Berlinisches Gymnasium zum Grauen Kloster
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Berlinisches Gymnasium zum Grauen Kloster

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Evangelisches Gymnasium zum Grauen Kloster
Schultyp Humanistisches Gymnasium
Anschrift Salzbrunner Straße 41–47
14193 Berlin
Bundesland Berlin
Schulträger Schulstiftung der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg
Gründungsjahr 1574
Schülerzahl zirka 800
Schulleiter Brigitte Thies-Böttcher
Website www.graues-kloster.de

Das Berlinische Gymnasium zum Grauen Kloster ist das älteste Berliner Gymnasium, welches bis heute als Evangelisches Gymnasium zum Grauen Kloster fortbesteht. Das im 16. Jahrhundert gegründete Gymnasium befand sich ursprünglich in den Räumen des ehemaligen Grauen Klosters in Berlin-Mitte, musste aber nach dem Zweiten Weltkrieg mehrmals umziehen und befindet sich heute in Berlin-Schmargendorf.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Existenz des Berlinischen Gymnasiums „Zum Grauen Kloster“ begann am 13. Juli 1574 in der heutigen Klosterstraße.

Etwa 300 Jahre vorher, im Jahre 1271, wurde am späteren Ort des Gymnasiums vom Bettelorden der Franziskaner nahe der Stadtmauer das Graue Kloster gegründet. Die Bezeichnung des Klosters lässt sich auf das graue Gewand der Mönche zurückführen. Im Jahre 1539 wurde das Kloster säkularisiert, wobei die Mönche lebenslanges Wohnrecht erhielten. Nachdem der letzte Franziskanermönch am 4. Januar 1571 im Kloster gestorben war, wollte der Brandenburgische Kurfürst Johann Georg, der im Januar 1571 die Thronfolge antrat, das Kloster fortan als Gymnasium nutzen und weihte dieses am 13. Juli 1574 ein.

Durch den Einzug der bereits 1571 zusammengelegten Pfarrschulen St. Marien und St. Nikolai wurde das Berlinische Gymnasium als höchste Berliner Bildungseinrichtung und als erste Landesschule der Mark Brandenburg gegründet. Es entwickelte sich im Laufe seiner Geschichte zur bürgerlichen Berliner Bildungsanstalt ersten Ranges. Im Mai des Jahres 1767 wurde das Berlinische Gymnasium mit dem Cöllnischen Gymnasium vereint und nunmehr gemeinsam als Berlinisches Gymnasium zum Grauen Kloster bis 1824 fortgeführt.

An den Berliner Hochschulen studierende Absolventen des Gymnasiums gründeten 1877 eine schlagende Studentenverbindung, den Verein ehemaliger Klosteraner, der sich bald zur Burschenschaft der Klosteraner weiterentwickelte. Um seine elitäre Ausrichtung noch stärker zu betonen, wandelte sich die Burschenschaft schnell in ein Corps um, welches sich von nun an Corps Baltia Berlin nannte. Diese Aufwertung wurde durch die Aufnahme in den Rudolstädter Senioren-Convent belohnt. Das Corps Baltia Berlin fusionierte 1954[1] mit dem Corps Silingia Breslau zu Köln und verlegte seinen Sitz nach Köln.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Durch Bombentreffer im Jahre 1943 wurden das Gebäude des Gymnasiums und die nebenstehende Kirche zerstört. Während die Kirchenruine heute noch als Denkmal existiert und zu Ausstellungen genutzt wird, wurden die Ruinen des Gymnasiums im Zuge von Straßenbaumaßnahmen 1968 eingeebnet.

Das Gymnasium zog nach dem Zweiten Weltkrieg mehrmals um:

Im Jahre 1963 gab sich das in Wilmersdorf gelegene Gymnasium den Namen Evangelisches Gymnasium zum Grauen Kloster und führt unter dieser Benennung die humanistischen Traditionen des Berlinischen Gymnasiums zum Grauen Kloster als zum Abitur führende Privatschule in kirchlicher Trägerschaft fort.

An dem unter Denkmalschutz stehenden Schulgebäude wurde am 31. Mai 1989 eine Gedenktafel enthüllt, die von der Stiftung Berlinisches Gymnasium zum Grauen Kloster gespendet wurde. Auf der Tafel ist ein Flachrelief des alten Klostergebäudes neben der Klosterkirche zu sehen, in dem Gymnasium lange residiert hatte.

Im Jahre 1999 wurde der 425. Jahrestag des Berlinischen Gymnasiums zum Grauen Kloster und der 50. Jahrestag des Evangelischen Gymnasiums zum Grauen Kloster feierlich begangen.

Bibliothek und Archiv

Die Schulbibliothek des Gymnasiums mit einem wertvollen Altbestand umfasste vor dem Zweiten Weltkrieg 45.000 Bände. Nach Kriegsverlusten sind davon noch etwa 14.000 Bände des 15. - 20. Jahrhunderts erhalten, die zur Zeit als Leihgabe in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin verwahrt werden. Neben den als Litteratura Gymnasii gesondert gesammelten Schriften des Kollegiums enthält die Bibliothek auch die Schenkungen des Schülers Sigismund Streit (1687-1775) und anderer, wie etwa Friedrich Nicolai sowie Archivbestände der Schule. Die Bücher wurden nach 1989 durch die Streitsche Stiftung neu katalogisiert.

Zukunft

Der am 27. November 2003 gegründete Förderverein des Evangelischen Gymnasiums zum Grauen Kloster – Berlinisches Gymnasium in Berlin-Mitte e. V. möchte auf dem früheren Gelände der Schule, über welches zur Zeit die vielbefahrene Grunerstraße führt, wieder eine evangelische Schule mit altsprachlicher Prägung errichten. Die städtebauliche Planung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sieht einen Rückbau der Grunerstraße vor und sieht für die Nutzung der ehemals zum Kloster gehörenden Fläche eine Schule vor.

Ausbildungsaufbau

Das Evangelische Gymnasium zum Grauen Kloster wird ab der 5. Klasse besucht; es ist damit eins der wenigen sogenannten grundständigen Gymnasien im Land Berlin, in dem der Übergang auf eine Oberschule im Normalfall nach der sechsjährigen Grundschule erfolgt.

Das Gymnasium hat eine protestantische, altsprachliche Ausrichtung; ab der 5. Klasse gehören Latein und Englisch zu den Pflichtfächern, ab der 8. Klasse Altgriechisch. Ab der 9. Klasse kann eine weitere Fremdsprache (Französisch, Hebräisch oder Russisch) gewählt werden. Im Abitur wird auch eine Altsprache (Latein oder Altgriechisch) als Pflichtprüfungsfach verlangt.

Anders als an staatlichen Oberschulen ist Evangelische Religionslehre von Schulbeginn bis zum Abitur kein freiwilliges, sondern ein Pflichtfach; sie kann auch im Rahmen der gesetzlichen Kombinationsmöglichkeiten als Prüfungsfach gewählt werden. Auch der Besuch der wöchentlichen Schulandacht am Mittwochmorgen ist für die noch nicht uneingeschränkt religionsmündigen Schüler Pflicht.

Schon seit Ende der sechziger Jahre gehört zur Schullaufbahn am Grauen Kloster das Sozialpraktikum im elften Schuljahr; die Schüler betreuen dabei chronisch kranke, alte oder behinderte Menschen. In der Zeit der Deutschen Teilung fand der zweiwöchige Aufenthalt oft im Evangelischen Johannesstift in Spandau statt, heute fahren die Schüler dazu in die Von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel oder Eckardtsheim in Bielefeld oder in die Diakonische Stiftung Wittekindshof bei Bad Oeynhausen.

Die am Grauen Kloster erworbenen Abschlüsse sind den Abschlüssen öffentlicher Schulen gleichgestellt.

Seit den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts hat sich die Schülerzahl fast verdoppelt; sie liegt heute bei durchschnittlich etwa 800. Dennoch übersteigt weiterhin die Zahl der Kinder, die von ihren Eltern angemeldet werden sollen, bei weitem die Kapazität der Schule. Es wird daher jedes Jahr nur ein Bruchteil der Anmeldewilligen aufgenommen.

Außerschulische Angebote

Durch das Engagement einiger Lehrer werden neben dem schulischen Alltag auch Arbeitsgemeinschaften angeboten, die unentgeltlich besucht werden können. So gibt es seit vielen Jahren unter anderem eine Tanz-AG, eine Orchester-AG, einen Schüler- und Elternchor sowie eine Theater-AG. Aufgrund regelmäßiger Aufführungen der einzelnen AGs findet ein reges außerschulisches Leben statt, in das Eltern, Lehrer, Schüler und Ehemalige integriert werden.

Besonderer Erfolg war der Debattier-AG gewährt, die sich unter der Leitung des langjährigen Geschichts- und Politiklehrers sowie Autors Lutz Kredlau der Debattentheorie und – Praxis sowie dem Wettbewerb Jugend Debattiert widmet. Die Arbeit in dieser AG steht in engem Zusammenhang mit der Debattenkultur der Antike und bietet den Schülern eine gute Möglichkeit, die jahrtausendealte rhetorische Theorie in ihrem direkten Umfeld auf junge Weise einzusetzen.

Die am Südufer des Kleinen Wannsees beheimatete Ruderriege des Grauen Klosters hatte von 1905 bis 1943 bestanden, musste kriegsbedingt aufgegeben werden und wurde dann 1955 wiedergegründet.

Direktoren

Bekannte Lehrer

Berühmte Schüler

Literatur und Quellen

Koordinaten: 52° 31' 07" N, 13° 24' 45" O

  1. Geschichte des Corps Baltia Berlin
  2. Olaf Matthes, James Simon. Mäzen im Wilhelminischen Zeitalter, Berlin 2000
  3. Interview im Tagesspiegel vom 12. Mai 2006