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Wilhelm Blaschke

Wilhelm Johann Eugen Blaschke (* 13. September 1885 in Graz; † 17. März 1962 in Hamburg) war ein österreichischer Mathematiker und Autor. Seine Arbeiten haben die Entwicklung der modernen Differentialgeometrie entscheidend beeinflusst.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Sein Vater lehrte Darstellende Geometrie an der Oberrealschule in Graz und beeinflusste seinen Sohn früh im Sinne der rein geometrischen Beweise von Jakob Steiner. An der Universität Wien studierte er Architektur, bevor er zur Mathematik wechselte und bei Wilhelm Wirtinger 1908 promovierte. Er ging dann nach Pisa zu Luigi Bianchi und nach Göttingen zu Felix Klein, David Hilbert und Carl Runge. 1910 habilitierte er sich bei Erich Study in Bonn, einem weiteren großen Geometer. Bevor er 1913 Professor in Prag wurde, arbeitete er noch mit dem Lie-Schüler Friedrich Engel in Greifswald zusammen. 1915 ging er nach Leipzig (wo er in seiner Antrittsvorlesung „Kreis und Kugel“ Jakob Steiners Spuren folgt), 1917 nach Königsberg und von dort über Tübingen 1919 nach Hamburg, das er mit der Berufung u.a. von Erich Hecke und Emil Artin zu einem Zentrum der Mathematik machte. Dort blieb er bis zu seine Emiritierung 1953, er behielt aber auch zukünftig eine rege Reisetätigkeit bei.

Blaschke arbeitete auf zahlreichen Gebieten der Differentialgeometrie (besonders affine Differentialgeometrie) und der Geometrie, z.B. über Minimaleigenschaften („isoperimetrische Eigenschaften“) geometrischer Figuren, Konvexe Körper, Integralgeometrie und die Geometrie der „Gewebe“, Gruppentheoretische Eigenschaften der Geometrie, Geometrie der Kreise und Kugeln (nach Edmond Laguerre, August Ferdinand Möbius, Sophus Lie).

Er ist der Verfasser vieler ausgezeichneter Lehrbücher, besonders seine „Vorlesungen über Differentialgeometrie“ von 1921/9. Auch Felix Kleins Vorlesungen über höhere Geometrie hat er neu herausgegeben und ergänzt.

Blaschke opponierte im Dritten Reich anfangs gegen deren Isolationsbestreben auf wissenschaftlichem Gebiet, wurde dann aber doch Parteimitglied, anscheinend nicht nur aus Gründen der Karriere, sondern aus Überzeugung. Das machte Blaschke in den Nachkriegsjahren umstritten. Er wurde 1946 „entnazifiziert“ und bekam seinen Lehrstuhl in Hamburg zurück, den er bis zu seiner Emeritierung 1953 behielt. Er hatte aber auch dann sehr viele internationale Kontakte. Zu seinen Schülern gehört der nach dem Zweiten Weltkrieg international führende Geometer Shiing-Shen Chern, der 1936 bei ihm promovierte.

Am 4. April 1957 wurde Blaschke als Ehrenmitglied in die Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin aufgenommen.

Er war verheiratet und hatte zwei Kinder. Blaschkes wissenschaftlicher Nachlass befindet sich im Institut für die Geschichte der Naturwissenschaft und Technik der Universität Hamburg.

Werke

Literatur

Personendaten
Blaschke, Wilhelm
Blaschke, Wilhelm Johann Eugen (voller Name)
österreichischer Mathematiker und Autor
13. September 1885
Graz
17. März 1962
Hamburg