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Rusudan

Rusudan (georgisch რუსუდანი, * 1194; † 1245) war von 1223 bis 1245 Königin von Georgien.

Leben

Sie war die Tochter von Königin Tamara und David Soslan.

Von der Königin Rusudan wird berichtet, dass sie zwar mit der Schönheit ihrer Mutter, aber nicht mit deren staatsmännischen Fähigkeiten ausgestattet war.

Bereits im ersten Jahr ihrer Regierung gab es Krieg mit den Kiptschaken. Durch die Mongolen aus ihren Lebensräumen verdrängt, zogen sie über Aran und Schirwan nach Georgien, wo sie von der Königin Siedlungsland forderten. Als dieses abgelehnt wurde, drehten sie plündernd nach Gandscha ab und belagerten die Stadt Qabala. Eine georgische Strafexpedition wurde von ihnen überrascht und besiegt. Als die Kiptschaken noch die östlichen Grenzgebiete Georgiens verheert hatten und mit reicher Beute abzogen, verfolgten georgische Truppen die Feinde, besiegten sie und nahmen ihnen die Beute wieder ab.

1223 kämpften georgische Truppen in Armenien, 1225 vor Gandscha. Beide Unternehmungen waren nicht von Erfolg gekrönt.

Während Georgien seine Kräfte in Kleinkriegen aufrieb, rückte die mongolische Bedrohung immer näher. 1220 war das mächtige Reich von Choresm unter den Schlägen der Mongolen zerbrochen, und die vier Söhne Schah Muhammads II. versuchten das väterliche Erbe zu retten. Dem fähigsten Sohn Dschelal ad-din gelang es sogar die Mongolen vor Kabul zu besiegen. Doch als Dschingis Khan persönlich anrückte wurde er 1221 am Indus vernichtend geschlagen. Dschelal ad-din rettete sich, indem er den Indus zu Pferd durchschwamm. 1225 kam er nach Aserbaidschan, wo er das Land kampflos in Besitz nehmen konnte. Um die gewaltigen finanziellen Mittel, die der Kampf gegen die Mongolen verschlang, aufbringen zu können, wollte er den reichsten Staat Vorderasiens, Georgien, in seine Gewalt bringen.

Bei Garnisi in Armenien kam es 1225 zur Schlacht, in der das georgische Heer eine schwere Niederlage erlitt. Etwa 30.000 Mann standen 120.000 Choresmier gegenüber. Der Weg nach Tiflis stand offen. Da aber in Aserbaidschan Aufstände ausbrachen, konnte Dschelal ad-din seinen Sieg nicht sofort nutzen.

Nachdem er diese niedergeschlagen hatte, rückte er nach mehreren siegreichen Gefechten wieder nach Tiflis vor. Königin Rusudan hatte auf den Rat der Fürsten die Stadt verlassen und sich über das Lichi-Gebirge nach Westgeorgien begeben. Am 9. März 1226 fiel Tiflis in die Hände der Choresmier. Sie wüteten in der Stadt mit unvorstellbarer Grausamkeit. 100.000 Einwohner sollen den Massakern zum Opfer gefallen sein. Dem Sieger fielen unermessliche Reichtümer in die Hände.

Als Dschelal ad-din einen Krieg gegen das ayyubidische Ahlat begann, erlitt er eine Niederlage. Diese nutzten die Georgier, um 1227 Tiflis zurückzuerobern. Eilig begab sich der choresmische Sultan mit seiner Armee wieder nach Georgien. Da die georgischen Truppen in Tiflis zu schwach waren, um die Stadt zu verteidigen, zündeten sie Tiflis an und verließen es.

1228 erlitt Dschelal ad-din mehrere Niederlagen gegen die Mongolen. Deshalb versuchte er eine Allianz islamischer Staaten gegen diese zu schmieden, indem er den Kalifen von Bagdad und den Sultan von Ahlat für seine Ziele zu gewinnen suchte. Doch hatte der Sultan in Kriegen gegen seine islamischen Glaubensgenossen dermaßen gewütet, dass diese eher bereit waren, mit dem christlichen Georgien zusammenzuarbeiten.

1228/29 gelang es den Choresmiern die Pässe von Derbend zu besetzen. Als sie auf dem Rückweg am Sewansee in zwei Heeresteilen lagerten, gelang es dem georgischen Heer den westlichen Heeresteil durch einen nächtlichen Überraschungsangriff zu vernichten, worauf sich der östliche geordnet zurückzog.

Um die Scharte auszuwetzen begann der choresmische Sultan 1229 einen neuen Feldzug gegen Georgien. Königin Rusudan versuchte alle verfügbaren Truppen zusammenzuziehen, verstärkt durch Kiptschaken, ossetische Kontingente und Krieger der Bergstämme. Das Kommando erhielt Avag Mchargrdzeli, der den Angreifern entgegenzog. Bei Bolnissi stießen beide Heere zusammen. Nach langem Kampfe fiel die Entscheidung zugunsten der Choresmier, als die Kiptschaken zu ihnen überliefen. Danach versuchte Dschelal ad-din die Besitzungen Avags zu erobern und belagerte die Festungen Gagi und Kvarin. Da die Belagerung mehr als drei Monate dauerte, begnügte er sich mit einem Lösegeld und verließ im Herbst 1229 Georgien für immer.

Am 14. April 1230 gelang es ihm das ayyubidische Ahlat einzunehmen, was ihm 1226 und 1229 nicht gelungen war. Doch der Koalition von Ayyubiden und Rum-Seldschuken war er nicht gewachsen. Bereits am 10. August 1230 besiegten sie ihn und zwangen ihn zur Rückgabe von Ahlat. Zu allem Unglück wurden jetzt auch noch die Mongolen unter Tschormaghan aktiv und fügten ihm im Winter 1230/31 eine Niederlage zu. Am 17. August 1231 erlitt er seine endgültige Niederlage. Auf der Flucht wurde er von einem Kurden ermordet.

Die Jahre 1231 bis 1236 bedeuteten für Georgien noch einmal eine Zeit des Friedens. Der georgische Staat wurde im Auftrage der Königin Rusudan von Avag, Schanschah und Varam Gageli geleitet. Tiflis wurde wieder aufgebaut und das armenische Kars neu befestigt. Im Jahre 1235 eroberten Schanschah und Avag das armenische Sermars (Surb Mari). Georgien hatte erneut begonnen eine expansionistische Politik aufzunehmen.

Die Aktivitäten der Mongolen zur Unterwerfung Kaukasiens begannen bereits 1235. In dem selben Jahr eroberten sie Gandscha, das lange abhängig von Georgien war. Von dort aus zogen sie nach Schamkori in Armenien, welches zum Besitz Waram Gagelis gehörte. Da die militärische Unterstützung durch ihn ausblieb, musste die Besatzung nach schweren Kämpfen kapitulieren. Eine Festung nach der anderen von Warams Besitzungen musste kapitulieren. Er selbst mied jede Auseinandersetzung mit dem Feind und floh schließlich nach Westgeorgien.

Dorthin, nach Kutaissi war auch die Königin Rusudan mit ihrem Hof geflohen. Dem Befehlshaber von Tiflis befahl sie, die Stadt in Brand zu stecken, damit sie nicht in die Hände der Mongolen fiel. Georgien war durch die Feldzüge der Choresmier derart geschwächt, dass es kein Heer mehr gegen die Invasoren aufstellen konnte. Die Fürsten verschanzten sich in ihren Burgen und fanden nicht zum gemeinsamen Kampf zusammen.

Bereits im Jahre 1236 war der georgische Teil von Armenien erobert. Die Eroberung Georgiens zog sich bis 1239 hin, wobei die meisten Städte Ostgeorgiens kampflos in die Hände der Mongolen fielen. Nur Ivane Dschakeli mit seinen Meshkern leistete ernsthaften Widerstand und ergab sich, nachdem Königin Rusudan ihre Einwilligung dazu gegeben hatte.

Somit war ganz Ost- und Südgeorgien von den Mongolen besetzt. Nach Westgeorgien einzudringen gelang den Mongolen nicht. Dort herrschte weiter unumschränkt Königin Rusudan. Damit war Georgien in einen unabhängigen Westteil und in einen von den Mongolen abhängigen Ostteil, in dem der Regierungsapparat des Königreiches war, geteilt. 1242 wurde dieser Zustand durch einen von Awagh Mchargrdzeli ausgehandelten Vertrag bestätigt. Königin Rusudan unterwarf sich formell den Mongolen und konnte durchsetzen, dass ihr Sohn David VI. als König in Tiflis anerkannt wurde (1243). Ostgeorgien hatte einen Tribut von 50.000 Goldstücken zu zahlen und musste den Mongolen Heeresfolge leisten. Jeder zehnte Mann wurde für das Heer ausgehoben, welches vom georgischen König befehligt wurde.

Zu seiner Bestätigung musste sich David zu Batu Khan in die Goldene Horde nach Sarai begeben wurde aber von diesem zum Großkhan nach Karakorum geschickt, wo er 1245 ankam. Im selben Jahr starb auch Königin Rusudan. Sie war seit 1224 mit dem Sohn des Sultans von Erzurum, Mughit ad-din (Name nicht vollständig überliefert), einer Seitenlinie der Rum-Seldschuken, verheiratet und hatte außer David noch eine Tochter, Tamara, die spätere Ehefrau des Sultans Kai Chosrau II..

Die Nachkommen Rusudans werden von der georgischen Geschichtsschreibung deswegen auch als Seldschukiden bezeichnet und starben 1455 mit Demetre in männlicher Linie aus. Dessen Tochter Gulaschar hatte Giorgi, den Bruder Alexanders I. von Georgien (1412-1442) geheiratet. Beider Sohn Bagrat VI. okkupierte den Thron Georgiens (1465-1478), nachdem Giorgi VIII. (1446-1465) in Gefangenschaft des Atabegs von Samtzche geraten war. Alexander, der Sohn Bagrats wurde nach ihm nicht König von Georgien, sondern König von Imeretien (1478-1510). Diese Linie regierte bis 1810 in Imeretien.



Personendaten
Rusudan
რუსუდანი
Königin von Georgien
1194
1245