Sex Pistols
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Sex Pistols

Sex Pistols
Gründung 1975
Auflösung 1978
Genre Punkrock
Website www.SexPistolsOfficial.com
Gründungsmitglieder
Gesang Johnny Rotten
Gitarre Steve Jones
Bass Glen Matlock (bis 1977)
Schlagzeug Paul Cook
Spätere Mitglieder
Bass Sid Vicious (1977-1978)

Die Sex Pistols sind eine der bekanntesten englischen Punk-Bands der zweiten Hälfte der 1970er Jahre. Die Mitglieder der Band heißen John „Johnny Rotten“ Lydon, Steve Jones, Paul Cook und Glen Matlock, der 1977 durch Sid Vicious ersetzt wurde. Weitere wichtige Menschen im Umfeld der Sex Pistols waren deren Manager Malcolm McLaren, dem nachgesagt wird, die Band entdeckt und berühmt gemacht zu haben, die Designerin Vivienne Westwood, der Regisseur Julien Temple, der drei Filme über sie drehte, und der Grafiker Jamie Reed. Gemeinsamer kultureller Hintergrund von McLaren, Westwood und Reed waren die Pariser Studentenunruhen von 1968 und der Situationismus, sowie die Mitte der 70er Jahre entstandene New Yorker Punk-Szene um die Ramones, Richard Hell (dessen Aussehen einschließlich Sicherheitsnadeln und zerrissener T-Shirts Johnny Rotten kopierte) und Johnny Thunders und deren musikalischen Vorbilder The Stooges mit Iggy Pop, MC5, the Ramones und New York Dolls (mit Thunders), die auch kurzfristig von McLaren gemanagt wurden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vorgeschichte (1973-75)

Die Ursprünge der Band reichen zurück bis in das Jahr 1973, als die Schulfreunde Steve Jones, Paul Cook und Warwick Nightingale beschlossen, mit gestohlenem Equipment eine Band zu gründen. Im Juni 1974 stieß Glen Matlock als fester Bassist dazu, und die noch namenlose Gruppe hatte in dieser Besetzung Anfang 1975 ihren ersten Auftritt auf einer Party.

Im Juni 1975 wurde Gitarrist Nightingale (der den ersten eigenen Song Did you no wrong geschrieben hatte) aus der Band geworfen, Steve Jones wechselte vom Gesang zur Gitarre, und ein neuer Sänger wurde Ende August 1975 in John Lydon gefunden.

Sex Pistols (1975-77)

Die Band verbrachte den Herbst mit intensiven Proben und trat am 5. November 1975 unter dem neuen Namen Sex Pistols zum ersten Mal auf. Der Großteil des Songwritings wurde von Glen Matlock übernommen, während es Steve Jones' Aufgabe war, Matlocks Ideen zu möglichst knappen und aggressiven Arrangements zu komprimieren. John Lydon übernahm das Schreiben von Texten (bis auf den Song Pretty Vacant, der komplett von Glen Matlock stammte).

Nach ihrem Auftritt am „100 Club Punk Festival“ (September 1976) bekamen sie einen Vertrag bei der Plattenfirma EMI. Ihre erste Single, Anarchy in the U.K., erschien im November 1976. Nach einem aufsehenerregenden Fernsehauftritt auf ITV zog EMI die Single zurück und kündigte am 6. Januar 1977 den Vertrag mit der Band. Wegen ständiger Querelen mit John Lydon verließ Glen Matlock im Februar 1977 die Gruppe und wurde durch Sid Vicious ersetzt, der zwar das passende Image hatte, aber als Bassist nur rudimentäre Kenntnisse vorzuweisen hatte. Folgerichtig wurden im Studio die Bassläufe von Gitarrist Steve Jones eingespielt.

Die zweite Single, God Save The Queen, sollte zuerst bei A&M, wo die Band seit 10. März unter Vertrag war, erscheinen. Die Single wurde noch vor der Veröffentlichung wieder eingestampft und auch dieser Vertrag vom Label aufgelöst. Reich an Abfindungen, aber ohne erhältliche Plattenveröffentlichungen, unterschrieb die Band schließlich bei dem eigentlich verhassten Hippie-Label Virgin, wo am 27. Mai 1977 God Save The Queen noch rechtzeitig zum Thronjubiläum der Queen veröffentlicht wurde. Die Single wurde angeblich die Nummer 1 der englischen Charts, wurde aber auf den offiziellen Listen, angeblich wegen royalistischer Loyalität der Verantwortlichen, nur auf Platz 2 geführt. Die Single erlangte auch eine Menge Aufsehen, als die Band sich zum Geburtstag der Queen 1977 ein Boot mietete (welches ausgerechnet „Queen Elizabeth“ hieß), auf dem sie mitten auf der Themse vor Journalisten und geladenen Gästen in voller Lautstärke ein Konzert gab. Das Boot wurde von der Wasserschutzpolizei aufgebracht und die meisten der Passagiere verhaftet, die Band selbst konnte jedoch entkommen. Die Publicity rächte sich jedoch in den folgenden Wochen, als Mitglieder der Band von Royalisten überfallen wurden.

Um der aufgeheizten Stimmung in England zu entkommen, gingen die Sex Pistols auf eine kurze Skandinavien-Tour. Eine England-Tour folgte, allerdings unter dem Pseudonym SPOTS (Sex Pistols On Tour Secretly), um Auftrittsverbote zu umgehen. Im November 1977 erschien die erste (und eigentlich einzige) LP Never Mind the Bollocks, Here’s the Sex Pistols, eine Klage wegen angeblicher Obszönität des Titels wurde abgewiesen.

Auflösung (1978)

Anfang 1978 gingen die Sex Pistols auf USA-Tournee, an deren Ende Johnny Rotten die durch die Machenschaften ihres Managers zerrüttete Band verließ. In der Folge hielt der Rest der Band noch kurze Zeit zusammen, bevor man sich endgültig trennte.

Nach den Sex Pistols

Rotten, der sich wieder Lydon nannte, gründete Public Image Ltd. (1978-92), Jones und Cook die Band The Professionals (1979-82). Davor hatten sie versucht, zusammen mit Jimmy Pursey, dem Sänger von Sham 69, in einer Band namens "Sham Pistols" zu spielen, was aber sehr bald scheiterte. Malcolm McLaren veruntreute die Einnahmen der Band mit dem selbstverliebten Kinofilm "The Great Rock ’n’ Roll Swindle" und nutzte die Anfänge von Rap und Hip-Hop für eine Solokarriere. Er wurde in den 1980er Jahren von den überlebenden Bandmitgliedern erfolgreich verklagt. "The Great Rock n Roll Swindle" war eine teils fiktive, teils autobiographische "Quasi -Dokumentation" über die Band. Besonders anzumerken ist dabei die Mitwirkung des ehemaligen Posträubers Ronald Biggs, der in seinem damaligen Exil Brasilien zusammen mit den Pistols diverse Songs zum Besten gab. Jahre später wiederholte die deutsche Band Die Toten Hosen dieses Projekt und nahm mit Ronald Biggs Material auf, das auf dem Album Learning English – Lesson One veröffentlicht wurde. Einzig Glen Matlock gründete die Rich Kids (1977-79), und Sid Vicious strebte ebenfalls eine Solo-Karriere an und wurde Teil der New Yorker Heroin-Szene. Mit seiner Version des Frank-Sinatra-Songs My Way konnte er sogar Charterfolge verbuchen. Ende 1978 wurde er jedoch in New York angeklagt, seine Freundin Nancy Spungen ermordet zu haben, starb aber vor den Verhandlungen am 2. Februar 1979 an einer Überdosis Heroin.

Reunion (1996 bis heute)

Am 16. März 1996 gaben die vier Originalmitglieder der Sex Pistols eine Pressekonferenz in London und verkündeten die Absicht, wieder gemeinsam auftreten zu wollen. Es folgte eine Welttournee (72 Konzerte zwischen Juli und Dezember 1996), nach der sich die Band wieder trennte.

Am 27. Juli 2002 gaben die Sex Pistols ein Konzert zum 50. Thronjubiläum der Queen, am 14. September 2002 folgte ein Festivalauftritt in Kalifornien.

Im August und September 2003 gaben die Sex Pistols elf Konzerte in den USA und Kanada.

Am 13. März 2006 wurden die Sex Pistols gegen ihren Willen offiziell in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Die Band lehnte die Teilnahme an der Zeremonie strikt ab.

Im Juni 2007 gingen John Lydon, Steve Jones und Paul Cook mit dem Produzenten Chris Thomas ins The Boat Recording Studio in Los Angeles und nahmen neue Studioversionen der Songs "Anarchy in the U.K." und "Pretty Vacant" für das Videospiel Guitar Hero III auf.

Zum 30. Jubiläum des Never Mind The Bollocks-Albums absolvierten die Sex Pistols im Oktober und November 2007 acht Auftritte in Los Angeles und Großbritannien. Eines der Konzerte wurde von Regisseur Julien Temple gefilmt und wird im Sommer 2008 unter dem Titel "Sex Pistols - There'll Always Be An England" als DVD veröffentlicht.

Gegenüber dem Journalisten Clive Prior (MOJO-Magazin, Januar 2008) schlossen John Lydon und Steve Jones die Möglichkeit eines neuen Studioalbums nicht mehr aus. Steve Jones: "Ich persönlich würde gerne ein paar neue Songs aufnehmen. Ich dränge schon seit Jahren darauf. Ich denke es könnte bald soweit sein." John Lydon: "Früher habe ich gesagt, daß ich nie wieder Material mit dieser Band aufnehmen werde. Aber wenn es weiter so gut läuft und wir uns weiterhin so gut verstehen, würde ich nicht mehr nein sagen, es ist nämlich echt aufregend." Paul Cook äusserte am 16. Januar 2008 gegenüber WENN.com : "Ein ganzes Album kriegen wir vielleicht noch nicht zusammen, aber es gibt rechtzeitig für den Sommer hoffentlich ein paar neue Sachen." John Lydon bestätigte gegenüber der Presse am 16. Juni 2008 nochmals die Möglichkeit eines neuen Studioalbums.

Für den Sommer 2008 ist eine Welttournee mit bisher 29 Konzerten angekündigt.

Würdigung

Die Sex Pistols gelten als eine der wichtigsten Bands der englischen Punkgeschichte, auch wenn ihre Musik schon damals mehr Hard Rock als typischer Punk war. Die Band selbst lehnte das Etikett „Punk“ für sich auch immer ab. Einfache Akkorde, gerade Basslinien, schnelles, hartes Schlagzeug, wie sie als Musikform noch bei heutigen Punk-Bands zu finden sind, wurden eher von anderen Bands wie den Ramones oder den Buzzcocks aus Manchester entwickelt. Neben der Musik trugen besonders die provokanten Texte und das schockierende Auftreten der Sex Pistols dazu bei, dass Punk zur bestimmenden Musik- und Kulturbewegung der späten 1970er Jahre wurde, und sie selber zu deren Ikone.

Diskographie

Studioalben

Konzertalben

Kompilationen und Raritäten

DVDs

"The Great Rock n Roll Swindle" (Virgin Records) Teils autobiographischer Doku - Film der Band, durchsetzt mit fiktiven Elementen seitens des Ex-Pistols Managers "Malcolm Mc Laren".

Literatur