumulatoren AG (AFA) zu erwerben – die spätere Firma VARTA. Neue historische Recherchen gehen davon aus, dass Quandt diese Firma durch den wissentlichen Einsatz von Zwangsarbeitern auf- und ausgebaut hat.

Zwischen 1921 und 1929 war Quandt mit Magda Ritschel verheiratet. Aus dieser Ehe ging der Sohn Harald (1921–1967) hervor, der nach der Scheidung 1929 bei seiner Mutter und nach deren Heirat mit Joseph Goebbels ab 1931 im Hause Goebbels aufwuchs.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde Günther Quandt 1937 zum Wehrwirtschaftsführer ernannt. Die Akkumulatoren der AFA dienten unter anderem U-Booten als Antrieb, die Textilbetriebe lieferten – wie schon im Kaiserreich und in der Weimarer Republik – die Uniformen und Decken, andere Quandt'sche Unternehmen Waffen und Munition.

Unmittelbar nach Kriegsende wurde Quandt in einem Entnazifizierungsverfahren zum „Mitläufer“ erklärt. Trotz bewiesener Verstrickung in die Verbrechen des Dritten Reichs, unter anderem durch von der AFA betriebene, firmeneigene Konzentrations- und Arbeitslager, wurde er nicht bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen angeklagt. Schon wenige Wochen nach der Kapitulation im Mai 1945 hatte seine AFA eine der ersten Betriebgenehmigungen der britischen Besatzungsmacht. Es gelang ihm, sich im Zuge des Wirtschaftswunders durch sein durch die Kriegswirren gerettetes Vermögen wieder eine Führungsrolle in der Nachkriegswirtschaft zu erarbeiten.

Seine Kinder, den 1910 geborenen Sohn Herbert und dessen Halbbruder Harald, hatte er zu Nachfolgern erkoren. Er brachte beide in leitenden Positionen in den von ihm kontrollierten Betrieben unter. Gemeinsam mit ihnen führte er das "Quandt-Imperium" durch die Familiengesellschaft „AG für Industriebeteiligungen“ von Stuttgart aus. Günther Quandt starb am 20. Dezember 1954 auf einer Urlaubsreise in Kairo. Das Kapital der milliardenschweren Quandt-Holding ging zu je 50 Prozent an seine beiden Söhne.

Herbert und Harald Quandt

Die Söhne verwalteten das Erbe gemeinsam, legten jedoch gewisse Zuständigkeiten fest. Während sich Harald Quandt auf die in der Industriewerke Karlsruhe-Augsburg AG (IWKA), heute KUKA AG, gebündelten Maschinenbau- und Rüstungsaktivitäten konzentrierte, kümmerte sich Herbert Quandt um VARTA, Daimler-Benz und BMW. Letztere, die Bayerischen Motorenwerke in München, sollten sich als eine der größten Herausforderungen im Leben der Quandts erweisen und wurden mit der spektakulären Übernahme der Vorherrschaft bei BMW 1959, mit der die Übernahme durch Daimler-Benz verhindert wurde, ihr wohl größter unternehmerischer Erfolg.

Von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind heute vor allem die Beteiligungen von Herbert Quandts dritter Frau Johanna Quandt. Zusammen mit ihren beiden Kindern Susanne Klatten und Stefan Quandt hält sie 46,6 Prozent der Anteile am bayerischen Automobilbauer BMW.

Teile des Familienvermögens wurden in die Quandt-Stiftung eingebracht.

Liste bekannter Familienmitglieder

Beteiligungen der Quandts

Parteispenden von Familie Quandt

Seit dem Jahr 2002 spendete die Familie Quandt etwa 1,5 Millionen Euro an deutsche Parteien. Der größte Anteil der Spendensumme ging dabei an die CDU. Die Schwesterpartei CSU und die FDP erhielten ebenfalls Spenden.

Trotz der Verstrickungen der Familie Quandt in die Verbrechen der Nationalsozialisten beteiligten sie sich nicht am sogenannten Zwangsarbeiter-Fonds der deutschen Wirtschaft.

Betrachtet man heute die Parteispenden der Konzerne BMW (ca. 1,5 Mio. Euro) und Altana (ca. 1,1 Mio. Euro) ebenfalls als Spenden der Familie Quandt, so zählt die Familie zu den größten Einzelspendern deutscher Parteien.[2]

Ehrungen

Die niederbayerische Kreisstadt Dingolfing ehrt Herbert Quandt durch eine entsprechende Straßenbenennung ("Dr.-Herbert-Quandt-Straße").

Zitate

„Wenn man es zusammenfasst, hat die Familie Quandt ihr Vermögen gemacht auf der Grundlage von Zwangsarbeit, verknüpft mit dem Zweiten Weltkrieg und den deutschen Kriegszielen und so weiter. Also das ist die Basis für ihr Vermögen.“

– Ökonomieprofessor Herbert Schui in Das Schweigen der Quandts


„Wir haben ein Riesenproblem in Deutschland, das wir nie vergessen können. In der Familie ... und wir haben über die Themen oft genug gesprochen ... Wir finden es aber schade, denn es hilft Deutschland unheimlich wenig weiter. Je mehr wir [...] da drüber nachdenken und daran erinnert werden alle, genauso wird man im Ausland daran erinnert. Und wir müssten endlich mal versuchen, das zu vergessen. Es gibt in anderen Ländern ganz ähnliche Dinge, die passiert sind, auf der ganzen Welt. Da redet keiner mehr drüber.“

– Sven Quandt in Das Schweigen der Quandts

Filme

Literatur

Quellen

  1. vgl. die NDR-Dokumentation Das Schweigen der Quandts
  2. Spendensplitting
  3. Pressemitteilung, NDR, 1. Oktober 2007