Lohra
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Lohra

Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 50° 45′ N, 8° 40′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Gießen
Landkreis: Marburg-Biedenkopf
Höhe: 210 m ü. NN
Fläche: 49,18 km²
Einwohner: 5676 (30. Juni 2007)
Bevölkerungsdichte: 115 Einwohner je km²
Postleitzahl: 35102
Vorwahlen: 06462 und 06426
Kfz-Kennzeichen: MR
Gemeindeschlüssel: 06 5 34 013
Adresse der Gemeindeverwaltung: Heinrich-Naumann-Weg 2
35102 Lohra
Webpräsenz:
www.lohra.de
Bürgermeister: Georg Gaul (parteilos)
Lage der Gemeinde Lohra im Landkreis Marburg-Biedenkopf

Lohra ist eine Gemeinde im Landkreis Marburg-Biedenkopf im Regierungsbezirk Gießen des Bundeslandes Hessen. Lohra zählt knapp 5700 Einwohner, etwas mehr als die Hälfte davon im namensgebenden Ortsteil (Stand Ende 2006).


Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Die Gemeinde Lohra befindet sich im sog. Marburger Land, zusammen mit den Gemeinden Fronhausen, Weimar (Lahn) und Ebsdorfergrund bildet Lohra den Südkreis des Landkreises Marburg-Biedenkopf.

Nachbargemeinden

Lohra grenzt im Osten an die Gemeinden Weimar (Lahn) und Fronhausen sowie im Norden an die Stadt Gladenbach (alle drei im Landkreis Marburg-Biedenkopf), im Südosten an die Stadt Lollar, im Süden an die Gemeinden Wettenberg und Biebertal (alle drei im Landkreis Gießen), sowie im Westen an die Gemeinde Bischoffen (Lahn-Dill-Kreis).

Gemeindegebiet und Gemeindegliederung

Das Lohraer Gemeindegebiet erstreckt sich mit einer Fläche von 49 km² über das mittlere Salzbödetal und den Versgrund. Die Gemeinde umfasst die Ortsteile:

Ortsteil Beschreibung
Altenvers ca. 602 Einwohner; Historische Erwähnungen: Ferse (1196), Virse (1333), Aldenverse (1359), Aldynfers (1442),

Altenfersa (1577), Altenvers (1604)

Damm/Etzelmühle ca. 259 Einwohner; Historische Erwähnungen: Damme (1200/1220), Thammo (1271), Damme (1347), Dampme

(1365), Tamme (1367), Dam (1577), Damm (1604)

Kirchvers ca. 992 Einwohner; Historische Erwähnungen: Ferse (um 1130), Verse (1196), Virse (1333), Kirchferse (1359),

Kirchvers (1604)

Lohra mit ca. 2554 Einwohner der größte und älteste Ortsteil; Historische Erwähnungen: Lare (752/779) , in Larer marca

(770), in Lare (1200/1220), Loher (1339), Laer (1490), Lar (1504), Loer (1518), Lohr (1577), Lohra (1604)

Nanz-Willershausen ca. 277 Einwohner; Historische Erwähnungen: Willicheshusen (1200/1220), Wilrizhusen (1232),

Wilherhusen (1272), Willereshusen (1307), de Nandelshusen (1339), Nandulzhusen (1359), Nandilshusen (1374), Nandolshusin (1374), Nandoldeshusen (1377), Nanczhusen (1502)

Reimershausen ca. 140 Einwohner; Historische Erwähnungen: Reymerßhusen (1261), Reymarishusen (1316), Reymershusen

(1320), Reumershusen (1375), Rymershusen (1377), Romershawsen (1524), Reymershausen (1577)

Rodenhausen ca. 242 Einwohner; Historische Erwähnungen: de Rudenhusen (1247/48), Rodehußen (1359), Rodenhausen (1550)
Rollshausen ca. 311 Einwohner; Historische Erwähnungen: de Rolshusen (1256), de Rollishusen (1263), de Rodilshusen

(1355), Rulshusen (1374), Rolhusin (1442), Rultzhusen (1577), Rolshausen (1577)

Seelbach ca. 78 Einwohner; Historische Erwähnungen: Selbach (817), Silbach (1512), Sehlbach (1577), Seelbach (1604)
Weipoltshausen ca. 615 Einwohner; Historische Erwähnung: Wipaldeshusen (1200/1220) , Wypoltishusen (1302), Wypulczhusen

(1359/1398), Wypelczhusen (1469), Weibolshausen (1572), Weypoltshausen (1604), Weibelshausen (1708/1710)

Geschichte

Frühzeit & Antike

Von der frühen Besiedlung der Gegend zeugt das 1931 entdeckte Steinkammergrab am Gernstein, das der ausklingenden Jungsteinzeit zuzuordnen ist. Die hier bestatteten Männer, Frauen und Kinder, deren Zahl sich auf ca. 20 Personen belaufen haben muss, wurden überraschender Weise verbrannt. Außerdem war den Toten für ihre Reise ins Jenseits, im Gegensatz zu den anderen Steinkammergräbern Nordhessens, reichlich Keramik und andere Alltagsgegenstände mitgegeben worden. Henkelbecher (die aufgrund ihrer Einzigartigkeit auch als „Lohraer Becher“ in die Fachsprache der Archäologie Eingang gefunden haben), Tassen, Schalen, eine Serpentinaxt, ein kleines Steinbeil sowie eine retuschierte Kieselschieferklinge und Bronzeblechstückchen waren im Fund enthalten. Einige Fundstücke werden seit 1931 im Hessischen Landesmuseum in Kassel aufbewahrt.

Siehe Hauptartikel: Das Steinkammergrab von Lohra

Bei Altenvers wurden Überreste einer germanischen Siedlung aus der römischen Kaiserzeit gefunden, in der wahrscheinlich Metall verarbeitet wurde.

Frühmittelalter

Erstmals erwähnt wird Lohra in einer Eintragung in das Güterverzeichnis des Benediktinerklosters Fulda in der Mitte des 8. Jahrhunderts und wenig später im Schenkungsbuch des Klosters Lorsch als loco lare:

Gerbrechti in Larere. Regnante itaque Karolo piissimo rege, presidentque huic loco Gundelando, primo abbate tradiderunt ad Lauresham St. Nazario, Castwich et Gerbrecht, filius eius res suas in pago Logenehe in villis Larere marca (et in Duda marca) scilicet Campos, Prata, aquas aquarumque decursus. 769, Dec. 1.Karlus, Rex, Gundelando, abbas.

Die deutsche Übersetzung lautet:

Gerbrechts (Besitz) in Lohra. Unter Regierung Karls, des frommen Königs, und unter der Leitung des ersten Abtes dieses Klosters, Gundeland, haben Kastwich und dessen Sohn Gerbrecht an Lorsch, dem heiligen Nazarius, ihren Besitz im Lahngau, in den Orten Lohra (und in der Duda Mark) geschenkt, und zwar Felder, Wiesen, Wälder, Gewässer und Wasserläufe. 769, Dezember 1. Karl, König, Gundeland, Abt.

Der Name Lare kann der altgermanischen, vorfränkischen Sprachschicht zugeordnet werden und bedeutet möglicherweise „Ort am Wasser“. Wer vor den Franken in Lohra siedelte, ist nicht endgültig gesichert; wahrscheinlich waren dies aber Kelten (bis ca. 50 v. Chr.) und danach die germanischen Chatten, später als Hessen bekannt, die möglicherweise Lohra zu seinem Namen verhalfen.

Im 8./9. Jahrhundert scheint Lohra Gerichtsstätte (damals „Malstatt“) der fränkischen Gaugrafschaft, als pagus lare (Gau Lohra) bezeichnet, die der später überlieferten Grafschaft Ruchesloh entsprach, gewesen zu sein. Religiöser Mittelpunkt dieser Gaugrafschaft scheint ein Flurstück namens Retschloh (d. h. Ruchesloh) bei Oberweimar sowie die dortige Martinskirche gewesen zu sein, auch dort wurde die Gerichtsbarkeit ausgeübt. Das Territorium der Gaugrafschaft reichte bis ins Amöneburger Becken und an den Vogelsberg und scheint ungefähr den Raum der späteren Lahn-Ohm-Grafschaft eingenommen zu haben.

Mittelalter

Etwa um 1238 wurde die heutige (spätromanische) Kirche erbaut.

In der Grafschaft Ruchesloh, die 1237 an das Erzstift Mainz gelangte, war Lohra Mittelpunkt eines Gerichts (Gerichte Lohr), das ungefähr den Verser Grund sowie Teile der heutigen Gemeinde Fronhausen umfasste. Allen verwertbaren zeitgenössischen Dokumenten zufolge setzte sich die Grafschaft Ruchesloh aus den Centen (Hundertschaftsbezirken) in den Gebieten um Amöneburg, Buseck, Ebsdorf, Gladenbach, Homberg/Ohm, Kirchberg (um Lollar), Kirtorf, Lohra, Londorf, Merlau und Reizberg (um Niederweimar) zusammen.

Die zwischen 1297 und 1307 von Landgraf Heinrich I. angelegte Innnenheege (Mittelhessische Landheegen / Landwehr (Befestigung)) folgte der Südgrenze des Gerichtes Lohra bis an die Lahn. Zwischen 1359 und 1374 baute Hessen zusätzlich die Außenheege. Diese Grenzsicherungen wurden zum Schutz gegen die kriegerischen Übergriffe der Grafen von Nassau auf hessisches Gebiet errichtet.

Im Jahre 1366 brannte der Graf von Nassau auf einem Rachefeldzug gegen den hessischen Landgrafen Lohra nieder. Die Dorfbevölkerung floh in die Wälder, die reichsten und angesehensten Dorfbewohner wurden von den Nassauern zusammen mit dem gesamten Vieh verschleppt, um sie dann für ein hohes Lösegeld wieder frei zu lassen.

Nach der Teilung der Landgrafschaft durch Philipp den Großmütigen 1567 unter seine Söhne kam Lohra zu Hessen-Marburg.

Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden durch Hessen zogen, brachen für die Dörfer der heutigen Gemeinde harte Zeiten an. Viele Bewohner flohen nach Marburg und fanden auf dem Marburger Landgrafenschloss Zuflucht, während ihre Dörfer von marodierenden Landsknechten geplündert wurden. Als 1648 der Westfälische Frieden den Dreißigjährigen Krieg beendete und auch der sog. Hessische Krieg zu Ende ging, kam der nördliche Teil Hessen-Marburgs, also auch Lohra, zu Hessen-Kassel.

Neuzeit

Zur Zeit des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 und der napoleonischen Epoche gehörte Lohra zunächst zum Kurfürstentum Hessen-Kassel, dann zum kurzlebigen Königreich Westphalen, und nach dessen Ende wieder zu Hessen-Kassel unter der Herrschaft von Kurfürst Wilhelm I.. Mit dem Niedergang des napoleonischen Kaiserreichs begann aber auch gleichzeitig der Aufstieg Preußens zur Hegemonialmacht in Deutschland. Im Deutschen Krieg von 1866 wurde Kurhessen, und damit die Dörfer der Gemeinde Lohra, von Preußen annektiert und mit dem ebenfalls einverleibten Nassau zur preußischen Provinz Hessen-Nassau umgewandelt.

Noch vor dem Ersten Weltkrieg bahnte sich für Lohra die Wandlung von der landwirtschaftlich geprägten Gemeinde zur Arbeiterwohngemeinde an, ein Prozess, der sich zwischen den beiden großen Kriegen fortsetzte. Die steinigen Ackerböden ergaben nicht mehr ausreichend Ertrag um die stetig anwachsende Bevölkerung zu ernähren, die Bewohner der Lohraer Ortschaften mussten sich weitere Erwerbstätigkeiten suchen. So fanden viele Frauen Arbeit in der Zigarrenfabrik Rinn & Cloos, die 1916 bzw. 1929 einen Fillialbetrieb in Lohra errichtete. Während der Wirren des 2. Weltkriegs wurde der Dammer Bahnhof am 12. September 1944 Ziel eines alliierten Fliegerangriffs, der 17 Menschen das Leben kostete. Auch Bomben fielen über Lohra, diese richteten jedoch keinen größeren Schaden an. Ende März 1945 stießen dann US-amerikanische Truppen durch das heutige Gemeindegebiet in Richtung Marburg vor. Durch die große Anzahl von Heimatvertriebenen aus den deutschen Ostgebieten stieg im Jahre 1946 die Einwohnerzahl übermäßig an, so dass die Flüchtlinge aufgrund mangelnden Wohnraums vorerst bei Einheimischen unterkamen.

In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts begann nach den Kriegswirren allmählich wieder Normalität Einzug zu halten, so auch in Lohra. Anlässlich der Ersterwähnung des Ortes im Jahre 752 wurde mit der 1200-Jahrfeier 1952 eines der ersten größeren Volksfeste in der Marburger Gegend nach dem 2. Weltkrieg begangen.

Seit den Gebietsreformen von 1972 und 1974 bilden die früher selbständigen Gemeinden Lohra, Damm, Nanz-Willershausen, Rodenhausen, Reimershausen, Kirchvers, Altenvers, Weipoltshausen, Rollshausen und Seelbach die heutige Großgemeinde Lohra mit dem Verwaltungssitz im gleichnamigen Ortsteil Lohra. Die Bildung der Großgemeinde ist somit als vorläufiger Höhepunkt eines geschichtlichen Prozesses zu sehen, der die historisch zusammengehörenden Orte im südwestlichen Zipfel des Marburger Landes nun auch auf administrativer Ebene vereinte. Dass die Großgemeinde Lohra heute als kommunale Gebietskörperschaft existiert war jedoch lange Zeit nicht selbstverständlich. Als in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts die vorher selbstständigen Ortschaften zu einer übergeordneten Großgemeinde zusammengefasst wurden, forcierten die Dörfer an Vers und Mittlau die Bildung einer eigenen Gemeinde, welche die Bezeichnung "Verstal" erhalten sollte. Die Ablehnung dieses Ansinnens durch die hessische Landesregierung und die Entscheidung Rodenhausens der Großgemeinde Lohra beizutreten, bewog nun auch die anderen Orte sich der neuzubildenden Gemeinde anzuschließen. Versuche von Seiten Kichvers' der benachbarten Gemeinde Biebertal beizutreten schlugen fehl, da deren Aufnahmebereitschaft mehr als gering war und die historische Verbindung mit Lohra ohnehin sehr viel größer gewesen ist.

Im Jahr 2002 beging Lohra den 1250. Jahrestag der Ersterwähnung mit einer Festwoche.

Politik

Bürgermeister

Seit April 2006 ist Georg Gaul (parteilos) Bürgermeister der Großgemeinde Lohra.

Gemeindevertretung

Die Kommunalwahl am 26. März 2006 lieferte folgendes Ergebnis:

Parteien und Wählergemeinschaften %
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 29,5 9 31,1 10
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 38,6 12 44,7 14
BfB Bündnis für Bürgernähe 26,9 8 18,2 5
FWG Freie Wählergemeinschaft 5,1 2 6,0 2
Gesamt 100,0 31 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 51,5 58,6

Wappen

Das Wappen, das die Gemeinde im Zuge der 1200-Jahrfeier 1952 erhalten hat, zeigt im geteilten Schild: oben im goldenen (gelben) mit blauen Schindeln bestreuten Feld, einen wachsenden blauen Löwen; unten im blauen Feld ein goldenes durchgehendes Schrägkreuz, von zwölf goldenen Kreuzchen bewinkelt.

Der Löwe steht für die Grafen von Solms, das Schrägkreuz, in geänderter Farbgebung, für die Herren von Merenberg.

Partnerschaften

Die Gemeinde Lohra unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu:

Wirtschaft, Infrastruktur & Verkehr

Wirtschaft

Die Gemeinde Lohra ist Standort vieler Handwerksbetriebe und mittelständischer Unternehmen. Die Landwirtschaft wird mit Ausnahmen allenfalls als Nebenerwerbstätigkeit ausgeübt und verliert immer mehr an ihrer schon jetzt geringen Bedeutung für den Lohnerwerb. Im Jahr 2006 haben sich Personen aus allen wirtschaftlichen Bereichen der Großgemeinde Lohra zum sog. "Wirtschaftsforum Lohra 2020" zusammengeschlossen, um erhöhte Lebensqualität, eine verbesserte Infrastruktur, mehr Zusammenleben und Vernetzung zu erzielen und somit auch aussichtsreichere Zukunftsperspektiven für die Gemeinde Lohra zu schaffen.

Gemeinsam mit der Stadt Gladenbach und der Gemeinde Bad Endbach unterhält die Gemeinde den Interkommunalen Gewerbepark Salzbödetal (IGS) zwischen Lohra und dem Gladenbacher Ortsteil Mornshausen, dessen Errichtung zudem vom Land Hessen mit finanziellen Mitteln unterstützt wurde. Der Spatenstich erfolgte am 5. Februar 2002.

Verkehr

Durch das nördliche Gemeindegebiet verläuft die Bundesstraße 255 zwischen Marburg und Herborn. Die durch die Gemeinde führende Aar-Salzböde-Bahn zwischen Niederwalgern und Herborn wurde zwischenzeitlich stillgelegt.

Die Schienen der stillgelegten Bahnstrecke wurden Anfang 2006 unter mysteriösen Umständen demontiert und teilweise abtransportiert. Die Täter des illegalen Abbaus wurden ermittelt und sehen ihrer Strafe entgegen.

Seit dem 10. August 2005 gibt es in Lohra ein bundesweit einzigartiges Funk-W-DSL-Verfahren, durch das auch umliegende Gemeinden versorgt werden.

Bildung

In den drei größten Orten der Gemeinde, Lohra, Kirchvers und Altenvers ist jeweils ein Kindergarten vorhanden. Die Kindergärten in Lohra und Kirchvers werden von der Ev. Kirche Kurhessen-Waldeck unterhalten, während die Gemeinde Lohra Träger des Altenverser Kindergartens ist.

Zudem verfügt die Gemeinde über eine Grundschule. Weiterführende Schulen wie Gymnasien, Realschulen und Hauptschulen befinden sich in Marburg, Niederwalgern, Gladenbach, Biebertal und Gießen.

Studienangebote kann man im näheren Umkreis an den Universitäten und Fachhochschulen in Marburg, Gießen, Kassel und Frankfurt wahrnehmen.


Tradition & Kultur

Ortsspitznamen

Innerhalb des Gebiets der Großgemeinde haben sich im Laufe der Zeit für die einzelnen Ortschaften Spitznamen herausgebildet. In der Regel erzählt man sich mehrere, voneinander abweichende schwankhafte Geschichten, die die Dorfspitznamen erklären. Häufig ist der Ursprung der Necknamen aber nicht mehr bekannt.

Dialekt

In den Ortschaften der Großgemeinde werden Varianten des Oberhessischen gesprochen, die sich jedoch von Dorf zu Dorf wieder in Einzelheiten unterscheiden. Als linguistische Einheiten lassen sich die Kirchspiele Lohra (mit Damm und Nanz-Willershausen), Altenvers (mit Reimershausen, Rollshausen und Seelbach) und Kirchvers (mit Rodenhausen und Weipoltshausen) erfassen, in denen zumeist die selbe Mundart gebraucht wird.

Traditionelle Küche

Typische Lohraer Gerichte entstammen der einfachen hessischen Küche, werden jedoch heutzutage kaum noch zubereitet. Gerichte wie Möhrengemüse (Miehrngemuis), Himmel und Erde (Himmel ean Eard) oder Struppch standen in früheren Zeiten sehr häufig auf dem Speiseplan der Dorfbewohner. Bei Hausschlachtungen wurden dann die traditionellen Wurstsorten, Stracke und Rote (Ruure Worscht), hergestellt.

Heimatlied

Anlässlich der 1200-Jahrfeier 1952 zur Ersterwähnung des Dorfes im Jahre 752, dem ersten größeren Volksfest nach dem 2. Weltkrieg in der Marburger Gegend, wurde das Heimatlied Lohra über'm Wiesengrund von Dr. Reinhard Ide komponiert. Der Text stammt von Wilhelm Ide:

1. Dunkle Berge, lichte Fluren, bachumglänzter Waldessaum!
Auf der Kindheit goldnen Spuren schreit ich wie in sel'gem Traum: 
Helle Giebel seh ich ragen, festgefügt und kerngesund, 
Kraftgebälk aus Vätertagen - Lohra überm Wiesengrund.

2. Tausend Jahre sind entschwunden, Jahre voller Lust und Leid. 
Tausend Jahre sind Sekunden vor dem Herrn der Ewigkeit. 
Seit der Pflug zum ersten Male Furchen zog durchs braune Land, 
hielt er über unserm Tale segnend seine Vaterhand.
 
3. Heimatkirche, dein Geläute folgt mir nach von Ort zu Ort. 
Seit Jahrhunderten wie heute mahnt es wie ein Vaterwort. 
Fremde zauberische Lieder locken in die Welt hinein. 
Immer wieder, immer wieder klingt die Heimatglocke drein. 

4. Schutzbereit wie Mutterhände hebt die Linde ihr Geäst. 
Fahrtenglück ist schnell zu Ende, in der Heimat steh ich fest.- 
Jugendgold auf stillen Gassen, Hoffnungsgrün in weiter Rund.- 
Nie soll mir dein Bild verblassen; Lohra überm Wiesengrund!

Töchter und Söhne der Gemeinde

Literatur

 Commons: Lohra – Bilder, Videos und Audiodateien