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Firmung

Die Firmung (lateinisch: confirmatio, „Bestätigung, Bekräftigung“) ist eines der sieben Sakramente der römisch-katholischen, der altkatholischen Kirche, und der orthodoxen Kirche (dort gr. myronSalbung“ genannt), und eine sakramentale Handlung (Sakramentalie) in der anglikanischen Kirche. In der katholischen Kirche ist sie die „Vollendung der Taufe“ und bildet zusammen mit der Taufe und der Eucharistie (mit Erstkommunion) die „drei Sakramente der christlichen Initiation“. Die Firmung „ist das Sakrament, das den Heiligen Geist verleiht, um tiefer in der Gotteskindschaft zu verwurzeln, fester in Christus einzugliedern, die Verbindung mit der Kirche zu stärken, mehr an ihrer Sendung zu beteiligen und zu helfen, in Wort und Tat für den christlichen Glauben Zeugnis zu geben.“[1]

In den Ostkirchen wird die Firmung unmittelbar im Anschluss an die Taufe und vor der ersten Kommunion gespendet, in der römisch-katholischen Kirche bei der Erwachsenentaufe ebenso, im Falle von Gläubigen, die die Kindertaufe empfangen haben, nach „Erreichen des Vernunftgebrauchs“ in einer gesonderten Feier, die mit der Erstkommunion verbunden sein kann oder, hierzulande die Regel, dieser erst nach einiger Zeit folgt.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung und Bedeutung

Die Firmung hat sich im Laufe der ersten Jahrhunderte der christlichen Kirche als Aspekt der Taufe oder als eigenständige Feier entwickelt. Ihr Charakter als Sakrament ist seit der Reformationszeit bei den Protestanten umstritten; die Orthodoxe Kirche, die Altkatholische Kirche, die Römisch-Katholische Kirche und eingeschränkt die Anglikanische Kirche feiern sie als eigenes Sakrament. Die Kirchen der Reformation haben dies nicht übernommen, aber mit der Konfirmation einen Ersatz geschaffen. Die begriffliche Unterscheidung zwischen Firmung und Konfirmation, wie sie im Deutschen existiert, gibt es im Lateinischen und in den meisten anderen Sprachen nicht.

Die Eigenständigkeit einer Firmung wird von ihren Befürwortern biblisch vor allem mit Stellen aus der Apostelgeschichte begründet. So predigte und taufte ein gewisser Diakon Philippus in Samaria.

„Als aber die Apostel...hörten, dass Samaria das Wort Gottes angenommen habe, sandten sie den Petrus und den Johannes zu ihnen. Diese zogen hinab und beteten für sie, dass sie den Heiligen Geist empfangen möchten. Denn er war noch über keinen von ihnen gekommen, sondern sie waren nur getauft auf den Namen des Herrn Jesus. Da legten sie ihnen die Hände auf und sie empfingen den Heiligen Geist.“ (Apg 8,15 EU)

Nach dem Verständnis firmender Kirchen spendet Paulus auch in der Erzählung (Apg 19,5ff EU) die Firmung:

„Da sie dies hörten, ließen sie sich taufen auf den Namen des Herrn Jesus. Und als Paulus ihnen die Hände auflegte, kam der Heilige Geist auf sie und sie redeten in Zungen und Sprachen prophetisch. Es waren im ganzen ungefähr zwölf Männer“.

Hier wird erkennbar, dass dieselbe Verheißung wirksam ist, die den Aposteln an Pfingsten gegeben wurde.

Die Bedeutung besteht nach der römisch-katholischen Kirche vor allem in zwei Aspekten: a) engere Verbindung mit der Kirche, b) Stärkung (lat. firmus, „stark“) durch die Kraft des Heiligen Geistes[2]; außerdem wird durch die Firmung die Taufe vollendet in der Hinsicht, dass die Aufnahme in das Volk Gottes nun uneingeschränkt der Kirche angehört („Vollbürger im Reiche Christi“[3] ist). Der Firmling wird mit seiner Firmung von Jesus Christus und der Kirche in Besitz genommen[4]. Gleichzeitig wird er bevollmächtigt, „nämlich in der Kraft des Heiligen Geistes als Zeuge Jesu Christi den Glauben durch Wort und Tat zu verbreiten und zu verteidigen und so zum Aufbau und Wachstum des Leibes Christi, der Kirche, beizutragen.“[5] Und schließlich wird er dazu gesegnet und gestärkt durch den Heiligen Geist. Alle diese Aspekte werden durch die schon von jeher zur Form des Sakraments gehörende Handauflegung ausgedrückt. Außerdem wird die (bereits in der Taufe vermittelte) Teilhabe am Priestertum, Königtum und Prophetentum Christi „in einem volleren Maße“[6] bewirkt (vgl. Allgemeines Priestertum); diesem Aspekt ist eher das Symbol der Salbung zugeordnet.

Im landläufigen römisch-katholischen Verständnis hat die Firmung neben der Übertragung des Heiligen Geistes auch den Sinngehalt der Aneignung des Glaubensbekenntnisses, das die Eltern und Paten in ihrem eigenen Namen bei der Taufe eines Kindes gesprochen hatten. Freilich ist die Feier der Firmung erst seit dem II. Vaticanum mit einem Glaubensbekenntnis der Firmlinge verbunden[7]. Auch werden nach katholischem Brauch die Taufversprechen jedes Jahr in der Feier der Osternacht[8] und je nach pfarrlicher Tradition bei anderen Messen (Erstkommunionsfeier, Fest der Taufe des Herrn etc.) erneuert, so dass dies auch der Ungefirmte schon getan hat oder tun konnte.

Da die Firmung in der Regel vom Diözesanbischof oder in seiner Vertretung durch einen Weihbischof, und auch in den Ausnahmefällen so gut wie nie vom eigenen Ortspfarrer, gespendet wird, stellt sie außerdem die sichtbare Verbindung zum Bistum und zur Weltkirche her.

Voraussetzungen

Die Firmung erfordert einige Voraussetzungen. Zum einen muss der Firmling getauft sein, da die Firmung die Taufe zur Vollendung bringt. Außerdem muss der Firmling den Willen haben, gefirmt zu werden. Es wird dem Firmbewerber empfohlen, vor der Firmung das Bußsakrament zu empfangen; dies natürlich besonders dann, wenn er schwere Sünden begangen hat. Hinsichtlich des Firmalters unterscheiden sich die Auffassungen. In der orthodoxen Kirche und in den katholisch-unierten Kirchen des Ostens wird die Firmung mit der Kindertaufe verbunden; in der westlichen katholischen Kirche dagegen ist erforderlich, dass der Firmling die Bedeutung der Firmung erkennen kann. Das Firmalter schwankte im Westen erheblich im Wechsel der Geschichte und liegt heute gewöhnlich zwischen 12 [9] und 16 Jahren. Ein Jugendlicher ab 14 ist auch religionsmündig und kann so seine Taufe selber bestätigen, was aber nicht das Wesen der Firmung ausmacht. Einige vor allem schweizerische Gemeinden legen das Firmalter auf exakt 18 Jahre fest, was jedoch Gefahren einer weiteren Säkularisierung der Firmung birgt. Doch auch jeder noch nicht gefirmte Erwachsene kann und soll auf Verlangen gefirmt werden, besonders im Zusammenhang mit der Taufe bzw. der Aufnahme in die Katholische Kirche. Als Mindestalter schreibt der Codex Iuris Canonici das „Erreichen des Vernunftgebrauchs“ [10] (etwa sieben Jahre) vor.

Ritus

Gespendet wird die Firmung in der abendländischen Katholischen Kirche im Allgemeinen von einem Bischof (Ordentlicher Spender). Wo dies nicht möglich ist, kann sie auch in seinem Auftrag von einem anderen Priester gespendet werden. Bei einer Erwachsenentaufe ist es der Taufpriester. Sonst ist es üblicherweise jedoch kein vor Ort tätiger Priester, sondern etwa ein Domkapitular oder der Abt eines Klosters. In den Ostkirchen kann sie ohne weiteres von jedem Priester gespendet werden. Den neutestamentlichen Berichten zufolge wurde die Firmung durch Handauflegung gespendet. Erst später wird Chrisam (in den orientalischen Kirchen Myron genannt) in der Literatur als Materie des Sakraments genannt, so bei Cyrill von Jerusalem und bei Augustinus. Im Alten Testament lässt sich an einer Stelle ein Zusammenhang zwischen dem Ritual der Salbung und dem Empfang des Heiligen Geistes herstellen:

Samuel nahm das Horn mit dem Öl und salbte David mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des Herrn war über David von diesem Tag an. Samuel aber brach auf und kehrte nach Rama zurück. 1 Sam 16,13

Das Chrisam bzw. Myron ist heute vorgeschriebene Materie der Firmung, es ist eine Mischung aus Öl und Balsam. Es wird vom Bischof am Gründonnerstag bzw. in der Karwoche geweiht. Bei der Firmung selbst breitet der Bischof über die Firmlinge die Hände aus und ruft den Heiligen Geist auf sie herab[11]. Dann spendet er jedem einzelnen Firmling das Sakrament, indem er ihm mit Chrisam in Kreuzesform die Stirn salbt und dazu die Worte spricht:

„(Bischof:) N.. sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist.
(Firmling:) Amen.“

Römischer Firmritus

Während der Firmung legt der Pate als Zeichen seiner Unterstützung seine rechte Hand auf die rechte Schulter des Firmlings.

In der griechischen Kirche ist folgende Form gebräuchlich [12]:

„Siegel der Gabe des Heiligen Geistes“

Griechischer Firmritus

Jüngere Geschichte

Der Ritus der Firmung wurde durch die Liturgiereform abgeändert. „Sacrosanctum Concilium“ forderte ein der Firmung vorausgehendes Glaubensbekenntnis, um die Verbindung mit der Taufe und die Einheit der christlichen Initiation zum Ausdruck zu bringen. Auch ermöglichte diese Konstitution des II. Vaticanums die Firmspendung innerhalb der Messe [13], die zur gängigen Praxis geworden ist[14]. Sinn dieser Neuerung war, die Einheit der drei Sakramente der christlichen Initiation herauszustellen[15].

Ferner wurde 1971 die Spendeformel geändert[16] .Gemäß dem vorkonziliaren Ritus lautete die Spendeformel[17]:

„Ich bezeichne dich mit dem Zeichen des Kreuzes und stärke dich mit dem Chrisam des Heiles im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Römischer Firmritus vor 1971

Paul VI. erneuerte den westlichen Firmritus, indem er die bis dahin übliche Spendeformel durch eine alte byzantinische ersetzte, in welcher der Hl. Geist bzw. Gott als Hauptakteur erscheint und die Bedeutung des (bischöflichen) Amtsträgers zurücktritt (pneumatologische Deutung der Firmung):

„Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist.“

Firmritus seit 1971

Der „Backenstreich“, den der Firmspender in der vorkonziliaren Form des römischen Ritus dem Neugefirmten verpasste, ist durch den Friedensritus zwischen Spender und Empfänger der Firmung ersetzt worden. Er hat sich als volkstümliche Tradition[18] zwar teilweise noch halten können, ist aber im Aussterben begriffen. Dieser symbolische Backenstreich war, ebenfalls volkstümlicherweise, mit der Notwendigkeit begründet worden, der Gefirmte müsse für seinen Glauben schon einmal „Schläge“ einstecken (warum diese dann ausgerechnet vom Bischof kommen sollen, weiß man nicht). Stichhaltiger ist wohl der Symbolcharakter der Verdeutlichung des „Ritterschlags“, mit dem man die Firmung vergleicht[19].

Die deutschen Bistümer haben in jüngerer Zeit eine eigene Firmpastoral entwickelt[20]. Wert gelegt wird auf persönliche Entscheidung (und deshalb auch selbständige Anmeldung) zur Firmung. Die anschließende Firmkatechese wird vor allem von engagierten Laien der jeweiligen Pfarrei organisiert, wobei der Pfarrer über die Katechese die Letztverantwortung innehat. Die Firmkatechese sieht sich meist gezwungen, nicht nur über die Firmung zu belehren, sondern auch grundlegende Glaubensinhalte zu vermitteln.

In österreichischen Bistümern werden als Ergänzung zur Katechese nicht selten, Aktivitäten und Projekte im Rahmen des pfarrlichen Gemeindelebens angeboten bzw. gefordert [21].

Bräuche im Zusammenhang mit der Firmung

In manchen Regionen ist es üblich, dass sich der Firmling einen Heiligennamen aussucht, den er durch die Firmung als weiteren Namen annimmt. Traditionell feiert der Firmling den Firmtag allein mit seinem Paten. Erst in jüngster Zeit finden im Rahmen der Firmung große Familienfeiern statt. In einigen Gegenden Deutschlands erhalten die Neugefirmten auch Geld- oder andere Geschenke (etwa früher in Bayern traditionell die erste Uhr.)

Zitate

Trivia

Der Firmling ist ein bekanntes Theaterstück von Karl Valentin.

Siehe auch

Literatur

Quellen

  1. Weltkatechismus Nr. 1316 (1992) [1]
  2. Katholischer Erwachsenen-Katechismus (KEK) der Deutschen Bischofskonferenz, I. Band (1985), S. 340
  3. GL 53, in bezug auf die drei Initiationssakramente zusammen
  4. KEK I, S. 341
  5. ebd.
  6. ebd.
  7. Sacrosanctum Concilium, Konstitution des 2. Vatikanischen Konzils über die heilige Liturgie (1963), Nr. 71 [2]
  8. SCHOTT Meßbuch, Feier der Osternacht [3]
  9. Diözese St. Pölten[4]
  10. can. 889 § 2 [5]
  11. Gebetstext hier
  12. Weltkatechismus Nr. 1300 [6]
  13. Nr. 71 [7]
  14. vgl. etwa bei den Informationen des Erzbistums München und Freising hier
  15. ebenfalls S.C. Nr. 71 [8]
  16. KEK, I. Band, S. 340
  17. Prof. Dr. K. Hörmann, Lexikon der christlichen Moral (1969), Titel „Firmung“, Abschnitt 3, Unterabschnitt c2) [9]
  18. bair. „Håt die Wâtschn aa nix ghoiffa!“, zum Beschimpfen eines Neugefirmten (Quelle dafür?)
  19. auf der Website der Kirche in der Schweiz: „Man hat die Firmung sinnvoll als geistlichen «Ritterschlag» bezeichnet, wodurch der Christ zum Kämpfer Christi, des Königs, bestellt und zugleich zum aktiven Laienapostel berufen wird.“
  20. im KEK, I. Band, S. 341 noch als Aufgabe bezeichnet
  21. vgl. etwa bei der katholischen Kirche in Kärnten hier oder hier