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Elektroschocker

Der Elektroschocker, auch als Elektroimpulsgerät bezeichnet, ist ein handliches Gerät, das der Verteidigung dient. Erfunden wurde er vermutlich zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg.

Inhaltsverzeichnis

Technik

Der Elektroschocker erzeugt aus einer niedrigen Batteriespannung (1,5 bis 12 V) eine hohe Ausgangsspannung. Deshalb sind die meisten Elektroschocker aus Sicherheitsgründen aus Kunststoff hergestellt und stellen an zwei an der Vorderseite angebrachten Metallkontakten diese sehr hohe elektrische Spannung zur Verfügung. Im Prinzip wird diese Spannung wie die Hochspannung beim Fernsehgerät durch Selbstinduktion erzeugt: Die Batteriespannung wird elektronisch „zerhackt“ (aus- und eingeschaltet) und so als „Quasi“-Wechselspannung auf eine Induktivität gegeben.

Werden beide Kontakte mit dem Angreifer in Berührung gebracht und das Gerät ausgelöst, so erleidet dieser durch die hohen Spannungsspitzen einen so genannten Elektroschock, daher auch der Name des Geräts. Beim Auslösen ohne Kontakt zu einem Ziel ist zwischen den beiden Kontakten ein Lichtbogen zu sehen. Damit ist auch zu berechnen, wie viel Spannung der Elektroschocker mindestens abgeben kann: Pro Millimeter Abstand der Elektroden sind dies etwa 1.000 V.

Elektroschocker werden als „Handgerät“ und als „Stabgerät“ angeboten. Ein Handgerät hat in der Handfläche Platz und kann praktisch verdeckt getragen werden. Bei Stabgeräten sind die Kontakte an der Spitze eines Stabes angebracht, mit dem man potentielle Angreifer auf größere Distanz halten kann. Elektroschocker werden mit Spannungen bis zu 900 kV angeboten.

Wirkung

Normalerweise ist der Elektroschocker eine nicht-tödliche Waffe. Elektroschocks sind in allen Fällen sehr schmerzhaft und auf Dauer auch qualvoll. In Einzelfällen (zum Beispiel bei Herzschwäche und zu langer Einwirkzeit) kann die Zielperson jedoch auch eine tödliche Verletzung erleiden. So kamen laut dpa (16. Oktober 2007) seit 2003 in Nordamerika insgesamt knapp 300 Menschen durch das Gerät ums Leben.

Foltergerät

Elektroschocker sind auch ein mögliches Folterinstrument. Da die Verletzungen in der Regel gering sind, normalerweise auch keine physischen Schäden auftreten, können Folterungen damit auch nur sehr schwer nachgewiesen werden. Der UNO-Sonderberichterstatter für Menschenrechte, sagte: „Es sind sehr, sehr gängige Folterwaffen, so ausgerichtet, dass sie keine bleibenden Spuren hinterlassen das heißt, eine Foltermethode, die sehr starke Schmerzen verursacht, aber nicht wirklich nachweisbar ist, wenn man keine Zeugen hat. Das ist das, was moderne Folterknechte am Liebsten haben.“

Aus diesen Gründen ist in Großbritannien, den Benelux-Staaten, der Schweiz sowie Skandinavien der Verkauf und die Ausfuhr dieser Geräte verboten. Deutschland ist hinter den USA der zweitgrößte Exporteur von Elektroschockern. Abnehmer sind unter anderem Rumänien, Georgien, Bangladesh, Iran und Usbekistan.[1]

Ausfuhrverbot

Nach Art. 3 i.V.m. Anhang II der Verordnung (EG) Nr. 1236/2005 des Rates betreffend den Handel mit bestimmten Gütern, die zur Vollstreckung der Todesstrafe, zu Folter oder zu anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe verwendet werden könnten - sog. AntifolterVO ist die ungenehmigte Ausfuhr von Elektroschock-Gürteln, konstruiert, um durch Abgabe von Elektroschocks mit einer Leerlaufspannung größer als 10.000 V auf Menschen Zwang auszuüben, verboten. Die ungenehmigte Einfuhr solcher Waren ist gem. Art. 4 i.V.m. Anhang II der AntifolterVO verboten. In Anhang I der Verordnung sind die Stellen, welche eine Genehmigung erteilen können, aufgelistet. In Deutschland ist dies zum Beispiel das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle in Eschborn.

Unzulässigkeit nach WaffG

Elektroimpulsgeräte sind nach Anlage 2 des WaffG[2] verboten, wenn sie kein amtliches Prüfzeichen für die gesundheitliche Unbedenklichkeit tragen. Nach § 40 Abs. 4 WaffG[3] kann das Bundeskriminalamt jedoch Ausnahmen zulassen. Eine solche Ausnahmegenehmigung wurde am 28. August 2003 erteilt. Sie war zunächst gültig bis zum 31. Dezember 2007. Die Gültigkeit wurde bis zum 31. Dezember 2010 verlängert.[4] Da es bis heute keine Prüfungsvorschriften für ein amtliches Prüfzeichen über die gesundheitliche Unbedenklichkeit gibt, sind Elektroschocker frei verkäuflich an Personen über 18 Jahre.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. http://www.stern.de/politik/deutschland/:Unkontrollierter-Export-Deutsche-Elektroschocker-Folterknechte/583443.html
  2. WaffG Anlage 2, siehe 1.3.6
  3. § 40
  4. Bundesanzeiger Nr. 236 vom 18. Dezember 2007, Seite 8289