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Osternacht

Die Osternacht, die Nacht vom Karsamstag auf den Ostersonntag, ist im Liturgischen Jahr der christlichen Konfessionen die „Nacht der Nächte“: eine Nacht der Wache zum Gedenken der Auferstehung Jesu Christi von den Toten und damit die Nacht des Durchgangs aus dem Tod ins Leben.

In den Kirchen Mitteleuropas wird der Karsamstag vorwiegend still begangen, mündet aber in den feierlichen Gottesdienst der Osternacht. Die Feier beginnt bei den Römischen-Katholiken und der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche meist zwischen 20 und 23 Uhr oder um 5 Uhr, evangelische Gemeinden begehen sie teilweise erst am Morgen des Ostersonntags.
In einer wachsenden Zahl von Pfarrgemeinden beginnt der Gottesdienst nicht abends oder nachts, sondern vor der Morgendämmerung – wie es aus den Evangelien hervorgeht – und endet mit einem gemeinsamen, festlichen Frühstück oder einer Agape.

Daneben gibt es auch die Form der „Vollvigil“, bei der am Anfang der Nacht die Lichtfeier steht, über die Nacht die Lesungen mit ihren Antwortgesängen und Orationen mit langen Zeiten der Stille verteilt werden und gegen Morgen die Feier mit dem Gloria fortgesetzt wird. In diesem Fall wird sich die feiernde Gemeinde zu Beginn komplett versammeln, während der Lesungen in „Schichten“ anwesend sein und dann zum Gloria wieder vollständig weiterfeiern. Mit dieser Form der Vollvigil hat die Lichtfeier ihren sinnvollen Platz am Beginn der Nacht, die Lesungen während der Nacht gestalten die Zeit des Wartens, und die gemeinsame Feier von Gloria, Osterlesungen, Taufen und Eucharistiefeier im Morgengrauen berücksichtigen die Zeitangaben der Oster-Evangelien.

Inhaltsverzeichnis

Die Feier in der römisch-katholischen Kirche

Im Römischen Ritus (Normalform)

In der römisch-katholischen Kirche wird die Osternacht mit einer feierlichen Liturgie begangen, die den Durchgang durch den Tod zum Leben sakramental nachvollzieht. Die Osternacht ist der Höhepunkt der drei österlichen Tage vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung des Herrn. Dieses Österliche Triduum beginnt am Gründonnerstag mit der Messe vom Letzten Abendmahl, setzt sich fort in der Karfreitagsliturgie, dem gemeindlichen sowie privaten Gebet am Karsamstag und findet ihren Höhepunkt in der Feier der Osternacht. In ihr erwartet die Kirche in nächtlicher Wache die Auferstehung Christi und feiert diese mit den Sakramenten der Eingliederung (lat. initiatio) in Christus und die Kirche: Taufe, Firmung und Eucharistie. Die Feier gliedert sich demnach in die zwei Phasen der Erwartung und der Festfreude. Das nächtliche Wachen bringt auch die Erwartung der Wiederkunft Christi zum Ausdruck.

Die Feier der Osternacht welche frühestens am Karsamstag Abend um 21 Uhr, spätestens jedoch am Ostersonntag um 5 Uhr in der Früh beginnen muß, umfasst vier Teile:

Die eröffnende Lichtfeier beginnt außerhalb der Kirche beim zu segnenden neuen Osterfeuer, an dem die Osterkerze mit den Worten angezündet wird: „Christus ist glorreich auferstanden vom Tod. Sein Licht vertreibe das Dunkel der Herzen.“[1] Üblich ist auch, dass die Kerze mit einem Kreuz, einem Alpha und Omega (Symbol für Christus) und der jeweiligen Jahreszahl bezeichnet wird. In das Kreuz können fünf Weihrauchkörner eingefügt werden. Dazu wird gesprochen: „Christus, gestern und heute, Anfang und Ende, Alpha und Omega. Sein ist die Zeit und die Ewigkeit. Sein ist die Macht und die Herrlichkeit in alle Ewigkeit. Amen. Durch seine heiligen Wunden, die leuchten in Herrlichkeit, behüte uns und bewahre uns Christus, der Herr. Amen.“[2] Angeführt von der brennenden Osterkerze ziehen die Gläubigen dann in feierlicher Prozession in die sonst dunkle Kirche ein. An drei Stellen, für gewöhnlich vor der Kirche, in ihrem Eingangsbereich und vor dem Altar, bleibt der Zug stehen und stimmt (durch den Diakon, einen Priester) oder einen Kantor, jeweils den Ruf „Lumen Christi“ („Licht Christi“) an, auf welchen die Gläubigen mit „Deo gratias“ („Dank sei Gott“) antworten. Beim Einzug in die Kirche oder nach dem dritten „Lumen Christi“ verteilt man das Licht der Osterkerze auf die Kerzen, die alle in Händen tragen. Im Altarraum angekommen, setzt der Diakon bzw. Priester die Kerze auf ihren Leuchter, und er (oder der Kantor) stimmt das „Osterlob“ (Exsultet) an, ein lobpreisendes Gebet über die Osterkerze und die Osternacht. Dies ist der Höhepunkt und der Abschluss der einleitenden Lichtfeier.

Im Wortgottesdienst werden Schriftlesungen über die Großtaten der Heilsgeschichte vorgetragen. Die Teilnehmer hören zunächst in ruhiger Betrachtung (bis zu) sieben Lesungen aus dem Alten Testament. Einer jeden folgen der Antwortpsalm und ein Gebet. Die wichtigste alttestamentliche Lesung ist der Bericht vom Exodus, dem Durchzug der Israeliten durch das Rote Meer aus der Sklaverei Ägyptens in die Freiheit. Er wird als Vorbild der Befreiung durch die christliche Taufe verstanden. Nach den Lesungen des Alten Testaments wird unter Orgelspiel und dem Läuten sämtlicher Glocken inner- und außerhalb der Kirche feierlich das Gloria gesungen; es ist das erste Mal seit dem Gloria am Gründonnerstag, dass die Glocken wieder läuten und die Orgel wieder spielt. Es folgen das Tagesgebet der Meßfeier und die Epistel, eine Lesung aus dem Römerbrief des Paulus über die Taufe als Eingliederung in Christus. Als Ruf vor dem Evangelium ertönt dann zum ersten Mal seit dem Aschermittwoch – nach 46 Tagen – wieder das Halleluja, welches, häufig in einer nur in der Osternacht gesungenen feierlichen Melodie (GL 209,4), vom Priester angestimmt und vom Volk wiederholt wird. An Ostern und in der Osterzeit wird es in dreifacher Ausführung gesungen. Es folgen die Verkündigung des Evangeliums von der Auferstehung des Herrn und die Auslegung in der Homilie.

Daran schließt sich unmittelbar die Tauffeier an, die mit der Allerheiligenlitanei eröffnet wird. Es wird das Taufwasser geweiht oder, falls es weder Taufe noch Taufbrunnen gibt, zum Taufgedächtnis Osterwasser gesegnet. Soweit Katechumenen vorhanden sind, die sich in den Wochen der Fastenzeit auf ihre Taufe vorbereitet haben, bekennen diese (bei Säuglingen deren Eltern und Paten) ihren eigenen Glauben und werden durch Untertauchen oder Übergießen getauft. Wenn die Neugetauften keine Säuglinge sind, folgt sofort das zweite Eingliederungssakrament: die Firmung. In die Taufliturgie werden alle Gläubigen einbezogen: Sie erneuern mit brennenden Kerzen in den Händen ihr Taufbekenntnis und werden anschließend mit dem soeben gesegneten Wasser besprengt. So werden sie an ihre eigene Taufe erinnert. Nach der Feier ist es üblich, die Weihwasserbecken an den Kircheneingängen mit dem Taufwasser zu füllen. Auch die Gläubigen können etwas von dem Taufwasser/Osterwasser für den Gebrauch zu Hause und auf dem Friedhof mitnehmen.

Den Höhepunkt der Osternachtfeier bildet die Eucharistiefeier, die nach den Fürbitten mit der Gabenbereitung eingeleitet wird. Mancherorts bringen die Neugetauften oder bei Kleinkindern deren Angehörigen die Gaben zum Altar; dies können aber auch wie sonst die Ministranten oder andere Gemeindemitglieder tun, häufig auch hier jedoch in besonders feierlicher Prozession. Für die Kommunion empfiehlt die Gottesdienstkongregation: „Es ist angebracht, der Kommunion in der Osternacht die Fülle des eucharistischen Zeichens zu geben, indem man sie unter den Gestalten von Brot und Wein reicht.“ (Siehe auch: Kelchkommunion).

Die Segnung der Osterspeisen (Osterschinken, Brot, Salz, Eier, Meerrettich, süßer Osterfladen und Apfel) und der ganzen Gemeinde lässt diesen feierlichen und frohen Gottesdienst ausklingen. Vielerorts schließt sich an die Liturgie ein gemeinsames Ostermahl (oder bei morgendlicher Feier ein festliches Frühstück) an, in dem die alte Tradition der Agape weiterleben soll. Das Teilen der Ostereier bzw. das „Eierpecken“ ist ebenfalls Teil der volkstümlichen Osterbräuche.

Nach dem Usus antiquior (Sonderform)

Aufgrund der zunehmenden Säuglingstaufe wurde die Osternachtsfeier bereits im Spätmittelalter auf dem Karsamstag-Nachmittag bzw. -Vormittag vorgezogen. Obwohl nie abgeschafft, genoss sie später nur noch eine geringe Popularität.

Die Feier der Osternacht wurde durch Papst Pius XII. 1951/56 reformiert, ihre frühere sog. tridentinische Gestalt damit abgeschafft. Die Feier der Osternacht nach dem Missale Romanum von 1962 unterscheidet sich nur unwesentlich von der heutigen Normalform und wird nur von den wenigen altritualistischen Orden und ordensähnlichen Gemeinschaften verwendet, und zwar ausschließlich „in ihren eigenen Kapellen“ (in oratoriis propriis; vgl. Summorum Pontificum).

Die Feier der Osternacht in den Evangelisch-Lutherischen Kirchen

Die Osternachtfeier in den evangelisch-lutherischen Kirchen ist meist ähnlich strukturiert, wird aber nicht mit der gleichen Verbreitung gefeiert und weist viele Varianten im Detail auf. Die frühe lutherische Kirche hat die Osternacht noch häufig gefeiert. Es wurden dabei alle Stücke aus der Feier ausgeschieden, die den alten Kern bildeten, aber als unevangelisch gelten, so die Segnung des Feuers, die Kerzenweihe, die Wasserweihe und die Anrufung der Heiligen. An diese Stelle trat die vollständige Lesung des Osterevangeliums. Während man für den Vortrag der Passionsgeschichte die alten, vorreformatorischen Töne übernahm, gab es für das Osterevangelium keine Vorbilder. So schuf man eine neue, festliche Tonfolge - oder wie man im liturgischen Sprachgebrauch sagt - einen neuen Ton. So war die alte Feier der Osternacht in neuer Form in die lutherische Kirche zurückgekehrt; wobei das Neue gleichzeitig das Alte war, denn mindestens bis ins 5. Jahrhundert war die Lesung der Ostergeschichte zentraler Bestandteil der Osternachtsfeier gewesen. Im 20. Jahrhundert gab es verstärkt Bemühungen, die weitgehend vergessene Feier der evangelischen Osternacht wieder zu beleben. Nach guten Ergebnissen, vor allem im hannoverschen Raum seit den 30er Jahren (also weit früher als die Neuordnung der Osternacht in der römisch-katholischen Kirche 1951), wurden Vorschläge zum Ablauf solcher Feiern veröffentlicht, die sehr schnell aufgenommen wurden. Die bis dahin den meisten Menschen unbekannte Art des Gottesdienstes verbreitete sich schnell und ist in vielen evangelischen Gemeinden schon zur Tradition geworden. Das Grundgerüst der evangelischen Osternachtfeier ist der vorreformatorischen Tradition entlehnt. So finden sich vom Ruf "Christus ist das Licht" über die prophetischen Lesungen bis zu Taufe und Abendmahl alle Elemente der "klassischen Osternacht". Die Feier wird ggfs. erweitert um weitere Lesungen, um Musik verschiedenster Ausrichtungen (Gregorianik, Chor, Orgel, Gongs, Klavier aber auch schlicht Stille). Den Abschluss bildet dann die Feier des Abendmahls. In einigen Gemeinden ist es üblich geworden, dass in ein gemeinsames Frühstück angeboten wird.

Ablauf:

Die Feier in den orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen

Die orthodoxen Kirchen gehen bei der Osternacht so vor: Zuerst findet die Mitternachtsmesse statt (griechisch Μεσονύκτικον/Mesonytikon, Kirchenslawisch Полуношница/Polúnoshnitsa. Danach (genau um Mitternacht) werden in der Kirche alle Lichter ausgemacht und das "Heilige Feuer" wird an die Gläubigen verteilt und die Glocken läuten ununterbrochen während das Troparion gesungen wird. Oft wird der orthodoxe Ostergruß (griechisch Χριστός Ανέστη. Αληθώς Ανέστη! Zu deutsch: Christus ist auferstanden. Wahrlich er ist auferstanden!) wiederholt. Es wird weiterhin noch gebetet und zum Abschluss wird die Messe beendet.

Das heilige Feuer in der Grabeskirche

Im Zusammenhang mit den orthodoxen Osternachtsfeierlichkeiten in Jerusalem tritt das Phänomen des Heiligen Feuers auf, von dessen Existenz schon seit dem achten Jahrhundert berichtet wird. Danach sorgten die Tempelritter und die Kreuzzügler für seine Kunde im europäischen Raum. Der russische Priester Daniel beschreibt das "Wunder des heiligen Feuers" und die es umrahmenden Zeremonien sehr detailliert in seiner Reisebeschreibung aus den Jahren 1106/07. In unseren Breiten ist dieses Vorkommnis heutzutage fast völlig unbekannt. Während der Osternacht entzündet sich in der Grabeskapelle in der Grabeskirche eine Kerze in der Hand des orthodoxen Patriarchen von selbst und ohne Fremdeinwirken. Von dem Priester wird das Phänomen als Lichtsäule über der Grabesplatte beschrieben, an der sich an einer bestimmten Stelle eine Kerze enzünden lässt. Diese Flamme wird in der Kirche nun von dem Priester nach Verlassen des Grabes an die Gläubigen weitergereicht. Viele Kerzen oder Öllampen sollen sich allerdings auch von selbst entzünden, nachdem die Lichterscheinung in der Kapelle aufgetreten ist. So ist nicht nur die Zeugenschaft dieser Erscheinung auf die Priesterschaft beschränkt sondern von zahlreichen Besuchern der Messen, die das ebenso feststellen können. Das Feuer selbst soll die Eigenschaft haben, keine Verbrennungen hervorzurufen. Eine Scharlatanerie oder sonstige Tricks sollen durch die vorherige amtliche Versiegelung des Grabes und einer Untersuchung des Priesters vor Betreten ausgeschlossen werden. Man folgt auch hier einer alten Tradition nach der die Römer das Grab Jesu nach seiner Grablegung ebenfalls versiegelten um zu verhindern, dass der Leichnam gestohlen und so der Behauptung entgegengetreten wird, Jesus sei von den Toten auferstanden. Denn schon vor seinem Tod war die Prophetzeihung bekannt, der Erlöser werde auferstehen wo von allerdings wohl nicht einmal seine unmittelbarere Anhängerschaft, die Apostel selbst, ausgingen, da sie sich zu diesem Zeitpunkt vor Angst, sie könnten ebenfalls verhaftet werden, noch versteckt hielten. Ein Ereignis jedoch muss den plötzlichen Wandel dieser Todesangst zu vollkommenem euphorischem Lebensmut ausgelöst haben. Für einen Nichtchristen, der den Auferstehungsgedanken ablehnt, muss dieser Wandel völlig rätselhaft erscheinen. (Meinardus Otto: The ceremony of the Holy Fire in the Middle Ages and today. Bulletin de la Societe d`Archeologie Copte, 16, 1961-2.242-253 - Klameth, Dr. Gustav. Das Karsamstagfeuerwunder der heiligen Grabeskirche.Wien,1913).


Siehe auch

Literatur

Quellen

  1. Vgl. Karl-Heinrich Bieritz. Das Kirchenjahr, München 1991, S. 118.
  2. Vgl. ebd.