Heim

GAZ-12 ZIM

Der GAZ-12 ZIM ist eine luxuriöse und repräsentative Limousine der Oberklasse, die von den sowjetischen GAZ-Werken von 1950 bis 1960 hergestellt wurde. Die Abkürzung ZIM steht für Zavod Imeni Molotowa, was innerhalb der Modellbezeichnung den Teil des damals offiziellen Namens der Fabrik wiedergeben sollte. Von diesem großen Auto, das den offiziellen Stellen der Sowjetunion vorbehalten war und von der gewöhnlichen Bevölkerung nicht erworben werden konnte, wurden in drei Versionen insgesamt 21.527 Exemplare hergestellt. Nachfolger war ab 1959 der wesentlich modernere Tschaika GAZ-13.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Unmittelbar nach 1945 brachte der staatliche sowjetische Automobil- und Nutzfahrzeughersteller GAZ, der zu Ehren des damaligen sowjetischen Außenministers Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow von 1932–1956 offiziell zusätzlich noch Zavod Imeni Molotowa (ZIM) hieß, unter der Leitung von A. Lipgart und N.A. Juschmanow einige neue Kraftfahrzeuge heraus.

Auf den 1946 vorgestellten Mittelklassewagen GAZ-20 Pobeda folgte 1950 der große und luxuriöse GAZ-12 ZIM, nachdem staatliche Stellen wie auch zahlreiche Amtsträger der KPdSU nunmehr ein neues großes und repräsentatives Auto wünschten. Die Abkürzung ZIM stand für den Teil des damals offiziellen Namens der Fabrik, der in die Modellbezeichnung mit übernommen wurde. Der GAZ-12 stammte in wesentlichen Punkten vom GAZ-20 Pobeda ab, tatsächlich basierte er auf einer entsprechend längeren und breiteren sowie verstärkten Bodengruppe und wies daher ebenfalls eine selbsttragende Karosserie auf. Der langhubige Sechszylinder-Reihenmotor mit (damals schon nicht mehr ganz zeitgemäßen) SV-Ventilsteuerung aus dem LKW-Programm von GAZ gab seine Leistung an ein mechanisches Dreigang-Synchrongetriebe ab, das über einen Schalthebel an der Lenksäule bedient wurde (Lenkradschaltung).

Der ZIM ist stilistisch und technisch von ähnlicher Konzeption wie zeitgenössische US-amerikanische Automobile und besaß eine den Vorbildern entsprechend ähnliche nicht weniger bequeme wie auch reichhaltige Ausstattung. Ein Novum waren die elektrisch beheizbare Rücksitzbank und der selbsttätig rückstellende Blinkerhebel an der Lenksäule. Das in Holzmaserung lackierte Armaturenbrett wies eine Reihe von Kontrollinstrumenten und ein Autoradio gehörte ebenfalls zur Serienausstattung. Selbstverständlich waren auch Ledersitze und Edelholz-Verkleidungen vorhanden. Die Limousinen hatten drei Seitenfenster und sechs Sitzplätze, etwas später kam noch eine in sehr geringer Stückzahl (wahrscheinlich nur fünf Exemplare) hergestelltes viertüriges Cabriolet hinzu, das vom Werk als Phaeton bezeichnet wurde. Daneben gab es auch eine Version als Krankenwagen, die jedoch ebenfalls die Karosserie der Limousine besaß und im Innenraum dem Zweck entsprechend umgestaltet war – wobei das Ein- und Ausladen der Trage für heutige Begriffe etwas kurios über die nach oben geöffnete Kofferraumhaube erfolgte (eine Kombiversion gab es nicht).

Während der 1946 erschienene ZIS-110, ein Nachbau des US-amerikanischen Packard 180 der Vorkriegszeit, der mit den von der Sowjetunion erworbenen originalen Packard-Fertigungsanlagen hergestellt wurde, das Auto der höchsten Repräsentanten des Staates darstellte (darunter in schwer gepanzerter Version auch Josef Stalin selbst), war der GAZ-12 ZIM eher das Auto für die mittleren und gehobenen Kader der Nomenklatura. Der ZIM wurde aufgrund des hohen Preises nur eingeschränkt exportiert, darunter einige Exemplare nach Polen, der damaligen Tschechoslowakei und der DDR, wobei das Auto in der CSSR wegen der eher gemütlichen Fahrleistungen und der anfangs noch nicht voll befriedigenden Verarbeitungsqualität keinen größeren Anklang fand und durch den 1955 vorgestellten Tatra T 603 ersetzt wurde. In der Sowjetunion hingegen war das Auto durchaus populär und sah einen noch langjährigen Einsatz selbst nach Produktionsende. Einige Fahrzeuge wurden auch von der Miliz (Polizei) verwendet, wobei diese dunkelblau mit roten Seitenstreifen lackiert waren und mit einem roten Blinklicht auf dem Dach versehen waren. Im Jahre 1960 endete die Produktion des GAZ-12 ZIM nach insgesamt 21.527 Exemplaren aller drei Versionen.

Nach Ausmusterung aus dem Staatsdienst gelangte eine Anzahl dieser Autos nach Ersatz durch die 1959 als Nachfolger erschienenen und moderneren Tschaika GAZ-13 bis Mitte der 1970er Jahre in Privathand und überdauerten so zum Teil bis in die heutige Zeit. In der DDR wurde eine größere Anzahl von Fahrzeugen nach der Ausmusterung aus dem Staatsdienst bis Anfang der siebziger Jahre erfolgreich als Taxis genutzt.

Fahreindruck

Der ZIM fährt sich im Grunde ähnlich wie vergleichbare US-amerikanische Automobile jener Zeit, mit denen er heute von unkundigen Betrachtern aufgrund der zweifellos gegebenen Ähnlichkeit stets verwechselt wird. Beim Fahren sollte man sich immer darüber im Klaren sein, dass das Auto etwas über 5,5 Meter lang und sein Wendekreis entsprechend groß ist, aber dafür ist die Karosserie zumindest nach vorne sehr übersichtlich. Der lange Radstand sorgt für einen im Prinzip ruhigen Geradeauslauf, aber bedingt durch die recht indirekte Lenkung ohne Servohilfe die einiges an Spiel aufweist, sind häufig Korrekturen nötig, die beim entspannten Fahren dennoch nicht weiter ins Gewicht fallen. Aufgrund des hohen Gewichts (1940 kg vollgetankt bzw. über 2 t mit Fahrer) und der eher bescheidenen Motorleistung von etwas über 90 PS fallen die Fahrleistungen dementsprechend gemächlich aus, was zusammen mit der indirekten Lenkung, die im Stand und bei Kriechtempo schwergängig ist, jeden Versuch sportlicher Fahrweise von vorne herein vereitelt. Das Fahrverhalten ist aufgrund besagter Eigenschaften unproblematisch und stets im neutralen Bereich, denn die vorhandene Leistung kann das Fahrwerk nicht an dessen Grenzen bringen, und gute Straßenhaftung wird hier praktisch durch hohes Gewicht erzwungen. Die vorhandene Leistung ist andererseits für eine ruhige und komfortable Fortbewegung auch heute noch gut akzeptabel, da der Motor über gute Elastizität verfügt und daher nicht so häufig die Gänge gewechselt werden müssen und der Federungskomfort an sich trotz der hinteren Starrachse an Blattfedern durchaus überzeugen kann.

Eine Besonderheit weist die Kupplung auf, die aus zwei Komponenten besteht: An die Kurbelwelle ist eine hydraulische Kupplung angeflanscht, die die äußere Gestalt eines Drehmomentwandlers hat, die Funktion der Schwungscheibe übernimmt und mit dem Anlasserzahnkranz versehen ist. Im Inneren befinden sich auf separaten Lagerungen Pumpen- und Turbinenrad sowie eine Hydraulikölfüllung. Mit steigender Motordrehzahl wird ein gleitender Kraftschluss hergestellt. An der Kraftabgabeseite ist ein Flansch befestigt, der die normale Einscheiben-Trockenkupplung aufnimmt. Im praktischen Fahrbetrieb bedeutet das, dass man zum Einlegen eines Ganges und zum Hoch- und Herunterschalten zwar die Kupplung betätigen muss, es jedoch möglich ist, beispielsweise im 3. Gang das Fahrzeug aus jeder Geschwindigkeit bis zum Stillstand abzubremsen und, ohne zu kuppeln, wieder anfahren und beschleunigen kann. Im Zusammenspiel mit dem äußerst laufruhigen Motor wird mit dieser konstruktiven Lösung, die einen mechanischen Kraftschluss mit dem Getriebe umgeht, ein beeindruckend niedriges Innengeräuschniveau und eine hervorragende Elastizität erreicht. Ein Nachteil ist, dass sich dadurch der Antriebsstrang mechanisch nicht blockieren lässt. Das heißt, auch an der steilsten Steigung muss man sich auf die Wirkung der Handbremse verlassen können!

Die Verarbeitungsqualität des ZIM schwankte zu Beginn etwas, muss jedoch zumindest für die ab 1954 bzw. 1955 gebauten Exemplare als ordentlich bezeichnet werden. Der Sechszylinder-Reihenmotor läuft bei guter Einstellung von Vergaser und Zündung bemerkenswert ruhig, aber wegen des langen Kolbenhubs von 110 mm und der wenig drehzahlfesten SV-Ventilsteuerung sind allerdings hohe Dauerdrehzahlen und Autobahneinsatz unbedingt zu vermeiden. Am wohlsten fühlt sich der ZIM bei 80-90 km/h im dritten und höchsten Gang auf der Landstraße, wobei jegliche Versuche schneller Überholmanöver im heutigen Verkehr aus naheliegenden Gründen in jedem Fall zu unterlassen sind. Die Trommelbremsen an allen vier Rädern verzögern das Auto ordentlich, wenn auch ein etwas höherer Krafteinsatz nötig ist und die Werte freilich nicht mit denen heutiger Autos verglichen werden dürfen. Der ZIM ist vom Charakter her ein ruhiger und bequemer Reisewagen, nicht unbedingt schnell, aber mit hohem Repräsentationswert.

Versionen

Exportländer

Technische Daten

Siehe auch