Lindau (Bodensee)
Heim

Lindau (Bodensee)

Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 47° 33′ N, 9° 41′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Lindau (Bodensee)
Höhe: 401 m ü. NN
Fläche: 33,18 km²
Einwohner: 24.537 (31. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte: 740 Einwohner je km²
Postleitzahl: 88131
Vorwahlen: 0 83 82
Kfz-Kennzeichen: LI
Gemeindeschlüssel: 09 7 76 116
Adresse der Stadtverwaltung: Bregenzer Straße 6-12
88131 Lindau
Webpräsenz:
www.lindau.de
Oberbürgermeisterin: Petra Meier to Bernd-Seidl (CSU/Freie-Bürgerschaft)

Lindau (Bodensee) (alemannisch: Linda) ist Große Kreisstadt und Verwaltungssitz des gleichnamigen Landkreises im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben. Die Stadt liegt am östlichen Ufer des Bodensees im Dreiländereck DeutschlandÖsterreichSchweiz.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Die historische Altstadt liegt auf einer Insel (0,68 km²) im Bodensee. Die Insel ist durch einen Damm und eine Brücke mit dem Festland verbunden. Zu Lindau gehört auch die winzige Insel Hoy. Die natürliche Uferform im Lindauer Bereich des Bodensees ist ein Schilfgürtel, gefolgt von Feuchtwiesen und ansteigendem festem Gelände.

Stadtteile

Geschichte

Ur- und Frühgeschichte

Bei Tiefbauarbeiten auf der Lindauer Insel beim ehemaligen Kaufhaus Heka (später May; geschlossen seit dem 31. Dezember 2005) konnte ein Steigbaum aus vermutlich vorchristlicher Zeit geborgen werden. Vergleichbare Objekte sind am Bodensee im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen als Rekonstruktion zu besichtigen.

Der Stadtteil Aeschach (außerhalb der Insel) weist römische Besiedlungsspuren aus dem 1. Jahrhundert auf.

Mittelalter

Lindau selbst wurde urkundlich erstmals 882 von einem St. Galler Mönch erwähnt. Allerdings bezog sich diese Erwähnung eigentlich auf das Damenstift „Unserer Lieben Frau unter den Linden“ bzw. dessen frühmittelalterlichen Vorgänger. Das Damenstift wurde vermutlich von Graf Adalbert von Rätien aus der Familie der Burcharde im frühen 9. Jahrhundert gegründet.

Im Jahr 1079 erhielt Lindau das Marktrecht. Der Markt lag ursprünglich auf dem Festland, wurde aber während des Investiturstreits aus Sicherheitsgründen auf die Insel verlegt. Die Stadt selber ist später aus diesem Markt hervorgegangen. Gehandelt wurden Wein, Edelobst und Gemüse von den Kulturen des Klosters St. Gallen, Flachs und der beim Schiffbau benötigte Kuder (Hanf). Aus dem westlichen Allgäu und dem Bregenzer Wald wurde dieser Markt mit Schmalz, Käse und Vieh beschickt. Die oberschwäbischen Bauern fuhren Getreide an. Zu diesem Nahhandel gesellte sich bald der Fernhandel mit dem Süden.

Als ältestes Bauwerk, wenn auch nicht unumstritten, gilt auf der Lindauer Insel die so genannte Heidenmauer, eine kolossale, blockförmige Befestigungsmauer in Richtung des Festlands mit einer Tafel, deren Aussage jedoch zweifelhaft ist. Danach wird die Mauer der Römerzeit und damit den zunächst heidnischen Romanen, Italikern oder Langobarden zugeordnet. Arbeiten am Objekt in jüngerer Zeit förderten Hinweise zu Tage, die jedoch eher auf mittelalterliche, allenfalls frühmittelalterliche Ursprünge hindeuten. Meyers Konversationslexikon bezeichnet das Bauwerk in seiner 4. Auflage als Wartturm.

Etwa 1180 wurde die Pfarrkirche St. Stephan gebaut, und 1224 gründeten Franziskaner ein Kloster, das Kanonissenstift auf der Insel. Kaiser Rudolf I. verlieh der Stadt die Reichsfreiheit. Unter König Rudolf von Habsburg (1218–1291) wurde das Edelfräulein Guta von Trisun zur Äbtissin des adeligen Damenstiftes zu Lindau erwählt und regierte dieses mit grossem Ruhm.

In historischer Zeit verkehrte der so genannte Mailänder Bote, auch Lindauer Bote genannt, auf der Via Mala zwischen Lindau und Mailand. Die durch Handel und Beförderung (eigene Bodenseeflotte) von Korn und Salz reich gewordene Bürgerschaft konnte 1275 endgültig die Rechte einer Freien Reichsstadt durchsetzen.

Neuzeit

Die Pest verbreitete sich um 1500 entlang der Fernhandels- und Pilgerwege, und 1502 wütete auch in Lindau eine Pestepidemie. Dieses Massensterben hatte seit dem 15. Jahrhundert unmittelbare Folgen für den Begräbniskult. Wegen Überlastung der innerstädtischen Friedhöfe und aus Angst vor Ansteckung wurden die Toten auf Leichenkarren vor die Stadtmauern gezogen und dort bestattet. Aus dieser Zeit gibt es noch heute den „Alten Friedhof“ in Aeschach.[1] [2] 1635 wütete erneut die Pest in der Stadt Lindau, und der Pestfriedhof in Unterreitnau wurde angelegt.

Im Zuge der Reformation wurde Lindau 1528 evangelisch. Die Stadt gehörte 1529 zu den Vertretern der protestantischen Minderheit (Protestation) am Reichstag zu Speyer. Ihre Bürgerschaft forderte die ungehinderte Ausbreitung des evangelischen Glaubens und schloss sich der Confessio Tetrapolitana (Evangelische Bekenntnisformulierung von Martin Bucer) an.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde 1646/47 auch Lindau von den Schweden belagert. Die Lindauer, unter militärischer Führung des Grafen Max Wunibald von Waldburg-Wolfegg, des Kommandeurs der kaiserlichen Besatzungstruppen, zerstörten aber bei Nacht und Nebel Teile der Belagerungsmaschinerie und wehrten die Schweden ab. Die Verteidiger gelangten über den sumpfig verlandeten so genannten „Kleinen See“ ans Festland. Noch im 20. Jahrhundert konnte man Geschosse dieser Belagerung in den ehemaligen Gräben der Stadtmauer finden.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam es 1655 zum ersten Lindauer Kinderfest. Stifter war Valentin Heider, der damit nach landläufiger Meinung der verwahrlosten Lindauer Jugend wieder neue Perspektiven des Feierns und des Frohsinns aufzeigen wollte. Neuere Studien zeigen allerdings, dass sich die 1655 eingeführten so genannten Schulpredigten in erster Linie nicht an die Kinder und Jugendlichen richteten, sondern an deren Eltern, die das Schulsystem der Stadt nicht akzeptierten und die Kinder vor Strafen der Lehrer und ähnlichem in Schutz nehmen wollten. Noch heute wird dieses Fest alljährlich mit den unteren Klassen aller Schulen des Stadtgebiets gefeiert. Am Morgen kündigen Böllerschüsse das Fest an. Jedes Schulkind bekommt traditionell (unter anderem) eine so genannte „Butschelle“, ein kreisrundes Hefegebäck mit Weinbeeren und markantem grobem Gittermuster. Die Festlichkeit wird mit einem Fahnen- und Girlandenumzug und großer Zusammenkunft auf der Nordseite des Lindauer Rathauses mit Ansprache der Stadtoberhäupter und kurzen Worten von Gastkindern aus den Partnergemeinden wie Chelles begangen. Immer wieder ertönt auch der dreimalige Ruf „Lindau“ mit jeweils der Antwort „Hoch“ unter Teilnehmern wie auch im Publikum. Am Nachmittag geht der Festtag langsam in ein allgemeines dezentrales Volksfest in den Stadtteilen über.

Im Jahre 1728 verwüstete ein verheerender Stadtbrand die Altstadt, der Wiederaufbau erfolgte im zeitgemäßen Barockstil.

19. Jahrhundert

Mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation verlor die Stadt 1802 durch Napoleon ihre Reichsprivilegien, und das tausendjährige Lindauer Damenstift wurde säkularisiert. Fürst Karl August von Bretzenheim gab Stadt und Damenstift 1804 an Österreich. 1806 erfolgte die Rückgabe der Stadt durch Österreich und Angliederung an das Königreich Bayern.

Im Österreichisch-Französischen Krieg wurde Lindau im Mai 1809 im Zuge der Kämpfe der Vorarlberger gegen die mit den Franzosen verbündeten Bayern von bis Konstanz vorstoßenden Vorarlberger Truppen erobert.[3] Der Angriff und die Eroberung wurden geleitet vom Hauptmann Bernhard Riedmiller. Diese Erhebung brach aber bereits im Juli desselben Jahres wieder zusammen.

Die Anbindung an das Schifffahrtsnetz erfolgte 1824, an die Eisenbahnlinie Richtung Augsburg als Endpunkt der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn 1853 mit einem Eisenbahndamm auf die Insel und Anbindung Richtung Bregenz im Jahr 1872.
1856 entstand ein neuer Hafen mit den Wahrzeichen Löwe und Leuchtturm – der einzige Bayerns.

20. Jahrhundert

1922 wurden unter Oberbürgermeister Ludwig Siebert Orte auf dem nahen Festland (Aeschach, Hoyren und Reutin) eingemeindet. Er selber wurde zum ersten NSDAP-Oberbürgermeister Bayerns und nach der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 bayerischer Ministerpräsident.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzten am 30. April 1945 französische Truppen kampflos Lindau. Stadt- und Landkreis wurden als Teil der Französischen Besatzungszone von Bayern abgetrennt und erhielten einen staatsrechtlichen Sonderstatus. 1946 konstituierte sich ein Kreispräsidium als Oberstes Verwaltungsorgan. Es besaß Kompetenzen, die anderswo von einer Landesbehörde ausgeübt werden, und war rechtlich gegenüber bayerischen und württembergischen Landesstellen unabhängig. Das Gebiet diente in den folgenden knapp zehn Jahren als Landbrücke zwischen den französischen Besatzungszonen in Deutschland und Österreich.

In der Nachkriegszeit regierten die französischen Besatzer Württembergs, denn Bayern war ja amerikanisch besetzt. Am 1. September 1955 erfolgte die Wiedereingliederung in den Freistaat Bayern.

Durch die Nobelpreis-Träger-Tagungen und die Lindauer Psychotherapiewochen kamen in der Nachkriegszeit Veranstaltungen in Lindau zustande, die immer wieder zu Meldungen aus der Wissenschaft von einem Ort führen, an dem keine Hochschule angesiedelt ist. Zu den Therapiewochen kommen alljährlich im Sommer knapp 4.000 Therapeuten und Analytiker an den Bodensee.

Politik

(Ober)Bürgermeister

Stadtrat

Nach der Gemeinderatswahl am 2. März 2008 verteilen sich die 30 Sitze des Stadtrats wie folgt:

CSU SPD Bunte Liste Freie Bürgerschaft Wählerinitiative Lindau ödp
12 4 6 4 3 1

Name und Wappen

882 verfasst ein St. Galler Mönch diejenige Urkunde, die den ältesten sicheren schriftlichen Beleg des Namens Lindau enthält: Der Name bedeutet „Insel, auf der Lindenbäume wachsen“. Daran erinnern bis heute die seit dem 13. Jahrhundert nachweisbaren Stadtwappen und -siegel, die entweder einen vollständigen Lindenbaum zeigen oder ein Lindenblatt symbolisieren.

Das Wappen zeigt „in Silber eine bewurzelte grüne Linde“. Diese für den Ortsnamen redende Linde wurde schon um 1180 als Münzbild verwendet. Die Zahl der Blätter des stets grünen Baumes wechselte im Laufe der Jahrhunderte zwischen drei und fünfzehn. Die Lindauer Fahne ist grün / weiß längsgeteilt.

Partnerschaften

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kirchen

Münster Unserer Lieben Frau

Die Ursprünge der Kirche am Marktplatz, im östlichen Bereich der Insel von Lindau, gehen bis auf das Jahr 817 zurück. Die Kirche (ehemals Stiftskirche Mariä Himmelfahrt) wurde nach dem Stadtbrand von 1728 durch den Barockbaumeister des Schlosses Mainau und des Meersburger Neuen Schlosses Johann Caspar Bagnato in den Jahren 1748–1752 errichtet. Im Inneren der katholischen Stadtpfarrkirche finden sich barocke Deckenmalereien und eine heiter beschwingte Innenausstattung im Rokoko mit prunkvollem Rot-und-Gold-Dekor. Die 1987 eingestürzte Langhausdecke wurde inzwischen renoviert.

Evangelische Kirche St. Stephan – Schwesterkirche zur Stiftskirche (um 1180)

Der Bau mit einem schmiedeeisernen Balkon an der geschwungenen Fassade geht auf eine dreischiffige romanische Pfeilerbasilika aus dem 12. Jahrhundert zurück.

Die Altäre und der zarte Stuck wurden im Stile des Rokoko umgestaltet und sind heute von protestantischer Schlichtheit. Eine Besonderheit ist das 200 Jahre alte Gestühl. Da Lindau zunächst nicht lutherisch evangelisch war, sondern dem Bekenntnis des Schweizer Reformators Zwingli folgte, wurde die Kirche entsprechend umgestaltet. Die Kanzel befindet sich in der Mitte der Kirche, und die Rückenlehnen der Bänke lassen sich so umklappen, dass man sowohl zum Altar als auch zur Kanzel sehen kann.

Peterskirche, auch Fischerkirche genannt (um 1000)

Diese älteste Kirche Lindaus, auch eine der ältesten Kirchen am Bodensee, war dem Patron der Fischer, die früher um diesen Platz (Schrannenplatz) lebten, geweiht. An der nördlichen Langhauswand sind die einzig erhaltenen Fresken von Hans Holbein dem Älteren „Lindauer Passion“ von 1480 bewahrt – signiert hat der Maler sie im 12. Bild auf dem Ärmel des Kleides von Maria Magdalena.

Im Chor befindet sich das Fresco „Marienkrönung“ des Lindauer Malers Mathis Miller. Seit 1928 wird dieser schlichte Bau als Kriegergedenkstätte genutzt.

Barfüßerkirche (heute Stadttheater)

Im 13. Jahrhundert wurde am Barfüßerplatz eine Kirche mit langgestrecktem, flachgedeckten Schiff mit eingezogenem Chor erbaut und 1380 fertiggestellt. In den Jahren 1886–1887 wurde ein Theater in den Kirchenraum gebaut welches schließlich 1950–1951 zum heutigen Stadttheater umgebaut wurde.

Bauwerke

Hafeneinfahrt

Der neue Leuchtturm (1856) und der Bayerische Löwe begrenzen die Einfahrt zum Hafen, in dem auch die Bodensee-Kursschiffe anlegen.

Stadtbahnhof Lindau

Der Lindauer Bahnhof wurde 1913 bis 1921 im Jugendstil erbaut. Ursprünglich geht die Errichtung des ersten Bahnhofs auf der Insel auf das Jahr 1853 zurück, weil damals der Anschluss an die Schifffahrt eine große Bedeutung für den Gütertransport hatte. Der Bahnhof am Hafen der Insel zeichnet sich aus durch eine insbesondere schöne Decken- und Bodengestaltung, aber auch eine noch gut erhaltene Fassade mit Jugendstil-Elementen.

Altes Rathaus

Das Rathaus wurde 1422 ursprünglich gotisch erbaut und 1576 mit einem schönen Treppengiebel in Renaissance-Stil umgebaut. Die Rückfront wurde im 19. Jahrhundert üppig historisierend mit Malerei geschmückt, welche die Lindauer Geschichte darstellt. Die Fassade zur Fußgängerzone, am Bismarckplatz, ist zudem von einer großen Freitreppe (1587) geschmückt.
Im Inneren findet sich der gotische Ratssaal, in dem Kaiser Maximilian 1496 den Reichstag abhielt – sowie die Reichsstädtische Bibliothek mit ihren Stadtchroniken und Stammbüchern.

Stadtbefestigung

Die Befestigung des bebauten Inselteiles entstand im wesentlichen im 12. und 13. Jahrhundert. Der Rest eines älteren, wohl schon im Zusammenhang mit dem 810/20 gegründeten Stift angelegten engeren Befestigungssystems ist in dem Heidenturm in der Nordostspitze der Insel am Übergang zum Festland zu vermuten. Zur Sicherung der in der Nordwestecke der Insel um die erhöht gelegene Peterskirche entstandenen Fischer- und Schiffersiedlung und der ehemaligen Lände am heutigen Paradiesplatz diente ursprünglich der Turm dieser ersten Pfarrkirche, der um 1425 auf Fundamenten des 11. Jahrhunderts errichtet wurde. Die stufenweise ausgebaute Ummauerung der Hauptinsel beginnt mit der ins 12. Jahrhundert fallenden planmäßigen Erweiterung der Bürgerstadt nach Westen bis zum Inselgraben.

Römerschanze

Während die Südseite der Insel mit dem hierher verlegten Hafen hauptsächlich durch die ehemalige Vorinsel „Auf Burg“ (die so genannte Römerschanze) und den um 1200 erbauten Mangturm gesichert war, konzentrierte sich die Befestigung auf die West- und Nordseite der Insel.

Mangturm

Der Mangturm gehört zu den älteren Leuchttürmen am See und überragte mit 20 Meter Höhe noch manchen Kirchturm. Er war von 1180 bis 1300 in Betrieb. Er ist gleichzeitig Endpunkt der Stadtmauer und Ausgangspunkt des Mauerzuges, der den um 1370/80 nach Auffüllung der alten Lände erbauten Diebsturm einbezog und bis zu dem im Fundamentbereich erhaltenen nordwestlichen Eckturm (Looserturm) verlief. Der Name leitet sich ab vom ehemals nahen Tuch- und Manghaus.

Der Mangturm mit seinem spitzen bunt glasierten Ziegelhelm aus dem 19. Jahrhundert liegt an der Seepromende des Hafens und war bis ins 19. Jahrhundert nur über eine Zugbrücke zu erreichen. Ein Stein am Turm trägt die Inschrift:

„Dieser Turm der Mangenturm genannt ward im XII Jahrhundert erbaut zu Leuchte
Schutz und Trutz unseres Seehafens
ein kräftig Wahrzeichen
der ehemaligen freien Reichsstadt Lindau.“

Diebsturm

Am westlichen Ende der Altstadt auf der Insel Lindau wurde 1380 dieser Turm als Teil der Stadtbefestigung errichtet. Er wird von vier filigranen Ecktürmchen gekrönt und diente lange Zeit als Gefängnis, was auch den Namen erklärt.

Den Zug der Westmauer begleitete der wohl im frühen 13. Jahrhundert angelegte Inselgraben, der zugleich die so genannte „Hintere Insel“ von der „Hauptinsel“ abtrennte. Der Verlauf ist nach Aufschüttung noch in dem heutigen Straßenzug Unterer Inselgraben, Inselgraben, sowie Zeppelinstraße erkennbar.

Der östlich neben dem Inselgraben verlaufende Mauerzug wurde nach Einbeziehung der Vorderen Insel in die Befestigung mit der westlichen Häuserzeile der Hinteren Metzgergasse überbaut bzw. 1811/12 bis auf geringe Reste abgebrochen.

Der zum ehemaligen Landtor führende Zug der Nordmauer ist in seinem Verlauf erkennbar und teilweise auch entlang der Zeppelinstraße bzw. der Häuserzeile Auf der Mauer in seiner Substanz erhalten.

Ab 1500 erfolgte eine Erweiterung der Befestigung zur Einbeziehung und Sicherung der damals unbebauten westlichen Inselhälfte, dabei Anlage der Schanzen (Karlsbastion, Pulverschanze, Sternschanze und Lindenschanze) sowie Errichtung des Pulverturmes am westlichsten Punkt der Insel im Jahr 1508.

Die letzte durchgreifende Verstärkung der Befestigung fand in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit der Anlage weiterer Bastionen und Schanzen statt: Ludwigsbastion und die in Resten erhaltene Maximiliansschanze beiderseits des Landtores (heute jeweils in die Oskar-Groll-Anlagen einbezogen) sowie die Gerberschanze, eine trapezförmig mit einer Spitze in den See ragende Bastion auf der Südostseite der Insel.

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Mauern und Tore bis auf die genannten Reste abgetragen. Das Steinmaterial ist vornehmlich bei der Vergrößerung und Modernisierung des Hafens in den Jahren 1811 und 1853 bis 1856 verwendet worden.

Maximilianstraße

In dieser Fußgängerzone und Hauptstraße der Inselstadt befindet sich eine Reihe gut erhaltener Bürgerhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert mit Laubengängen, Brotlauben, Speichergiebeln, verzierten Fenstersäulen und teilweise bunt überputzten Fachwerkfassaden.

Haus zum Cavazzen

Vom Appenzeller Baumeister Jakob Grubenmann 1728–29 erbaut, besitzt dieses barocke Bürgerhaus eine Fassadenmalerei mit massiv plastischer Wirkung unter dem großen Walmdach. Der berühmte Kunsthistoriker Georg Dehio bezeichnete es als „schönstes Bürgerhaus am Bodensee“. Im Haus befindet sich seit 1929 das Stadtmuseum.

Lindavia-Brunnen

Dieser Brunnen aus rotem Marmor am Reichsplatz wurde 1884 anlässlich des 20. Geburtstags von König Ludwig II. eingeweiht. Oben steht Lindavia mit dem Lindenzweig, die Beschützerin der Stadt und die Beckenfiguren symbolisieren den früheren Reichtum Lindaus: Schifffahrt, Fischerei, Wein- und Ackerbau.

Amtsgericht

Das Amtsgebäude wurde in den Jahren 1730 bis 1736 im ehemaligen Damenstift errichtet. Heute sind in diesem Gebäude neben dem Amtsgericht Lindau auch Teile des Landratsamtes Lindau untergebracht. Eine Decke wird geziert vom Fresko „Göttliche Tugenden“ (1736) des Wangener Barockkünstlers Franz Joseph Spiegler.

Diverse Villen und Herrenhäuser

Auf dem Festland sowie im weiteren Umfeld (Schachen-Schlössle, Lindenhof-Villa, Hoyerberg- bzw. Gruber-Schlösschen, Villa Leuchtenberg, Schloss Holdereggen, Schloss Senftenau, Toskana-Park mit Villa als Raum für die heutige Stadtverwaltung, Montfort-Schlössle). Die Seepromenade am Aeschacher Ufer lädt zu einem Spaziergang ein.

Luitpoldkaserne

heute Luitpoldpark

Sport

Lindau war mehrere Jahre Durchgangsort für das Radrennen Deutschland Tour.
Weiterhin fanden mehrmals internationale Leichtathletik-Wettbewerbe im Lindauer Stadion statt.

Der Lindauer Segler-Club ist Ausrichter der Langstreckenregatta Rund um den Bodensee.

Im Lindauer Hafen war im Sommer 2007 der Start für den „Sparkasse-Marathon im Dreiländereck“. Die 42,2 km lange Strecke führte dem Bodensee entlang nach Österreich und in die Schweiz mit Ziel im Stadion von Bregenz. Es wurde in verschiedenen Kategorien gestartet (Halb- und Viertelmarathon)

Brauchtum

Wirtschaft und Infrastruktur

Unternehmen

Früher war Lindau ein Zentrum der Textilindustrie (beispielsweise Kunert). Heute gibt es neben zahlreichen Kleingewerbebetrieben auch diverse größere Firmen (Liebherr, Axima, Dornier, Metzeler, Xomox). In Lindau befindet sich außerdem die Deutschlandzentrale der Domicil Einrichtungshaus-Kette.

Obstbaubetriebe gibt es viele in Lindau. Zahlreiche Obstbauern verkaufen Obst und Gemüse direkt auf dem Hof. Ein bekannter Safthersteller ist hier ansässig. Die Fischerei spielt wirtschaftlich nur noch eine geringe Rolle, hat aber für die Gastronomie und den Tourismus noch eine Bedeutung.

Die Wasserversorgung erfolgt zum größten Teil aus dem Bodensee über das Seepumpwerk in Nonnenhorn und den Hochspeicher auf dem Hoyerberg. Die Gasversorgung ist städtisch und wird zur Zeit aus russischem Erdgas gespeist.

Tourismus

Im Sommer ist der Tourismus eine der zentralen Einnahmequellen. Neben der einzigartigen Lage der Stadt am See ist ein weiterer Anziehungspunkt die staatliche Bayerische Spielbank. Größere wiederkehrende Veranstaltungen sind die jährlich stattfindenden Nobelpreisträger-Tagungen und die Lindauer Psychotherapiewochen sowie die Gartentage Lindau.

Als direkt am See liegende Gemeinde ist Lindau Station des Bodensee-Radwegs und des Bodensee-Rundwanderwegs.

Gastronomie

Lindau verfügt über zahlreiche zielgruppenspezifische Gastronomiebetriebe. Auf der Insel sind die Betriebe meist auf Tagestouristen ausgerichtet. Eine besondere Zielgruppe sind Besucher der Bayrischen Spielbank. Auf dem Festland hingegen richtet sich die Gastronomie an Einheimische oder Nachbarn aus Österreich. Wer also in Lindau ausgehen will, sollte vor 23:00 Uhr die Insel besucht haben. Nachtschwärmer kommen am Hafen und im Industriegebiet auf ihre Kosten.

Bildung

Neben den Grund- und Hauptschulen gibt es in Lindau zwei Realschulen und zwei Gymnasien sowie ein berufsbildendes Zentrum und eine Fachoberschule.

  • Grundschule Lindau-Aeschach
  • Grundschule Lindau-Hoyren
  • Grundschule Lindau-Insel
  • Grundschule Lindau-Oberreitnau
  • Grundschule Lindau-Reutin
  • Hauptschule Lindau-Aeschach
  • Hauptschule Lindau-Reutin
  • Freie Schule Lindau
  • Antonio-Huber-Schule
  • Mädchenrealschule des Maria-Ward-Instituts
  • Staatliche Realschule für Knaben

Verkehr

Schienenverkehr

Der Hauptbahnhof Lindau liegt als Kopfbahnhof direkt auf der Insel in der Nähe des Hafens. Der Zugverkehr läuft über einen mehrere hundert Meter langen Damm durch den Uferbereich des Bodensees. Der Bahndamm und die Seebrücke für den Autoverkehr grenzen vom Bodensee den so genannten „Kleinen See“ ab, der zwischen dem Ortsteil Aeschach und der Insel liegt. Der Inselbahnhof war lange Zeit mit einer großen Rangierfläche sowie einer über eine Drehscheibe angeschlossene Lokschuppen-Anlage sowie Ausbesserungswerk ausgestattet, die aber heute nur als Baukörper existieren. Die einzige elektrifizierte Strecke führt von den östlichsten Bahnsteigen des Hauptbahnhofs zur österreichischen Grenze, wurde von der ÖBB erbaut und wird heute noch von ihr bedient.

Straßenverkehr

Lindau liegt an der A 96 und den Bundesstraßen B 12 und B 31. Durch die als Ortsumgehung dienende B 31 wird ein erheblicher Teil des Fernverkehrs um die Stadt herum geleitet. Dies hat es erlaubt, einige mehrspurige Ampelkreuzungen in einfache Kreisverkehre umzuwandeln.

Das Stadtgebiet wird durch die Stadtwerke Lindau per ÖPNV erschlossen. Das Liniennetz des so genannten Stadtbus erschließt alle Stadtteile im 30-Minuten-Takt; er erlaubt durch einen zentralen Umsteigepunkt (ZUP) an der Hauptschule in Aeschach der Lindauer Bevölkerung, auch ohne Auto ihre Besorgungen zu erledigen. Ergänzt wird das System durch einen Pendelbus für die Touristen von und zur Insel bzw. dem Auffangparkplatz auf der Blauwiese in Reutin. Dieser Bus entlastet die Insel insbesondere von Wohnmobilen und verkehrt nur im Sommer.

Fernverkehr wird unter anderem durch die Regionalbus Augsburg (RBA) in Richtung Allgäu, sowie in Kooperation mit anderen Buslinien nach Bregenz, nach Wangen im Allgäu und nach Friedrichshafen realisiert.

Außerdem gibt es das CarSharing: sechs Fahrzeuge, unterschiedlicher Größe und Ausstattung stehen an sechs unterschiedlichen Standorten und Stadtteilen bereit.

Schiffsverkehr

Durch Gesellschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wird Kursschifffahrt nach Rorschach, Konstanz und Bregenz betrieben. Neben dem zentralen Hafen in der Stadt, von dem aus die Kursschiffahrt, unter anderem der Weißen Flotte der BSB u. a., mit dem ganzen See verbindet, gibt es auf der Insel noch einen Segelhafen mit Schiffshebevorrichtungen und den Einrichtungen von Wasserwacht und Wasserschutzpolizei.
Neben einem größeren Areal mit Anlegern am so genannten Kleinen See an der Landseite der Insel für Motorboote, einschließlich mehreren Bootsvermietungen, gibt es noch diverse kleinere Anlegestege, zum Beispiel einen für kürzere Rundfahrten in der Bregenzer Bucht in der Nähe der Spielbank.

Auf dem Festland finden sich am Ufer zahlreiche private Klein-Hafenanlagen z. T. aus früheren Zeiten, meist als Beiwerk zu den dort errichteten Villen. Viele davon sind versandet. Privatleute mit Seegrundstück verwenden heutzutage eher Slip-Anlagen. Auch der örtliche Ruderclub betreibt für seine Sport- und Wettkampfboote in der Ecke Aeschaer Ufer und Eisenbahndamm einen Einstieg zum See. Als Großanlage für die allgemeine Nutzung gibt es in Lindau-Zech einen weiteren großen Segelhafen. Die teils extrem großen Boote der Rund-Um-Regatta werden zum Ansegeln dagegen üblicherweise mit extra angeforderten Mobilkranen direkt vom Trailer über die Brüstung der Hafenmauer ins Becken hinab gelassen.

Ein Höhepunkt ist es immer wieder, wenn das Dampfschiff Hohentwiel den Hafen anläuft.

Auch von Unglücken blieb der Schiffsverkehr auf dem Bodensee leider nicht ganz verschont:
1897 stieß die aus Lindau auslaufende „Habsburg“ mit der „Stadt Lindau“ zusammen, welche sank und drei Passagiere in den Tod riss. Der schuldige österreichische Schiffskommandant wurde verurteilt, und Österreich musste 31.000 Mark Entschädigung an Bayern zahlen.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • Wilhelm Haberstrumpf, bayerischer königlicher Ministerialsekretär, 1833
  • Anton Pleybner, Kommandeur des Lindauer Landwehr-Bataillons, 1834
  • Albrecht Roth, Stifter
  • Franz Carl Jörres, bayericher königlicher Oberzollinspektor
  • Bernhard Maria v. Hornstein, Geheimer Königlicher Rat, 1838
  • Oscar von Stobäus, Bürgermeister, 1868
  • Josef Maximilian Carl Wörlein, Pfarrer, 1883
  • Winfried von Hörmann, Regierungspräsident, 1885
  • Friedrich von Thiersch, Architekt, 1888
  • Hermann v. Lingg, Dichter, 1890
  • Gustav Reinwald, Pfarrer und Stadtarchivar, 1891
  • Maximilian v. Abel, Schenker und Stifter, 1896
  • Hermann Näher, Unternehmer und Wohltäter, 1902
  • Ferdinand Graf von Zeppelin, Luftschiff-Konstrukteur, 1909
  • Paul v. Kneußl, General, 1916
  • Ludwig Wiedemann, Bürgermeister von Reutin, 1919
  • Markus Leser, Lehrer in Reutin, 1921
  • Ludwig Kick, Stifter, 1922
  • Karl Bever, Arzt
  • August Gruber, Professor der Zoologie, 1928
  • Walther Frisch, Oberbürgermeister (1945–1956), 1958
  • Graf Lennart Bernadotte, Initiator der Nobelpreisträger-Tagungen, 1979
  • Josef Steurer, Oberbürgermeister (1964–1988), 1988
  • Martin Thomann, Maler-Poet, 2002
  • Josef Euringer, Alt-Bürgermeister, 2002
  • Franz Fiala, Alt-Bürgermeister, 2002

Töchter und Söhne der Stadt

  • Esaias Gruber († um 1595)
  • Caspar Stromayr (16. Jahrhundert), Chirurg, Augenarzt und Erfinder der gebogenen Operationsnadel
  • Achilles Pirminius Gasser, auch Gasserus, (1505–1577), Mediziner und Historiker
  • Nikolaus Varnbüler (1519–1604), Rechtsgelehrter und Diplomat, Professor an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen.
  • Valentin Erythraeus (1521–1576), Studium bei Sturm, Luther und Melanchthon, Professor an der Akademie in Straßburg
  • Johannes Marbach (1521–1581), lutherischer Theologe, Reformator und Konfessionalist
  • Johann Jakob Mirgel (1559–1629), Weihbischof von Konstanz
  • Jacob Ernst Thomann von Hagelstein (1588–1653), Maler
  • Valentin Heider (1605–1664), Rechtsgelehrter, Verhandlungsführer der protestantischen Städte Süddeutschlands beim Westfälischen Frieden, Stifter des Lindauer Kinderfestes
  • Joannis Bodler (1629–1698), Jesuit
  • Johann Jacob Kees d. Ä. (1645–1705), Kaufmann, kursächsischer Oberpostmeister (Pächter des sächsischen Postwesens in den Jahren 1692-1694 und 1696-1705)
  • Friedrich Frey-Herosé (1801–1873), Schweizer Unternehmer, Offizier und Politiker (FDP)
  • Gustav Dürr (1803–1908), Industrieller und Erfinder des Dürr-Kessels
  • Georg Albrecht Ferdinand Kuner (1819–1909), Gravierer
  • Hermann Lingg, auch: Hermann Ritter von Lingg, (1820–1905), Dichter und Schriftsteller
  • Johann Conrad Develey (1822–1888), Senffabrikant (Gründer der Fa. Develey)

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

Literatur

Film:

 Commons: Lindau – Bilder, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Die Pest: Das große Sterben um 1500
  2. Kampf um den Erhalt des alten Lindauer Friedhofes in Aeschach (Seite 22)
  3. Die Volkserhebung des Jahres 1809