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Gerd von Rundstedt

Karl Rudolf Gerd von Rundstedt (* 12. Dezember 1875 in Aschersleben; † 24. Februar 1953 in Hannover) war ein deutscher Heeresoffizier (seit 1940 Generalfeldmarschall).

Im Zweiten Weltkrieg war von Rundstedt Befehlshaber von militärischen Großverbänden (Heeresgruppen) im so genannten Polenfeldzug, im Westfeldzug und während des Russlandfeldzuges. Zuletzt war er als Oberbefehlshaber West eingesetzt und hatte damit die Aufgabe, die alliierte Invasion zu verhindern und später die Ardennenoffensive zu leiten.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Militärische Karriere bis 1914

Rundstedt entstammte einer alten preußischen Offiziersfamilie. Bereits sein Vater General Gerd von Rundstedt hatte im preußischen Heer Dienst geleistet. Als Sohn eines Generalmajors in preußischer Militärtradition stehend, trat v. Rundstedt nach dem Besuch der Kadettenanstalten Oranienstein und Groß-Lichterfelde am 22. März 1892 als Fähnrich in das Infanterie-Regiment von Wittich (3. Kurhessisches) Nr. 83 in Kassel ein. Hier wurde er am 17. Juni 1893 zum Seconde-Leutnant befördert. 1902 heiratete er die Tochter eines Majors und wurde zum Oberleutnant befördert. Ab 1904 durchlief v. Rundstedt eine Ausbildung zum Generalstabsoffizier an der Kriegsakademie. Nach deren Abschluss 1907 wurde er auf Probe in den Großen Generalstab kommandiert, in den er am 24. März 1909 als Hauptmann i.G. endgültig übernommen wurde. Nach mehrjähriger Tätigkeit im Generalstab erhielt er 1912 als Kompaniechef erstmals ein Truppenkommando.

Erster Weltkrieg

Den gesamten Ersten Weltkrieg erlebte v. Rundstedt als Generalstabsoffizier in der Türkei und Frankreich und wurde bereits am 28. November 1914 zum Major i.G. befördert.

Weimarer Republik bis zum Zweiten Weltkrieg

Ab 1919 gehörte er zu dem kleinen Offizierskorps der neuorganisierten Reichswehr. Am 1. Oktober 1920 zum Oberstleutnant i.G. und am 1. Februar 1923 zum Oberst i.G. ernannt, übernahm er am 1. Mai 1925 als Kommandeur das I.R. 18 in Paderborn. Nach seiner Beförderung zum Generalmajor am 1. November 1927, erhielt er 1928 das Kommando über die 2. Kavalleriedivision in Breslau. Hier wurde er am 1. März 1929 zum Generalleutnant ernannt und am 1. Januar 1932 als Kommandeur der 3. Division und Befehlshaber im Wehrkreis III nach Berlin berufen. Mit der Übertragung des Oberbefehls über das Gruppenkommando I (Berlin) und der gleichzeitigen Beförderung zum General der Infanterie am 1. Oktober 1932 hatte v. Rundstedt die Spitze der Reichswehr-Hierarchie erreicht.

Nach der Machtübernahme war er in seiner Eigenschaft als höchster Truppenführer in der Reichshauptstadt für den militärischen Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime von großem Interesse. Zunächst oppositionell gegen Hitlers Eroberungsvorhaben eingestellt, war er (seit dem 15. März 1938 Generaloberst) im Oktober 1938 dennoch an der Besetzung des Sudetenlandes als Oberbefehlshaber des für diese Operation gebildeten Gruppenkommandos IV beteiligt. Die von Hitler mehrfach gegenüber der deutschen Militärführung geäußerte Absicht zur territorialen Osterweiterung auf Kosten Polens und der Sowjetunion lehnte v. Rundstedt ab, da er ebenso wie Heeresgeneralstabschef Beck die deutsche Wehrmacht als für ein solches Programm militärisch noch nicht ausreichend gewappnet betrachtete.

Zweiter Weltkrieg

Überfall auf Polen (Fall Weiß)

Der am 31. Oktober 1938 auf eigenen Wunsch aus dem aktiven Dienst ausgeschiedene Generaloberst wurde aufgrund seiner Führungsqualitäten und dem Engagement verschiedener Fürsprecher aus dem Generalstab für den Angriff auf Polen („Fall Weiß“) im Sommer 1939 reaktiviert und war damit der älteste Soldat der Wehrmacht im zweiten Weltkrieg.

Als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd unterstanden ihm dabei fast 890.000 Soldaten, mit denen er am 1. September 1939 von Schlesien und der Slowakei aus in Polen einmarschierte. Als Kommandeur einer der beiden im Polenfeldzug eingesetzten Mammutverbände besaß v. Rundstedt maßgeblichen Anteil an dem militärischen Blitzsieg gegen den deutschen Anrainerstaat.

Bei dem von ihm geführten Angriff auf polnische Kräfte im Raum Warschau verzichtete der Heeresgruppenchef auf einen Angriff mit seinen Heeresverbänden in das dicht bebaute Stadtgebiet und ließ stattdessen die polnische Metropole von der Luftwaffe bombardieren sowie unter Artilleriebeschuss nehmen. Hierdurch wurden große Teile der Stadt Warschau zerstört und ca. 26.000 Zivilisten fielen der Bombardierung und dem Beschuss zum Opfer.

Westfeldzug (Fall Gelb)

Rundstedts Heeresgruppe wurde für den geplanten Großangriff auf die Benelux-Staaten und Frankreich an die deutsche Westgrenze verlegt. Der hierfür von Hitler aufgrund seiner strategischen Raffinesse ausgewählte „Sichelschnitt“-Angriffsplan basierte im Wesentlichen auf den Konzeptionen von Rundstedts damals engstem Mitarbeiter und Stabchef General v. Manstein.

Mit seinen nunmehr als Heeresgruppe A bezeichneten Truppen griff v. Rundstedt im Rahmen der am Morgen des 10. Mai 1940 begonnenen Westoffensive („Fall Gelb“) Belgien und Luxemburg an und somit die operativ-strategischen Voraussetzungen für die Realisierung der Kernphase des „Sichelschnitt“-Plans, deren Hauptstoß seine Panzer ausführen sollten.

Rundstedts mobile Kampfverbände stießen ohne großen Feindwiderstand durch die von französischen Militärs für unpassierbar gehaltene Ardennenregion und umgingen auf diese Weise die Festungsbollwerke der als Frankreichs Hauptverteidigungsstellung fungierenden Maginot-Linie. Für seine Verdienste im Westfeldzug und dem Sieg über Frankreich wurde v. Rundstedt zusammen mit elf weiteren Offizieren am 19. Juli 1940 in den Rang eines Generalfeldmarschalls erhoben.

Geplante Invasion von Großbritannien (Unternehmen Seelöwe)

Seine Rolle als designierter Oberbefehlshaber für die als Invasionstruppen gegen England beim Unternehmen Seelöwe vorgesehenen Heeresverbände untermauerte seinen Rang innerhalb der deutschen Militärelite. Da das ambitionierte Unternehmen zur Besetzung der britischen Insel nach der Niederlage in der Luftschlacht um England nicht realisiert werden konnte, war der 64-jährige Feldmarschall für anderweitige Großoperationen vakant, weshalb er auch zum Führungsaufgebot für die im Sommer 1940 befohlene Zerschlagung der Sowjetunion gehörte. Bis dahin jedoch verblieb er in der Position des Oberbefehlshabers West, die er dann an Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben abtrat.

Angriffskrieg gegen die UdSSR (Unternehmen Barbarossa)

In den am 22. Juni 1941 begonnenen Angriffskrieg gegen die UdSSR stand v. Rundstedt an der Spitze der Heeresgruppe Süd, die die Ukraine und den Kaukasus erobern sollte. Für seine Streitkräfte erwies sich jedoch der vorgesehene Vorstoß an die Wolga und zum Kaspischen Meer aufgrund der personellen und materiellen Unterlegenheit als illusorisch, auf Höhe der Krimhalbinsel stagnierte die Offensive des Südostflügels des deutschen Ostheeres, da man auch zwei Kesselschlachten schlagen musste bei Uman und Kiew. Entgegen Hitlers Weisung, keinen Rückzug zu wagen, dachte v. Rundstedt an eine taktische Rücknahme seiner logistisch und physisch überstrapazierten Verbände, kurz nachdem Rostow von ihm erobert worden war.

Rundstedt gehörte deshalb gerade zu den Generälen, die während der Winterkrise 1941 an der Ostfront aufgrund strategisch-taktischer Differenzen mit Hitler von ihren Posten abgelöst wurden.

Oberbefehlshaber West

Bis zum D-Day

Bereits nur wenige Monate später erhielt er wieder als Oberbefehlshaber West mit Hauptquartier in Paris im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen jedoch ein neues Kommando, dem gleichzeitig auch in Personalunion der Oberbefehl über die Heeresgruppe D angekoppelt war. In dieser Funktion schlug er das britische Kommandounternehmen bei Dieppe, Operation Jubilee, erfolgreich zurück. Die britischen Kriegsgefangenen ließ er entgegen dem geltenden humanitärem Völkerrecht an die Gestapo ausliefern.[1]

Als Kopf des schwerpunktmäßig in Nord- und Südwestfrankreich stationierten Westheeres oblag ihm nach der Führung von Hitlers Blitzkriegen nun eine streng defensive Aufgabe. Zusammen mit der NS-Bautruppe „Organisation Todt“ (OT) sollte er zur Abwehr der von der Wehrmachtsführung bereits erwarteten Invasion der Alliierten den Auf- und Ausbau der „Atlantikwall“-Befestigungen organisieren. Rundstedt machte sich über die Erfolgschancen der deutschen Defensivmaßnahmen keine Illusionen und rechnete schon Monate vor der eigentlichen Invasion mit einem Erfolg der alliierten Streitkräfte im Falle eines erneuten Konflikts auf französischem Boden. Seine taktischen Planspiele zielten auf eine Vernichtung der Landungskräfte nach erfolgter Landung mit schweren Panzereinheiten ab, Feldmarschall Erwin Rommel hingegen setzte sich bei Hitler durch und trieb den Ausbau des Atlantikwalls weiter voran, der nur einen Tag die Invasion aufhalten konnte und als Fehlplanung eingestuft werden kann, denn gerade das Schicksal der Maginot-Linie oder der schwer befestigten Stadt Sewastopol hatte gezeigt, dass eine starre Verteidigung gegen eine gewaltige Materialüberlegenheit, gerade in der Luft, nutzlos war.

Als am 6. Juni 1944 die alliierten Truppen im Rahmen der amphibischen Operation Overlord in der Normandie landeten, waren Rundstedts Reaktionsmöglichkeiten stark begrenzt, da die mobilen Hauptreserven für einen konzentrierten Gegenschlag im Raum Paris nur mit Hitlers ausdrücklicher Genehmigung eingesetzt werden durften, welche zu spät erteilt wurde, um den Gegenschlag erfolgreich durchführen zu können. Trotzdem galt er bei General Eisenhower und Field Marshal Montgomery als der gefählichste Gegner, nicht wie immer behauptet Generalfeldmarschall Rommel.

Nachdem die Liquidierung des alliierten Brückenkopfs aufgrund der massiven materiellen und personellen Unterlegenheit der Wehrmacht und der fehlenden Luftraumkontrolle misslang, sah v. Rundstedt keine Chancen mehr zur militärischen Wende. Nach offener Kritik an der obersten Führung in einem Gespräch mit OKW-Chef Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel („... den Krieg beenden, ihr Idioten!“), ließ ihn Hitler am 2. Juli 1944 von Generalfeldmarschall Günther von Kluge als Oberbefehlshaber West ablösen, wodurch die Lage der Westfront nicht besser wurde.

Endkämpfe

Auch um sich karrieristisch zu rehabilitieren, übernahm v. Rundstedt anschließend den Vorsitz des am 2. August 1944 errichteten Ehrenhofs der Wehrmacht. In dieser Funktion stieß er im Auftrag des NS-Regimes zahlreiche mit dem Attentat des 20. Juli 1944 kompromittierte Wehrmachtsangehörige aus der Armee aus, sodass das Reichskriegsgericht für ihre Aburteilung nicht mehr zuständig war und sie vom Volksgerichtshof in Schauprozessen unter dem Vorsitz von Roland Freisler abgeurteilt werden konnten.

Bereits Anfang September 1944 setzte ihn die oberste Führung wieder als Oberbefehlshaber West ein; in dieser Funktion leitete v. Rundstedt von Koblenz aus die rasante Absetzbewegung der deutschen Weststreitkräfte nach Belgien und Elsass-Lothringen. In dieser Funktion gelang ihm und dem Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B Generalfeldmarschall Walter Model der letzte deutsche Sieg bei Arnheim über die alliierten Fallschirmjägerverbände, die bei der Operation Market-Garden Holland befreien wollten.

Nachdem sich aufgrund des verlangsamten alliierten Vorstoßes die prekäre Lage der deutschen Truppen an der Westfront kurzzeitig stabilisieren konnte, führte v. Rundstedt auf Befehl Hitlers im Dezember 1944 die letzte deutsche Großoffensive im Zweiten Weltkrieg. Der von 250.000 Soldaten und 600 Panzern geführte Angriff auf die Ardennen scheiterte jedoch bereits in der Anfangsphase, da er viel zu großräumig von Hitler ausgelegt worden war und führte zum Verschleiß der letzten deutschen Truppenreserven und zu einer substanziellen Dezimierung des Westheeres. Rundstedt war eher für eine kleine Offensive gewesen, konnte sich aber nicht durchsetzen und führte die überdimensionierte Operation nach Hitlers Planung durch. Den daraufhin wieder aufgenommenen Vormarsch der Alliierten und die sukzessive Vernichtung seiner durch Nachschubprobleme geschwächten Resttruppen konnte der Oberbefehlshaber West nicht mehr verhindern, da man in der Offensive zu hohe Verluste erzielt hatte.

Nach der erfolgreichen Rheinüberquerung von US-Truppen bei der Brücke von Remagen setzte Hitler Generalfeldmarschall v. Rundstedt Anfang März 1945 endgültig ab, verlieh ihm für seine Verdienste aber noch die Schwerter zum Ritterkreuz und ersetzte ihn durch Generalfeldmarschall Albert Kesselring.

Gefangenschaft und Anklage

Seit Mai 1945 in britischer Kriegsgefangenschaft, wurde v. Rundstedt wegen Kriegsverbrechen angeklagt. Ihm wurde unter anderem Massenmord in den besetzen sowjetischen Gebieten vorgeworfen. Der Vorwurf wurde mit dem so genannten Reichenau-Befehl begründet, welcher von dem v. Rundstedt zu diesem Zeitpunkt unterstehenden Feldmarschall Walter von Reichenau erlassen wurde. In dem Befehl wird unverhohlen zur Vernichtung des "jüdischen Untermenschentums" aufgerufen.[2] Nachweislich kannte v. Rundstedt diesen Befehl, hat ihn gutgeheißen und sich mit ihm "voll einverstanden" erklärt.[3] Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands und seines hohen Alters kam es jedoch zu keiner Verurteilung. Seine Herzerkrankung veranlasste die Briten, ihn im Mai 1949 aus der Gefangenschaft zu entlassen, da in der Kriegsgefangenschaft schon die Feldmarschälle Walther von Brauchitsch, Werner von Blomberg, Wolfram von Richthofen und Ernst Busch gestorben waren und man befürchtete, dass sein Tod in der Gefangenschaft in Deutschland zu anti-britischen Ausschreitungen führen konnte, da man Westdeutschland nun als Verbündeten ansah. Generalfeldmarschall v. Rundstedt starb 1953 in Hannover und ist begraben auf dem Friedhof Hannover-Stöcken.

„Letzter alter Preuße“

Generalfeldmarschall von Rundstedt wird oftmals als „letzter alter Preuße“ bezeichnet, was auf seine Herkunft und seine Rolle im Ersten Weltkrieg bezogen ist.[4]


Kragenspiegel

Im Gegensatz zu anderen deutschen Generalen trug Feldmarschall von Rundstedt während des gesamten 2. Weltkrieges überwiegend einfache Offizierskragenspiegel der Infanterie, und nicht die für deutsche Generale typischen Rankenwerk Kragenspiegel mit Larisch-Stickerei. Der Grund hierfür war, das von Rundstedt Zeitlebens ehrenhalber Chef eines preußischen Infanterieregiments blieb und diesen Umstand damit zum Ausdruck bringen wollte.

Auszeichnungen

Literatur

Quellen

  1. dhm.de
  2. NS-Archiv
  3. NS-Archiv
  4. dhm.de
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Personendaten
Rundstedt, Gerd von
Rundstedt, Karl Rudolf Gerd von
Deutscher Generalfeldmarschall im Zweiten Weltkrieg
12. Dezember 1875
Aschersleben
24. Februar 1953
Hannover