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Krabbenfresser

Krabbenfresser

Krabbenfresser

Systematik
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Cynoidea)
Familie: Hundsrobben (Phocidae)
Gattung: Lobodon
Art: Krabbenfresser
Wissenschaftlicher Name
Lobodon carcinophagus
(Hombron & Jacquinot 1842)

Der Krabbenfresser ist eine in südpolaren Gewässern verbreitete Robbe, die nach ihrer ungewöhnlichen Ernährungsweise benannt ist.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Die Farbe des Krabbenfressers wechselt mit den Jahreszeiten. Nach dem antarktischen Sommer ist er oberseits dunkelbraun und unterseits gelbbraun. In den folgenden Monaten verblasst die Farbe immer mehr und wird über hellbraun zu einem cremefarbenen Gelbton. Die Flossen sind immer die dunkelsten Teile des Körpers. Diese Robbe ist etwa 230 cm lang und mit knapp über 200 kg Gewicht verhältnismäßig leicht. Männchen sind im Schnitt etwas kleiner und leichter als Weibchen.

Das Gebiss des Krabbenfressers ist der Ernährungsweise angepasst und weicht von allen anderen Robbengebissen ab. Die Zähne haben röhrenförmige Aussparungen auf ihrer Oberfläche. Wenn die Robbe das Maul schließt, passen die Zähne des Ober- und Unterkiefers genau ineinander, und nur durch die Aussparungen kann weiter Wasser hindurch dringen. Dieses Gebiss dient als Filter für planktonische Nahrung (siehe unten).

Lebensraum

Verbreitungsgebiet

Der Krabbenfresser ist eine antarktische Robbe. Im Sommer lebt er in den Gewässern des Südpolarmeers und besiedelt den Rand des Packeises. Im Winter wandert der Krabbenfresser weit umher und gelangt dann auch an die Küsten Australiens, Neuseelands, Südafrikas und Patagoniens.

Lebensweise

Als einzige Robbe hat sich der Krabbenfresser an eine Ernährung von Tieren des Planktons angepasst. Er frisst den Krill, indem er mit geöffnetem Maul Wasser schluckt und dies dann durch das Filtersystem seines Gebisses wieder hinauspresst. Der Krill bleibt in den Zähnen hängen und wird gefressen. Auf die gleiche Weise kann auch mal ein Fisch erbeutet werden, doch liegt die Höchstgröße der vom Krabbenfresser gefangenen Fische bei 10 cm. Um die leicht verfügbare Nahrung zu finden, muss der Krabbenfresser nicht sonderlich tief tauchen; seine Tauchgänge führen ihn daher maximal in Tiefen von 30 m.

Krabbenfresser leben einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen. Da sie mit ihren Zähnen keine Eislöcher offen halten können, verwenden sie manchmal die Eislöcher der ganzjährig in der Antarktis lebenden Weddellrobben. Im Winter ziehen die Krabbenfresser nordwärts, um vor dem sich ausbreitenden Packeis zu fliehen. Ungewöhnlich viele, meistens junge Krabbenfresser verlieren dabei die Orientierung und wandern weiter südwärts. Dabei bewegen sie sich landeinwärts. So wurden Krabbenfresser schon bis zu 113 km vom Meer entfernt und sogar 1100 m über dem Meeresspiegel angetroffen. Diese Robben sterben auf ihren aussichtslosen Wanderungen, und ihre mumifizierten Kadaver findet man recht häufig im antarktischen Eis.

Die Weibchen werfen ihr einziges Junges nach einer Tragzeit von 11 Monaten zwischen September und November auf dem antarktischen Eis. Sie befinden sich in Gesellschaft eines Männchens, das mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der Vater ist, aber dennoch das Weibchen und seinen Nachwuchs hartnäckig gegen eindringende andere Männchen verteidigt. Wenn es zu Kämpfen kommt, werden sie von heftigen Zischlauten begleitet. Viele männliche Krabbenfresser tragen Narben, die vermutlich von diesen Kämpfen stammen. Das Junge wird vier Wochen gesäugt und verfünffacht in dieser Zeit sein Gewicht. Krabbenfresser werden mit drei bis sechs Jahren geschlechtsreif und haben eine bisher festgestellte maximale Lebenserwartung von 39 Jahren.

Krabbenfresser sind in den antarktischen Gewässern die Hauptbeute für Schwertwale und Seeleoparden, die ihnen beständig nachstellen.

Population

Von keiner anderen Robbe gibt es so viele Individuen wie vom Krabbenfresser. Man schätzt den Gesamtbestand auf 40 Millionen Tiere; das bedeutet, etwa jede zweite Robbe auf der Welt ist ein Krabbenfresser. Es wird angenommen, dass diese Robbe in den letzten Jahrzehnten immer häufiger geworden ist, da jedes Jahr mehr Krill zur Verfügung steht. Die durch den Walfang verursachten Bestandseinbrüche der Krill fressenden Bartenwale scheinen in einem direkten Zusammenhang mit dem Populationswachstum der Krabbenfresser zu stehen, da hierdurch ein wichtiger Nahrungskonkurrent der Robben weggefallen ist.

Literatur

 Commons: Krabbenfresser – Bilder, Videos und Audiodateien